Mittwoch, 2. Dezember 2020

Dirk Husemann: Die Romanfabrik von Paris (rezension)

Paris 1850. In der Romanfabrik von Alexandre Dumas schreiben siebzig Angestellte die beliebten Folgen von Die drei Musketiere und Der Graf von Monte Christo, die als Fortsetzungsgeschichten die Zeitungsleser begeistern. Doch im jüngsten Werk ist etwas faul zwischen den Zeilen, denn es ist gespickt mit Staatsgeheimnissen. Um seinen Ruf zu retten, muss sich Dumas ausgerechnet mit seiner größten Kritikerin verbünden: der deutschen Lehrerin Anna Moll, die ihn wegen freizügiger Texte angezeigt hat.
Ich mag die Bücher von Alexandre Dumas und ich bin froh, dass es sich bei dem Alexandre in DIE ROMANFABRIK VON PARIS um einen etwas fiktiven Charakter handelt, der zwar wie Dumas aussieht, aber Dinge macht, die der reale Dumas nie getan hat.
Aber wenn ich ein realistisches buch über den Autoren lesen wollte würde ich mir eine Biografie suchen. 
So aber bekomme ich einen historischen Abenteurroman mit (mehr oder weniger) historisch belegten Personen und darf mit Alexandre und Anna über den europäischen Kontinent reisen und nebenbei einiges über die Probleme die Farbige (Dumas) und körperlich eingeschränkte Personen (Anna) in der damaligen Zeit erfahren. 
Dirk Husemann, nebenbei noch Archäologe und Wissenschaftsjournalist, weiß wie er seinen Leser bei der Stange hält. "Exotische" Schauplätze (den englischen Königspalast, Sankt Petersburg ...), mehr oder weniger liebenswerte Protagonisten und ein scheinbar übermächtiger (und doch bemittleidenswerter) Gegenspieler sorgen für gute Unterhaltung. Und auch an Kraftausdrücken kann der Leser noch einiges lernen. 

Historische Fakten gemischt mit künstlerischen Freiheiten (ohne unglaubwürdig zu wirken), gemischt mit dem ein oder anderen Augenzwinkern ... Freunde historischer Romane werden ihre Freude haben. Und wer eine schwülstige Liebesgeschichte erwartet, der sollte vielleicht doch zu einem weniger authentischen historischen Liebesroman greifen, Kitsch bietet die Romanfabrik nicht.

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