Dienstag, 9. Juni 2026

Kelsey Cox: Party of Liars (Rezension)

Ein luxuriöses Anwesen, elegant gekleidete Gäste und Champagner auf einer mit Lichtern geschmückten Terrasse. Bei einer glanzvollen Party hoch über den Texas Hills treffen vier Frauen aufeinander, die kaum gegensätzlicher sein könnten: eine überforderte junge Mutter, eine verbitterte Ex-Frau, eine Sechzehnjährige, die mit dem Feuer spielt, und eine Nanny, die mehr weiß, als gut für sie ist. Sie alle sind an diesem Abend zusammengekommen, um Sophie Matthews' Geburtstag zu feiern. Doch kurz bevor die Kerzen auf der dreistöckigen Torte ausgeblasen werden, stürzt einer der Anwesenden vom Balkon - und ist sofort tot. Schnell wird klar: Jede der Frauen hat etwas zu verbergen. Würde eine von ihnen töten, damit es niemals ans Licht kommt?
PARTY OF LIARS war anders, als ich es aufgrund des Klappentextes erwartet hätte, was aber nicht ungewöhnlich ist. Mancher Klappentext (sehr viele um genau zu sein) sind mit Vorsicht zu genießen. Ich würde PARTY OF LIARS auch nicht wirklich als Thriller bezeichnen. Welche Kategorie man aber sonst wählen sollte ist schwierig, denn auch wenn man einen Thriller erwarten könnte, so ist die Geschichte dann doch etwas langatmig und spannungsarm. Von einem Thriller erwarte ich mehr.
Die Geschichte wird aus mehreren Blickwinkeln erzählt, was leider nicht unbedingt für Lesevergnügen sorgt. Die Erzählungen sind mal kürzer, mal länger, nicht unbedingt linear und manchmal werden Ereignisse aus der Vergangenheit beschrieben. Lange Zeit weiß man eigentlich nicht, was passiert, obwohl es zumindest Andeutungen gibt, die jedoch nicht auf das Opfer hinweisen. Es dauert lange, bis tatsächlich etwas passiert, aber das passiert fast nebenbei und führt zu einem unbefriedigenden Ende, das sich zudem noch etwas hinzieht, da ja alle (überlebenden) Beteiligten noch einen Schluss bekommen müssen.
Die Kapitel sind insgesamt viel zu kurz, die Sichtweisen wechseln viel zu oft und ein roter Faden in der Geschichte fehlt leider. Dafür findet man in den Kapiteln unnötig viele kleine Details, die größtenteils überflüssig sind und weder der Spannungsaufbau (der nicht vorhanden ist) noch der Charakterentwicklung (die, wenn überhaupt sehr schleichend ist) dienen.
Verwirrend für den Leser, aber da scheint eine interessante Grundidee in den Sand gesetzt zu werden. Für Thrillerfans keine Bereicherung und sonst ... muss man PARTY OF LIARS nicht gelesen haben.

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Montag, 8. Juni 2026

M. C. Beaton: Agatha Raisin und die Tote im Feld (Rezension)

Eine militante Wanderin, die ihr Ende im Feld des Erzfeindes findet - dieser Fall schreit förmlich nach einer Spürnase wie Agatha Raisin, meint Deborah, eine Freundin der Toten. Die geschmeichelte Agatha ist zwar gerade erst wieder in den Cotswolds angekommen, lässt sich aber nicht zweimal bitten. Ihr Plan: Sie und ihr Schwarm James schleusen sich als Ehepaar getarnt in den Wanderkreis des Opfers ein, um ungestört herumschnüffeln zu können. Gesagt, getan. Als kurze Zeit später ein weiteres Mitglied der Wandergruppe ermordet wird, schwant es den beiden, dass sie sich geradewegs in die Höhle des Löwen begeben haben ...
AGATHA RAISIN UND DIE TOTE IM FELD ist der vierte Teil um die etwas eigenwillige Möchtegerndetektivin, aber im Großen und Ganzen ein großer Spaß. Agatha Raisin gehört nicht wirklich zu den sympathischsten Detektiven, aber irgendwie macht Fremdschämen auch Spaß und bei Agatha kann man das sehr oft. Von daher kann man durchaus behaupten, dass due Serie (und dieser Teil) höchst humorvoll ist (auf eine etwas gemeine Art). Ein bisschen weltfremd ist der Roman schon, die Ansichten der Charaktere sind teilweise schon sehr altmodisch und nicht unbedingt nachvollziehbar. Aber das gehört irgendwie dazu, Wenn man das mag dann wird man viel Spaß haben, wenn Agatha ihrem James hinterherschmachtet, ein Mauerblümchen einem Adligen hinterherjagt und eine Wandergruppe ihr Wegerecht einfordert ... Spannend? Bedingt. Aber trotzdem unterhaltsam. Cosy für all jene, die es cosy und irgendwie abgedreht haben möchten, Ja, mag sein, dass die Realität etwas gebogen wird, aber im Rahmen der Reihe ist alles schlüssig und nachvollziehbar. Realismus? Nö. Aber wenn man sich andere Cosy Crimes anschaut, dann darf man das auch hier nicht erwarten. Agatha Raisin (die Serie) ist gute Unterhaltung, angenehm Cosy und ein bisschen schräg. Was ich allerdings bei AGATHAT RAISIN UND DIE TOTE IM FELD etwas befremdlich fand, war das Ende (das persönliche, nicht die Aufklärung des Falls), das kam etwas unerwartet und zu früh (und nicht nachvollziehbar).

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Freitag, 5. Juni 2026

Marco Corelli: Isarwalzer (Rezension)

Während der prachtvollen Hochzeitsfeier im Englischen Garten verschwindet die Braut spurlos vor dem Hochzeitswalzer – kurz darauf wird sie tot aufgefunden. Hauptkommissar Tino Haffner, bereits als Gast vor Ort, ermittelt unter den prominenten Hochzeitsgästen. An Verdächtigen mangelt es nicht, denn nicht alle Anwesenden waren dem Brautpaar, einem Mitarbeiter der Bayerischen Staatskanzlei und einer erfolgreichen Unternehmerin, wohlgesonnen. Der Fall spitzt sich zu, als der einzige Zeuge stirbt, bevor er aussagen kann, und die geladene Ministerpräsidentin sich einmischt, weil sie glaubt, der Mörder hätte es auf sie abgesehen …
ISARWALZER ist Tino Haffners zweiter Fall, aber der erste, den ich gelesen habe. Aber es wirkte auf mich nicht so, als würde mir etwas fehlen.

Donnerstag, 4. Juni 2026

R. F. Kuang: Babel (Rezension)

1828. Robin Swift, den ein Cholera-Ausbruch im chinesischen Kanton als Waisenjungen zurücklässt, wird von dem geheimnisvollen Professor Lovell nach London gebracht. Dort lernt er jahrelang Latein, Altgriechisch und Chinesisch, um sich auf den Tag vorzubereiten, an dem er in das Königliche Institut für Übersetzung der Universität Oxford - auch bekannt als Babel - aufgenommen werden soll.
Oxford ist das Zentrum allen Wissens und Fortschritts in der Welt. Für Robin erfüllt sich ein Traum, an dem Ort zu studieren, der die ganze Macht des britischen Empire verkörpert.
Denn in Babel wird nicht nur Übersetzung gelehrt, sondern auch Magie. Das Silberwerk - die Kunst, die in der Übersetzung verloren gegangene Bedeutung mithilfe von verzauberten Silberbarren zu manifestieren - hat die Briten zu unvergleichlichem Einfluss gebracht. Dank dieser besonderen Magie hat das Empire große Teile der Welt kolonisiert.
Für Robin ist Oxford eine Utopie, die dem Streben nach Wissen gewidmet ist. Doch Wissen gehorcht Macht, und als chinesischer Junge, der in Großbritannien aufgewachsen ist, erkennt Robin, dass es Verrat an seinem Mutterland bedeutet, Babel zu dienen. Im Laufe seines Studiums gerät Robin zwischen Babel und den zwielichtigen Hermes-Bund, eine Organisation, die die imperiale Expansion stoppen will. Als Großbritannien einen ungerechten Krieg mit China um Silber und Opium führt, muss Robin sich für eine Seite entscheiden ...
Aber kann ein Student gegen ein Imperium bestehen?