Donnerstag, 22. Oktober 2026

Patrice McDonough: Der Mörder von Whitechapel (Rezension)

Eine Mordserie erschüttert das viktorianische London – und der Täter scheint Scotland Yard stets einen Schritt voraus zu sein
London, November 1866. Als die verstümmelte Leiche des beliebten Geistlichen Tobias Atwater auf einer Baustelle im East End gefunden wird, scheint nichts auf ein Motiv für die grausame Tat hinzuweisen. Doch der Mord bleibt nicht der einzige. Schon bald erschüttert eine Serie von Verbrechen die Stadt und jedes neue Opfer scheint auf rätselhafte Weise mit den anderen verbunden zu sein.
Die junge Ärztin Dr. Julia Lewis übernimmt die Untersuchung der Leichen und arbeitet widerwillig mit Inspector Richard Tennant von Scotland Yard zusammen. Während die beiden den Spuren des Mörders folgen, stoßen sie auf ein Netz aus alten Geheimnissen, vertuschten Verbrechen und dunklen Erinnerungen, das bis in die Armenhäuser und Krankenstationen des Londoner East Ends zurückreicht.
Gleichzeitig verhöhnt der Täter die Polizei mit mysteriösen Botschaften und scheint jeden Schritt der Ermittler vorauszuahnen. Während die Zahl der Toten steigt, müssen Julia Lewis und Richard Tennant die Wahrheit aufdecken, bevor der Mörder erneut zuschlägt.

Mittwoch, 21. Oktober 2026

Elizabeth George: Auf Ehre und Gewissen (Rezension)

Ein Elite-Internat: Tradition, Ehre und Leistung bestimmen das Leben der Schüler. Ausgerechnet hier wird eines Tages die Leiche des kleinen Matthew Whateley gefunden, und damit beginnt die Fassade von Moral und Kameradschaft zu bröckeln. Bei ihren Nachforschungen treffen Inspector Lynley und Sergeant Barbara Havers von Scotland Yard allerdings auf eine Mauer des Schweigens ...
Mit AUF EHRE UND GEWISSEN, dem dritten (oder vierten) Band der LYNLEY-Reihe, führt Elizabeth George ihre Leser in die abgeschlossene Welt eines traditionsreichen englischen Eliteinternats. Ein klassischer Englandkrimi-Schauplatz, aber natürlich sorgt die Autorin dafür, dass man nicht von Klischees und Altbekanntem gelangweilt wird. Hinter der ehrwürdigen Fassade von Bredgar Chambers offenbaren sich Machtmissbrauch, Gruppenzwang, Grausamkeit und eine Kultur des Schweigens. Die Schule wird zum Spiegel einer Gesellschaft, in der Standesdenken und überkommene Ehrbegriffe das Verhalten der Menschen bestimmen. George zeichnet ihre Figuren mit großer Genauigkeit und zeigt, wie Angst, Schuldgefühle und der Wunsch nach gesellschaftlicher Anerkennung menschliche Entscheidungen beeinflussen. Dabei vermeidet sie einfache Erklärungen und entwickelt ein komplexes Geflecht persönlicher Verantwortlichkeiten. Durch eine eher ruhige Erzählweise schleicht sich nach und nach die Spannung, zahlreiche Wendungen sorgen für Überraschung und je tiefer der Leser in das Verbrechen eintaucht, desto weniger möchte er dieses Buch beiseite legen. Zumal durch die Protagonisten Havers und Lynley die Unterschiede in Stand und Bildung noch deutlicher gezeigt werden. Gleichzeitig harmonieren die beiden auf wunderbare Art, die manchmal Havers in ihrer Rolle als Sergeant glänzen lässt, bevor sie wieder zu ihrer alten ruppigen und aufsässigen Art zurückkehrt. Für mich ist (und war) Havers der eigentliche Star der Reihe (auch in der Serie von 2021). Allerdings ergießt sich George auch gerne in Detaills, die nicht unbedingt für die Handlung nötig sind. Die ausführlichen Charakterstudien und zahlreichen Verwicklungen bremsen gelegentlich die Handlung und beeinträchtigen den Spannungsbogen. Aber ... gegen Ende hin ändert sich das und dann ... aber ich wiederhole mich. Tatsächlich zeigt aber George auch in den langatmigen Passagen dass sie ihr Handwerk beherrscht, denn langweilig wird es nicht. Manchmal vergisst man allerdings, dass man einen Krimi liest und keine Beschreibung englischen Internatsleben. Auch mal amüsant ... hätte es in dieser Ausführlichkeit aber nicht unbedingt benötigt. Über diese Schwächen kann man hinwegsehen, man wird durchaus gut unterhalten, und ich kann George jedem ans Herz legen, der englische Krimis jenseits der zahlreichen Wohlfühlkrimis mag.

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Dienstag, 20. Oktober 2026

Robert Beachy: Gay Berlin: Die Erfindung der Homosexualität. Eine deutsche Geschichte 1867-1933 (Rezenson)

Die Geschichte der Homosexualität in Deutschland - Robert Beachys Klassiker jetzt in einer Neuausgabe als Paperback
Homosexualität ist eine deutsche Erfindung – zu dieser überraschenden Erkenntnis kommt Robert Beachy in seiner Geschichte der Homosexualität in Deutschland. In seinem Buch erzählt er von den Pionieren der Sexualwissenschaft, den Debatten um gesellschaftliche Anerkennung im Kaiserreich sowie vom schwulen Eldorado Berlins in der Weimarer Zeit und holt damit ein in Vergessenheit geratenes Kapitel deutscher Geschichte ans Tageslicht.
Welche einzigartigen Bedingungen im Deutschland des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts herrschten, die es zum Zentrum der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit der menschlichen Sexualität machten, zeigt der Historiker Robert Beachy anhand einer Fülle an Figuren und Episoden. Vor allem Berlin mit seinem berühmten Nachtleben entwickelte sich in dieser Zeit zum Magneten für eine lebendige, internationale schwule Szene und zog Künstler wie Christopher Isherwood und W.H. Auden an, die der Zeit in ihren Werken ein Denkmal setzten. Mit seiner Geschichte der Homosexualität in Deutschland verändert Robert Beachy das Bild von Kaiserzeit und Weimarer Republik und fügt unserem Verständnis dieser Epoche eine wichtige Facette hinzu.

Montag, 19. Oktober 2026

Rudolf Jagusch: Eifelwächter (Rezension)

Ein Mord in der Eifel - und ein Dorf, das lieber schweigt
Auf einer Baustelle nahe der belgischen Grenze wird der Journalist Lukas Voigt ermordet aufgefunden. Hauptkommissar Fischbach und sein Kollege Welscher treffen bei ihren Ermittlungen auf eine Dorfgemeinschaft, die sich abschottet und gegenseitig misstrauisch beäugt. Denn im Ort gärt es. Wut, alte Feindschaften und verdrängte Konflikte kommen wieder ans Licht. Je tiefer die Kommissare graben, desto klarer wird: Hinter dem Schweigen der Bewohner liegt etwas, das jemand um jeden Preis zu verbergen versucht.
Ein atmosphärisch dichter Kriminalroman über Schuld, Angst und die zerstörerische Kraft des Wegsehens. In der rauen Landschaft der Eifel treffen verdrängte Vergangenheit und Gegenwart mit voller Wucht aufeinander.
Ein Fall, der unter die Oberfläche blickt - und lange nachwirkt.

Freitag, 16. Oktober 2026

Andreas Suchanek: Das tödliche Artefakt (Rezension)

Ein Toter ohne Kopf. Ein Artefakt ohne Gewissen. Ein Gegner ohne Gnade.
Liams Tage als Fahrradkurier sind längst Geschichte – seit er als Siegelwahrer das magische Museum in London hütet und mächtige Artefakte vor den Falschen schützt. Doch ein riskanter Einsatz reißt ihn aus seinem neuen Alltag: Im Louvre liegt vor einem Gemälde zur Französischen Revolution ein Toter. Nur der Torso. Der Kopf fehlt.
Alles deutet auf Artefaktmagie hin – und auf einen gefährlichen Gegner. Gemeinsam mit seiner Kollegin Julia macht sich Liam auf die Jagd nach dem Mörder und gerät dabei tief in die Pariser Unterwelt. Doch je mehr Liam aufdeckt, desto klarer wird: Die Wahrheit über die Vergangenheit setzt auch seine eigene Zukunft aufs Spiel.

Der zweite Band der Reihe „Der Siegelwahrer von London“ knüpft an die Ereignisse von „Das vergessene Museum“ an und bietet eine ebenso temporeiche wie fantasievolle Mischung aus Urban Fantasy, Kriminalgeschichte und Abenteuer.