Mittwoch, 31. Januar 2024

Mary E. Garner: Der Buchladen in der Percival Road (Rezension)

Portia Gateway hat gerade ihre Mutter zu Grabe getragen, als sie noch auf dem Friedhof einem fremden Mann begegnet. Maximilian Binders Aufgabe ist es, Portia eine Botschaft ihres verstorbenen Vaters zu überbringen. Diese Botschaft soll die junge Frau dort erhalten, wo ihr Vater am glücklichsten war: in seinem Buchladen im Londoner Stadtteil Richmond. Als die beiden den Laden schließlich betreten, eröffnet sich für Portia eine Welt, die ihre kühnsten Träume übersteigt ...
Der Buchladen in der Percival Road ist ein Prequel zum Buch der gelöschten Wörter und kostenlos für den Kindle erhältlich. Kann man Lesen muss man aber nicht, denn im Vergleich zur Trilogie kann das Buch, bzw. die Geschichte nicht überzeugen. Es erzählt wie Portia an ihren Buchladen gelangt und wie sie zum ersten Mal auf M trifft. Eine geradlinige, spannungsarme Geschichte, ganz nett wenn man die Trilogie kennt, aber nicht unbedingt eine Story, welche die wirklich guten Bücher zur Bücherwelt-Serie lesenswert erscheinen lässt. Fans der Trilogie werden vielleicht an der Vorgeschichte interessiert sein, aber wirklich aufregend ist sie nicht. Wer die Trilogie (die bald keine mehr sein wird) noch nicht kennt, wird mit einer Leseprope neugierig gemacht. Diese ist um einiges interessanter als die Geschichte und ... länger. Aber ... kostet ja nix.

Dienstag, 30. Januar 2024

Jim Butcher: Verrat (Rezension)

Mein Name ist Harry Blackstone Copperfield Dresden, und heute bin ich ein Hüter des Weißen Rats der Magier. Doch früher hat mir dieser Rat immer misstraut, und einige seiner Mitglieder tun es noch heute. Besonders Hüter Donald Morgan hat mich schikaniert und stets einen Vorwand gesucht, um mich als Schwarzmagier hinzurichten. Es zeigt, wie verrückt dieser Fall war, dass Morgan des Hochverrats angeklagt wurde – und dass er ausgerechnet mich um Hilfe bat …
VERRAT ist der 11. Band der spannenden und unterhaltsamen Urban Fantasy-Reihe. Und einer der Besten. Es wird sehr emotional, natürlich sehr actiongeladen und es gibt einige Überraschungen, die teilweise okay sind, andererseits doch unerwartet und ich noch nicht weiß was ich davon halten soll... aber mehr wird nicht verraten. Natürlich bietet auch dieser Harry Dresden das Gewohnte und jeder Fan der Reihe wird seinen Spaß daran haben ... und neben scheinbar übermächtigen Gegnern, Verrätern (natürlich, was sollte man sonst bei einem Titel wie diesem erwarten) und einem sehr heftigen Showdown bleibt auch der Humor nicht zu kurz und manchmal wundert es einen wie Harry Dresden mit seinem Mundwerk überhaupt so alt werden konnte.
Natürlich gibt es ein Wiedersehen mit mehr oder weniger liebgewordenen Charakteren (die teilweise eine eher besorgniserregende Entwicklung durchmachen). Und Schreibfehler bekommt man auch serviert ... leider. Aber wenn man lernt darüber hinwegzusehen bekommt man einen wirklich überzeugenden Harry Dresden, der das bekannte Schema aufweist, aber deswegen nicht langweilig ist. Ich bin auf die folgenden Bände gespannt und freue mich, dass diese Serie wohl endlich vollständig übersetzt werden wird.

Montag, 29. Januar 2024

Amy Achterop: Die Hausboot-Detektei - Tödlicher Grund (Rezension)

Auch das sorgloseste Faulenzen an Deck muss irgendwann ein Ende haben. Es ist Herbst in Amsterdam. Und ohne Heizöl wird es sogar auf dem schönsten Hausboot ungemütlich. Die Auftragslage ist mau. Bis ein vermeintlich langweiliger Fall die Hobby-Detektive ordentlich herausfordert: Ihre Auftraggeberin wird plötzlich tot aufgefunden und entpuppt sich als Whistleblowerin. Die angesehene Expertin für den Rohstoffabbau in der Tiefsee stand kurz davor, ihre Firma in den Ruin zu jagen. Mord?
Arie, Maddie, Jack, Jan und Elin recherchieren: Mit der Rohstoffgewinnung im Ozean lässt sich viel Geld machen. Und zwar auf Kosten der Umwelt. Finden die Detektive gar nicht gut, und so wird das Aufklären dieses Todesfalls zur wahren Herzensangelegenheit.

Tödlicher Grund ist der zweite Teil der Hausboot-Detektei und obwohl doch cosy kommt er weniger cosy daher wie man es von Tödlicher Genuss gewohnt ist. Aber, die Protagonisten sind hinlänglich eingeführt, so dass man sich anderen Dingen zuwenden kann. Und so ist Tödlicher Grund zwar Cosy, aber auch Krimi, noch mehr als der Vorgänger und weil manchmal die Übergänge fließend sind könnte man fast schon von Thriller sprechen. Ein hochaktuelles Thema (Ausbeutung der Tiefsee) wird spannend verpackt und gemordet wird auch. Schauplätze sind neben dem beschaulichen Hausboot auch Peru. Und neben den Ermittlungen der Hausbootdetektive werden Morde und Intrigen gesponnen. Fast könnte man sagen, dass das nichts für schwache Nerven ist und so ganz anders als der Vorgänger, aber ... die Protagonisten (nebst Hund und Eichhörnchen) schaffen entschleunigte Szenen mit Wohl- und Mitfühlcharakter.
Und es wird ein überraschendes Ende präsentiert.
Wer es wirklich cosy mag, der wird vielleicht lieber zu einem anderen Krimi greifen wollen, wer aber bereits mit den Hausbootdetektiven Bekanntschaft gemacht hat, der wird trotz der Thrillerelemente seinen Spaß haben. Und keine Angst, es geht weder in die Action- noch in die Psychothrillerschiene, man schrammt nur ein bisschen daran vorbei.
Da kann man eigentlich nur sagen, dass sich dieser Krimi sehr vom Genre abhebt ... und man möchte mehr davon lesen.

Donnerstag, 25. Januar 2024

Edgar Allan Poe: Der Untergang des Hauses Ushers Und andere Erzählungen (Rezension)


Irgendwie kann ich da nicht widerstehen ....
Aber zurück zu Edgar Allen Poe.
Edgar Allan Poe (* 19. Januar 1809 in Boston, Massachusetts; † 7. Oktober 1849 in Baltimore, Maryland) war ein US-amerikanischer Schriftsteller. Er prägte entscheidend die Gattung der Kurzgeschichte sowie die Genres der Kriminal-, der Horror- und der Schauerliteratur. 1845 entstand eines seiner bekanntesten Werke. Der Rabe schildert in 108 Versen (18 Strophen) den mysteriösen, mitternächtlichen Besuch eines Raben bei einem Verzweifelten, dessen Geliebte verstorben ist. Es ist eines der bekanntesten US-amerikanischen Gedichte. Lyrik ist nicht so meins ... aber ich habe auch sonst noch nicht viel von Edgar Allan Poe gelesen (oder habe das meiste, das ich gelesen habe, wieder vergessen), denn auch wenn ihn alle als Meister sehen ... so ganz können mich seine Geschichten nicht begeistern, wobei ich mir trotzdem seine Kriminalgeschichten anschauen werde, denn diese kenne ich noch nicht. Aber zuerst DER UNTERGANG DES HAUSES USHERS.

Mittwoch, 24. Januar 2024

Michael Rutger: Anomalie (Rezension)

Nolan Moore ist Chef des Online-Formats "The Anomaly Files", einer Serie, die ungelösten Rätseln der Wissenschaft nachspürt. Eines Tages erfährt er von einer streng unter Verschluss gehaltenen Höhle im Grand Canyon. Welches Geheimnis ist dort verborgen? Nach einer abenteuerlichen Suche finden er und sein Team schließlich die schwer zugängliche Höhle. Doch kaum sind sie im Inneren, wird durch einen geheimen Mechanismus der Ausgang versperrt, und die Gruppe bemerkt, dass sie nicht allein in der Dunkelheit sind. Ein tödliches Katz-und-Maus-Spiel beginnt ...
Höhlen finde ich ja sehr faszinierend, aber ich begnüge mich lieber mit öffentlich zugänglichen Schauhöhlen, als mit den Höhlen, in die sich Höhlenforscher zwängen ... wer weiß was sich im Dunklen alles befindet.

Dienstag, 23. Januar 2024

Harry Kemelman: Am Dienstag sah der Rabbi rot (Rezension)

Es sieht so aus, als sei Professor Hendryx von einer Homer-Büste erschlagen worden. Sie stand über seinem Schreibtisch und fiel durch eine Bombenexplosion herunter. Doch dann stellt sich heraus, dass der Professor schon eine halbe Stunde früher tot war. Rabbi David Small, der an der Universität eigentlich eine Vorlesung halten soll, macht sich auf die Suche nach dem Mörder. Denn er ist überzeugt, dass die verhafteten Studenten unschuldig sind.
AM DIENSTAG SAH DER RABBI ROT ist der fünfte Fall mit Rabbi Small und geht andere Wege als seine Vorgänger (sofern sie mir bekannt sind). Es wird auch weniger jüdisch, aber nicht weniger interessant. Rabbi Small bekommt ein Angebot, das er nicht ausschlagen will. Er soll vertretungsweise am Windemere College in Boston einige Vorlesungen zu jüdischem Denken und jüdischer Philosophie halten. Eine neue Aufgabe, eine neue Umgebung ... und natürlich wäre es langweilig wenn nicht ein Mord passieren würde. Nun, man mag den jüdischen Gemeinderat vermissen, aber auch so kommt der Leser auf seine Kosten und wer die anderen Kemelman-Romane kennt wird nicht enttäuscht werden. Souverän geht der Rabbi zur Sache, es bleibt unblutig, aber dennoch spannend und auch der Humor kommt nicht zu kurz. Manche Bezeichnungen mögen vielleicht nicht mehr zeitgemäß (und rassistisch) sein, aber darüber sollte man hinwegsehen und dies der damaligen Zeit zuschreiben. Nur weil man versucht manche Bezeichnungen zu vermeiden wird eine Ungerechtigkeit dadurch nicht rückgängig gemacht. Aber das ist nicht mehr als eine Fußnote und stört das Lesevrgnügen nicht (oder sollte es zumindest nicht)

Montag, 22. Januar 2024

Joël Dicker: Die Wahrheit über den Fall Harry Querbert (Rezension)


Freitag, 19. Januar 2024

Valentina Morelli: Kloster, Mord & Dolce Vita - Die Wege des Herrn (Hörbuch)(Rezension)

Schwester Isabella wundert sich - vom einen auf den anderen Tag bleiben die Pilger im Kloster aus. Carabiniere Matteo sieht sich derweil mit einem Verkehrschaos in seinem Dorf konfrontiert. Der Grund für beides: Mitten in der Nacht wurde ein riesiges Loch auf der Hauptverkehrsader von Santa Caterina gebuddelt. Der einzige verbleibende Weg zum Kloster ist eine Privatstraße, und der anonyme Besitzer verlangt einen saftigen Wegezoll. Doch als das Loch wieder zugeschüttet werden soll, entdeckt man eine Leiche darin. Isabella und Matteo gehen der Sache auf den Grund...
Tja, kaum gewöhnt man sich daran, dass das Kloster zum Walfahrtsort wurde, dann bleiben die Pilger aus ... Die Wege des Herrn ist Teil 20 der amüsanten, Cosyklosterkrimireihe mit italienischem Flair. Und es ist nach wie vor ein kurzweiliges Vergnügen der Stimme von Chris Nonnast zu lauschen. Über ihre Fähigkeiten muss ich nicht viel sagen, ich würde mich sonst mit meinen Lobhudeleien in die höchsten Ebenen begeben. Aber sie schafft es dermaßen Schwester Isabella und dem Rest Santa Caterinas Leben einzuhauchen, dass man glaubt direkt dabei zu sein .... im sonnigen Italien (und nicht im trostlosen, kalten Deutschland).
Und die Handlung? Nett wie immer. Es gibt einen Toten, einen Bürgermeister, der auf seinen eigenen Vorteil bedacht ist, ein anderer, der den neuen Pilgerort verfluchen würde, ein paar Nonnen und ein Carabiniere. Im Großen und Ganzen alles wie immer, mit kleinen Überraschungen garniert, die ein Plus auf der Unterhaltungsskala geben. Ein FeelGoodhörbuch zum nebenbei hören. Leider viel zu kurz...

Donnerstag, 18. Januar 2024

Lara Elena Donnelly: Amberlough - Stadt der Sünde (Rezension)

In Lara Elena Donnellys glamourösem Spionagethriller opfert ein Doppelagent all seine Ideale, um seinen Schmuggler-Geliebten zu retten, bevor ein Regierungsputsch ihre dekadente Stadt übernehmen kann. Inmitten wachsender politischer Spannungen verflechten sich in Amberlough drei Leben mit dem Schicksal der Stadt selbst. Der Schmuggler: Tagsüber ist Aristide Makricosta Conférencier des exklusivsten Nachtclub in Amberlough. Nachts hingegen schmuggelt er Drogen und Flüchtlinge direkt unter der Nase korrupter Polizisten. Der Spion: Geheimagent Cyril DePaul denkt, er könne Geheimnisse gut bewahren, doch nach einem katastrophalen Einsatz im Ausland trifft er eine gefährliche Entscheidung, um sich zu schützen … und Aristide hoffentlich ebenfalls. Die Tänzerin: Cordelia Lehane, eine gewiefte Burlesque-Tänzerin im Bumble Bee Cabaret und Aristides’ Mädchen für alles, könnte der Schlüssel zu Cyrils Plan sein … wenn ihr zu trauen ist. Während die strahlenden Neonlichter von den wachsenden Flammen einer faschistischen Revolution abgelöst werden, müssen diese drei alles und jeden benutzen, um zu überleben, einschließlich einander. Eine großartige Mischung aus Kabarett und John Le Carré.

Mittwoch, 17. Januar 2024

Gunnar Schwarz: Mädchenhenker (Rezension)

Auf diversen Social-Media-Kanälen wird ein Live-Video veröffentlicht, auf dem eine junge Frau gedemütigt, gefoltert und schließlich getötet wird. Nachdem sich die Aufnahmen als echt herausstellen, werden die beiden Ermittler Emma Bajetzky und Alex Kuper auf den Fall angesetzt. Doch sowohl vom Tatort als auch vom Opfer fehlt jede Spur.
Als kurze Zeit später ein zweites Video mit einer weiteren Bluttat auftaucht, sind die Ermittler davon überzeugt, dass es sich um einen Serienmörder handelt. Doch welches Motiv steckt hinter den Taten? Und was haben die jungen, auf den ersten Blick vollkommen unschuldigen Frauen gemeinsam? Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt, denn der Täter hat bereits sein nächstes Opfer im Visier …

Fast habe ich den Eindruck, dass sich Gunnar Schwarz wieder auf seine Anfänge besinnt und versucht seine Leser mit dem zu unterhalten was er kann. Neuer Roman, aber kein neues Ermittlerduo und wenig Einblicke in das Seelenleben des Täters (auch wenn es anscheinend nicht ganz ohne geht). 

Dienstag, 16. Januar 2024

Bora Chung: Der Fluch des Hasen (Rezension)

 

Asiatische Literatur gehört nicht unbedingt zu den Büchern, die ich lese, auch wenn ich hin und wieder chinesische oder japanische Autoren in die Hände bekomme. Früher habe ich mich auch an Mangas versucht, aber ein Comicfan war ich nie und werde es wohl auch nicht mehr werden. Was mich aber reizen konnte war das asiatische Kino. Egal ob Bollywood oder Martial Art Filme, gerne auch Horror a la Ring, das wird oft konsumiert. Aber asiatische Literatur ... das geht leicht unter und ich habe auch den Eindruck, dass das nicht nur mir so geht. Vielleicht liegt es aber auch an den Verlagen, die sich an die asiatische Literatur nicht so heranwagen.
Bora Chung ist in Seoul geboren, ist Autorin von mehreren Romanen und Storysammlungen. Sie übersetzt zeitgenössische Literatur aus dem Russischen und Polnischen ins Koreanische und ist Mitglied der »Science Fiction Writers Union of Korea«. »Der Fluch des Hasen« stand auf der Shortlist für den International Booker Prize 2022 und wurde in 16 Sprachen übersetzt. Wie man sieht auch in Deutsch. Ich und ScienceFiction funktioniert selten, aber ich versuche es immer wieder, so als ob ich das Genre, oder Teile davon, mögen möchte. Hinzu kommt, dass Anthologien sehr unterschiedliche Geschichten beinhalten und nicht immer alle können überzeugen. Die Neugierde hat mich also dazu getrieben eine koreanische Science-Fiction-Sammlung zu lesen. Und vielleicht war es auch die Neugierde, die meine Erwartungen im Zaum hielten. Aber ... so ganz SF war das nicht. PHANTASTIK ja, aber sehr vielseitig und auf jeden Fall sehr unterhaltsam.
Manche Geschichten sind wirklich gruselig, manche verzaubert märchenhaft, aber auf abgedrehte Art und nicht disneylike. Die Geschichten sind skurril, weisen einen unterschiedlichen Stil auf und ich muss sagen, dass sie mich alle fasziniert haben und das vermutlich die einzige, oder zumindest eine von wenigen, Anthologie ist, von der ich vollkommen überzeugt bin. Da geht es um Flüche und Köpfe in Toiletten, da wird eine gehörte Geschichte weiter gegeben oder ein "Tatsachenbericht" erzählt. Die Geschichten sind alle schnörkellos, die Enden immer ... unerwartet oder zumindest ungewöhnlich. Wer gute phantastische Geschichten lesen möchte, der sollte um DER FLUCH DES HASEN keinen Bogen machen. Und ich hoffe dass auch andere Werke der Autorin den Weg nach Deutschland finden.

Montag, 15. Januar 2024

Jim Butcher: Kleine Gefallen (Rezension)

Mein Name ist Harry Blackstone Copperfield Dresden, und als Magier musste ich schon so manchen Handel mit übernatürlichen Wesen eingehen. Als die Königin des Winterhofs der Elfen mich um einen »kleinen« Gefallen bat, wusste ich, dass ich in Schwierigkeiten steckte. Durch ihr Tun musste ich mich mit den mächtigsten Wesen des Sommerhofs anlegen, einen brutalen Verbrecherboss retten und meinem schrecklichsten Feind gegenübertreten. Dass ich diese Geschichte erzählen kann, beweist, dass ich überlebt habe – doch zu welchem Preis?
KLEINE GEFALLEN ist der 10 Band der dunklen Fälle des Harry Dresden und eigentlich unterscheidet sich dieser Teil nicht von den anderen, was Action, Spannung und Humor anbelangt. Und vielleicht auch die Brutalität mit der Dresden, bzw. der Leser konfrontiert wird. Die Anfangssequenz fand ich auch höchst unterhaltsam. Es ist auch immer wieder erstaunlich wie Butcher all die unterschiedlichen Charaktere in seinen Romanen verbinden kann und so kann man mit Vampiren, Feen, Verbrecherbossen und Heiligen Schwertern rechnen, all das, was auch in den vorangegangenen Bänden eine Rolle spielte. Oh, und ein kleiner Spoiler mag erlaubt sein: In Harrys Liebesleben tut sich was (oder geht es nur um Sex?)
Neulinge der Reihe werden überfordert werden, man MUSS die Vorgänger kennen, sonst ist man vollkommen verloren. Zu viele Personen, zu viele vorangegangene Ereignisse spielen eine Rolle und werden als selbstverständlich hingenommen (würden auch zu viel Platz einnehmen, wenn sie ständig wiederholt werden müssten).
Der 10. Band der Reihe hält das Niveau nur in einer Hinsicht scheint sich Nachlässigkeit einzuschleichen. Ich kann über Tippfehler und merkwürdige Satzkonstruktionen hinwegsehen. Nur wenn sie sich häufen fällt es schwer sich nicht davon ablenken zu lassen. 
Wäre schön wenn das Lektorat in den nächsten Bänden wieder besser hinsehen würde.

Sonntag, 14. Januar 2024

Harry Kemelman: Am Sonntag blieb der Rabbi weg (Rezension)

Polizeichef Lanigan ist ratlos. Er hat einen Fall mit zwei toten jungen Männern und keine Ahnung, wie die Morde zusammenhängen. Einer bezog offenbar Drogen vom anderen und wurde in Rabbi David Smalls zukünftiger Synagoge ermordet. Der Polizeichef nimmt mehrere junge Verdächtige fest, was deren Eltern – wichtige Persönlichkeiten in der jüdischen Gemeinde – überhaupt nicht passt. Seine Ermittlungen laufen ins Leere. Lanigan bleibt nichts anderes übrig, als den Rabbi um Hilfe zu bitten.
AM SONNTAG BLIEB DER RABBI WEG ist der dritte Rabbi Small-Fall und auch wenn er jetzt einen Sohn hat kann man die Bücher meiner Meinung nach auch in beliebiger Reihenfolge lesen. Wenn man einen der Rabbi Small Romane kennt weiß man was man zu erwarten hat: Eine chaotische üdische Gemeinde, die sich in vielen Dingen einig, in anderen dagegen wieder nicht ist, ein Rabbi, der nicht überall auf Beliebtheit trifft, Intrigen und verschlungene Beziehungen... und dann muss sich die Polizei (und natürlich Rabbi Small) noch mit Drogen und Mord auseinandersetzen. Das Thema ist ernst, die Umsetzung leicht und flüssig zu lesen und lässt auch den Humor nicht zu kurz kommen. Manchmal lassen die Wortgefechte vergessen, dass es ein Krimi ist und irgendwo noch Leichen herumliegen. Die Rabbi Small Krimis sind für all jene, die es wenig blutig mögen. Und doch wird man gut unterhalten. Mit Action muss man nicht rechnen, aber auf Spannung muss man nicht verzichten, aber ich gebe zu, dass mir persönlich sogar der Krimiaspekt egal ist. Die Probleme die Rabbi Small mit seiner Gemeinde hat sind alleine schon ein Grund das Buch zu lesen. Nicht unbedingt aktuell, aber zeitlos ...

Freitag, 12. Januar 2024

Berit Hempel: Abenteuer & Wissen: Ernest Shackleton (Rezension)

Sir Ernest Henry Shackleton (* 15. Februar 1874 in Kilkea, County Kildare, Irland; † 5. Januar 1922 in Grytviken, Südgeorgien) war ein britischer Polarforscher irischer Abstammung und eine der herausragenden Persönlichkeiten des sogenannten „Goldenen Zeitalters der Antarktisforschung“.Er nahm an vier Antarktisexpeditionen teil, von denen er bei dreien als Expeditionsleiter tätig war. Die Hörbuchreihe Abenteuer und Wissen befasst sich nun auf mit diesem eigentlich sehr erfolglosen Forscher, der in der heutigen Zeit vermutlich nicht einmal eine Fußnote wäre. Dabei wird auf die bereits bekannte Art zurückgegriffen, Wissenswerte Textteile (u. a. von Arved Fuchs, einem der bekanntesten Polarforscher der Gegenwart) mit Hörspielelementen zu mischen. Dabei entsteht ein spannendes und lehrreiches Hörbuch, das durch die bedrohliche Hintergrundmusik nur gewinnen kann und für Kinder wie Erwachsene auf einfache und einprägsame Weise Wissen vermittelt.
84 Minuten kurzweilige Spannung und am Ende bleibt man angefixt zurück und möchte mehr über Shackleton wissen. Denn leider muss man sagen, dass hier nur ein kleiner Teil seiner Expeditionen im Fokus steht. Nun ja ... es gibt genug Bücher über den Polarforscher, für Kinder und Erwachsenen und da sich sein Geburtstag 2024 zum 150 Mal jährt wird man wohl noch mehr von ihm hören.

Donnerstag, 11. Januar 2024

Daniela Arnold: Das Mädchen aus Zimmer 11 (Rezension)


Als Sienna nach über zwanzig Jahren zum ersten Mal wieder an die Südwestküste Englands kommt, trifft sie der Schock bis ins Mark:
Ihre Mutter, eine berühmte Journalistin, wurde während einer Recherchereise brutal überfallen und liegt angesichts der Schwere ihrer Verletzungen im Sterben.
Sienna ist fassungslos, als sie erkennen muss, dass ihrer beider Leben einschließlich ihrer Vergangenheit eine einzige riesengroße Lüge ist.
Schon bald zweifelt sie an allem, woran sie jemals geglaubt hat.
Stimmt es wirklich, dass ihr Vater vor zwanzig Jahren einfach abgehauen ist und die Familie sich selbst überließ?
Und warum hat ihre Mutter jahrzehntelang die Existenz ihrer Großmutter verschwiegen?
Wieso ist sie überhaupt nach all den Jahren an den Ort zurückgekehrt, an dem ihnen damals Schreckliches widerfuhr?
Als Sienna schließlich herausfindet, dass das Verschwinden und die Ermordung unzähliger junger Mädchen irgendwie mit ihrer aller Vergangenheit verwoben scheinen, ahnt sie nicht, dass sie damit das abgrundtief Böse aus dem Verborgenen hervorlockt und dabei ist, alles zu verlieren, sogar ihr Leben.

Mittwoch, 10. Januar 2024

Owen Booth: Die wirklich wahren Abenteuer (und außerordentlichen Lehrjahre) des Teufelskerls Daniel Bones (Rezension)

Daniel Bones wächst in einem kleinen Fischerdorf am Rande des englischen Marschlandes auf. Ohne den Schutz seiner Mutter, die unter ungeklärten Umständen verschwand, ist es an Daniel, sich und seinen Bruder Will gegen die Übergriffe ihres trunksüchtigen Vaters zu verteidigen. Bis plötzlich ein Mann in einem aufblasbaren Gummianzug aus dem Meer steigt und Daniel die Chance bietet, seinem trostlosen Leben zu entkommen: Captain Clarke B., Hochstapler, Scharlatan und »furchtloser Froschmann« mit der Mission, die Welt von den Vorzügen seines Rettungsanzugs zu überzeugen. Kurzerhand nimmt er Daniel als seinen Assistenten mit. Während ihrer tollkühnen Fahrt über die Meere, Flüsse und Seen Europas begegnen sie gönnerhaften Witwen, marodierenden Räuberbanden und häufiger, als ihnen lieb ist, den hartnäckigen Gläubigern des Captains.

Montag, 8. Januar 2024

Oliver Hoffmann: Moriarty trinkt Tee (Rezension)

London 1895. Auf Bitten seiner früheren Nemesis Sherlock Holmes, mit dem ihn aktuell ein angespannter Waffenstillstand verbindet, wird Professor Moriarty erneut detektivisch tätig. Der Grund ist ebenso simpel wie bestürzend: Ein beruflicher Konkurrent Holmes' wurde überfallen und schwer verletzt, und Dr. Watson ist dringend tatverdächtig. Bei ihren Recherchen stoßen Moriarty und Molly Miller schon bald auf die Familie Cavendish-Smythe, Teemagnaten mit politischen Ambitionen und einigen dunklen Geheimnissen.
MORIARTY TRINKT TEE ist der zweite Fall mit Professor Moriarty von Oliver Hoffmann. Im Vergleich zu MORIARTY UND DER SCHLÄCHTER VON LONDON verliert der Nachfolger aber etwas von seiner Faszination und macht die Schwächen, die bereits im ersten Teil ersichtlich waren, deutlicher und störend. Moriarty und seine Entourage sind sehr unterhaltsam, sind aber bereits bekannt so dass ein gewisser Unterhaltungswert nach wie vor vorhanden ist, aber das reicht nicht um über den Rest des Buchs hinweg zu sehen. Die eigentliche Mörderjagd wirkt sehr theoretisch und lässt kaum Spannung aufkommen. Auch das Ende, das vermutlich überraschend sein sollte löst nicht einmal einen Aha-Effekt hervor sondern reiht sich eher in ein SCHON WIEDER-Gefühl ein ... manche Dinge sollte man nicht versuchen zu wiederholen. MORIARTY UND DER SCHÄCHTER VON LONDON hatte noch einen gewissen Unterhaltungswert, den Oliver Hoffmann hier vermissen lässt. Sprachlich passt es nicht, es fehlt etwas an charakterlicher Tiefe und auch wenn man viel über das viktorianische London erfährt ... das ist nicht der Grund warum ich einen historischen Roman lese zumal diese Informationen doch etwas aufgesetzt wirken und für die Handlung nicht von Nöten sind und eher davon ablenken. Um eine passende Atmosphäre wäre es sinnvoller gewesen diese nebenbei zu erwähnen und nicht so, als ob sie von einer Lehrerin doziert werden, denn das ist die Erzählerin wirklich nicht, da wäre eine sprachliche Anpassung wünschenswert gewesen.

Samstag, 6. Januar 2024

Harry Kemelman: Am Samstag aß der Rabbi nichts (Rezension)

Auf Rabbi David Small lastet ein schlimmer Verdacht: Hat er den jüdischen Friedhof entweiht, indem er dort einen Selbstmörder begrub? Der Rabbi und Amateurdetektiv ermittelt auf eigene Faust und findet heraus, dass der Mann ermordet wurde. Doch damit steckt er plötzlich in noch viel größeren Schwierigkeiten als zuvor.
Am Samstag aß der Rabbi nichts ist nach Am Montag flog der Rabbi ab das zweite Buch, das ich von Harry Kemelman gelesen habe. Es ist auch das zweite Buch der Rabbi Small-Reihe.
Diesmal spielt Israel/Jerusalem keine Rolle, es geht auch nicht um Terrorismus sondern eher um ein eher klassisches Thema: Ist es Selbstmord ist es Mord? (Und begeht der Rabbi ein Verbrechen, wenn er tatsächlich einen Selbstmörder auf dem jüdischen Friedhof beerdigen lässt?). Harry Kemelman bietet seinen Lesern einen Kriminalfall, der banal erscheint, aber einen Rattenschwanz an Problemen hinter sich her zieht, dass es ein wahres, wenn auch kurzweiliges Vergnügen ist, den Ermittlungen und Entdeckungen des Rabbis zu folgen.
Intrigen und verschlungene Beziehungen, der Plan einer neuen Synagoge ... es geht nicht immer um Mord und jeder in der Gemeinde des Rabbis hat ein Wörtchen mitzureden ... und Gottes Wege kann man immer nach dem eigenen Nutzen auslegen. Der Leser erfährt viel über jüdische Gepflogenheiten und wird gleichzeitig und fast nebenbei an der Aufklärung eines Verbrechens beteiligt. 
Ich weiß gar nicht warum ich die Rabbi Small-Romane nicht schon viel früher gelesen habe.

Freitag, 5. Januar 2024

S. E. Harmon: Spuken für Anfänger (Rezension)

Special Agent Rain Christiansen galt jahrelang als FBI-Vorzeigeagent. Doch dann wird ihm ein Zwischenfall zum Verhängnis: Wegen einer klitzekleinen paranormalen Erscheinung halten ihn plötzlich alle für komplett durchgeknallt. Sein Boss bietet Rain eine letzte Chance, seinen guten Ruf wiederherzustellen: Er schickt ihn nach Brickell Bay. Dort soll er der örtlichen Polizei bei einem Cold Case helfen und bloß kein Wort über Geister verlieren. Rain ist fest entschlossen, genau das zu tun – bis er feststellt, dass der Polizist, den er unterstützen soll, ausgerechnet sein Ex Danny McKenna ist. Und der steckt in seinen Ermittlungen im Fall der verschwundenen Schülerin Amy Greene fest. Alle Spuren führen in eine Sackgasse. Dass Rains alte Liebe für Danny wieder aufflammt und ihm bei der Suche nach Amy immer wieder Geister in die Quere kommen, macht die Sache auch nicht gerade leichter …
Ich bin etwas zwiegespalten, was SPUKEN FÜR ANFÄNGER anbelangt. Der geistersehende Agent mag nicht neu sein, aber die Geschichte an sich ist unterhaltsam, spannend und auch überraschend. Zudem fehlt auch die passende Würze an Humor nicht. Die Charaktere sind authentisch (auch wenn Rain und Danny auch als Models durchgehen könnten, aber das erwartet man wohl auch in Romanen wie diesen), manchmal etwas übertrieben (auf liebenswerte Weise ... obwohl ... vielleicht ist Familie einfach so) ... aber hier passt das Gesamtpaket. Auch Rains anfängliche Schwärmereien und sexuellen Gedanken von Danny sind durchaus als amüsant zu bezeichnen ... nur ... irgendwann wird es dann zu viel Porno. Da hätte ich mir mehr Geister und weniger (ausführlichen) Sex gewünscht. Dabei ist die Geschichte und die Charaktere sehr liebevoll gestaltet und für Freunde übernatürlicher Polizeiserien empfehlenswert ... wenn der Pornobestandteil das nicht zerstören würde.
Aber ich habe den Eindruck, dass Frauen das anders sehen ... Ich mag mich täuschen, aber SPUKEN FÜR ANFÄNGER ist wohl eher die Art von Roman, die eher Frauen anspricht als (homosexuelle) Männer.

Donnerstag, 4. Januar 2024

Agatha Christie: Und dann gab's keines mehr (Rezension)

Zehn Männer und Frauen aus ganz unterschiedlichen Kreisen bekommen eine Einladung, die sie auf eine abgeschiedene Insel vor der Küste Devons lockt. Der Gastgeber, ein gewisser U. N. Owen, bleibt unsichtbar. Erst als die Gesellschaft beim Dinner zusammensitzt, ertönt seine Stimme aus einem alten Grammophon und verheißt Unheil. Ein Gast nach dem anderen kommt zu Tode, während die Verbleibenden verzweifelt versuchen, den Mörder zu enttarnen ... 
Der meistverkaufte Kriminalroman aller Zeiten - erstmals in zeitgemäßer Neuübersetzung von Eva Bonné.
Agatha Christie kann man immer lesen und diesen mehrfach verfilmten Krimi sollte man kennen, auch wenn er ohne Miss Marple oder Hercule Poirot auskommt. Aber das zeigt auch, wie vielseitig die Queen of Crime war. Zehn Personen auf beschränktem Raum und nach und nach verschwindet jemand ... das mag heutzutage nicht neu sein, aber dass dieser Roman schon einige Jahrzehnte auf dem Buckel hat, merkt man ihm nicht an.

Mittwoch, 3. Januar 2024

Anton Serkalow: Die Fährte des Wendigo (Rezension)

Die Witwe Helen Burkfield lebt auf einer kleinen Pferderanch. Als ihre Tochter Crystal verschwindet und die Spur direkt ins Indianergebiet führt, macht sich Helen auf die aussichtslos erscheinende Suche. Sie nimmt die Hilfe von Threefeathers an, einem Krieger, der dem gleichen Stamm angehört, der ihren Mann ermordet haben soll. Gemeinsam folgen die beiden der mysteriösen Fährte. Schon bald muss Helen erkennen, dass Crystal von einem blutrünstigen Dämon entführt wurde.
Dass Serkalow Westernhorror (Oder Horrorwestern) kann, hat er ja mit seiner als Selfpublisher erschienen Reihe NIGHTHUNTER bewiesen. Von seiner hochgelobten VAKKERVILLE-Trilogie war ich weniger begeistert, obwohl ich da wohl eine der wenigen Ausnahmen bin. Aber ich hatte hohe Hoffnungen an DIE FÄHRTE DES WENDIGO, da ich hoffte, dass der Autor wieder zu seinen Wurzeln zurückfinden würde und mich mit einem eher seltenen Genre zu erfreuen. Und jetzt beginnt der Teil, der etwas schwierig wird. Am Einfachsten kann ich sagen: Es war nicht so gut wie NIGHTHUNTER (wenn man den schlechtesten Teil der Reihe als Referenz verwendet), aber es war nicht so enttäuschend wie die VAKKERVILLE-Trilogie. Das Westernsetting wurde gut beschrieben und sehr lebhaft vor Augen gesetzt. Wer Serkalow kennt (und wer sich gerne an Westernhorror versuchen möchte sollte an der NIGHTHUNTER-REIHE nicht vorbei gehen) darf eine eine spannende und gut aufgebaute Story erwarten, die neben durchaus gelungenen Schock- und Gruselmomenten auch mit ein paar überraschenden Wendungen aufwarten kann. Serkalow legt ein gewohnt hohes Erzähltempo vor, das man sich gut als Kinofilm vorstellen kann. Bombastische Szenen, getragene Musik ... fast perfekt ... nur ... so genial der Roman auch sein könnte, und so rasant und flüssig er geschrieben ist, und auch wenn ich durchaus unterhalten wurde ... die wechselnden Erzählperspektiven und die oberflächlich erscheinenden (manchmal auch klischeehaften) Charaktere, haben es mir schwer gemacht, mich in die Geschichte hineinzufinden. Ja, ich wurde unterhalten, aber ich habe nicht mitgefiebert. Und so kann ich sagen, dass DIE FÄHRTE DES WENDIGO nicht zu Serkalows besten Werken zählt, aber auch nicht den Tiefpunkt seines Schaffens darstellt ... irgendwie ist es dazwischen.
DIE FÄHRTE DES WENDIGOS bildet den siebten Band der Reihe HORROR WESTERN des BLITZ-Verlags, aber es handelt sich um eine Reihe, die ein Genre vereint und Bücher verschiedener Autoren vereint, die nicht aufeinander aufbauen und eine Ansammlung von Einzelbänden darstellen. Da ich aber bisher nicht viel WESTERNHORROR gelesen habe, bin ich nicht abgeneigt zu sehen wie andere Autoren das Thema auffassen.

Dienstag, 2. Januar 2024

M. C. Beaton: Hamish Macbeth verschlägt es die Sprache (Rezension)

Die betagte Schriftstellerin Patricia Martyn-Broyd ist entsetzt, als sie erfährt, dass ihre Protagonistin Lady Harriet in den Verfilmungen ihrer Krimis als kiffender Hippie dargestellt werden soll. Dass der Drehbuchautor für seine skurrilen Drehbücher bekannt ist und Lady Harriet von der moralisch fragwürdigen Penelope Gates gespielt werden soll, macht die Sache nicht besser. Aber Vertrag ist Vertrag, lernt die Autorin schnell. Plötzlich überschlagen sich jedoch die Ereignisse, und Patricia wird beschuldigt, Drehbuchautor und Hauptdarstellerin ermordet zu haben. Um ihre Unschuld zu beweisen, wendet sie sich an ihren einzigen Freund in Lochdubh: den Dorfpolizisten Hamish Macbeth ... 
HAMISH MACBETH VERSCHLÄGT ES DIE SPRACHE ist der 14. Fall in dem der sympathische Dorfpolizist ermittelt (von ermitteln dürfen ist ja wie üblich nicht die Rede). Und natürlich gibt es innerhalb von Buchreihen gute und schlechte Bücher und nicht jeder HAMISH kann überzeugen. Aber ... hier ist das nicht der Fall, denn ich habe mich königlich amüsiert, was vielleicht teilweise auf die Handlung zurück zu führen ist, die vielleicht nicht ganz neu erscheint (wobei das Buch auch nicht wirklich als neu zu bezeichnen ist), aber doch sehr erheiternd und man fast glaubt, an einem Pornodreh beteiligt zu sein. Da treffen konservative Meinungen auf kreative Geister und natürlich hat jeder etwas zu sagen, ob er nun Ahnung hat oder nicht. Hamish wuselt souverän durch das Geschehen, Priscilla spielt keine Rolle, aber es gibt genug andere Frauen (jeden Alters möge man fast sagen), um die sich Hamish bemühen muss (oder die sich um ihn bemühen).
Fans der Reihe bekommen das was zu erwarten ist: Schrullige (Klischeebeladene, aber "liebenswerte") Charaktere, einen sympathischen Ermittler, Highlandklischees, gute kurzweilige Unterhaltung der unblutigen Art.
Leichte Kost für zwischendurch, aber wer erwartet bei einem Cosy Crime schon anspruchsvolle Literatur (bzw. wer will das lesen).

Montag, 1. Januar 2024

Harry Kemelman: Am Montag flog der Rabbi ab (Rezension)

Schon als Jugendlicher sind mir die Rabbi Small-Bücher von Harry Kemelman aufgefallen, aber interessiert haben sie mich nicht. Ebenso wenig wie Pater Brown (oder andere irgendwie religiös anmutend erscheinende Krimis). Aber der Lesegeschmack ändert sich mit der Zeit und vielleicht bin ich offener für andere Bücher. Inzwischen habe ich ja auch Pater Brown gelesen und auch die amüsanten Bücher um Schwester Isabella gehen ja in eine religiöse Ermittlerrichtung (mit großem Unterhaltungswert und ohne missionarische Botschaft).
Aber wer weiß, ob ich die Rabbi Small Bücher jemals gelesen hätte, wenn meine Nachbarin nicht ein paar Bücher der Reihe hatte und der Meinung war, dass sie mir gefallen würden...
David Small ist Rabbi in einer jüdischen Gemeinde an der Ostküste der Vereinigten Staaten, nicht weit von Boston entfernt. Seine Spezialität ist der Pilpul, eine talmudische Methode, feinste Unterschiede zu treffen und so der Wahrheit auf die Spur zu kommen. Weil er diese Methode hervorragend beherrscht, hilft der Rabbi immer wieder seinen Schäfchen aus der Patsche, ist aber dennoch nicht sonderlich beliebt, weil er sich weigert, irgendwelche Zugeständnisse an den Zeitgeist zu machen. Kemelman legte Wert auf die Feststellung, dass es die traditionelle Aufgabe des Rabbis sei, eher als Richter und Ausleger des Rechts denn als religiöser Führer zu wirken.
Der Morde aufklärende Amateurdetektiv David Small lieferte so nicht nur spannende Kriminalgeschichten, sondern machte quasi nebenbei den Leser auch noch mit jüdischen Traditionen und Denkweisen vertraut: Er führte ihn ein in das alltägliche Leben einer weit überwiegend dem Konservativen Judentum zugehörigen, typischen US-amerikanischen jüdischen Gemeinde. Als eigentliche Botschaft der Romane Kemelmans erscheint so die Ablehnung der Assimilation und das Werben um Verständnis und Anerkennung der Differenz. Und nebenbei wirkt alles sehr menschlich ... und auch der Humor kommt nicht zu kurz.