Montag, 20. September 2021

Nadine Muriel/Rainer Wüst: Das geheime Sanatorium (Rezension)

Wohin wendet sich ein Werwolf, wenn er eine Blutphobie hat? Wo lassen sich Untote bei Problemen mit ihrer neuen Daseinsform beraten? Wo nimmt man eine liebreizende Drud ernst? – Natürlich im geheimen Sanatorium! Verborgen in den Karpaten befindet sich in einem unterirdischen Labyrinth eine Psychiatrie für Fantasywesen. Doch der Alltag ist dort keineswegs nur durch Therapiesitzungen geprägt! Im geheimen Sanatorium werden Verbrechen aufgedeckt, gibt es Liebeleien und Querelen, entstehen Freundschaften zwischen den aberwitzigsten Kreaturen ... 10 Autoren erzählen in 13 miteinander verknüpften Episoden von phantastischen Abenteuern zwischen Therapieraum und Salzsteinoase. Entschlüsseln Sie mit uns die verborgenen Winkel der Psyche!
Ich habe schon oft erwähnt, dass ich Anthologien gerne lese. Sie bieten Abwechslung, geben neuen Autoren eine Plattform und auch die Gelegenheit neue Autoren zu entdecken. Nicht jede Geschichte kann gut sein, aber eine Anthologie bietet auch die Möglichkeit mehrere Geschmäcker zu bedienen. Und ich habe Spaß an Kurzgeschichten.

Dienstag, 7. September 2021

Anja Stephan: Paris Underground - Das kalte Herz (Rezension)

Als Scott seiner Schulkameradin aus Jugendtagen über den Weg läuft, weiß er sofort, dass es das Schicksal nicht gut mit ihm meint. Es gibt keine Zufälle. Aus ist es mit seinem ruhigen Leben im Quartier Latin in Paris! Denn nun begibt er sich zusammen mit Gwendolyn auf die Suche nach dem verlorenen Herzen in die Pariser Unterwelt. Ein Abenteuer, das sein Leben für immer verändern wird. Gleichzeitig müssen sich beide mit ihrer Vergangenheit auseinandersetzen, die sich über fast 150 Jahre erstreckt.
Paris Underground ist ein spannender, interessanter Urban-Fantasy-Roman, der zum einen ein neues Bild auf die Stadt der Liebe wirft, zum anderen auch den Elfen eine etwas menschlichere Facette gibt. Es ist kein Roman, der in den Katakomben oder der Metro spielt, es sind die Straßen, die Öffentlichkeit die beleuchtet wird. Der Hochadel und die Hochelfen, Kunst und Kultur, das sind die Themen des Buchs. Aber auch Rassismus und andere soziale Themen und Ungerechtigkeiten werden nicht ausgespart... Elfen sind auch nur Menschen.

Montag, 6. September 2021

Stuart Turton: Der Tod und das dunkle Meer (Rezension)

1634: Ein Schiff auf dem Weg von Indonesien nach Amsterdam. Eine dunkle Prophezeiung und ein Detektiv, der selbst Gefangener ist. Samuel Pipps und Arent Hayes stehen vor dem Fall ihres Lebens, denn der Teufel ist mit an Bord. Aberglaube, Hexenjagd, Machtgier – Stuart Turton führt uns ins dunkle Meer der menschlichen Abgründe.
Gerade noch hat Samuel Pipps im Auftrag der mächtigen Männer der Ostindien-Kompanie einen kostbaren Schatz in der Kolonie Batavia wiedergefunden. Nun befindet er sich auf dem Weg zu seiner Hinrichtung. Sein Assistent und Freund Arent Hayes ist mit an Bord der Saardam. Genau wie der Generalgouverneur und seine Frau Sara Wessel. Doch kaum auf See, beginnt der Teufel sie heimzusuchen. Unerklärliche Morde geschehen, und ein Flüstern weht durch das Schiff, das alle an Bord dazu verführt, ihren dunkelsten Wünschen nachzugeben. Pipps muss seinem Freund Arent und Sara dabei helfen, ein Rätsel zu lösen, das alle Passagiere verbindet und weit in die Vergangenheit zurückreicht. Bevor das Schiff sinkt und sie alle in die Tiefe reißt.

Samstag, 4. September 2021

Shannon Messenger: Keeper of the Lost Cities - Der Aufbruch (Rezension)

Die 12-jährige Sophie scheint nicht in ihr eigenes Leben zu passen. Sie ist hochintelligent und hat mehrere Klassen übersprungen. Und sie hütet ein großes Geheimnis: Sophie kann die Gedanken ihrer Mitmenschen lesen. Ihr ganzes Leben lang fühlte sie sich als Außenseiterin. Bis sie Fitz trifft, einen geheimnisvollen Jungen. Er teilt ihr das Unglaubliche mit: Sie ist mit ihren Fähigkeiten nicht allein. Und sie gehört dem Volk der Elfen an. Für Sophie beginnt ein neues Leben. Ab sofort besucht sie im Elfenreich eine Zauberschule. Doch ihre Vergangenheit holt Sophie immer wieder ein: Wer ist sie wirklich? Warum wurde sie in der Menschenwelt versteckt – und vor wem? Die Antworten auf diese Fragen könnten über Leben und Tod entscheiden …
Der Aufbruch ist der Auftakt einer erfolgreichen Fantasyserie, die es schon seit einiger Zeit in den USA gibt. Manchmal ist es wirklich erstaunlich, dass so manches Juwel lange braucht um den Weg nach Deutschland zu finden.
Andererseits ist das Thema Zauberschule seit Harry Potter auf der einen Seite sehr populär geworden, auf der anderen Seite muss sich jedes Buch mit HP vergleichen. Bei Keeper of the Lost Cities ist man versucht Vergleiche anzustellen, aber es gelingt nicht, da beide Buchreihen vollkommen unterschiedlich sind und es in Shannon Messengers Reihe zwar auch eine Zauberschule gibt, diese aber nicht so präsent ist wie bei J. K. Rowlings. Ein Großteil der Geschichte spielt außerhalb der Schule und ist zum einen sehr spannend, aber auch sehr geheimnisvoll und ein echter Pageturner. Die Charaktere sind gut gezeichnet, ihr Verhalten nachvollziehbar und die magischen Möglichkeiten spiegeln die Kreativität der Autorin wieder.
Wer denkt, dass man es hier mit einem Buch für junge Mädchen zu tun hat wird vielleicht erfreut sein zu lesen, dass es meiner Meinung nach durchaus auch für ältere "Semester" jeglichen Geschlechts geeignet ist, solange man sich für magische Geschichten über Freundschaft und Loyalität interessiert. Die Protagonisten wirken manchmal älter als sie sind, aber vielleicht sind Elfen in vielen Dingen anders als Menschen (nicht nur in denen im Buch erwähnten) und Sophie findet sich schneller in ihr Elfendasein hinein als gedacht. 
Das Buch macht auf jeden Fall Lust auf mehr.
Fremde Welten, Magie und psychische Fähigkeiten, Freundschaft, Geheimnisse, Verschwörungen, Gerichtsverhandlungen, Waldbrände ... all das bietet Der Aufbruch.
Der Vorteil des Alters der Serie ... die nachfolgenden Bände werden schnell und regelmäßig in deutscher Übersetzung vorliegen.

Freitag, 3. September 2021

Matthias Bauer: Das Tor - Neue makabre Geschichten (Rezension)

Ein Mädchen, das glaubt, den Eingang ins Paradies gefunden zu haben. Ein verzweifelter Schriftsteller, der um jeden Preis nach Inspiration sucht. Ein Scheusal von Rockstar, der alle in seiner Umgebung so behandelt, wie es ihm beliebt – bis das Schicksal eines Tages an die Tür klopft …
Nach Reiche Ernte (das ich noch nicht kenne) legt Matthias Brand nun mit "Das Tor" seinen zweiten Band makabrer Kurzgeschichten vor. Zusätzlich zu den kurzen Geschichten enthält dieser Band vier Gedichte. Es fällt mir schwer zu diesen eine Meinung zu bilden, da ich mich allgemein mit Lyrik schwer tue und mir der Zugang dazu fehlt. Ich hätte gut auf sie verzichten können.
Die Geschichten selber sind aber sehr unterschiedlich, überraschend und atmosphärisch sehr gut gelungen. Auch die Themen sind sehr vielseitig und auch vor politischen Themen und der deutschen Vergangenheit (was fast auf das Gleiche hinausläuft) wird nicht Halt gemacht.
Bauer zeigt, dass man guten Horror verbreiten kann ohne allzu brutal zu werden und so zeigen sich viele Geschichten (Ausnahmen bestätigen die Regel ... natürlich) sehr blutarm. Und dennoch können sie überzeugen.
Kurzgeschichtenbände (egal ob sie von einem oder mehreren Autoren geschrieben wurden) zeichnen sich oft durch die unterschiedliche Qualität der enthaltenen Geschichten aus. "Das Tor" mag eine Ausnahme sein, denn mir haben ausnahmslos alle Geschichten gefallen.
Nur die Gedichte ....

Das Tor ist eine interessante, kurzweilige Sammlung makabrer Geschichten, an denen Freunde des gepflegten Horrors ihre Freude haben werden.

Donnerstag, 2. September 2021

A. K. Turner: Tote schweigen nie (Rezension)

Als Assistentin der Rechtsmedizin ist die Londonerin Cassie Raven schräge Blicke gewöhnt. Möglicherweise ist auch ihr Gothic-Look mit zahlreichen Piercings und Tattoos nicht ganz unschuldig daran – ebenso wie ihre Überzeugung, dass die Toten mit uns sprechen, wenn wir nur ganz genau hinhören.
Ebenso überzeugt ist Cassie davon, dass sie ohne die Hilfe von Mrs Edwards als Junkie unter einer Brücke gelandet wäre statt als Assistentin in der Rechtsmedizin. Umso größer ist ihr Schock, als sie einen Leichensack öffnet und in das Gesicht ihrer geliebten Mentorin blickt.
Cassie ist sicher, dass Mrs Edwards ermordet wurde. Nur beweisen kann sie es nicht, denn eine kostspielige forensische Obduktion wurde bereits abgelehnt. Das macht ausgerechnet die unterkühlte DS Phyllida Flyte, die Cassie wegen einer verschwundenen Leiche auf dem Kieker hat, zu ihrer einzigen Option …
Natürlich war mein erster Gedanke ein anderer, und ich bin nicht enttäuscht, dass ich getäuscht wurde. Ich dachte, dass es sich bei "Tote schweigen nie" um einen Thriller handelt, in dem eine Forensik-Assistentin mit Toten reden kann und diese ihr helfen, Verbrechen zu klären. Nun ja, Cassie Raven spricht mit den Toten (und manchmal sprechen sie auch), aber darum geht es gar nicht.
Cassie Raven ist nicht nur vom Aussehen her ein schräger, aber liebenswerter Charakter, die anderen helfen will, selbst wenn sie tot sind. und wenn es sich bei der Toten um eine gute Mentorin handelt, dann ist es selbstverständlich, dass Cassie mehr über die Todesursache herausfinden will.
Eher unfreiwillig hilft ihr anfangs DS Flyte, doch die beiden werden ein gut agierendes Team, welche auch das Potential haben könnte zu Freundinnen zu werden (und ich erlaube mir einfach mal auf die Zweideutigkeit dieser Aussage hinzuweisen).
Interessante Hauptdarsteller sind aber nur ein kleiner Teil, welche diesen Thriller lesenswert macht. Auch der Fall selber ist spannend (und wendungsreich) und hat die eine oder andere Überraschung parat. Kurzweilige, niemals langweilende Unterhaltung wird geboten und man ist gespannt darauf, mehr von den beiden zu lesen.
Wer denkt, dass man dem beliebten Pathologie-Krimis nicht noch eine Nuance abgewinnen kann wird sehr überrascht werden.