Montag, 27. Juli 2026

Julian Brave Noisecat: Wir überlebten die Nacht (Rezension)

Auf den Spuren seiner Familie taucht Julian Brave NoiseCat tief in die Geschichte der First Nations Kanadas ein und findet heraus, dass sein Vater ein Überlebender der St. Joseph’s Mission ist.
Basierend auf fünf Jahren Recherche und Reisen zeichnet »Wir überlebten die Nacht« ein tiefgründiges, unvergessliches Porträt indigener Wirklichkeit, das sich der Unsichtbarmachung, der systematischen Verdrängung, der Auslöschung und den intergenerationellen Traumata der First Nations widmet. Brillant verwebt NoiseCat persönliche Geschichten mit investigativem Journalismus und traditionellen indigenen Erzählformen. Dabei entsteht eine Rückeroberung – von Geschichte, Identität und familiärer Zugehörigkeit. Eine persönliche Wiederannäherung an einen Vater, der gegangen ist.

Was wissen wir über Kanada? Es ist schwierig gegen die Supermacht USA zu bestehen und oft muss man sich ins Gedächtnis rufen, dass die USA NICHT Amerika sind, denn, da gibt es noch viel mehr. Und Kanada ... davon hört man weniger als von diversen politischen Verwirrungen in Südamerika. Und auch sonst habe ich den Eindruck, dass Kanada kaum in den Gedanken der Europäer ist. Mit WIR ÜBERLEBTEN DIE NACHT dachte ich, dass ich mir zumindest die nähere Geschichte des Landes näher bringen lassen kann.

Donnerstag, 23. Juli 2026

Andrea Storm: Singende Knochen (Rezension)

Die Bestattung von Bad Dürrenberg ist eine mesolithische Doppelbestattung einer 25 bis 35 Jahre alten Frau und eines etwa 6 bis 8 Monate alten Kindes im heutigen Bad Dürrenberg im Saalekreis (Sachsen-Anhalt). Sie ist vor allem durch ihre ungewöhnlichen Grabbeigaben und medizinischen Anomalien bekannt geworden, aufgrund deren die Frau der Öffentlichkeit als „Schamanin von Bad Dürrenberg“ präsentiert wird. Sie war archäogenetisch eine Vertreterin der Westeuropäischen Jäger und Sammler. Das Grab wurde 1934 bei Kanalarbeiten im Kurpark von Bad Dürrenberg gefunden. Zwischen 1989 und 2014 wurden mittels Radiokarbonmethode insgesamt vier Altersbestimmungen am Skelettmaterial vorgenommen, die es auf ein Alter zwischen 9000 und 8600 Jahren datieren. Es handelt sich damit um die zweitälteste bekannte Bestattung in Sachsen-Anhalt. Heute ist der Fund im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle ausgestellt.
Der Schamanin von Dürrenberg ist im Museum derzeit eine Sonderausstellung gewidmet, die noch bis zum 7. Februar 2027 läuft. Gesehen habe ich sie noch nicht, aber ich würde es nicht ausschließen, dass ich das Museum noch vor Ende der Ausstellung besuche ...
Auf jeden Fall ist die Schamanin eine durchaus interessante Persönlichkeit. So, wie es viele andere Personen der Vergangenheit sind (man fühle sich zu Recht an Ötzi erinnert).
Andrea Storm hat nun der Schamanin einen Roman gewidmet. SINGENDE KNOCHEN behauptet EIN STEINZEITROMAN zu sein, aber eigentlich wird eine Zeitreise-Geschichte geboten.

Mittwoch, 22. Juli 2026

M. G. Leonard: Jonathan Clock – Die Rache des Pharao (Rezension)

Jonathan und seine Mutter mussten schon oft umziehen – doch warum, weiß Jonathan nicht. Bis eines Nachts Fremde auftauchen und Jonathan ein unglaubliches Geheimnis entdeckt: Seine Mutter kann Türen durch die Zeit öffnen. Die beiden sind in großer Gefahr und nur der Herzskarabäus in der Grabkammer von Nofretete kann ihnen die Antworten liefern, die sie retten werden. Denn der finstere Rat der Zeit ist ihnen dicht auf den Fersen. Können Jonathan und seine Mutter das verlorene Grab und das Zeitportal finden, das sie ins alte Ägypten führt? Und werden sie dort sein, bevor der Rat sie findet? 
 DIE RACHE DES PHARAOS ist der Auftakt einer spannenden Zeitereiseabenteuer ab 10 Jahren (wobei man das ja kennt .... warum sollte man sich an die Altersempfehlung halten, wenn man Spaß haben will... obwohl ... üXXX ist ja auch ab10 ... aber weit darüber hinaus). Von Beginn an herrscht eine spannende und geheimnisvolle Atmosphäre, der man sich kaum mehr entziehen kann. Jonathan weiß genauso viel über die Umstände wie der Leser und beide kommen nach und nach hinter das Geheimnis der Türen und treten ein in eine Welt der geheimen Gesellschaften. SPANNEND!!!! Flüssig geschrieben, will man das Buch nicht beiseite legen. Sympathische Protagonisten, mit Ecken und Kanten, Ägypten (wer kann sich der Faszination von Mumien und Pharaonen schon entziehen), Zeitreisen. Viel wird geboten und es passt alles gut zusammen. Vielleicht mag die Komplexität des Hintergrunds etwas abschrecken, aber ... es ist ein Kinderbuch (und wenn man sich anschaut wie fit Kinder u. a. bei Dinosauriernamen sind .... wenn das Interesse da ist, dann sind es wohl eher die heimlichen Mitleser, sprich Eltern, die auf der Strecke bleiben). Auf jeden Fall ist M. G. Leonard ein wunderschöner Auftakt gelungen, der den Leser zum einen fasziniert, aber auch amüsiert und nebenbei auch informiert. Und es wird gezeigt wie man Geschichte alles andere als trocken präsentieren kann.
Man darf auf den zweiten Teil gespannt sein.

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Dienstag, 21. Juli 2026

Tom Sharpe: Bloody Mary (Rezension)

Am Porterhouse College ist der Teufel los: Der Rektor und Ex-Pförtner sitzt im Rollstuhl und braucht dringend einen Nachfolger, das Collegevermögen ging bei einem Casinobesuch flöten, und durch die heiligen Hallen spukt ein dubioses Filmteam. Und zu allem Überfluß ist Lady Mary Evans, die Witwe eines verblichenen Rektors, nicht von der Idee abzubringen, daß ihr Gatte einem Komplott seiner Kollegen zum Opfer fiel ...
Mit „Bloody Mary“ kehrt Tom Sharpe nach über zwanzig Jahren an das fiktive Porterhouse College in Cambridge zurück. Der Roman ist die Fortsetzung seines Kultklassikers Schwanenschmaus in Porterhouse und bietet erneut eine Satire auf den britischen Universitätsbetrieb, die Aristokratie und den unerschütterlichen Glauben an Traditionen.

Montag, 20. Juli 2026

Nicole Siemer: Ich, mein Dämon und ein paar Leichen (Rezension)

Kjara hat ein Problem. Eigentlich sogar zwei.
Problem Nummer eins: In ihrem Kopf lebt ein Dämon namens Akuma.
Problem Nummer zwei: Akuma hat ausgesprochen schlechte Ideen.
Während andere Menschen auf ihr Gewissen hören, hört Kjara auf einen Dämon mit fragwürdigem Humor und einer Vorliebe für kreative Problemlösungen. Leider enden diese Lösungen erstaunlich oft mit… nun ja, Leichen.
Als dann auch noch Gefühle ins Spiel kommen und Kjara plötzlich darüber nachdenken muss, ob sie vielleicht doch kein völlig hoffnungsloser Fall ist, wird die Sache kompliziert. Denn Akuma findet Moral ungefähr so überbewertet wie Rücksicht.
Zwischen Dämonengeflüster, schlechten Entscheidungen und einer stetig wachsenden Zahl unangenehmer Zwischenfälle stellt sich Kjara irgendwann eine wichtige Frage: Ist sie wirklich das Monster? Oder hat sie einfach nur einen sehr schlechten Mitbewohner im Kopf?