Dienstag, 24. November 2020

Matt Ruff: Lovecraft Country (Rezension)


Atticus Turners Gefühle für seinen Vater waren schon immer zwiespältig. Doch als der verschwindet, macht Atticus sich wohl oder übel auf die Suche. Auch wenn die Spur nach „Lovecraft Country“ in Neuengland führt, Mitte der 50er Jahre ein Ort der schärfsten Rassengesetze in den USA. Mit Hilfe seines Onkels George, Herausgeber des „Safe Negro Travel Guide“, und seiner Jugendfreundin Letitia gelangt Atticus bis zum Anwesen der Braithwhites. Hier tagt eine rassistische Geheimloge, mit deren Hilfe Braithwhite junior nichts weniger als die höchste Macht anstrebt. Matt Ruff erzählt mit überbordender Phantasie und teuflischem Humor die wahnwitzigen Abenteuer einer schwarzen Familie.
Es ist schon fast Jahrzehnte her, dass ich ein Buch von matt Ruff gelesen habe. Damals fand ich den Autor sehr witzig, aber irgendwann habe ich ihn aus den Augen verloren. Natürlich fällt ein Buch wie LOVECRAFT COUNTRY dem LOVECRAFT-FAN sofort ins Auge, allerdings hat mich der Klappentext nicht überzeugt und ich gebe zu, dass ich das Buch wohl auch nicht gelesen hätte, wenn es die Serie nicht geben würde und ich einen Vergleich zu beiden darstellen wollte. 
Der Roman besteht aus acht Kapiteln mit einem Epilog, in denen zwar eine zusammenhängende Gesamthandlung erzählt wird, diese aber in kurzgeschichtenartige Episoden unterteilt ist. Diese sind zeitlich voneinander getrennt und trotz Verknüpfungen in sich abgeschlossen. Jedes Kapitel hat aus dem festen Personenkreis eine andere Hauptfigur, bis diese im achten Kapitel zusammengeführt werden, und wird mit einem Zitat eröffnet, entweder aus realer Literatur, Briefen und Zeitungstexten oder aus den fiktiven, von den Hauptfiguren geschriebenen Werken, dem Safe Negro Travel Guide (den es tatsächlich gab) und der Comicreihe Orithyia Blue.
Sowohl zum Buch als auch zur Serie kann ich nicht sagen, was ich davon halten soll. Zum einen ist mir das zu viel Rassismus (und das gehört nicht zu den Dingen, die ich gerne lese) zum andern zu wenig Lovecraft. Andererseits ist das Buch nicht schlecht geschrieben (und auch die Serie hat ihre Highlights, auch wenn sie sich etwas von der Vorlage unterscheidet). 
Die Charaktere sind interessant und auch die Handlung an sich hat etwas surreales (allerdings auch etwas sehr realistisches), aber ... eine Einordnung des Buchs fällt mir schwer. 
Familiengeschichte?
Vergangenheitsbewältigung?
Schauerroman?
Von allem etwas ...
Nun, das Buch ist gelesen, ich kann weder sagen dass es schlecht ist, noch dass es mich überzeugt hätte. Ich werde die Serie weiter verfolgen, denn auch sie ist nicht schlecht (gehört aber nicht zu meinen Highlights der Seriensaison).

Vielleicht sollte ich wieder zu einem der älteren Ruff-Romane greifen um zu vergleichen. Wie gesagt, ich habe den Autor früher gerne gelesen, aber LOVECRAFT COUNTRY hat mich doch etwas enttäuscht. Aber ich weiß auch nicht was ich erwartet habe. Mehr LOVECRAFT wäre schön gewesen ...

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