Donnerstag, 8. Oktober 2026

H. P. Lovecraft: Die Farbe aus dem All (Rezension)

Ein kleiner Meteor kracht in den Garten des Hofs der Familie Gardner in einem Tal hinter Arkham, im ländlichen Neuengland. Er muss aus den Weiten des Alls stammen und verblüfft die eingetroffenen Wissenschaftler: Er ist flüchtig, scheint sich ohne jede Spur aufzulösen. Aber später verändert sich etwas an den Farben der Blätter und Blüten und der Geschmack der Früchte ist anders und in die huschenden Bewegungen der Tiere des Waldes hat sich eine außerweltliche, schreckliche Qualität geschlichen. Familie Gardner muss um ihren Verstand und ihr Leben kämpfen.
Muss man etwas über Lovecrafts Geschichten sagen? Entweder man mag sie oder man mag sie nicht (oder man kann mit ihnen nichts anfangen). Aber nichts desto trotz ist Lovecraft wohl einer der wichtigsten Autoren des 20.Jahrhunderts. Sein Einfluss reicht weiter als man denken mag, und wenn man sich seinem literarischen Werk annähern will eignen sich wohl neblige dunkle Tage am Besten.

Mittwoch, 7. Oktober 2026

Werner Englert: Der Mörder von Braunschweig (Rezension)

Ein Mörder, der seine Opfer ordnet. Eine Stadt, die einen Schuldigen braucht. Drei Tage, um beides auseinanderzuhalten.
Braunschweig, 1530.
Im Nebel der Oker geht ein Mörder um. Junge Menschen werden in den Gassen gefunden – mit durchschnittener Kehle, sorgsam an eine Mauer gesetzt und um den linken kleinen Finger gebracht.
Im Auftrag des Kaisers reist Veit Falkenrieth in eine Stadt, die längst weniger nach Wahrheit als nach einem Schuldigen verlangt. Während der Rat um Braunschweigs Freiheit fürchtet und Herzog Heinrich vor den Toren nur auf einen Anlass zum Eingreifen wartet, richtet sich der Hass gegen die jüdische Gemeinde. Ein Unschuldiger gerät in den Turm, ein Aufruhr droht.
Gemeinsam mit Maria Windfang und Thomas Sturmberg folgt Veit den Spuren eines Täters, der nicht im Zorn handelt. Er kennt die Stadt, beherrscht sein Handwerk – und ordnet seine Opfer mit erschreckender Sorgfalt.
Veit bleiben nur wenige Tage, um den Mörder zu finden. Denn scheitert er, wird Braunschweig nicht nur einen Unschuldigen opfern.

Dienstag, 6. Oktober 2026

Thomas Michael Glaw: Schuld und Verführung (Rezension)

Montagmorgen, München. Vor dem Wohnheim einer privaten Hochschule liegt ein Student tot auf dem Pflaster. In seinem Zimmer finden die Ermittler Rauschgift. War es ein tragischer Sturz – oder hat jemand nachgeholfen? Kriminalrat Benedict Schönheit und sein Team folgen den Spuren in eine Welt, in der hinter gepflegten Fassaden Misstrauen, Begehren und alte Verletzungen lauern. Der Tote besuchte ein Seminar über deutsche Romantik. Dort begegnete er Sophie Binder – einer jungen Frau, die alle zu faszinieren scheint: ihre Mitstudenten, den Dozenten Dr. Florian Smalto und auch Schönheit selbst, der sie aus seiner Jugend kennt. Doch Sophie schweigt. Dann ist auch sie plötzlich verschwunden. Für Schönheit wird der Fall zu einer Reise in die Abgründe romantischer Sehnsucht – und zu der Frage, wie weit Menschen gehen, wenn Liebe, Schuld und Besessenheit untrennbar werden.
Benedict Schönheits zweiter Fall, und nachdem das nicht mein erster (und auch nicht mein zweiter) Schönheit ist, kann ich sagen, dass man die Krimis auch unabhängig voneinander lesen kann. Das mag von Vorteil sein, lässt aber die Ermittler etwas blass wirken. Aber ... wer einen klassischen, schnörkellosen Krimi möchte, in dem die Ermittlungsarbeit wichtiger als die Befindlichkeiten der Ermittler ist, dann wird er mit SCHULD UND VERFÜHRUNG genau das bekommen... und ein bisschen mehr. SCHULD UND VERFÜHRUNG ist ein atmosphärischer und ungewöhnlich literarisch grundierter München-Krimi, der auf intellektueller Ebene den Leser nicht überfordert, aber sich dadurch auch von vergleichbaren Romanen unterscheidet. Der Kriminalfall ist spannend konstruiert und erlaubt das Miträtseln. Glaws Schreibstil ist geradlinig, lässt aber auch überraschende Wendungen zu. Kurzweiliges Lesevergnügen für alle Krimifans, die sich mehr für die Ermittlungsarbeit interessieren. Und ein bisschen Münchenatmosphäre bekommt man dazu.

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Montag, 5. Oktober 2026

Kai Meyer: Das Antiquariat am Alten Friedhof (Rezension)

Die Bücherstadt Leipzig, 1930: Inmitten unruhiger Zeiten versammeln sich vier junge Männer in einem Antiquariat im Graphischen Viertel. Alle sind Söhne aus gutem Haus, alle sind vom Leben gelangweilt. Statt ihrem Studium nachzugehen, gründen Felix, Vadim, Julius und Eddie den „Club Casaubon“. Getrieben von ihrer Leidenschaft für Literatur und der Lust am Abenteuer werden sie zu Bücherdieben, spezialisiert auf kostbare, okkulte Bände. Doch als Eddies rätselhafte Schwester Eva zum Club stößt, werden sie immer tiefer in die Pläne erbarmungsloser Mächte hineingezogen.
Fünfzehn Jahre später, 1945: Nach dem Krieg arbeitet Felix als Bibliothekar für die Amerikaner, um Millionen von geraubten Büchern zu katalogisieren. Seine Mission führt ihn zurück in das zerstörte Leipzig. Die Freunde von damals sind verschollen – oder nicht wiederzuerkennen. Und ist Eva wirklich tot? Während die Stadt unter dem Druck der nahenden sowjetischen Besatzung steht, gerät Felix in ein Netz aus Verrat und tödlichen Geheimnissen, das seinen Ursprung in den finstersten Winkeln seiner Vergangenheit hat.

Freitag, 2. Oktober 2026

Sonya Bateman: Er wird mich finden (Rezension)

Ich habe geglaubt, die Vergangenheit begraben zu haben.
Doch sie ist zurückgekehrt und will das Liebste, was ich habe.
Zwanzig Jahre lang habe ich geglaubt, meine Vergangenheit hinter mir gelassen zu haben.
Heute lebe ich das Leben, von dem ich immer geträumt habe. Ein normales Leben. Ein schönes Leben.
Ich habe einen wunderbaren Ehemann und eine wundervolle, Fußball liebende, sechzehnjährige Tochter – Mein Ein und Alles.
Doch jetzt ist er zurück. Ich habe ihn wieder gesehen. Er stand einfach da und beobachtete mich, als wäre keine Zeit vergangen.
Ich war sechzehn, als er mich in den Wald zerrte. Ich erinnere mich an sein raues Atmen und seine schweren Schritte, an sein Gewicht, das auf mir lastete. An den abgebrochenen Ast, den ich ihm in den Hals rammte. Ich war das Mädchen, das entkommen ist.
Ich dachte, er wäre tot.
Ich habe mich geirrt.
Und diesmal will er nicht mich – er will meine Tochter.