Freitag, 31. Juli 2026

Frank Maria Reifenberg: Gods & Heroes (Rezension)

Als der 14-jährige Pjetur aus Island Zugang zum exklusiven Online-Game EDDA erhält, ahnt er nicht, worauf er sich einlässt. Er erkennt, dass sich hinter den herausfordernden Levels voller Götter und Kämpfe im Zeichen der nordischen Mythologie, weitaus mehr verbirgt als nur ein Spiel – und eine Wahrheit, die mächtige Gegner auf den Plan ruft. Plötzlich wird Pjetur selbst zur Zielscheibe.
Auch Orma in England gehört zu den wenigen Auserwählten mit Zugang zu EDDA . Im Spiel entfalten sich seine Fähigkeiten und geraten schließlich außer Kontrolle. Doch als seine über die ganze Welt verstreuten Mitspieler spurlos verschwinden und die Grenzen zwischen Game und Realität immer mehr verwischen, wird klar: Das ist erst der Anfang!

Mit Gods & Heroes verbindet Frank Maria Reifenberg nordische Mythologie, Gaming und einen Jugendthriller zu einer interessant klingenden Geschichte. Graphic-Novel-Elemente lockern die Handlung auf und verleihen actionreichen Szenen zusätzliche Dynamik. Gleichzeitig sorgen kurze Hintergrundinformationen zur nordischen Mythologie dafür, dass auch Leserinnen und Leser ohne Vorkenntnisse der Geschichte gut folgen können.
Die beiden Hauptfiguren sind sympathisch und vor allem Pjetur erreicht schnell das Herz des Lesers. Der Schreibstil ist flüssig und leicht verständlich. Durch die kurzen Kapitel entsteht ein hohes Erzähltempo, sodass kaum Langeweile aufkommt. Allerdings entwickelt sich die Geschichte teilweise sehr langsam, streckenweise, vor allem am Anfang wird die Geschichte sehr langsam erzählt. Das Ende kommt dann viel zu schnell und lässt den Leser etwas unbefriedigt zurück.
Ich finde die Idee interessant. EDDA, das Spiel macht auch mich neugierig, und eigentlich müsste mir auch die Geschichte gefallen, aber auch wenn man Vergleiche mit Rick Riordan und Neil Gaimans nordischen Geschichten ziehen möchte, so bleibt GODS & HEROES etwas hinter den Erwartungen zurück. Eine nette Idee mit vorhandenem Potential, aber noch nicht ganz ausgegoren. Da ist noch viel Platz nach oben.

Mittwoch, 29. Juli 2026

Ursula Poznanski: Cryptos

Wohin gehen wir, wenn wir nirgendwo mehr hinkönnen?
Kerrybrook ist Janas Lieblingswelt: Ein idyllisches Fischerdorf mit viel Grün und geduckten Häuschen. Es gibt Schafe, gemütliche Pubs und vom Meer her weht ein kühler Wind. Manchmal lässt Jana es regnen. Meistens dann, wenn es an ihrem Arbeitsplatz mal wieder so heiß ist, dass man kaum mehr atmen kann.
Jana ist Weltendesignerin. An ihrer Designstation entstehen alternative Realitäten, die sich so echt anfühlen wie das reale Leben: Fantasyländer, Urzeitkontinente, längst zerstörte Städte. Aber dann passiert ausgerechnet in Kerrybrook, der friedlichsten Welt von allen, ein spektakuläres Verbrechen. Und Jana ist gezwungen zu handeln … Extrem spannend – beklemmend aktuell!

Mit CRYPTOS legt Ursula Poznanski einen spannenden und beeindruckenden Jugendthriller vor. Sie verbindet spannende Science-Fiction mit einer glaubwürdigen. gleichzeitig aber auch sehr phantastischen und beängstigenden Zukunftsvision: Die Erde ist durch den Klimawandel weitgehend unbewohnbar geworden, und die meisten Menschen verbringen ihr Leben lieber in perfekt gestalteten virtuellen Welten und versuchen so wenig wie möglich in der realen Welt zu verbringen.

Dienstag, 28. Juli 2026

Oliver Pötzsch: Die Ludwigs-Verschwörung (Rezension)

Steven Lukas, ein Antiquar aus München, findet in seinen Regalen ein ihm unbekanntes altes Buch. Schon bald merkt er, dass es sich dabei um das Tagebuch eines engen Vertrauten von Ludwig II. handelt, den Assistenten des königlichen Leibarztes Max Schleiß von Loewenfeld. Das über hundert Jahre alte Buch ist in einer geheimen Kurzschrift verfasst, die Lukas nur Stück für Stück entziffern kann. Der ungeheuerliche Fund könnte die wahren Umstände des Todes von Ludwig II. verraten! Doch offenbar haben verschiedene Parteien ein Interesse daran, die Veröffentlichung des Tagebuchs zu verhindern. Und ein Fanatiker geht dabei über Leichen. Gemeinsam mit der Kunstdetektivin Sara Lengfeld gelingt es Lukas, dem Geheimnis auf die Spur zu kommen – eine Rätselreise, die die beiden zu sämtlichen Schlössern des Märchenkönigs führt.

Montag, 27. Juli 2026

Julian Brave Noisecat: Wir überlebten die Nacht (Rezension)

Auf den Spuren seiner Familie taucht Julian Brave NoiseCat tief in die Geschichte der First Nations Kanadas ein und findet heraus, dass sein Vater ein Überlebender der St. Joseph’s Mission ist.
Basierend auf fünf Jahren Recherche und Reisen zeichnet »Wir überlebten die Nacht« ein tiefgründiges, unvergessliches Porträt indigener Wirklichkeit, das sich der Unsichtbarmachung, der systematischen Verdrängung, der Auslöschung und den intergenerationellen Traumata der First Nations widmet. Brillant verwebt NoiseCat persönliche Geschichten mit investigativem Journalismus und traditionellen indigenen Erzählformen. Dabei entsteht eine Rückeroberung – von Geschichte, Identität und familiärer Zugehörigkeit. Eine persönliche Wiederannäherung an einen Vater, der gegangen ist.

Was wissen wir über Kanada? Es ist schwierig gegen die Supermacht USA zu bestehen und oft muss man sich ins Gedächtnis rufen, dass die USA NICHT Amerika sind, denn, da gibt es noch viel mehr. Und Kanada ... davon hört man weniger als von diversen politischen Verwirrungen in Südamerika. Und auch sonst habe ich den Eindruck, dass Kanada kaum in den Gedanken der Europäer ist. Mit WIR ÜBERLEBTEN DIE NACHT dachte ich, dass ich mir zumindest die nähere Geschichte des Landes näher bringen lassen kann.

Donnerstag, 23. Juli 2026

Andrea Storm: Singende Knochen (Rezension)

Die Bestattung von Bad Dürrenberg ist eine mesolithische Doppelbestattung einer 25 bis 35 Jahre alten Frau und eines etwa 6 bis 8 Monate alten Kindes im heutigen Bad Dürrenberg im Saalekreis (Sachsen-Anhalt). Sie ist vor allem durch ihre ungewöhnlichen Grabbeigaben und medizinischen Anomalien bekannt geworden, aufgrund deren die Frau der Öffentlichkeit als „Schamanin von Bad Dürrenberg“ präsentiert wird. Sie war archäogenetisch eine Vertreterin der Westeuropäischen Jäger und Sammler. Das Grab wurde 1934 bei Kanalarbeiten im Kurpark von Bad Dürrenberg gefunden. Zwischen 1989 und 2014 wurden mittels Radiokarbonmethode insgesamt vier Altersbestimmungen am Skelettmaterial vorgenommen, die es auf ein Alter zwischen 9000 und 8600 Jahren datieren. Es handelt sich damit um die zweitälteste bekannte Bestattung in Sachsen-Anhalt. Heute ist der Fund im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle ausgestellt.
Der Schamanin von Dürrenberg ist im Museum derzeit eine Sonderausstellung gewidmet, die noch bis zum 7. Februar 2027 läuft. Gesehen habe ich sie noch nicht, aber ich würde es nicht ausschließen, dass ich das Museum noch vor Ende der Ausstellung besuche ...
Auf jeden Fall ist die Schamanin eine durchaus interessante Persönlichkeit. So, wie es viele andere Personen der Vergangenheit sind (man fühle sich zu Recht an Ötzi erinnert).
Andrea Storm hat nun der Schamanin einen Roman gewidmet. SINGENDE KNOCHEN behauptet EIN STEINZEITROMAN zu sein, aber eigentlich wird eine Zeitreise-Geschichte geboten.