Donnerstag, 16. August 2018

Die Longlist des Deutschen Buchpreis - genauer betrachtet

Erst vor Kurzem habe ich (kurz und knapp) die Longlist des Deutschen Buchpreises vorgestellt. Hier nun eine ausführlichere Vorstellung mit Cover und Klappentext.

Carmen-Francesca Banciu: Lebt wohl, Ihr Genossen und Geliebten! (PalmArtPress, März 2018)
Die Kindheit endet tatsächlich erst dort, wo die Geschichte unserer Eltern zur eigenen Geschichte wird und wir vor ihren wie vor den eigenen Abgründen die Augen nicht mehr verschließen können. Maria-Maria reist nach Rumänien, um ihren verunglückten Vater zu besuchen und ihn, trotz seiner besitzergreifenden Geliebten, zusammen mit jenen zu betreuen. In seinen Augen hat sie, die Tochter, die reale Utopie der kommunistischen Gesellschaft verraten. Sie wiederum erkennt in ihm ausschließlich den festgefahren Parteirhetoriker, der sich als moralische Instanz aufspielte, anderen Opfer abverlangte, aber selbst ein bigottes Leben führte.

Mittwoch, 15. August 2018

Michael de Larrabeiti: Die Borribles

Die Borribles sind von zu Hause ausgerissene Kinder, die ein Leben im Verborgenen führen, abseits von den Regeln und Gesetzen der Erwachsenenwelt und der modernen Gesellschaft. Irgendwann hören sie auf zu wachsen, äußerlich bleiben sie von da an in der Gestalt von Zwölfjährigen. Ihre Ohren nehmen eine spitze Form an, das sichere Erkennungszeichen eines Borribles. Ihr Leben bestreiten sie mit Diebstahl und schrecken auch vor Gewalt nicht zurück. Werden einem Borrible die Ohren gestutzt, wächst er zu einem normalen Erwachsenen heran und vergisst das Leben, das er abseits der Gesellschaft geführt hat. Larrabeitis Trilogie gilt als Abweichung von der gängigen Jugendliteratur, denn sie thematisiert Gewalt und Werteverfall, ohne diese zu beschönigen. Die Erzählsprache der Romane entstammt Londons Straßen, die Dialoge sind unverblümt und durchzogen von Gossenjargon. Diese Umstände führten zu einem skeptischen Umgang der Kritiker mit den Werken, der schließlich dazu beitrug, dass sie zunächst nur in Insiderkreisen anerkannt wurden. Auffällig ist auch die stark anti-autoritäre Prägung der Romane: Die Erwachsenenwelt wird hier als zwanghaft und langweilig dargestellt, sie steht damit im scharfen Kontrast zur freiheitlichen und spannenden Borriblewelt. Ebenso wie Strukturiertheit und Organisation wird die materielle Ausrichtung der modernen Gesellschaft verhöhnt und karikiert – obwohl die Borribles besitzlos sind, führen sie ein erfülltes Leben, während die Besitzenden, die materiellen Wohlstand horten, unvermeidlich zu den Schurken der Erzählungen werden. Freundschaft, Loyalität und Zusammenhalt werden als moralische Grundwerte hervorgehoben, die ein Borrible um jeden Preis schützen wird. Obwohl die Romane als Jugendbücher veröffentlicht wurden, behandeln sie überaus ernste Themen und führen einen ideologischen Diskurs über den Wert der Dinge.

Dienstag, 14. August 2018

Die Longlist des Deutschen Buchpreises 2018 ist da ...

und wieder einmal zeigt sich, wie ignorant ich eigentlich bin.
Ich lese viel und gerne (quer durch alle Genre ... mehr oder weniger), aber von den Büchern, die es auf die Longlist des Deutschen Buchpreises geschafft haben, habe ich tatsächlich noch nie gehört.
20 Bücher (aus 199) wurden gewählt:
Carmen-Francesca Banciu, "Lebt wohl, Ihr Genossen und Geliebten!" (PalmArtPress, März 2018)
María Cecilia Barbetta, "Nachtleuchten" (S. Fischer, August 2018)
Maxim Biller, "Sechs Koffer" (Kiepenheuer & Witsch, September 2018)
Susanne Fritz, "Wie kommt der Krieg ins Kind" (Wallstein, März 2018)
Arno Geiger, "Unter der Drachenwand" (Carl Hanser, Januar 2018)
Nino Haratischwili, "Die Katze und der General" (Frankfurter Verlagsanstalt, August 2018)
Franziska Hauser, "Die Gewitterschwimmerin" (Eichborn, Februar 2018)
Helene Hegemann, "Bungalow" (Hanser Berlin, August 2018)
Anja Kampmann, "Wie hoch die Wasser steigen" (Carl Hanser, Januar 2018)
Angelika Klüssendorf, "Jahre später" (Kiepenheuer & Witsch, Januar 2018)
Gert Loschütz, "Ein schönes Paar" (Schöffling & Co., Februar 2018)
Inger-Maria Mahlke, "Archipel" (Rowohlt, August 2018)
Gianna Molinari, "Hier ist noch alles möglich" (Aufbau, Juli 2018)
Adolf Muschg, "Heimkehr nach Fukushima" (C.H.Beck, Juli 2018)
Eckhart Nickel, "Hysteria" (Piper, September 2018)
Josef Oberhollenzer, "Sültzrather" (Folio, März 2018)
Susanne Röckel, "Der Vogelgott" (Jung und Jung, Februar 2018)
Matthias Senkel, "Dunkle Zahlen" (Matthes & Seitz Berlin, Februar 2018)
Stephan Thome, "Gott der Barbaren" (Suhrkamp, September 2018)
Christina Viragh, "Eine dieser Nächte" (Dörlemann, Februar 2018)

Am 11. September wird die Longlist auf die sechs Titel umfassende Shortlist reduziert. Der Siegertitel wird zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse am 8. Oktober bekannt gegeben. Der Gewinner erhält 25.000 Euro, die fünf Finalisten je 2.500 Euro.

Ob ich bis dahin eines der Bücher gelesen habe?
Ich weiß es nicht, glaube es aber auch nicht wirklich.

Montag, 13. August 2018

Leider können wir ihnen kein Rezensionsexemplar des von ihnen gewünschten Buchs zur Verfügung stellen

Das kennt wohl jeder, der sich an einen Verlag wendet, um ein Rezensionsexemplar zu erhalten. Das ist auch verständlich, immerhin hat der Verlag nicht Unmengen an Büchern zur Verfügung. Persönlich darf man das aber nicht nehmen, denn was bei einem Buch nicht klappt, kann bei einem anderen schon wieder anders aussehen. Und manchmal entstehen wirklich gute Kontakte.
Letzte Woche habe ich um ein ebook bei einem Verlag angefragt, den ich nicht weiter benennen werde.
Ich habe eine freundliche Mail geschrieben (eigentlich meine Standardmail, das gebe ich zu, aber den entsprechenden Umständen angepasst) mit der Bitte um ein Rezensionsexemplar.

Freitag, 10. August 2018

5 am Freitag: Zwei

Bei Tinette habe ich eine interessante Aktion entdeckt, die diesen Blog etwas aufwerten soll (vor allem, wenn man bedenkt, dass ich diese Woche doch etwas faul war und nur einen Wochenrückblick geschaffen habe.
Aber eine weitere Rezension ist in Arbeit (allerdings muss das Buch erst gelesen werden, aber darauf gehe ich am Sonntag ein, beim Wochenrückblick).
Zurück zu Tinette.
Ihre Aktion nennt sich 5 am Freitag.
Das sind die Regeln: Jeden Freitag wird ein Motto vorgegeben, z. B. Frankreich. Zu diesem Motto werden dann 5 Bücher vorgestellt. Zu diesem Beispiel könnte der Bezug der folgende sein:
* Die Autorin lebt in Frankreich.
* Der Autor ist in Frankreich geboren.
* Das Cover zeigt einen Ausschnitt von Paris, Marseille...
* Die Handlung spielt in Frankreich.
Das Thema des heutigen Freitags: Zwei

Sonntag, 5. August 2018

Wochenrückblick 21

Schliersee
Viel habe ich in der vergangenen Woche nicht geschrieben, ich muss sogar gestehen, dass ich die Existenz dieses Blogs etwas ignoriert habe, sonst hätte ich bestimmt mehr als eine Rezension geschrieben.
Ob es die kommende Woche anders wird, wird sich zeigen.
Immerhin war das Aufregendste der vergangenen Woche ein Betriebsausflug an den Schliersee und ein Wochenende in Linz.
Über den Ausflug an den Schliersee muss oder will ich mich nicht weiter auslassen, zum Linzwochenende äußere ich mich auf dem Beutelwolf-Blog, allerdings erst ab morgen, der Beitrag will ja auch erst noch geschrieben werden. Mit Literatur hat das nichts zu tun, es geht um Essen, Zoo und diverse andere Aktivitäten, die man in Linz machen kann (oder auch nicht).