Freitag, 21. Januar 2022

Serena Valentino: Disney Villains 3 - Die Einsame im Meer (Rezension)

Die Geschichte der Meereskönigstochter Arielle ist ein großes Märchen der Weltliteratur. Es geht darin um das Verlieren, Wiederfinden und Aufbegehren. Immer will Arielle mehr, als ihre Welt ihr bieten kann, und ihr Vater verlangt, dass sie innerhalb der Grenzen seiner Welt bleibt. Ihre Rebellion kostet die kleine Meerjungfrau ihre Stimme und fast ihre Seele. Aber die Kraft des Guten überwiegt, und Ariel taucht stolz und unverändert auf.
Wie es sich bereits im zweiten Teil der Reihe (Das Biest in ihm) angekündigt hat, geht es in DIE EINSAME IM MEER um Meerhexe Ursula. Und immer mehr zeigt sich wie wichtig die verdrehten Schwestern (wie sie so schön genannt werden) werden, weshalb es zwingend notwendig ist, die Bücher in der richtigen Reihenfolge zu lesen, wenn man es denn unbedingt möchte. Denn nach wie vor kann ich nicht sagen, dass es sich hier um Highlights im Bereich der Fantasyliteratur handelt. Die Idee hinter der Villains-Reihe ist zwar nett und ausbaufähig, aber die Umsetzung ist ... wenn überhaupt ... durchschnittlich, obwohl ich zugebe, dass die Teile besser werden, je mehr die Schwestern in den Vordergrund treten. Aber ... Durchschnitt bleibt Durchschnitt. Und vor allem Ursula hätte einen interessanten Charakter geboten. Irgendwie erwarte ich immer die Vorgeschichte der Villains zu erfahren, aber diese wird immer nur angerissen. Schade eigentlich, denn dadurch wird viel Potential verschwendet und das was übrig bleibt ist mehr oder weniger eine aufgepeppte, aber oberflächliche, Version der bekannten Geschichte, ergänzt um einige weitere Charaktere, die allerdings auch nur blass charakterisiert werden, auch wenn es Ausnahmen gibt, die überraschen ... z. B. Prinzessin Tulip, die anscheinend in DAS BIEST IN IHM nur eine Randerscheinung darstellt.
Ursulas Motivation und Hintergrundgeschichte wird meist nur am Rande angesprochen, obwohl man von ihr denken könnte, dass sie die Hauptperson ist, was leider nicht der Fall ist. Jedenfalls wird dieser Eindruck erweckt.
Und ein bisschen Arielle gibt es auch. Die Einsame im Meer ist etwas besser als die Vorgänger, aber trotzdem ... man muss diese Serie nicht lesen, weder Märchen- noch Disneyfeeling ist ansatzweise spürbar.
Und dabei klingt die Geschichte sehr ambitioniert.

Donnerstag, 20. Januar 2022

Bethan Roberts: Der Liebhaber meines Mannes (Rezension)

Marion ist hingerissen von Tom, dem großen Bruder ihrer besten Freundin, einem unverschämt gutaussehenden jungen Mann mit blonden Locken und blauen Augen. Gleich bei der ersten Begegnung, da sind sie noch Teenager. Für sie ist er der Mann ihres Lebens, und so übersieht sie alle Zeichen, jeden Hinweis, dass Tom sich nicht für sie interessiert. Nicht für sie als Frau. Trotzdem hofft sie auf einen Heiratsantrag, und als er ihn endlich macht, ist sie glücklich. Ihre Liebe wird für sie beide reichen. Aber Tom hat ein anderes Leben, ist in andere Gefühle verstrickt. Sein ganzes Interesse gilt Patrick, dem Kurator des Museums in Brighton, der sich in Tom verliebt hat und ihm eine völlig neue Welt eröffnet. Für Tom ist die Ehe das sichere Versteck in einer Zeit, in der Homosexualität gesellschaftlich und gesetzlich geächtet ist. So teilen ihn die beiden Liebenden, bis einer es nicht mehr aushält und drei Leben ruiniert. Bethan Roberts erzählt diesen Roman aus Marions und aus Patricks Perspektive, zärtlich und mit großer Empathie. Es ist eine Geschichte verschwendeter Jahre, unmöglicher Liebe und durchkreuzter Hoffnungen in den 60er-Jahren, als sich die radikale Veränderung, wie man lebt und liebt, schon ankündigte, aber noch lange nicht lebbar war.

Mittwoch, 19. Januar 2022

Christoph Heiden: Sündenspiel (Rezension)

Nachdem die Tochter des Bürgermeisters zu nächtlicher Stunde von einem Auto überfahren wird, zeigt sich bei der Blutuntersuchung, dass sie K.-o.-Tropfen intus hatte. Der wortkarge Henry Kilmer und seine Kollegin Linda Liedke müssen unter Hochdruck ermitteln. Caroline befand sich am Abend des Unfalls auf einer Party des Theatervereins, für den sie arbeitet. Der Alptraum für die Ermittler, denn eine große Anzahl an Verdächtigen war auf der Feier, die alle verhört werden müssen. Doch schon bald führt die Ermittlung die beiden Kommissare zu einem anderen, hoch brisanten Fall, bei dem sich düstere Abgründe auftun. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt ...
Nach Sünderblut ist Sündenspiel der zweite Fall für Henry Kilmer und Linda Liedke. Anders als der Vorgänger würde ich diesen Fall eher als Krimi bezeichnen und doch muss er sich nicht hinter dem ersten Fall verstecken. Wer die beiden Ermittler gemocht hat, wird sie auch nach wie vor mögen. Der flüssige Schreibstil, die ständigen Anspielungen auf literarische Verbrechen und die spannende Handlung machen auch aus Sündenspiel ein leider viel zu kurzes Lesevergnügen. Die Protagonisten werden gut charakterisiert, ihre Handlungsweisen sind schlüssig. Und natürlich gibt es die eine oder andere überraschende Wendung, die auf neue Fährten bringen oder von anderen ablenken.
Sündenspiel bietet keine großen Verschwörungen oder übermächtige psychopathische Gegner, es ist ein klassischer Krimi, der eines sehr gut kann. Unterhalten. Langweilig wird es nie und der einzige Nachteil, den ich am Buch sehe ist die Kürze, das hätte gerne noch länger sein können, vielleicht auch zu Gunsten der Charakterentwicklung der beiden Ermittler. Aber ... im Großen und Ganzen bekommt der Leser das, was er sich auch wünschen kann: Einen spannenden Krimi. Und Edgar Allen Poe spielt auch irgendwie eine Rolle...

Dienstag, 18. Januar 2022

Marie Graßhoff: Hard Liquor (Rezension)

Tycho ist als Nachfahrin alter Götter übermenschlich stark. Besonders, wenn sie Alkohol trinkt. Nicht schlecht, um sich als Barkeeperin in New York gegen zwielichtige Typen zu behaupten. Damit niemand von ihrer Herkunft erfährt, muss sie selbst ihren Kindheitsfreund Logan auf Distanz halten. Doch dann taucht die gutaussehende Grayson auf und behauptet, ihr Geheimnis zu kennen. Und als Tycho kurz darauf von einer Sekte entführt wird, die ihre Kräfte für sich beanspruchen will, bleibt ihr nichts anderes übrig, als Grayson zu vertrauen ...
Der Klappentext von Hard Liquor ist ja schon mal sehr vielversprechend, auch wenn das Thema Alkohol vielleicht doch ein etwas schwieriges Thema ist. Aber leider entsprach das Buch dann nicht ganz meinen Erwartungen. Ich habe lange gebraucht um mich zurechtzufinden, der Scheibstil war dabei auch etwas hinderlich. Sachverhalte wurden zu oft wiedergegeben und manchmal wurde ich an einen TV-Krimi erinnert, der jede halbe Stunde eine Zusammenfassung der wichtigsten Ereignisse gibt.
Mit der Hauptperson Tycho habe ich meine Probleme. Sie ist mir zu unnahbar und manche ihrer Handlungen (vor allem in Bezug auf Grayson) kann ich nicht nachvollziehen. Aber das ist nicht alles. Natürlich sollte man sich irgendwie mit einem Protagonisten verbunden fühlen. Mit ihm (oder ihr in diesem Fall) steht und fällt die ganze Geschichte, nur .... es dauert etwas, bis die Geschichte Fahrt aufnimmt und abgesehen vom Ende plätschert der Plot nur vor sich hin und es fällt schwer einen Roten Faden zu entdecken.
Ich gebe zu, dass hin und wieder einige interessante Dinge zur Sprache kommen (vor allem was Tychos Hintergrund und die Götter anbelangt), aber da mich das Buch im Großen und Ganzen nicht für sich einnehmen konnte und es mir stellenweise sehr langatmig vorkam, werde ich dieser Serie nicht weiter folgen. Lustiger (und vermutlich interessanter) hätte ich mir eine Verstärkung auf die Superheldenidentität gewünscht. Die Radioeinspielungen waren schon sehr amüsant, aber nicht so unterhaltsam, dass sie den Rest des Buchs retten konnten. 

Montag, 17. Januar 2022

Maurice Leblanc: Arsene Lupin, der Gentleman-Gauner (Rezension)

Arsene Lupin, ist ein Meisterdieb der etwas anderen Sorte. Er bestiehlt die Reichen, hilft den Armen, kündigt immer wieder an, was er vor hat und selbst der Meisterdetektiv Sherlock Holmes (oder besser gesagt Herlock Sholmes) schauen in die Röhre. Bisher kannte ich Arsene Lupin nur aus verschiedenen Verfilmungen, aber gelesen habe ich seine Geschichten, die 1907 erstmals erschienen noch nie. Jetzt hatte ich die Gelegenheit und ich habe mich sehr amüsiert. Maurice Leblanc schafft es wirklich den Gauner in einem sehr sympathischen Licht darzustellen. Arsene-Lupin, der Gentleman-Gauner beinhaltet einige seiner Fälle, die auch seine verschiedenen Pseudonyme und Gegenspieler, wie den bereits erwähnten Herlock Sholmes, vorstellen. Die einzelnen Geschichten sind unblutig, nicht wirklich spannend (weil man schnell die sich ähnelnde Erzählweise erkennt), aber trotzdem sehr amüsant und zum Schmunzeln anregend. Arsene Lupin ist liebenswert und mehr ein Verbrecher nach Art des Robin Hood, wenn auch nicht immer ersichtlich ist, warum er tut, was er tut. 
Wer aber Freude an leichter Krimikost ohne Mord und Totschlag, aber mit gewissem Augenzwinkern (und einem leicht arroganten, weil immer überlegenen Meisterdieb), hat, der wird an Arsene Lupin seine Freude haben. Und man merkt dem Gentleman sein Alter nicht an... es sind zeitlose Geschichten.

Freitag, 14. Januar 2022

Serena Valentino: Disney Villains 2 - Das Biest in ihm (Rezension)

Wie wurde aus dem schönen Prinzen das furchterregende Monster? Das Märchen von der Schönen und dem Biest kennen alle. Warum jedoch verändert sich der von seinem Volk einst so geliebte Prinz zu einem verbitterten, zurückgezogen lebenden Biest? Sein königlich vergoldetes Leben in Prunk und Schönheit zerfällt und er wird zutiefst böse – zu seinem eigenen Leid. In dieser Geschichte wird das Märchen erstmals aus Sicht des Prinzen erzählt.
DAS BIEST IN IHM ist nach DIE SCHÖNSTE IM GANZEN LAND, der zweite Band der Disney Villains-Reihe und auch wenn Schneewittchens Stiefmutter und das Biest keine bekannten Gemeinsamkeiten haben, ist es zwingend notwendig die Bücher in der entsprechenden Reihenfolge zu lesen, da es einen roten Faden gibt, der sich durch die einzelnen Bände bezieht. Und bereits hier wird die Geschichte mit Meerhexe Ursula angefangen (jedenfalls hat es den Anschein).
Ich muss aber auch sagen, dass man die Serie nicht unbedingt lesen muss (und ich lese sie nur, weil ich sie mir ausleihen kann und sich die Bücher schnell lesen lassen und ich mich vielleicht doch ein bisschen für das Schicksal der drei oder vier, oder was weiß ich wie viele Schwestern es sind, interessiere. Handlungsmäßig bietet die Geschichte des Biests nicht viel, da hätte man mehr erwarten können (zumal es sich bei DER SCHÖNE UND DAS BIEST um mein Lieblingsmärchen handelt und ich auch die Zeichentrickversion von Disney mag). Ein bisschen wirkt der Roman etwas lieblos. Und so kann ich nahtlos das schreiben, was ich bereits zu Band 1 geschrieben habe, auch wenn der Protagonist ein anderer ist:

Donnerstag, 13. Januar 2022

Julian Mars: Jetzt sind wir jung (Rezension)

Als ob die Sache mit dem Erwachsenwerden nicht schon kompliziert genug wäre! Felix fragt sich, warum es ihm manche Menschen besonders schwer machen müssen. Seine Mutter will ihn einfach nicht loslassen, seine Freunde gehen ihm die meiste Zeit auf die Nerven - und dann ist auch noch sein Ex-Freund Martin plötzlich zurück in der Stadt. Felix weiß, dass die beiden eher früher als später aufeinandertreffen werden. Und er hat gute Gründe, sich vor der überfälligen Aussprache zu fürchten. Irgendwann fängt das Leben an, ernst zu werden. Und Felix hat das Gefühl, dass dieser Moment unmittelbar bevorsteht. Unverschämt, witzig und berührend
Wäre das Buch vor 30 Jahren geschrieben, oder ich heute 30 Jahre jünger, hätte mir das Buch vermutlich gefallen. Aber jetzt, mit eigener Lebenserfahrung (und damit will ich nicht andeuten, dass ich die gleichen Erfahrungen wie Felix gemacht habe) konnte mich das Buch nicht überzeugen. Felix lässt sich treiben und meist besteht das darin Sex mit mehr oder weniger unbekannten Leuten an allen möglichen Orten zu haben. Hin und wieder sitzt er mit seinem Freund Gabriel oder seiner Gabi (das Wort habe ich schon seit Ewigkeiten nicht mehr gehört) Ellie zusammen, hin und wieder auch mit seiner Schwester oder Tamara, deren Abschiedsparty/Trauerfeier am Ende des Buchs den Höhepunkt darstellen soll. Meistens ist es eine Aneinanderreihung aus aktuellen und vergangenen sexuellen Begegnungen, gemischt mit Erinnerungen an Ex Martin. Anfangs liest sich das ganze noch interessant und man fiebert Tamaras Party entgegen, aber schon bald stellt sich eine Müdigkeit ein und nichts, was man liest kann noch überzeugen. Manche Sachen sind ganz nett (die Beziehung zu Martin oder die Gespräche mit Felix' Schwester), andere dagegen langweilen (die Beschreibungen der sexuellen Aktivitäten, Felix' Mutter) und dann der Showdown ... die Party bei der Martin und Felix nach einem Jahr wieder zusammen treffen und es zur Aussprache kommt. Ganz nett, aber fast schon enttäuschend, bedenkt man, dass es zuvor doch diverse unterhaltsame und skurrile Begebenheiten gibt, die manchmal auch an den Haaren herbeigezogen sind. Da hätte man ein besseres Ende erwarten können.
Mancher Schwule mag sich in felix wieder erkennen, andere werden mit der einen oder anderen Situation vertraut sein, aber ... JETZT SIND WIR JUNG mag sich eher an junge Schwule als an ältere richten, jedenfalls kann ich nichts Besonderes erkennen. "Unverschämt, witzig und berührend" ... nicht für mich.

Mittwoch, 12. Januar 2022

Robert Asprin: Ein Dämon zu viel (Rezension)

Skeeve ist ein eher unwilliger Lehrling der Magie. Er sieht einfach zu wenige konkrete Anwendungspunkte für seine wahre Berufung als Dieb. Empört über diese mangelnde Begeisterung beschwört sein Meister einen leibhaftigen Dämon, um Skeeve von den beeindruckenden Mächten der Magie zu überzeugen. Leider tötet der Armbrustbolzen eines Assassinen Skeeves Meister genau in dem Moment, in dem sich der Dämon materialisiert – und der schreckliche Aahz ist frei. Skeeve bleibt nur eine Möglichkeit: Der Dämon muss sein neuer Mentor werden!
Als Kind/Jugendlicher habe ich die Dämonenbücher von Robert Asprin geliebt. Ich habe sie sogar mehrmals gelesen, aber leider nicht alle. Irgendwann habe ich die Reihe aus den Augen verloren. Aber jetzt hat sich der Blanvalet-Verlag zu einer Neuausgabe bereit erklärt und der erste Teil (der bereits 1978 erschienenen Serie) ist wieder auf Deutsch erhältlich. Über das Cover kann man streiten, ich persönlich finde es furchtbar, aber nachdem ein Cover nicht unbedingt für den Inhalt eines Buches spricht, kann ich darüber hinwegsehen. Der Inhalt ... das erste Adjektiv das mir dazu einfällt: Dämlich. Aber ... sehr unterhaltsam. Da treiben Dämonenjäger und Dämonen ihr Unwesen, es wird durch Welten gereist, betrogen und gelogen und hin und wieder auch Magie eingesetzt. Da werden Drachen zu Einhörner und Einhörner ... bleiben Einhörner.
Obwohl die Geschichte schon einige Jahrzehnte auf dem Buckel hat, ist sie alles andere als altbacken. Fantasy und Humor kann sehr zeitlos sein, was es in diesem Fall auch ist. Abseits der gewohnten Fantasy, aber doch das eine oder andere Klischee bedienend, wird der Leser durch eine amüsante und übertriebene Geschichte geschubst.
Fantasyfreunde, die nicht alles immer ernst nehmen müssen, werden an dieser Reihe ihre Freude haben. Es ist schön, dass sich Verlage auch an die Juwelen vergangener Zeiten erinnern, die sonst in Vergessenheit geraten würden.
Meine Erinnerung an die weiteren Bände ist etwas dürftig, aber ich freue mich darauf, dass es bald weiter geht. Und vielleicht schaffe ich es diesmal auch die Serie zu Ende zu lesen.

Dienstag, 11. Januar 2022

Marco Hasenkopf: Eisflut 1784

Ein faszinierender Kriminalroman inmitten der größten Naturkatastrophe der frühen Neuzeit. Cöln 1784: Mitten im härtesten Winter seit Menschengedenken geht ein Serienmörder in der Stadt um. Amtmann Henrik Venray und die eigenwillige Apothekerwitwe Anna-Maria Scheidt begeben sich auf die Jagd nach ihm und müssen nicht nur gegen eine Bestie in Menschengestalt, sondern auch gegen Kälte und Hunger kämpfen. Zu allem Überfluss droht eine Schmelzwasserflut von unvorstellbarem Ausmaß über Cöln und das Rheinland hereinzubrechen. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt.
Um es klar zu sagen: Mich hat das Buch enttäuscht. Ich hatte es spannender und auch dramatischer erwartet, aber die Krimihandlung und Amtmann Venray konnten mich nicht überzeugen. Da wäre es mir fast lieber gewesen, man hätte sich auf die Beschreibung des Winters und der nahenden Flut konzentriert und sich statt auf eines Krimis einen Katastrophenthriller konzipiert. Aber ich kann nicht sagen, dass mich das Buch gelangweilt hätte oder dass man die Finger davon lassen sollte, weil es einfach schlecht geschrieben und recherchiert ist. Der Schreibstil des Autors passt zur Thematik, die Sprache passt gut in die Zeit. Auch sind die Ortsbeschreibungen sehr authentisch und es fällt dem Leser nicht schwer sich in die Zeit und die Beschwernisse hineinzuversetzen. tatsächlich kann man leicht den Bezug zur Gegenwart verlieren. Gefallen hat mir auch Anna-Maria Scheidt, eine starke und interessante Frauengestalt, die mehr überzeugen konnte als Venray.
Kurz gesagt: Ich hätte mehr mir mehr Eisflut gewünscht (obwohl sie durchaus ständig gegenwertig ist, aber doch leicht aus den Gedanken tritt) und weniger Krimi (oder zumindest einen, der mich fesseln könnte). Ein Buch das man als Fan historischer Krimis lesen kann, aber nicht muss.

Montag, 10. Januar 2022

Helena Marchmont: Die schwarze Witwe (Rezension)

In Bunburry wird gefeiert! Alfie und seine Freunde organisieren im frisch eröffneten Magnolia Inn eine Überraschungsparty für Bunburrys beliebteste Senioren, Liz und Marge. Und das Fest ist nicht die einzige Überraschung: Die glamouröse und überaus charismatische Witwe Francesca Fairfax Adams wohnt ebenfalls im Hotel und verdreht Alfie gehörig den Kopf. Doch sein bester Freund Oscar de Linnet, der extra für die Party aus London angereist ist, kennt Francesca von früher und hat einen schlimmen Verdacht! Alfie zögert, ihm zu glauben und beschließt, die Wahrheit selbst herauszufinden - und bringt damit Oscar und sich selbst in große Gefahr ...
Die schwarze Witwe ist der 12 Fall des Bunburry-Trios (oder Alfie und seine Freunde) nach bewährtem (und immer noch nicht langweilendem) Konzept: Nette, unblutige, Unterhaltung mit Seifenopercharakter und leichtem Agatha Christie-Flair. Belanglos und fröhlich vor sich hinplätschernd mit liebenswerten Charakteren, deren Geschichten interessanter sind als der eigentliche Mordfall. Aber etwas ist anders an der schwarzen Witwe, das ein bisschen vom Schema F abweicht. Es gibt viele Leichen, aber diese sind bereits lange tot, bevor in Bunburry gefeiert wird. Helena Marchmont legt eine falsche Fährte und ... ich bin voll darauf hereingefallen, so dass das Ende für mich doch eher überraschend war (und für jeden Leser dieser Rezension vermutlich nicht mehr, sorry dafür).
Bunburry ist wie immer, weshalb ich kaum weitere Worte darüber verlieren muss: Kurzweilig und unterhaltsam, für all jene die gerne Krimis lesen wollen, aber vor Blut zurückschrecken. Die Schwarze Witwe ist blutarm, aber trotzdem wurde gemordet (das kann man sich anhand des Titels bereits denken) und neben der Mördersuche haben die Bewohner Bunburrys und auch die Leser viel Spaß beim Feiern.

Freitag, 7. Januar 2022

Vera Buck: Runa (Rezension)

Paris 1884. In der neurologischen Abteilung der Salpêtrière-Klinik führt Dr. Charcot Experimente mit hysterischen Patientinnen durch. Seine Hypnosevorführungen locken Besucher aus ganz Europa an; wie ein Magier lässt der Nervenarzt die Frauen vor seinem Publikum tanzen. Dann aber wird Runa in die Anstalt eingeliefert, ein kleines Mädchen, das all seinen Behandlungsmethoden trotzt. Jori Hell, ein Schweizer Medizinstudent, wittert seine Chance, an den ersehnten Doktortitel zu gelangen, und schlägt das bis dahin Undenkbare vor. Als erster Mediziner will er den Wahnsinn aus dem Gehirn einer Patientin fortschneiden. Was er nicht ahnt: Runa hat mysteriöse Botschaften in der ganzen Stadt hinterlassen, auf die auch andere längst aufmerksam geworden sind. Und sie kennt Joris dunkelstes Geheimnis …
Runa klingt auf den ersten Blick wie ein Buch nach meinem Geschmack, ein medizinhistorischer Thriller mit einem Hauch von Mysterie. Vera Buck verbindet eine fiktive Handlung mit realen Persönlichkeiten und Örtlichkeiten. Es hätte ein Buch ganz nach meinem Geschmack sein, aber so ganz konnte mich das Buch nicht überzeugen.
Der Schreibstil ist etwas anstrengend, Vera Buck verliert sich oft in ihren Be- und Umschreibungen, so dass es schwer fällt die Handlung nicht aus den Augen zu verlieren. Die zahlreichen Erinnerungen von Jori mögen für die Handlung zwar wichtig sein, wirken aber oft wie Nebensächlichkeiten und verwirren nur. Das ist schade, denn die Geschichte an sich hätte das Potential für einen spannenden Thriller geboten, was aber durch die langatmige Erzählweise zerstört wird. Die Taschenbuchausgabe erschien unter dem Titel "Runas Schweigen".

Mittwoch, 5. Januar 2022

Frank Herbert: Der Gottkaiser des Wüstenplaneten (Rezension)

Dreieinhalb Jahrtausende sind auf Arrakis vergangen, und die Welt hat sich gewandelt: Der ehemalige Wüstenplanet ist dank technischer Mittel eine grüne Oase geworden. Die einst so stolzen Fremen sind nur noch ein Schatten ihrer selbst, eine Touristenattraktion. Doch es gibt noch ein Stück Vergangenheit auf Arrakis, sorgfältig vor Feuchtigkeit geschützt: die Wüste Sareer. Dort lebt Leto II., der Sohn von Paul Muad’dib. Seit Jahrtausenden vollzieht sein Körper eine Wandlung, geht eine Symbiose mit dem Shai-Hulud ein. Er hat seine Menschlichkeit aufgegeben, um die Menschen zu retten, tritt jetzt als Gott auf und verlangt absolute Unterwerfung. Doch seine Gegner wissen, dass er verletzlich ist – und sie verfügen über die Waffen, um ihn zu vernichten 

Dienstag, 4. Januar 2022

Mira Valentin: Das Geheimnis der Talente (Rezension)

SIE SIND ÜBERALL. UND SIE WERDEN DICH FINDEN!
Kennst du sie – diese besonderen Menschen, deren Sog dich schonungslos mitreißt? Pass gut auf, denn jeder von ihnen könnte ein Dschinn sein!
Stell dir vor, du entwickelst eine seltsame Gabe: Auf einmal triffst du mit jedem Ball in den Korb, mit jedem Pfeil ins Ziel. Genau so ergeht es Melek – doch lange kann sie sich nicht darüber freuen. Denn Jakob, der Anführer einer geheimen Gruppierung, offenbart ihr, dass ihr „Talent“ erwacht sei und sie fortan gegen mystische Gestaltwandler kämpfen soll. Diese verführerischen „Dschinn“ rauben ihren Opfern durch einen Kuss alle Gefühle und lassen mitleidlose, kaltherzige Menschen zurück, deren Taten seit jeher die Welt aus dem Gleichgewicht bringen. Nur die Talente sind in der Lage, das zu verhindern.
Melek muss sich entscheiden – zwischen ihrem alten und dem neuen Leben, zwischen Sicherheit und höchster Gefahr. Und irgendwie auch zwischen den Talenten und den Dschinn. Denn einer ihrer Feinde scheint gar nicht so böse zu sein, wie ihr erzählt wurde.

Montag, 3. Januar 2022

Lin Rina: Elisa Hemmiltons Kofferkrimi (Rezension)

Alles begann mit dem äußerst unwahrscheinlichen Ereignis, dass ein Koffer vom Himmel fiel. London 1890/91 Die Metropolitan Police hat uns gebeten einen Bericht über die kürzlichen Ereignisse im Fall ›Anthony Harris‹ zu schreiben. Und wie wir - eine vorlaute Studentin und ein schusseliger Mechaniker - es geschafft haben, der ganzen Sache auf die Spur zu kommen, während die Polizei Däumchen gedreht hat. Da Jamie sich aber strikt weigert, zu Papier zu bringen, was wir durchlebt haben, bleibt diese Aufgabe an mir hängen: Elisa Hemmilton, mutige Laien-Ermittlerin, neugierige Spürnase und Siegerin der Herzen[1]. __________________________________ [1] Trägst du nicht etwas zu dick auf, Liz? Wenn dir nicht passt, was ich hier fabriziere, dann hättest du es selber schreiben sollen, mein lieber Jamie.
Eine Frage, die man (inklusive meiner Person) sich stellen kann: Warum habe ich Elisa Hemmiltons Kofferkrimi gelesen, nachdem ich mich bei Animant Crumbs Staubchronik so dermaßen gelangweilt habe. Es macht doch gar keinen Sinn Bücher einer Autorin zu lesen, die nicht überzeugen kann, vor allem, wenn man damit rechnen kann sich erneut zu langweilen. Natürlich bestätigen Ausnahmen die Regel, aber ich gehöre zu den Lesern, die Autoren selten eine zweite Chance geben, auch wenn das vorkommt, wenn auch selten. Also, wie konnte dann dieser Unfall mit dem Kofferkrimi passieren?