Donnerstag, 3. Januar 2019

Bela Vivo: Marco und Dima

Berlin 1993. Der arbeitslose Skinhead Marco macht – wie viele andere in Deutschland – Einwanderer und Asylanten für seine missliche Lage verantwortlich. Eines Abends trifft er in einer Kneipe auf den jungen Spätaussiedler Dima, der erst vor Kurzem mit seiner Familie von Russland nach Deutschland gezogen ist. Im Gegensatz zu seinem älteren Bruder Yury ist Dima voller Optimismus und will sich schnell integrieren. Nach einem verhängnisvollen Streit mit Dima und Yury flieht Marco ins Ausland, wo sich ihm eine neue aufregende Welt offenbart. Zeitgleich holt ihn ein altes Geheimnis ein, das ihn letztendlich mit dem jungen Spätaussiedler Dima verbindet.
Anhand des Titels bin ich von einer gewöhnlichen schwulen Liebesgeschichte ausgegangen, wie man sie oft lesen kann und die nach kurzer Zeit schnell langweilig werden. Da hätte auch das Jahr 1993 nichts geändert. Aber so kann man sich täuschen.
Marco und Dima ist keine Liebesgeschichte und ein gewöhnlicher schwuler Beziehungsroman ist es genauso wenig. Es ist ein Roman, der durchaus mit einigen Überraschungen aufwarten kann.
Ich gebe zu, dass mich am Anfang die Ausdrucksweise etwas irritiert und auch gestört hat. Erzählt wird aus zwei unterschiedlichen Sichtweisen (aus welcher ist anhand des Buchtitels ersichtlich) und Marcos Ansichten sind schon sehr menschenverachtend und verblendet. Aber ... das macht auch die Stärke des Romans aus, denn Marco verändert sich von Kapitel zu Kapitel und aus dem unsympathischen Neonazi wird ein liebenswerter, sympathischer Charakter, der eine nachvollziehbare positive Entwicklung durchläuft.