Donnerstag, 31. Dezember 2020

William Meikle: Das Amulett (Rezension)

Der Privatdetektiv Derek Adams wird von einer unbekannten Schönen beauftragt, nach einem gestohlenen Amulett zu suchen. Adams willigt ein. Damit beginnt seine Albtraumfahrt durch das Reich des Grauens.
Raymond Chandler trifft auf H. P. Lovecraft.
Ein düsterer Noir-Krimi.
H. P. Lovecrafts Schriften des Grauens sind eine im BLITZ-Verlag erschienene Reihe mit Romanen/Kurzgeschichten internationaler Autoren mit Anlehnung an H. P. Lovecrafts Cthulhu-Mythos. Inzwischen sind 15 Bände erschienen.
Das Amulett von William Meikle ist der erste Band. Und für mich stellte er eine Enttäuschung dar. Abgesehen davon, dass ich mir mehr erwartet habe konnte mich die Handlung nicht überzeugen und der Lovecraft-Flair wurde auch nicht übermittelt.
Es ist ein passabler Krimi/Thriller mit Horror-Elementen, bot mir aber nur durchschnittliche Unterhaltung. Spannung: Mittelmäßig. Horror: Nicht vorhanden.
Das Cover überzeugt, die Handlung weniger.
Kann man lesen, muss man aber nicht.
Wer Raymond Chandler oder Lovecraft mag, der sollte sich an die Originale halten (auch wenn bei Chandler keine Monster oder Große Alte auftauchen)

Natürlich ist nicht überall wo Lovecraft draufsteht Lovecraft drinnen, aber es gibt Autoren, die es besser vermögen das Flair der großen Alten dem Leser nahe zu bringen, genau so (manchmal auch besser oder anders) wie der Altmeister. Natürlich gibt es auch Schlechtere aber Das Amulett gehört in die Kategorie Bücher, die man nicht lesen muss. Man versäumt nichts.

Mittwoch, 30. Dezember 2020

Karsten Zingsheim: Leroy Phoenix - Über Luft und Schatten (Rezension)

Schwarzmagische Ritualmorde halten die übersinnliche Gesellschaft von London in Atem. Der Luftelementarist Leroy Phoenix wird vom Hohen Rat beauftragt, alles in seiner Macht stehende zu unternehmen, um den Übeltäter zu finden. Doch je tiefer er gräbt, desto undurchdringlicher wird das Dickicht der Intrigen und desto weiter muss er die Grenzen seiner eigenen Moralvorstellungen dehnen.
Die Grenze zwischen Freund und Feind verwischt zunehmend. Letztendlich stellt sich eine entscheidende Frage: Wie sehr darf er sich selbst verlieren, um seinen Hals aus der Schlinge einer tödlichen Intrige zu ziehen?
Leroy Phoenix ist unterhaltsame Urban Fantasy. Spannend, mysteriös, ein London, vertraut und nicht ganz so vertraut und allerlei interessante Kreaturen. Gewürzt wird das ganze mit Magie, Humor und einer Handlung, die es schafft den Leser von beginn bis Ende zu fesseln und auch mit der einen oder anderen unerwarteten Überraschung aufwarten kann. 
Fast schon liebenswert muss man die Ausarbeitung diverser Charaktere (ob menschlich oder nicht) nennen und man wird gierig auf einen Folgeband hoffen.

Leroy Phoenix hat alles was den Urbanfantasyfan begeistert (vielleicht auch eine sich anbahnende Romance, aber meist ist es eher Sex ...).
Es wäre schade, wenn man von diesem sympathischen Charakter und seinen Freunden (Vampiren, Käuzen, Rattenmenschen ....) nichts mehr lesen würde.

Dienstag, 29. Dezember 2020

Gruselkabinett ... noch mehr Lovecraft

Ich habe mir weitere Hörspiele aus der Gruselkabinettreihe angehört:
Diesmal sind es nur Einteiler (Dauer ca. 60 Minuten) aber nicht weniger gut inszeniert als die von mir bisher gehörten Zweiteiler.
An die Geschichten Kalte Luft und Das gemiedene Haus konnte ich mich nicht erinnern, ich dachte eigentlich bereits alles von Lovecraft gelesen zu haben, aber entweder ich habe diese Geschichten tatsächlich nicht gelesen, oder ich habe es vergessen. Dabei sind beide Geschichten ziemlich gut (inzwischen habe ich sie gelesen, dazu aber an einem anderen Tag mehr) und (natürlich) hier auch gut in Szene gesetzt.
Zur Gruselkabinett-Reihe (bzw. den Lovecraft-Vertonungen dieser Reihe, die ich, soweit ich weiß jetzt alle kenne, soweit sie veröffentlicht wurden) habe ich eigentlich bereits alles gesagt. Ich kann nicht sagen, dass es einen Ausrutscher nach unten gibt.
Überzeugen konnten mich alle (wobei mein Lieblingshörspiel immer noch DIE BERGE DES WAHNSINNS sind, weil es etwas anders umgesetzt wurde als der Rest der Geschichten, es ist actionreicher und basiert weniger auf Erzählungen ... allerdings geht durch die Umsetzung der Hörspiele auch nichts vom Lovecraftflair verloren)

Für Hörspiel- und Lovecraftfans eine eindeutige Empfehlung und für Horrorfans eine leichte Methode an das Thema Lovecraft und seine Art heranzukommen.

Montag, 28. Dezember 2020

Manuel Neff/Sophie Lang: Element High - Die Aufnahmeprüfung (Rezension)

Element High - Die Schule der magischen Kinder 
Eine Schule, an der neben Elementarmagie auch Fächer wie Untiere, Botanik, magische Sprachen und Glück unterrichtet werden. Im ersten Zauberjahr wird jedes Kind anhand seines Namens einem Element zugeordnet. Erde, Wasser, Feuer oder Luft. Danach beginnt die Ausbildung zum Magier. 
Philip, ein magisches Kind aus Deutschland, muss seine persönliche Aufnahmeprüfung bestehen. Schon bald nachdem Philip mit seinem magischen Schlüssel die Schwelle zur Element High überschreitet, erfährt er, dass er besonders ist. Er ist ein Magier des sechsten Elements. Aufgrund seiner Gabe soll er dabei helfen, die seltsamen Vorfälle an der Schule aufzuklären. Als sich die Ereignisse plötzlich überschlagen, geraten Philip und seine Freunde in höchste Gefahr. Werden sie zusammen den Bösewicht entlarven und wird Philip seine persönliche Aufnahmeprüfung bestehen? Denn nur dann darf er an der Element High bleiben. Falls nicht, werden ihm alle Erinnerungen genommen und die Ausbildung zum Magier ist für immer und ewig beendet.
Niemand kann (oder will) das Rad neu erfinden und gleiches kann man wohl auch in der Literatur behaupten. Vieles wurde bereits schon geschrieben und vieles wird auch in Zukunft noch geschrieben werden, obwohl man es in ähnlicher Form bereits aus der Vergangenheit kennt. 
Und so könnte man z. B. auch bei Element High Vergleiche zur erfolgreichen Harry-Potter-Reihe anstellen, aber das wäre ungerecht, da auch J. K. Rowling das Rad nicht neu erfunden hat.
Element High ist eine Serie, die vielen anderen auch ähnelt: Kinder in einer Schule mit Magie. Also? Was ist das besondere an dieser neuen Reihe?
Es geht um Elementaristen (könnte man so sagen) und jeder davon hat seine eigenen Fähigkeiten. Es gibt nette Schüler und weniger nette, eine Parallelwelt (in der sich die magische Schule befindet, was zu einigen interessanten Phänomenen in Bezug auf Zeit führt) und es gibt mehr Elemente als man denken mag. Dazu kommen lustige Ideen, was die Zuordnung der Schüler zu ihren Elementen anbelangt und und und....
Hinzu kommen internationale Protagonisten (Zaubern kann jeder), lustige Wortgefechte und spannende Szenen. Ruhig wird es selten und das ist genau das, was man von einem Buch dieser Art erwarten darf. Es soll nicht langweilig werden und das wird es auch nicht. 
Wer Harry Potter mochte, wird auch an Element High seinen Spaß haben. Parallelen existieren, was sich nicht vermeiden lässt, aber die Reihe geht ihren eigenen Weg ... und dieser ist es wert weiter verfolgt zu werden.

Sonntag, 27. Dezember 2020

The Lovecraft 5 (Rezension)


Willkommen im Club der Lovecraft 5! Tauchen Sie mit den Freunden Charles, Herbert, Warren, Edward und Richard ein in die düstere Atmosphäre Neuenglands. Dort, wo in rätselhaften Geschichten das Grauen H.P. Lovecrafts zu neuem, unheimlichem Leben erweckt wird...
Lovecraft-Hörspiele einmal anders ...
Ähnlich wie in den Chroniken des Grauens handelt es sich nicht um reine Nacherzählungen der Bücher wie es beim Gruselkabinett der Fall ist. Es wird aber auch keine Neuinterpretation der Geschichten.
Eine Gruppe von Freunden trifft sich und einer von ihn erzählt eine Geschichte.
Der Name Lovecraft (5) wird jedoch nie erwähnt.

Samstag, 26. Dezember 2020

Amy Myers: Das Varieté des Todes (Rezension)

Kent, 1926: Lady Ansleys alte Theatergruppe kommt für eine kleine Aufführung wieder auf Wychbourne Court zusammen. Chefköchin Nell Drury weiß, dass Lady Ansley nicht nur wegen der Reaktion ihrer Gäste nervös ist. Unter den schillernden Schauspielern entstehen schnell neue Spannungen und alte Konflikte. Bald werden längst vergrabene Erinnerungen aufgewühlt: Was geschah mit Mary Ann Darling, der jungen Varietee-Schauspielerin, die vor dreißig Jahren verschwand? Die Vorstellung neigt sich dem Ende zu, doch das wirkliche Drama beginnt gerade erst ...
Der zweite Teil der Nell Drury Reihe ...
Der Tanz mit dem Tod konnte mich ja nicht ganz überzeugen, aber ich hatte Das Varieté des Todes als Rezensionsexemplar angefragt bevor ich den ersten Teil der Reihe gelesen habe. Sonst würde es diese Rezension nicht geben. 
Aber der zweite Teil ist tatsächlich unterhaltsamer als der Vorgänger. Amy Myers ist zwar nach wie vor kein Highlight unter den historischen Krimis gelungen, aber sie bietet nette, kurzweilige Unterhaltung. Und die Geister (die auch diesmal eine Rolle spielen) sorgen dafür, dass die Krimis mit Köchin Nelly Drury sich von anderen Krimis dieser Epoche unterscheiden. 
Man muss aber auch sagen, dass die Reihe noch ausbaufähig ist. Genug Potential (auch dank der Geister) ist vorhanden. 
Wie auch beim Tanz mit dem Tod hätten die Charaktere besser ausgearbeitet und beschrieben werden können. Es gibt von ihnen zu viele und einige davon bleiben eher schemenhaft. Man hätte sie auch einfach totschweigen können, für die Handlung oder die Atmosphäre waren sie nicht nötig.
Es gibt zwar ein Verzeichnis der auftauchenden Personen aber ich bin es noch nicht sehr gewohnt in einem ebook hin und her zu blättern.

Ausbaufähig, aber eine Steigerung zu Teil eins. Ich denke, ich werde die Reihe noch weiter verfolgen, aber ... wenn die Geister nicht wären, wäre Das Varieté des Todes nicht ganz so interessant.
Ganz nette Unterhaltung für zwischendurch. Muss aber nicht zwingend gelesen werden... denn gerade auf dem Gebiet der Cosy Krimis gibt es Besseres (aber auch schlechteres, aber auf jeden Fall: Zu viel)

Freitag, 25. Dezember 2020

H. P. Lovecraft: Die Ratten im Gemäuer (Rezension)

Eine Armee unsichtbarer Ratten sucht einen Herrenhaus-Besitzer heim. Doch das Gebäude seiner Ahnen birgt ein furchtbar erschreckendes Geheimnis!
Klingt nicht sonderlich innovativ (auch vom Titel her nicht), eine klassische Horrorgeschichte mit Ratten ...
Aber die Erzählweise von Die Ratten im Gemäuer ist typisch Lovecraft und bietet aus Andeutungen leicht steigernden Horror.
In diesem Fall habe ich mir das Hörbuch angehört und dem Sprecher/Vorleser gelingt es, den schleichenden Horror der Geschichte dem Zuhörer bedrohlich nahe zu bringen. 
Lutz Riedel ist seit den 1970er-Jahren als Synchronsprecher tätig, vor allem als deutscher Stammsprecher von Timothy Dalton und Tom Wilkinson. Auch Hörbuch- und -spielerfahrung kann der Sprecher vorweisen. 

Wer keine Lust hat Lovecraft zu lesen, sollte ihn hören .... aber: Zum Einschlafen höchst ungeeignet

Donnerstag, 24. Dezember 2020

C. J. Knittel: Tonkari - Der lange Marsch (Rezension)

Horkai und seine Gefährten sind auf dem Weg nach Sarasien, um die dortige Tierwelt zu erforschen. Auf dem Weg in den hohen Norden wird ihr Zug von Heckenräubern überfallen und nur durch die Hilfe der Tonkari überlebt Horkai. Gemeinsam mit zwei ihrer Jäger begibt er sich auf den monatelangen Rückweg nach Hause. Seine Gemahlin erhält inzwischen die Nachricht von seinem Tod.
Der lange Marsch ist der zweite Roman aus der Welt der Tonkari, aber unabhängig von Das Herz des Greifen. Das Buch bietet neue Aspekte zu den Beziehungen von Tonkari und Menschen und auch über die Gesellschaft der Tonkari erfährt man mehr. Der Weltenbau wird stetig vorangetrieben und wirkt sehr realistisch. Ich bin gespannt was man noch alles erfahren kann.
Horkai und seine Tonkari-Freunde werden gut dargestellt, ihre Charakterentwicklung ist nachvollziehbar und bleibt realistisch. Auch wenn man es vermuten möchte (bei Romanen mit ähnlicher Handlung ist das oft der Fall) wird aus Horkai kein "Superheld". Seine Erlebnisse prägen ihn und sorgen für die Festigung seines Charakters, aber es bleibt realistisch.

Dienstag, 22. Dezember 2020

H. P. Lovecraft: Necronomicon (Rezension)

Vierter Band (von 6) der GESAMMELTEN WERKE von H. P. Lovecraft. Inhalt:
Stadt ohne Namen
Das Fest
Das gemiedene Haus
In den Mauern von Eryx
Gefangen bei den Pharaonen
Berge des Wahnsinns
Die neue Auflage hat einen Schutzumschlag in Lederoptik.
Natürlich handelt es sich hierbei nicht um das echte Necronomikon, das könnte ich nicht rezensieren ohne wahnsinnig zu werden, aber zu meinem Glück hatte ich auch noch nicht das zweifelhafte Vergnügen ein echtes Buch des Abdul Alhazred in Händen zu halten. 
Dieses Necronomikon enthält einige Geschichten von H. P. Lovecraft und ist Teil einer sehr schön aufgemachten Reihe, die im FESTA-Verlag erschienen ist. 
Dabei handelt es sich banal gesagt um Horrorgeschichten, allerdings mit dem bekannten (und ungewöhnlichen) Lovecraft-Touch, die natürlich auch "Ausflüge" zu den Wesenheiten des Cthulhu-Mythos machen.
Neben Berge des Wahnsinns (eine Geschichte, die tatsächlich immer mehr zu meinen Lieblingen unter den lovecraftschen Geschichten wird), gefallen mir auch Das Fest und Gefangen bei den Pharaonen (eine Gemeinschaftsarbeit mit Harry Houdini). 
Das Fest könnte man als Weihnachtsgeschichte (der anderen Art) bezeichnen und In den Mauern von Eryx wirft Lovecraft einen Blick in die Zukunft. Diese Geschichte ist in meinen Augen auch die schwächste in diesem Buch. 
Aber natürlich hat Lovecraft nicht nur gute Geschichten geschrieben und in Kurzgeschichtensammlungen ist es meiner Erfahrung nach immer der Fall, dass sich gute und schlechte Geschichten vereinen (selbst wenn es sich um Anthologien eines sonst guten Autors handelt)
"Aufgewertet" wird das Buch durch diverse Angänge, darunter eine Chronologie des Necronomikon (die ich persönlich eher als langweilig einstufe).
Das Buch ist ein Hingucker (wie der Rest der Reihe auch) und darf im Regal eines Lovecraft-Fans nicht fehlen. 

Für den Leser, der KEIN Lovecraft-Fan ist, und tatsächlich klassische Horrorstories erwartet, wird vermutlich enttäuscht (oder begeistert) sein. 
Lovecraft ist eben doch anders.

Eine Inhaltsangabe zu Berge des Wahnsinns gibt es hier

Motto-Challenge 2020

Montag, 21. Dezember 2020

Florian Fuchs: Gnorl (Rezension)

Es gibt sie, die Kobolde! Jonas hat sie mit eigenen Augen gesehen! Als er einem von ihnen heimlich unter die Erde folgt, ahnt er nicht, dass niemand diese besondere Höhlenwelt ungestraft betreten darf. Zwischen glitzernden Stalaktiten und unzähligen magischen Höhlenbewohnern, begeistert von der Freundlichkeit mancher Kobolde und bedroht vom Koboldkönig, der keine Eindringlinge duldet, schon gar keine Menschen, erlebt Jonas die gefährlichsten Ferien seines Lebens!
Gnorl ist ein spaßiges Abenteuer nicht nur für Kinder. Unterhaltsam, spannend, ideenreich geht es durch die Welt der Kobolde (mitten im Schwarzwald, exotischer geht es ja schon gar nicht mehr). Die Charaktere werden sympathisch dargestellt (wenn es sich um die Guten handelt) und weniger sympathisch (wenn es sich um die Bösen handelt), aber alle haben sie nachvollziehbare Motive.
Es mag sich um eine klassische Abenteuergeschichte handeln, was an sich ja nicht schlecht sein muss und zeigt, dass dergleichen auch im Zeitalter von Internet und Smartphone funktionieren kann.
Natürlich gibt es die eine oder andere Überraschung (aber auch so wird es nie langweilig).

Fantasy aus Deutschland ... ohne magische Welten (*hüstel*) mit viel Charme erzählt. 
Das liest man gerne (auch wenn man kein Kind mehr ist und sich gerne auf ein fantastisches Abenteuer einlassen möchte.

Sonntag, 20. Dezember 2020

H. P. Lovecraft: Der Schatten aus der Zeit (Rezension)

Nathaniel Wingate Peaslee glaubt sich dem Wahnsinn verfallen: Immer wieder stehen ihm fremde Landschaften und Städte vor Augen. Allmählich beginnt er zu begreifen, dass er von einer außerirdischen Spezies heimgesucht wird, die vor langer Zeit auf der Erde lebte ...
H. P. Lovecrafts phantastische Reise durch Raum und Zeit in ungekürzter Neuübersetzung, der es erstmals gelingt, Lovecrafts speziellen Stil und die besondere Atmosphäre seiner Erzählung in deutscher Sprache schillern zu lassen.
Der Schatten aus der Zeit ist auf der einen Seite typisch Lovecraft mit einem Erzähler, der seine eigenen Erlebnisse erzählt, erst andeutet und den subtilen Horror zu echtem Grauen anwachsen lässt.
Zusätzlich ergänzt Lovecraft seine Geschichte mit ScienceFiction-Elementen, die auch in anderen seiner Erzählungen angedeutet sind (Außerirdische sind Teil seines Cthulhu-Mythos), aber in DER SCHATTEN AUS DER ZEIT wird dies verstärkt. 
Typisch Lovecraft, aber anders und die Gelegenheit für SF-Fans mal einen anderen Autor kennen zu lernen, auch wenn es dem einen oder anderen schwer fallen könnte (und ich spreche aus Erfahrung) Zugang zu Lovecrafts Werk zu finden.
Aber ich wiederhole mich, denn das was ich zum Schatten aus der Zeit sagen kann, habe ich zu anderen Geschichten bereits gesagt.

Für Freunde des Cthulhu-Myhos empfehlenswert (da dem Mythos neue Aspekte hinzugefügt werden, die sonst nur angedeutet sind) ...
Einsteiger in Lovecrafts Werk werden vielleicht Schwierigkeiten haben und für ScienceFiction-Leser wird eine kleine Zeitreise geboten (sowohl was den Inhalt der Erzählung anbelangt als auch die Zeit in der sie geschrieben wurde).
 

Samstag, 19. Dezember 2020

Ivan Ertlov: Halbar von Malan (Rezension)

Halbar hat es beinahe geschafft: Nach zwei Jahrzehnten harter Ausbildung steht er kurz davor, einer der berühmten und gefürchteten Klingensänger zu werden. Sanktionierte Söldner dämonischer Abstammung mit einem speziellen Ehrenkodex, der als Blutfluch unauslöschlich in sie eingebrannt ist. Mit Fähigkeiten, die normale Krieger vor Neid erblassen lassen und sogar den Magi gelegentlich Respekt abringen.
Aber noch steht Halbar die letzte Prüfung bevor - eine geheime Probe, deren Inhalt keinem Anwärter bekannt ist. Sie zu bestehen, bedeutet ein Leben voll Ruhm, Ehre und reichlich Gold. Zu versagen - den Tod.
Kurz und unterhaltsam, das kann man zu Halbar von Malan sagen. Wofür andere Autoren mehrere hundert (mehr oder weniger spannende) Seiten benötigen braucht Ivan Ertloff knapp 100 davon und vermeidet so eine Erzählung, wie man sie in ähnlicher Form sehr oft zu lesen bekommt. Die Ausbildung von Halbar spielt eine geringe Rolle, wird schnell und dadurch nicht weniger intensiv dargestellt und man erfährt nebenbei doch einiges auf wenigen Seiten komprimiert, ohne dass es oberflächlich wirkt.
Mit dieser kleinen Geschichte erschafft Ivan die Voraussetzung für großartige Geschichten mit einem interessanten Hintergrund und sehr unterschiedlichen Charakteren.
Als Teaser gut geeignet ... und ich habe Blut geleckt 

Fantayfans dürften ihre Freude haben.

Freitag, 18. Dezember 2020

H. P. Lovecraft: Der Flüsterer im Dunkeln (Rezension)

In der Nähe von Arkham werden während einer Flutkatastrophe seltsame Dinge gesichtet, die im Wasser schwimen. Albert N. Wilmarth, der an der Miskatonic University unterrichtet, geht dem nach und stößt auf alte Legenden, in den Bergen würden Ungeheuer hausen, die Menschen entführen und töten. Kurz darauf erhält er einen Brief, der ihn auffordert, alle weiteren Ermittlungen einzustellen ...
H. P. Lovecrafts vielleicht gruseligste Erzählung in ungekürzter Neuübersetzung, der es erstmals gelingt, Lovecrafts speziellen Stil und die besondere Atmosphäre seiner Erzählung in deutscher Sprache schillern zu lassen.
Der Flüsterer im Dunkeln ist ein "klassischer" Lovecraft. Düster, atmosphärisch, subtil beginnend mit wachsendem Grauen. Anfangs ergießt sich die Erzählung in Andeutungen bevor es etwas konkreter wird. Also genau das, was man von Lovecraft erwartet. 
Ich will mich hier nicht in Lobhudeleien ergießen, aber trotz (inzwischen behobener) Anfangsschwierigkeiten bin ich ein großer Lovecraft-Fan geworden, dem fast alle Geschichten gefallen. Der Flüsterer im Dunkeln ist keine Ausnahme.

Lovecrafts Stil ist wenig actionreich, aber dafür umso beängstigender. Genau die richtige Lektüre für nebelverhangene Tage (und Nächte)

Donnerstag, 17. Dezember 2020

C. J. Knittel: Die Träne des Phönix (Rezension)

Nicole Wagner arbeitet für die Krebell, eine außerirdische Rasse, die die Menschheit unterworfen hat. In ihrem Namen macht sie Jagd auf Widerstandskämpfer, die sich in den U-Bahnnetzen und Kanalisationen der Städte versteckt halten. Während eines Aufklärungsfluges über London wird sie abgeschossen und bedient sich einer Lüge, um am Leben zu bleiben. Die Menschen nehmen sie bei sich auf und sie lernt das Leben im Untergrund kennen. Und mit der Zeit erwachen ihre Zweifel ...
Die Träne des Phönix eignet sich vielleicht für Leser, die sich langsam an das Thema Science Fiction heranwagen wollen ohne zu sehr von technischen Errungenschaften und Erklärungen erschlagen zu werden. Es wird eine einfache (man könnte auch sagen klassische) Story geboten: Das Überleben der Menschen unter außerirdischen Invasoren (in diesem Fall insektenähnliche, was nicht ganz so fremdartig dargestellt wird wie es könnte). 
Die Geschichte ist kurz, geradlinig und (abgesehen von einer kleinen Sache, die mich durchaus überrascht hat ... aber ich ergieße mich lieber in Andeutungen, als dass ich einen Spoileralarm setze) vorhersehbar. 
Das Buch bietet zwischenmenschliche Beziehungen (die manchmal vielleicht ein bisschen zu sehr in den Vordergrund gestellt werden, durchaus Potential für interessante Konflikte geben, aber oft im Sand verlaufen) und kriegerische Auseinandersetzungen (in einem für mich durchaus angenehmen Maße ... nicht zu viel und nicht zu übertrieben in ihrer Darstellung).
Eigentlich wird viel Potential verschenkt: Die Aliens sind zu menschlich (mit Ausnahmen, aber im großen und Ganzen fällt es schwer sie als Insekten zu sehen), die Protagonisten sehr farblos und austauschbar und die Beweggründe von Nicole sind nicht immer nachvollziehbar.
Und das Ende kommt zu schnell.

Die Träne des Phönix ist eine nette Geschichte, für den Sf-Fan bietet sie wenig und wenn ich ehrlich bin, so verpasst man nichts, wenn man einen Bogen um das Buch macht.
Nett ist manchmal zu wenig um auf dem Buchmarkt Aufmerksamkeit zu verdienen (andererseits haben auch manchmal schlecht geschriebene Romane Bestsellerstatus)

Mittwoch, 16. Dezember 2020

Die Chroniken des Grauens - Hörspiele nach Motiven von H. P. Lovecraft

Howard Phillips Lovecraft – Chroniken des Grauens
ist eine phantastische Gruselhörspielserie mit Mysteryelementen von Markus Winter nach Motiven von H. P. Lovecraft mit Wolfgang Pampel und Tommy Morgenstern in den Hauptrollen. Die Reihe erscheint seit 2020 bei WinterZeit AUDIOBOOKS und richtet sich an ältere Jugendliche und Erwachsene. Bislang wurde eine „Saga“ mit vier Teilen abgeschlossen.
Im Jahr 1917 retten Soldaten der Kriegsmarine einen verwirrten Mann aus stürmischer See. Seine Herkunft bleibt rätselhaft und an seinen Namen kann sich der Gerettete, der sich fortan einer spontanen Eingebung folgend Carter nennt, nicht erinnern. Bald steht fest, dass Carter auf einer abgeschiedenen Insel nahezu unaussprechliche Dinge erlebt haben will, welche – sollten sich diese nicht nur als kranke Vision herausstellen – das Ende der gesamten Menschheit bedeuten könnten. Schwer traumatisiert forscht Carter in den folgenden Jahren nach dem Übernatürlichen und Verbotenen, um das Erlebte zu verarbeiten. Doch damit scheint er das Böse nur noch weiter zu entfesseln. Als ein Freund, der ihn bei seinen Expeditionen unterstützt, 1921 unter grauenhaften Umständen bei einem Experiment auf einem Friedhof spurlos verschwindet, droht ihm schließlich die Hinrichtung. Doch Carter ahnt, dass – wenn überhaupt – nur er in der Lage sein wird, die Menschheit vor ihrem grauenvollen Untergang zu bewahren.

Dienstag, 15. Dezember 2020

Pascal E. Harm: Irrassu - Das Sanatorium (Rezension)

1912
Irrassu, ein Sanatorium hoch in den Bergen, abseits der Zivilisation. An diesen Ort wird Finn Falk der Arbeit wegen gerufen. Widerwillig nimmt er den Ruf an und schwört, so schnell wie möglich wieder abzureisen. In Irrassu angekommen, trifft er auf eine surreale Welt, die ihn abstößt und zugleich auf eine unangenehme Weise fasziniert. Immer tiefer taucht Finn in diese Welt ein, in der nicht alles so ist, wie es scheint, und seine Umgebung erhält mehr und mehr den Anstrich des Irrealen. Dies alles wird umso stärker, als er die junge Patientin Lotte kennen lernt, die ihn schnell in ihren Bann zieht. Allmählich entwickelt sich zwischen den beiden eine gefährliche Dynamik. Als Lotte ihn schließlich in einer schwer wiegenden Angelegenheit um Hilfe bittet, kann Finn nicht anders und willigt ein - ein fataler Entschluss. Schon bald findet er sich in einem komplizierten Versteckspiel wieder und muss zwischen seiner eigenen Verantwortung und seiner Loyalität zu Lotte wählen. Eine Entscheidung, die nicht ohne Folgen bleiben kann.

Montag, 14. Dezember 2020

Mal was anderes ... Hörspiele (H. P. Lovecraft)


Hörspiele habe ich als Kind sehr gerne gehört (u. a. Die drei ???), dann ... in meiner Jugend habe ich mich anderen Dingen zugewendet. Erst als Erwachsener habe ich die Hörspiele wieder für mich entdeckt (u. a. Die drei ???). 
Als ich Die Berge des Wahnsinns (wieder) gelesen habe, entdeckte ich auch das Hörspiel zum Buch. 
In der Reihe Gruselkabinett werden Hörspiele zu (mehr oder weniger) bekannten Horrorromanen (oder - geschichten) veröffentlicht, darunter auch nicht gerade wenige, die auf Geschichten von H. P. Lovecraft basieren.

Sonntag, 13. Dezember 2020

Matthew Reilly: Ice Station (Rezension)

Shane Schofields Elitetruppe wird in das weiße Nichts der Antarktis entsandt: Wissenschaftler haben auf einem Routine-Tauchgang mitten in einer Schicht aus über 100 Millionen Jahre altem Eis ein riesiges Objekt gefunden. Ein Objekt aus Metall. Doch plötzlich verschwinden die Männer spurlos in der eiskalten Tiefe des Ozeans. Ein Wettlauf um Leben und Tod in der weißen Hölle der Antarktis beginnt.
Um es kurz u machen: Ice Station beginnt actionreich und bietet bis zum Schluss durchgehend Action. Das war's. Viel mehr kann man eigentlich nicht sagen. 
Wer Action mag wird gut bedient und wird an dem Buch seine Freude haben. Wer mehr erwartet wird enttäuscht. Dabei hätte man auf über 600 Seiten mehr erwarten könne, zumal eine interessante Story angedeutet wird, diese aber durch eine Aneinanderreihung von haarsträubenden, unglaublichen, oft blutigen und trashigen Actionszenen in den Hintergrund gedrängt wird. Und ich gebe zu, Action kann ziemlich ermüden und auch langweilen wenn es kaum Zeit zur Erholun gibt. 
Auch fehlt die Zeit für Charakterentwicklungen, so dass man keinen Zugang zu den Protagonisten bekommt und diese austauschbar wirken. Auch die Gegner bleiben schemenhaft und leben nicht lange genug, man muss sich nicht einmal die Namen merken ...

Wie gesagt: Wer Action mag bekommt unterhaltsames Popcorn-Kopfkino geboten.
Mehr nicht.

Und noch ein Nachtrag: Mich hat die Darstellung der Killerwale gestört, sie hätten eine bessere Rolle verdient als nur als riesiger Haiersatz zu dienen



Samstag, 12. Dezember 2020

H. P. Lovecraft: Das Ding auf der Schwelle (Rezension)

Daniel Upton, der Erzähler der Geschichte, hat seinen besten Freund Edward Derby erschossen – und behauptet trotzdem, dass er kein Mörder ist. Edward hatte die mysteriöse Asenath Waite geheiratet und sich in der Folge immer mehr verändert. Manches Mal wirkte er gerade zu wie von einem anderen Menschen besessen ...
Ein an Edgar Allan Poe gemahnendes erzählerisches Juwel aus der Feder von H. P. Lovecraft in ungekürzter Neuübersetzung, der es erstmals gelingt, Lovecrafts speziellen Stil und die besondere Atmosphäre seiner Erzählung in deutscher Sprache schillern zu lassen.
Das Ding auf der Schwelle scheint wie eine kürzere Version von Der Schatten über Innsmouth, aber es ist nur eine andere Sicht der Dinge, die sich in Innsmouth zugetragen haben. Der Grundgedanke ist der gleiche, die handelnden Personen und die Umstände sind anders. Das Ding auf der Schwelle vereinigt vieles, das man aus anderen (früheren und späteren) Geschichten von Lovecraft kennt: Unheimliche Kreaturen, Dunkle Magie, Furchteinflößende Götter und ihre Kulte, Körpertausch.
Und auch die Erzählweise ist typisch Lovecraft: Erst wird man neugierig gemacht, dann beginnt langsam aber stetig das Grauen. 
Kurzweiliges Gruseln mit einer kurzen Geschichte. Wer in das Werk von Lovecraft hineinschnuppern möchte, wird darin viel über die Schreibweise (und die Fantasiewelt) des Autors erfahren. 
Passend für dunkle kerzenbeleuchtete Nächte.

Freitag, 11. Dezember 2020

Helen Harper: Hex Files - Verhexte Nächte

Hexen im Anflug!
Kaum hat die Hexe Ivy Wilde ihre flüchtige Bekanntschaft mit der Nekromantie abschütteln können, stolpert sie direkt ins nächste bizarre Abenteuer voll Tod und Teufel und Katastrophen. Sie kann auch definitiv nichts dafür, aber sie ist nun mal der einzige Mensch auf der ganzen Welt, der mit den Toten kommunizieren kann ... und die sind leider wirklich, wirklich schwatzhaft. Als Ivy dann auch noch von den Geistern Infos über einen hexenhassenden Serienkiller erhält, hat sie keine andere Wahl, als die ganze Angelegenheit selbst in die Hand zu nehmen. Ivy ahnt nicht, dass sie sich so in richtig große Schwierigkeiten bringt - noch größere als die Einladung zum Sonntagsbrunch mit der Familie vom saphiräugigen Adepten Raphael Winter. Viel größere ...
Verhexte Nächte ist der dritte Teil der unterhaltsamen Hex-Files und im Großen und Ganzen kaum anders als die Vorgänger (Hexen gibt es doch, Wilde Hexen). Wie man es gewohnt ist bekommt man eine humorvolle, spannende Geschichte zu bieten und das, was für manche Reihen eine Art Genickbruch darstellt, funktioniert hier hervorragend: Die feste Beziehung von Rafi und Ivy. Daneben gibt es noch Brutus (der manchmal mehr als FUTTER und MISTSTÜCK sagen kann) und viele mehr oder weniger verpeilte Hexen (und Geister).
Ein kurzweiliger Lesespaß mit überraschenden Wendungen (die auch für Veränderungen der weiteren Romane sorgen dürften), liebenswerten und nervenden Charakteren, ein bisschen Romantik und viel Humor.
Der Spaßfaktor ist hoch und doch, bisher ist es der schwächste Teil der Reihe (wobei schwach immer noch gut genug ist), denn auch dieser hat ein paar Highlights auf Lager. 
Wer die ersten beiden Bände geliebt hat wird vielleicht ein klein bisschen enttäuscht sein, aber ... immer noch genug Begeisterung aufwarten können, um begierig die nächsten Teile zu erwarten.

Irgendwie habe ich das Gefühl, dass ich Verhexte Nächte schlechter darstelle als ich es beabsichtige.

Donnerstag, 10. Dezember 2020

H. P. Lovecraft: Der Schatten über Innsmouth (Rezension)

"Der Erzähler dieser recht aparten Geschichte des Grauens flieht in den Morgenstunden des 16. Juli 1927, von Grauen geschüttelt, Hals über Kopf aus der verschlafenen Hafenstadt Innsmouth; sein verzweifeltes Drängen führt zu einer behördlichen Untersuchung durch die Bundesregierung, zu zahlreichen Verhaftungen und zur Sprengung oder dem Niederbrennen einer Anzahl alter Häuser. Erst lange, nachdem alles vorbei ist, von quälenden Träumen geplagt, in denen irrwitzig alptraumhafte Lebewesen vorkommen wie die entsetzlichen Schoggothen, entschließt er sich zu berichten, was er in jenem »von bösen Schatten erfüllten Hafen des Todes und der blasphemischen Abnormität« erlebte. Er wurde damals Zeuge einer ruchlosen Zeremonie der Anhänger des Fischgottes Dagon und des noch schrecklicheren Cthulhu."
Der Schatten über Innsmouth dürfte zu einer der bekanntesten Erzählungen Lovecrafts und seines Cthulhu-Mythos sein. Ganz ohne blutrünstige Szenen kommt die Geschichte daher, mit einem subtilen sich immer stärker steigendem Grauen, das den Leser in seinen Bann zieht.
Lovecraft beschreibt sehr atmosphärisch das degenerierte Fischerdorf, das man sich gut in Amerika vorstellen kann (manche Horrorfilme nutzen die Abgeschiedenheit mancher Ort für inzestiöse Schlachtorgien). Durch die Flucht wird etwas Action geboten, aber es ist die ruhigere Erzählweise von der diese Geschichte lebt. Das Grauen entsteht im Kopf und setzt sich tief fest.

Manchmal ist die Erzählweise sehr langatmig und ausschweifend, dann wieder kurz und knapp, aber genau die Mischung beider Stile sorgt für das entsprechende Kribbeln und die Spannungsmomente.

Lovecraft wie man ihn kennt und ein Highlight der klassischen Horrorgeschichte, wenn man so etwas in Bezug auf Lovecraft behaupten kann.

Mittwoch, 9. Dezember 2020

Paul Herrmann: Vom Anfang und Ende der Welt (Rezension)

Der Zauber der germanischen Sagen. 
Woher stammen die Zwerge und Riesen, Walküren und Hexen, die unsere Kindermärchen bevölkern? Was hat Frau Holle mit dem alten Barbarossa im Kyffhäuser zu tun, und wer ist eigentlich der Klabautermann? 
Paul Herrmann erzählt von Zauberei, Göttern und Naturgeistern ebenso wie vom Ursprung des Seelenglaubens der Germanen und eröffnet einen Blick auf eine faszinierende, vergessene Welt. Eintauchen in die vielschichtige Welt der germanischen Mythen
Nach Von der Finsternis ins Licht ist das nun das zweite Werk, das ich von Paul Herrmann gelesen habe. Nachdem ich durch die nordische Sagenwelt "vorgewarnt" wurde, waren die Erwartungen an dieses Buch andere.
Und ich weiß nicht ob es daran lag oder tatsächlich am Buch selbst, aber ich wurde angenehm überrascht, obwohl sich Vom Anfang und Ende der Welt vom Aufbau her nicht viel von Von der Finsternis ins Licht unterscheidet.. Und doch ... kann ich den Unterschied nicht benennen. Vielleicht liegt es daran, dass die germanischen Sagen vertrauter sind, die Orte der Geschichten bekannter. Und vielleicht weil die Materie vertrauter ist wirkt es geordneter (oder mich haben die nordischen Sagen mit ihrer Vielfalt erschlagen. Vielleicht sollte ich eine Neubewertung des Buchs erwägen). 
Vom Anfang und Ende der Welt stellt die zahlreichen germanischen Götter vor, ihre Beziehungen zu einander und regionale Unterschiede. Daneben zitiert Herrmann ältere Quellen (u. a. von diversen Römern mit ihren Beobachtungen der germanischen Gebräuche).
Und mich hat doch die eine oder andere Legende überrascht, vor allem in Bezug auf Werwölfe (bei denen es sich nicht nur um Männer handelt, die sich bei Vollmond in Wölfe verwandeln) oder Frau Holle.

Trotzdem... auch wenn mir die germanischen Sagen besser gefallen haben als die nordischen, leicht zu lesen ist der Text nicht. Das erschwert das Lesevergnügen und jeder, der eine Nacherzählung des germanischen Sagenguts erwartet hat wird seine Enttäuschung erleben. 
Wer sich aber durch das teilweise trocken geschriebene Buch gequält/gekämpft hat, wird mit einer Menge an neuem und verloren gegangenem Wissen belohnt werden. 

Dienstag, 8. Dezember 2020

H. P. Lovecraft: Der Fall Charles Dexter Ward (Rezension)

Der Fall Charles Dexter Ward ist eine Warnung vor den Gefahren historische Forschung; ein junger Liebhaber der Genealogie und der Geschichte allgemein dringt in die Geschichte seiner eigenen Vergangenheit ein und stößt dabei auf einen höchst unguten Vorfahren, Robert Curwen, der sich mit vormenschlichen bösen Mächten eingelassen hat. Seine mit wissenschaftlicher Akribie betriebenen Nachforschungen wecken ein Böses, das längst noch nicht tot ist; sein wiedergängerischer Vorfahr bemächtigt sich des Willens und der äußeren Gestalt seines Urenkels, um seine ruchlosen Beschwörungen und dämonischen Riten in der Gegenwart fortzusetzen – mit den entsetzlichen Folgen, die der Leser Lovecrafts zu Recht vermutet. 
Der Fall Charles Dexter Ward wurde 1927 geschrieben und erst nach Lovecrafts Tod 1941 im Magazin Weird Tales publiziert. Der Roman beginnt wie eine Beschreibung Neuenglands mit historischen Anekdoten und Ereignissen. Lovecraft beschreibt ausführlich, aber nie langweilend, das Szenario, bevor er den Leser langsam an das Unheimliche heranführt. Dabei deutet er anfangs nur an und erzielt mit angeblich authentischen historischen Belegen und einer nüchternen Erzählweise eine beklemmende Stimmung, die das wahre Grauen erst nach und nach offenbaren. 
Leise und ruhig wächst das Grauen, es schleicht sich in die Gedanken des Lesers ein und kommt dabei ohne brutale oder blutige Beschreibungen aus.
Lovecraft gelingt ruhiger Horror, der erst Gruselt und dann das Fürchten leert.
Es mag nicht jedermanns Geschmack sein, ich selbst habe lange gebraucht um Zugang zu Lovecrafts Werken zu bekommen, aber inzwischen gehört er zu meinen Lieblingsautoren, der sich gut in der jetzigen nebligen Jahreszeit lesen lässt.

So bedrohlich wie Nebel wirkt Der Fall Charles Dexter Ward, dass man sich dem Grauen kaum entziehen kann (und will). Für mich ist das eine der besten Geschichten Lovecrafts (und meines Wissens auch die längste)

Montag, 7. Dezember 2020

Amy Myers: Der Tanz mit dem Tod (Rezension)

Kent, 1925: Nell Drury steht vor ihrer ersten großen Herausforderung als Chefköchin auf dem Herrenhaus Wychbourne Court. Lord und Lady Ansley planen einen extravaganten Kostümball mit Geisterjagd um Mitternacht. Als dabei jedoch in der Galerie eine Leiche entdeckt wird, wird Nell ungewollt in die darauf folgende polizeiliche Untersuchung verwickelt. Plötzlich scheinen die goldenen Zwanziger nicht mehr so strahlend, denn mehr als eine Person der illustren Gesellschaft hütet dunkle Geheimnisse. Nell ist sich sicher, dass der Mörder viel eher hier als in der Geisterwelt zu finden ist und begibt sich bei ihren Nachforschungen in große Gefahr …
Mmmm... Nach Die Morde von Wickenham ist das der zweite Krimi den ich von Amy Myers lese. Eine andere Zeit, ein anderes Thema, aber so ganz begeistern konnte mich auch nicht Der Tanz mit dem Tod
Was mir gefallen hat: Die Sache mit den Geistern (passend zur Zeit, ungruselig und natürlich nicht wirklich vorhanden) und die Beziehung zwischen Nell und dem Inspektor (wie auch immer diese sich weiter entwickeln wird).
Was mir nicht gefallen hat: Der Rest. 

Sonntag, 6. Dezember 2020

Leo Lukas: Mörder Quoten (Rezension)

Was macht ein Auftragskiller, dem jemand die Arbeit abgenommen hat? Unbezahlte Überstunden. Er muss dringend herausfinden, wer ihm zuvorgekommen ist und den Mord aufklären, den er selbst hätte begehen sollen. Er hat schließlich einen Ruf zu wahren.
Äußerste Vorsicht ist geboten, um nicht ins Visier der ermittelnden Polizeiinspektorin zu geraten. Zusammen mit seinem unfreiwilligen, redegewaltigen Assistenten beginnt der Killer nachzuforschen. Die Spur führt in die Welt des kleinen Glücks, der Buchmacher, Wettcafés und illegalen Spielhöllen. Und zu einer Verschwörung, die bis in höchste Regierungskreise reicht
Mit feinem Witz und viel schwarzem Humor erzählt Leo Lukas einen spannenden Krimi voller überraschender Wendungen.
Freunde der österreichischen Landkrimis werden mit Mörderquoten ihre Freude haben. Eine skurrile Ausgangssituation, egozentrische Charaktere, ein ungewöhnliches (und unpassendes) Ermittlerduo ... Spannung und Spaß pur.
Mörderquoten ist kein Krimi, den man ernst nehmen sollte, aber es wird auch mehr als seichte Unterhaltung. Und natürlich will man wissen wer der Mörder ist und welches Motiv er hatte.
Es geht sehr humorvoll zur Sache, aber Leo Lukas schafft es ein stimmiges Gesamtwerk zu schaffen, auch wenn ich den Schreibtil anfangs etwas gewöhnungsbedürftig fand. Und das deutsch Österreichs ist doch etwas anders als das deutsch Deutschlands
Aber ständig hatte ich die österreichischen Landkrimis aus dem TV vor Augen.
Und wie bei diesen wird man auch hier gut unterhalten.
Mal was anderes ...

Samstag, 5. Dezember 2020

Andreas J. Schulte: Tiefenzone (Rezension)

Das Projekt: unterirdische Seen in der Antarktis. Die aufstrebende Wissenschaftsjournalistin Julia Kern wird zusammen mit einer internationalen Journalistengruppe in die Antarktis eingeladen. Dort soll vor den Augen der Weltpresse in Terra Nova II, einer hochmodernen Forschungsstation, eine bahnbrechende Premiere gefeiert werden. Doch was genau wird in Terra Nova II eigentlich erforscht? Die Situation gerät außer Kontrolle, als Terroristen die Station überfallen. Worauf sind sie aus? Im ewigen Eis beginnt für Julia und ihren Kollegen George eine atemberaubende Flucht vor einem Gegner, der zu allem bereit ist.
Die Antarktis ... ewiges Eis und extreme Bedingungen. Der geeignete Schauplatz für einen Thriller. Und Andreas J. Schulte schafft in Tiefenzone ein beklemmendes Szenario, dass bis zum Ende spannend bleibt. Anschaulich beschrieben, mit authentischen Charakteren (auch wenn ich nicht alles, was Doc, der Gegenspieler, getan hat, nachvollziehen kann und ich mich teilweise gefragt habe was ihn wirklich motiviert ... Und Julias Chef ist ein bisschen sehr klischeehaft, mehr eine Witzfigur, die man nicht ernst nehmen kann). 
Ich hätte mir auch den Antarktisteil etwas ausführlicher gewünscht. Dieser ist meiner Meinung nach zu schnell zu Ende, wobei das, was danach kommt nicht minder spannend ist (aber den exotischen Charakter des Schauplatzes vermissen lässt).

Kurzweiliges (und sehr spannendes) Lesevergnügen für kalte Tage oder Nächte (und eine Reise an einen Ort, der noch kälter ist ... und ich meine nicht Köln)

Freitag, 4. Dezember 2020

Paul Herrmann: Von der Finsternis ins Licht (Rezension)

Die bunte Welt der nordischen Mythen.
Die Sagen und Märchen der Nordgermanen sind voll von bekannten Namen: Odin, Thor oder Loki sind Charaktere, die uns vertraut sind. Doch was genau hat es mit ihrer Geschichte auf sich? Paul Herrmann eröffnet die vielschichtige Welt der nordischen Mythen und lädt ein auf eine Reise in einen Sagenschatz voller Götter und Göttinnen, Elfen und Geister.
Ein fundierter, leicht verständlicher Einblick in die Welt der Götter von Walhall
Mythen und Sagen haben mich immer schon interessiert und auch heute noch haben sie nichts an ihrer Faszination verloren. 
In der griechischen Sagenwelt bin ich gut bewandert, mein Wissen über die nordische Mythologie ist (oder besser gesagt war) begrenzt.

Donnerstag, 3. Dezember 2020

Amandara M. Schulzke (Hrsg): Wir sind die Bunten (Rezension)

Kämpft mit uns gegen die grauen Herren und Aluhutträger! Haltet die Banner hoch für Jubel, Trubel, Heiterkeit! Auf dass der Goldberg in Selb an jedem zweiten Septemberwochenende erbeben möge! Dudelsäcke, Trommeln, epische Gesänge und feiner Harfenklang ertönen. Kunterbunt, international und familiär lustwandeln tausende Fans und Mitstreiter auf dem größten europäischen Mittelalterkulturfestival: dem Festival-Mediaval. Unsere Schriftkundigen trafen Zeitreisende, Räuber, feige Wikinger, Walküren, Drachen und Dämonen. Sie erzählen ihre Geschichten vom Überleben der Phantasie, von der Liebe des Anfangs und des Endes und von allem dazwischen.
Eine Frage, die sich natürlich stellt, bevor man das Buch liest: Muss man das Festival Mediaval kennen? 
Ich habe die Frage für mich beantwortet und obwohl ich das Festival nicht kenne, habe ich diese Anthologie gelesen. Nun ja, vielleicht ist der Lesespaß größer, wenn man das Festival kennt, aber ich kann nicht sagen, dass ich die Geschichten nicht verstanden habe.
Wir sind die Bunten mag sich vorrangig an Festivalbesucher richten, aber jeder der sich für Fantasy, (Pseudo)Mittelalter, (Live)Rollenspiel und Ähnliches begeistert, wird seine Freude an der Anthologie haben. 
Das Festival spielt eine Rolle, aber die Geschichten sind so vielseitig, da ist für jeden etwas dabei: Magie, Außerirdische, zeitreisen, Hexen und Dämonen ... und eine Menge bekannter Autoren wie Ju Honisch, Tommy Krappweis oder Bernhard Hennen. 
Und so vielseitig wie ein Mittelalterfestival sein kann so vielfältig sind auch die Geschichten. 
Natürlich kann man auch über diese Anthologie das sagen, was für die meisten Kurzgeschichtensammlungen zutrifft: Nicht jede Geschichte gefällt, aber die Geschmäcker sind unterschiedlich und so dürfte für jeden etwas dabei sein.

Wir sind die Bunten ist wirklich bunt, mal unterhaltsam, mal langweilig. Manchmal wünschte man das Festival zu kennen, manchmal ist der Bezug zum Mediaval eher gering. 
Aber ... es ist ein kurzweiliges Lesevergnügen für alle die Kurzgeschichten mögen und sich gerne in eine andere Zeit (und das kann auch die Erinnerung an vergangene Festivaltage sein) versetzen lassen. 

Mittwoch, 2. Dezember 2020

Dirk Husemann: Die Romanfabrik von Paris (rezension)

Paris 1850. In der Romanfabrik von Alexandre Dumas schreiben siebzig Angestellte die beliebten Folgen von Die drei Musketiere und Der Graf von Monte Christo, die als Fortsetzungsgeschichten die Zeitungsleser begeistern. Doch im jüngsten Werk ist etwas faul zwischen den Zeilen, denn es ist gespickt mit Staatsgeheimnissen. Um seinen Ruf zu retten, muss sich Dumas ausgerechnet mit seiner größten Kritikerin verbünden: der deutschen Lehrerin Anna Moll, die ihn wegen freizügiger Texte angezeigt hat.
Ich mag die Bücher von Alexandre Dumas und ich bin froh, dass es sich bei dem Alexandre in DIE ROMANFABRIK VON PARIS um einen etwas fiktiven Charakter handelt, der zwar wie Dumas aussieht, aber Dinge macht, die der reale Dumas nie getan hat.
Aber wenn ich ein realistisches buch über den Autoren lesen wollte würde ich mir eine Biografie suchen. 
So aber bekomme ich einen historischen Abenteurroman mit (mehr oder weniger) historisch belegten Personen und darf mit Alexandre und Anna über den europäischen Kontinent reisen und nebenbei einiges über die Probleme die Farbige (Dumas) und körperlich eingeschränkte Personen (Anna) in der damaligen Zeit erfahren. 
Dirk Husemann, nebenbei noch Archäologe und Wissenschaftsjournalist, weiß wie er seinen Leser bei der Stange hält. "Exotische" Schauplätze (den englischen Königspalast, Sankt Petersburg ...), mehr oder weniger liebenswerte Protagonisten und ein scheinbar übermächtiger (und doch bemittleidenswerter) Gegenspieler sorgen für gute Unterhaltung. Und auch an Kraftausdrücken kann der Leser noch einiges lernen. 

Historische Fakten gemischt mit künstlerischen Freiheiten (ohne unglaubwürdig zu wirken), gemischt mit dem ein oder anderen Augenzwinkern ... Freunde historischer Romane werden ihre Freude haben. Und wer eine schwülstige Liebesgeschichte erwartet, der sollte vielleicht doch zu einem weniger authentischen historischen Liebesroman greifen, Kitsch bietet die Romanfabrik nicht.