Leider ist der aus vornehmer Familie stammende Timothy Bright nicht so aufgeweckt, wie sein Nachname es verspricht. Als er aus Geldnöten den Auftrag übernimmt, ein Paket nach Spanien zu schmuggeln, gerät er in ein wildes Abenteuer.
Tom Sharpe war berühmt für seinen rabenschwarzen, respektlosen Humor und seine gnadenlose Satire auf die britische Gesellschaft. Auch in EIN DICKER HUND finden sich seinen Lieblingsthemen: Korruption, Heuchelei, Klassenunterschiede und die erschreckende Inkompetenz derjenigen, die Macht ausüben (obwohl man manchmal hinterfragen darf wer überhaupt in irgendeiner Weise kompetent ist, das ist manchmal nicht wirklich ersichtlich).
EIN DICKER HUND ist eine irrwitzige Geschichte voller Intrigen, Missverständnisse, Gewalt, sexueller Eskapaden und grotesker Zufälle. Typisch Sharpe geraten sämtliche Figuren immer tiefer in ein Chaos, das schließlich in einem spektakulären Finale kulminiert. Wenn man Sharpe kennt bekommt man genau das Chaos, was man erwartet. Übertrieben, politisch alles andere als korrekt, manchmal sehr prüde, dann wieder das genaue Gegenteil. Und irgendwann wissen weder der Leser noch die Protagonisten, wo es lang geht. Aber ... wen interessiert das schon.
Sharpes größte Stärke bleibt sein unverwechselbarer Stil. Seine Dialoge sind bissig, seine Figuren herrlich überzeichnet, und seine Fähigkeit, aus scheinbar kleinen Missverständnissen monumentale Katastrophen entstehen zu lassen, ist nach wie vor beeindruckend. Der Roman verliert sich allerdings stellenweise in Nebenhandlungen, manche Gags werden sehr weit ausgereizt, und nicht jede Pointe zündet. Zudem ist der Humor deutlich böser und zynischer als in Sharpes früheren Werken. Aber man wird durchaus gut unterhalten, wenn man weiß, was man zu erwarten hat. Für diejenigen, die noch nie von Tom Sharpe gehört haben, wirkt das Buch wie eine große Blödelei. Was zwar auch zutrifft, aber ... da steckt etwas mehr dahinter. Also ... man mag sich darauf einlassen oder, um sich mit Tom Sharpe vertraut zu machen lieber zu PUPPENMORD greifen.
Ein böser, turbulenter und stellenweise urkomischer Roman, der zwar nicht zur absoluten Spitzenklasse von Tom Sharpes Werk gehört, aber dennoch zu unterhalten weiß, auf eine respektlose überdrehte Weise.
Martins Buchgelaber
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Montag, 13. Juli 2026
Freitag, 10. Juli 2026
Maike Salhofen: Bruder Enno und das Herz des Störtebeker (Rezension)
Hexenjagd, verbotene Liebe und politische Machtkämpfe im mittelalterlichen Ostfriesland.
1399. Mysteriöse Todesfälle erschüttern die Küste: Drei Männer erliegen einer qualvollen Seuche, und die Angst vor schwarzer Magie greift um sich. Der junge Mönch Enno soll der Hexerei auf die Spur kommen und gerät in einen Strudel aus Aberglauben, alten Gelübden und einer verbotenen Liebe. Derweil entbrennt unter den friesischen Häuptlingen ein erbitterter Machtkampf um die Vorherrschaft im sechsten Seenland – und mittendrin: der legendäre Seewolf Klaus Störtebeker, der nicht nur Allianzen, sondern auch sein Herz aufs Spiel setzt.
Mit „Bruder Enno und das Herz des Störtebeker“ setzt Maike Salhofen ihre historische Krimireihe um den jungen Zisterzienser Enno fort und entführt ihre Leser erneut in das Ostfriesland des ausgehenden 14. Jahrhunderts. Die Handlung verbindet rätselhafte Todesfälle, religiösen Aberglauben, politische Machtkämpfe und die Legende um Klaus Störtebeker zu einem historischen Kriminalroman. Der Roman knüpft an die Ereignisse des ersten Bandes an, lässt sich aber auch ohne Vorwissen eigenständig lesen. Ich kannte den ersten Teil (BRUDER ENNO UND DIE HAND DES STÖRTEBEKER) nicht und fand mich im zweiten Teil gut zurecht. Wirklichen Zugang zur Geschichte habe ich aber nicht bekommen. Ob das daran lag, dass mir der erste Teil gefehlt hat, kann ich nicht sagen. Ich hatte zumindest nicht das Gefühl, dass ich Wissenslücken hatte.
1399. Mysteriöse Todesfälle erschüttern die Küste: Drei Männer erliegen einer qualvollen Seuche, und die Angst vor schwarzer Magie greift um sich. Der junge Mönch Enno soll der Hexerei auf die Spur kommen und gerät in einen Strudel aus Aberglauben, alten Gelübden und einer verbotenen Liebe. Derweil entbrennt unter den friesischen Häuptlingen ein erbitterter Machtkampf um die Vorherrschaft im sechsten Seenland – und mittendrin: der legendäre Seewolf Klaus Störtebeker, der nicht nur Allianzen, sondern auch sein Herz aufs Spiel setzt.
Mit „Bruder Enno und das Herz des Störtebeker“ setzt Maike Salhofen ihre historische Krimireihe um den jungen Zisterzienser Enno fort und entführt ihre Leser erneut in das Ostfriesland des ausgehenden 14. Jahrhunderts. Die Handlung verbindet rätselhafte Todesfälle, religiösen Aberglauben, politische Machtkämpfe und die Legende um Klaus Störtebeker zu einem historischen Kriminalroman. Der Roman knüpft an die Ereignisse des ersten Bandes an, lässt sich aber auch ohne Vorwissen eigenständig lesen. Ich kannte den ersten Teil (BRUDER ENNO UND DIE HAND DES STÖRTEBEKER) nicht und fand mich im zweiten Teil gut zurecht. Wirklichen Zugang zur Geschichte habe ich aber nicht bekommen. Ob das daran lag, dass mir der erste Teil gefehlt hat, kann ich nicht sagen. Ich hatte zumindest nicht das Gefühl, dass ich Wissenslücken hatte.
Donnerstag, 9. Juli 2026
C. J. Cooke: The Book of Witching (Hörbuch)(Rezension)
Der Prozess gegen die mutmaßliche Hexe Allison Balfour (oder Margaret Balfour) aus dem Jahr 1594 zählt zu den am häufigsten angeführten Hexenprozessen Schottlands. Balfour lebte auf den schottischen Orkney-Inseln, in der Gegend von Stenness. Zu jener Zeit sah der *Scottish Witchcraft Act* von 1563 für eine Verurteilung wegen Hexerei die Todesstrafe vor.
Patrick Stewart, 2. Earl of Orkney – bekannt als „Black Patie“ – übte 1594, zur Zeit von Balfours Prozess, die Herrschaft über die Orkney-Inseln aus. Patie war davon überzeugt, dass seine jüngeren Brüder, allen voran John Stewart, Earl of Carrick, ein Komplott zu seiner Ermordung schmiedeten. Patie entdeckte Gift im Besitz eines von Johns Dienern, Thomas Paplay; dieser legte nach elf Tagen Folter ein Geständnis ab und belastete Balfour als eine seiner Mitverschwörerinnen.
Obwohl Paplay sein Geständnis kurz vor seiner Hinrichtung widerrief, wurden Balfour und ihre Familie nach Kirkwall gebracht und dort so lange gefoltert, bis man ihnen ein Geständnis abgerungen hatte. Balfour wurde der Prozess gemacht; sie wurde der Hexerei für schuldig befunden und zum Tode verurteilt. Ebenso wie Paplay widerrief auch Balfour ihr Geständnis unmittelbar vor ihrer Hinrichtung am 16. Dezember 1594; sie beteuerte öffentlich ihre Unschuld und schilderte detailliert die Folterungen, denen sie und ihre Familienangehörigen unterzogen worden waren. Sie wurde am 16. Dezember 1594 am Richtplatz „Gallow Ha'“ in Kirkwall hingerichtet.
Patrick Stewart, 2. Earl of Orkney – bekannt als „Black Patie“ – übte 1594, zur Zeit von Balfours Prozess, die Herrschaft über die Orkney-Inseln aus. Patie war davon überzeugt, dass seine jüngeren Brüder, allen voran John Stewart, Earl of Carrick, ein Komplott zu seiner Ermordung schmiedeten. Patie entdeckte Gift im Besitz eines von Johns Dienern, Thomas Paplay; dieser legte nach elf Tagen Folter ein Geständnis ab und belastete Balfour als eine seiner Mitverschwörerinnen.
Obwohl Paplay sein Geständnis kurz vor seiner Hinrichtung widerrief, wurden Balfour und ihre Familie nach Kirkwall gebracht und dort so lange gefoltert, bis man ihnen ein Geständnis abgerungen hatte. Balfour wurde der Prozess gemacht; sie wurde der Hexerei für schuldig befunden und zum Tode verurteilt. Ebenso wie Paplay widerrief auch Balfour ihr Geständnis unmittelbar vor ihrer Hinrichtung am 16. Dezember 1594; sie beteuerte öffentlich ihre Unschuld und schilderte detailliert die Folterungen, denen sie und ihre Familienangehörigen unterzogen worden waren. Sie wurde am 16. Dezember 1594 am Richtplatz „Gallow Ha'“ in Kirkwall hingerichtet.
Mittwoch, 8. Juli 2026
Thomas Michael Glaw: Mach dir kein Bild (Rezension)
Eine Unbekannte ersticht den Direktor der berühmten Alten Pinakothek mitten in der Nacht vor einem angeblichen Vermeer. Dr. de Rijk pflegte ein offenes Haus in München Schwabing, auch was seine Geliebten anbelangte. Sein Bruder leitet eine Gemäldegalerie in Amsterdam und interessiert sich außerordentlich für einige Bilder und Unterlagen. Frauen und Gemälde führen Kriminalrat Benedict Schönheit in das Leben eines kühl rechnenden Charmeurs, der sich am Ende doch verkalkuliert hat.
MACH DIR KEIN BILD ist der dritte Fall in dem Benedict Schönheit ermittelt, aber es ist nicht nötig, die Vorgänger zu kennen. MACH DIR KEIN BILD ist ein schnörkelloser Krimi, bei dem das Privatleben des Ermittlers zwar präsent ist, aber nicht das Geschehen bestimmt. Ein klassischer Krimi, bei dem die Ermittlungsarbeit im Vordergrund steht. Thomas Michael Glaw beschränkt sich auf das Wesentliche und sorgt dabei für kurzweilige Unterhaltung. Schönheit und sein Team gehen Hinweisen nach, befragen Zeugen und Verdächtige und kommen der Lösung immer näher bis zur Auflösung. Glaw verzichtet auf Action, die Ermittlungen sind ruhig, sorgen aber auf ihre Art für Spannung und trotz der manchmal gemächlich wirkenden Erzählweise kann man das Buch nicht zur Seite legen. Glaw hat einen angenehmen Schreibstil und auch wenn auch Schönheit in München ermittelt liegen Welten zwischen ihm und Jana Vecera, einer weiteren in München ermittelnden Romanfigur.
Freunde von schnörkellosen Krimis, bei dem das Verbrechen im Vordergrund steht, werden auf ihre Kosten kommen. Und trotz der klaren Linie findet Glaw auch Wege das alles nicht ganz so ernst zu schreiben. MACH DIR KEIN BILD ist keine Komödie, aber ein guter Krimi mit Witz.
MACH DIR KEIN BILD ist der dritte Fall in dem Benedict Schönheit ermittelt, aber es ist nicht nötig, die Vorgänger zu kennen. MACH DIR KEIN BILD ist ein schnörkelloser Krimi, bei dem das Privatleben des Ermittlers zwar präsent ist, aber nicht das Geschehen bestimmt. Ein klassischer Krimi, bei dem die Ermittlungsarbeit im Vordergrund steht. Thomas Michael Glaw beschränkt sich auf das Wesentliche und sorgt dabei für kurzweilige Unterhaltung. Schönheit und sein Team gehen Hinweisen nach, befragen Zeugen und Verdächtige und kommen der Lösung immer näher bis zur Auflösung. Glaw verzichtet auf Action, die Ermittlungen sind ruhig, sorgen aber auf ihre Art für Spannung und trotz der manchmal gemächlich wirkenden Erzählweise kann man das Buch nicht zur Seite legen. Glaw hat einen angenehmen Schreibstil und auch wenn auch Schönheit in München ermittelt liegen Welten zwischen ihm und Jana Vecera, einer weiteren in München ermittelnden Romanfigur.
Freunde von schnörkellosen Krimis, bei dem das Verbrechen im Vordergrund steht, werden auf ihre Kosten kommen. Und trotz der klaren Linie findet Glaw auch Wege das alles nicht ganz so ernst zu schreiben. MACH DIR KEIN BILD ist keine Komödie, aber ein guter Krimi mit Witz.
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