Dienstag, 2. Juni 2026

Alexandre Marius Jacob: Arbeiter der Nacht (Rezension)

Nicht erst seit dem spektakulären Diebstahl Mitte Oktober 2025, bei dem Maskierte Schmuck von unschätzbarem Wert aus dem Pariser Louvre klauten, sind Diebe in aller Munde. Bereits ab Anfang des 20. Jahrhunderts verbreiteten sich Geschichten von eleganten Draufgängern, von kaltblütigen Gangstern, die sich nahmen, was ihnen vorenthalten wurde, und von modernen Robin Hoods, die die Reichen bestahlen, um den Armen zu geben. Zu Letzteren zählte auch Alexandre Marius Jacob, der sich mit seiner Diebesbande, den »Travailleurs de la nuit«, die Umverteilung zur Aufgabe gemacht hatte – weniger durch revolutionäre, gesamtgesellschaftliche Enteignung als durch eine allnächtliche Abschöpfung von Werten. Der dabei zur Anwendung gebrachte Humor und Einfallsreichtum inspirierte angeblich sogar Maurice Leblanc zu seinem Meisterdieb Arsène Lupin. Er bewahrte Jacob jedoch nicht vor einer langjährigen Haftstrafe, während der er seine Erinnerungen niederschrieb. Mit einem Vorwort von Andreas Gehrlach und um weitere Texte ergänzt, gewähren diese Einblick in das illegale Milieu der »Belle Epoque« und offenbaren zugleich das widerständige Denken eines Aufständischen, der seinen Überzeugungen bis zuletzt treu blieb.

Montag, 1. Juni 2026

Ben Aaronovitch: Der böse Ort (Rezension)

Seltsame Dinge geschehen im Skygarden Tower, einem berüchtigten Sozialwohnblock in Südlondon. Dinge, die eine magische Anziehungskraft auf Police Constable und Zauberlehrling Peter Grant ausüben. Zunächst geht es nur um ein gestohlenes altes Buch über Magie, das aus der Weißen Bibliothek zu Weimar stammt. Doch dann weitet sich der Fall rasant aus. Denn der Erbauer des Tower, Erik Stromberg, ein brillanter, wenngleich leicht gestörter Architekt, hatte sich einst in seiner Zeit am Bauhaus offenbar nicht nur mit modernem Design, sondern auch mit Magie befasst. Was erklären könnte, warum der Skygarden Tower einen unablässigen Strom von begabten Künstlern, Politikern, Drogendealern, Serienmördern und Irren hervorgebracht hat. Und warum der unheimliche gesichtslose Magier, den Peter noch in schlechtester Erinnerung hat, ein so eingehendes Interesse daran an den Tag legt …

Freitag, 29. Mai 2026

Sonya Bateman: The Party (Rezension)

An ihrem Hochzeitstag verliert Indigo alles: Ihren Mann, ihr Geld, ihre Zukunft. Drei Jahre später bekommt sie die Nachricht, die ihr endlich Antworten verspricht. Aber Antworten haben einen Preis. Ich wollte nichts anderes, als meine Hollywood-Karriere hinter mir zu lassen. Nach all dem Glamour und Geld bleiben jetzt nur noch Verrat und Herzschmerz übrig. Doch jetzt holt mich meine Vergangenheit mit mysteriösen und verschlüsselten Nachrichten wieder ein.
Die Codierung dieser Texte kannte nur meine beste Freundin, doch sie ist schon seit Jahren tot.
Die Nachrichten drehen sich um meinen Ehemann Roman.
Roman, der mein Vermögen gestohlen hat. Roman, der anschließend ermordet wurde.
Der Absender schreibt, ich könnte alles aufklären, wenn ich zu einer exklusiven Party meiner ehemaligen Rivalin gehe.
Aber bin ich wirklich bereit für die Wahrheit?

Donnerstag, 28. Mai 2026

Saratoga Schaefer: Serial Killer Support Group

Willkommen im gefährlichsten Club der Welt: der Selbsthilfegruppe für Serienmörder!
Tief verborgen im Darknet lauert der geheimste und gefährlichste Club, den man sich nur vorstellen kann: die Selbsthilfegruppe für Serienmörder. Wahrlich kein Ort für normale Menschen. Doch als Cyras Schwester von einem Serienkiller ermordet wird und die Ermittlungen ins Stocken geraten, tritt sie dem Club bei, überzeugt davon, dort deren Mörder zu finden. Um sich als eine von ihnen auszugeben, muss Cyra ihre dunkelste Seite hervorbringen und der Preis, den sie dafür zahlt, ist hoch. Möglicherweise zu hoch …

Ein Buch, das wie eine Komödie klingt, aber VORSICHT! Die SERIAL KILLER SUPPORT GROUP ist nicht das was man vermuten möchte. Und witzig ist dieser Thriller ganz und gar nicht. Vielmehr zeigt er wie weit ein Mensch gehen kann, wenn er/sie ... nun, das ist ein Teil des Reizes, den das Buch ausmacht. Irgendwie ist es so normal, zumindest was die Ausgangssituation anbelangt. Aber dann entwickelt der Roman eine Eigendynamik in eine unerwartete Richtung und ... ja, die Existenz dieser Gruppe ist schräg, aber man sollte sich nicht einlullen lassen. Es ist eine Supportgruppe, keine Selbsthilfegruppe. Ein kleiner, aber feiner Unterschied. Und Cyra ist die einzige Frau dort... da muss man sich auch erst einmal durchsetzen. Und ja, natürlich kann sie es. Irgendwie gespenstisch. Saratoga Schaefer fesselt den Leser von Anfang an, selbst, wenn die Geschichte erstaunlich unblutig ist (obwohl, und ich spoilere vermutlich nicht, es doch ein paar Tote gibt ... was soll man sonst von Serienkillern erwarten).

Mittwoch, 27. Mai 2026

Theodor Storm: Der Schimmelreiter (Rezension)

Theodor Storms Meisterwerk Der Schimmelreiter, erstmals 1888 veröffentlicht, zählt zu den bedeutendsten Erzählungen des deutschen Realismus. Im Zentrum der Novelle steht Hauke Haien, ein junger, intelligenter Mann, der in der nordfriesischen Marschlandschaft aufwächst und sich als Deichgraf gegen die Urgewalten der Natur und die Aberglauben der Dorfgemeinschaft behaupten muss. Hauke plant und baut einen neuen Deich, der das Land vor Sturmfluten schützen soll – doch seine Vision und sein Ehrgeiz führen ihn in einen unheilvollen Konflikt mit der Dorfgemeinschaft.
Die Sage um den Schimmelreiter, der bei Sturmfluten auf einem gespenstischen Pferd den Deich entlangreitet, spiegelt die tragische Lebensgeschichte eines Mannes wider, der an seinem eigenen Hochmut und den Naturgewalten zerbricht. Durch den einzigartigen Aufbau und die psychologische Tiefe der Figuren gilt Der Schimmelreiter als ein zeitloses Werk, das Fragen nach Fortschritt, Aberglauben und der Beziehung des Menschen zur Natur aufwirft.