Sonntag, 17. Januar 2021

Anke Becker: Elloani (Rezension)

In der alljährlichen Maskennacht bricht Königin Kaila aus ihren gesellschaftlichen Verpflichtungen aus. Sie trifft auf Airy, einen geheimnisvollen jungen Mann. Nach einer Liebesnacht trennen sie sich, ohne zu wissen, wer der andere ist.
Sie begegnen sich wieder - auf gegnerischen Seiten in einem Krieg, in dem Kaila Airy und sein Volk unterwirft. Schafft er es, ihr sein Land näherzubringen und ihr die Augen zu öffnen? Oder ist ihre Liebe von Anfang an dem Untergang geweiht?
Man nehme eine interessante Ausgangssituation, mische sie mit einer herzzerreisesenden Liebesgeschichte und lasse sie auf einer magischen Welt spielen, dann hat man einen Bestseller ... oder zumindest ein unterhaltsames Buch (denn ein Bestseller muss nicht unbedingt gut sein, aber das ist ein anderes Thema).
Manchmal funktioniert es, manchmal nicht.
"Elloani" ist der erste Teil einer Romantasy-Dilogie für alle ab 16 (und das ist auch dringend erwähnenswert, es geht teilweise wirklich zur Sache).

Samstag, 16. Januar 2021

H. P. Lovecraft: Der Cthulhu-Mythos (Hörbuch)

 

Der Cthulhu-Mythos aus H. P. Lovecrafts Bibliothek des Schreckens enthält neben den Lovecraft-Geschichten Dagon und Cthulhus Ruf Geschichten anderer Autoren, die sich des Cthulhumythos bedienten:
Robert E. Howard: Der Schwarze Stein
H. P. Lovecraft & Lin Carter: Die Glocke im Turm 
D. R. Smith : Warum Abdul Al Hazred dem Wahnsinn verfiel
Christian von Aster: Ein Porträt Torquemadas
Gelesen werden die Geschichten von Joachim Kerzel (Verstorben 2018). Jede Geschichte wird mit einigen Worten von H. P. Lovecraft (David Nathan), der sich zu Beginn des Hörbuchs selbst vorstellt und Teile seiner Biografie erzählt. 
Dagon ist eine der ersten von Lovecraft veröffentlichen Geschichten, Cthulhus Ruf, diejenige die vermutlich den Mythos zum Leben erweckte. Robert E. Howard hat nicht nur Geschichten um Conan, den Barbaren geschrieben. Die Glocke im Turm entstand weit nach Lovecrafts Tod und wurde von Lin Carter fertig gestellt.
Die Geschichten (wenn sie nicht von Lovecraft selbst sind) verbreiten den bekannten Lovecraft-Flair und Joachim Kerzel sorgt mit seiner Stimme zusätzlich für angenehme Gänsehaut. 
Die Einführungen und die Verabschiedung von Lovecraft hätte man sich sparen können, besonders informativ sind diese nicht. 
Die Geschichten geben Teile des Mythos wieder (aber ein vollständiges Werk würde zum einen den Rahmen eines Hörbuchs sprengen und zum anderen wäre es aufgrund der zahlreichen Veröffentlichungen auch unmöglich), nur die Geschichte von D. R. Smith hat mir nicht gefallen, ich finde die Entmystifizierung des Adbul Al Hazred (dem Verfasser des Necronomikons) etwas ernüchternd.
Abgesehen davon ist DER CTHULHU-Mythos gruseliger Hörgenuss. 

Freitag, 15. Januar 2021

Manuel Neff/Sophie Lang: Element High 2 - Der Winterzauber (Rezension)

Endlich sind die Ferien vorbei und Philip trifft seine magischen Freunde, um sich gemeinsam den Prüfungen des zweiten Zauberjahres an der Element High zu stellen.
Schon bald nachdem Philip die erste Etage betritt, sieht er mit eigenen Augen, dass das zweite Zauberjahr vollkommen anders ist. Duelle, magische Wettbewerbe und neue Wahlfächer wie Untiere oder Abrakadabra versprechen aufregend und spannend zu werden. Doch je länger das Zauberjahr andauert, desto gruseliger werden die Vorkommnisse an der Schule der magischen Kinder. Als schließlich einer der schwersten Winterstürme seit Jahrzehnten über die Element High hereinbricht, müssen die Jungmagier all ihren Mut und ihre Zauberkünste aufbringen, um das gefährliche Abenteuer heil zu überstehen.
Der Winterzauber braucht etwas, bis er in Fahrt kommt, aber das heißt nicht das es langweilig wird. Ein neues Schuljahr hat begonnen und nicht nur Philipp (auch der Leser) und seine Freunde müssen sich mit neuen Schulfächern auseinandersetzen. Unterschwellig besteht die Gefahr des schwarzen Magiers noch und natürlich wird auch wieder fleißig gemobbt und geätzt.
Aber wenn man denkt man kennt alles schon wird man überrascht und es geht wirklich zur Sache. Da trifft man auf unerwartete Gesellen (Sherlock Holmes...), macht Zeitreisen (in Parallelwelten), versucht Rätsel zu lösen und nebenbei die Schule zu retten. Natürlich wird auch fleißig gezaubert.
Man glaubt gar nicht was man auf knapp über 200 Seiten hineinpacken kann. Und neben all dem herrschenden Chaos entwickeln sich die Charaktere weiter (und bieten ebenfalls die eine oder andere Überraschung).

Kurzweiliges Lesevergnügen für Fans von Zauberschulen. 

Donnerstag, 14. Januar 2021

H. P. Lovecrafts dunkle Freunde II (Hörbuch)

Robert Louis Stevenson, berühmt geworden als Verfasser der »Schatzinsel“, begleitet Leichenräuber, die eine makabre Sammelleidenschaft pflegen. In »Die Glocken des Ozeans“ muss ein Kapitän entsetzt beobachten, wie nachts Mannschaftsmitglieder als Wasserleichen vor seinem Bullauge auftauchen. Und »Die Schatten an der Wand« künden von einem unheimlichen Gast aus der Vergangenheit. Von wem wurde H.P. Lovecraft beim Verfassen seiner Geschichten womöglich inspiriert? Fünf Meisterhafte Horrorgeschichten, intelligent, verstörend, oft makaber und überaus wirkungsvoll ...
Enthält die Geschichten:
Die Leichenräuber (Robert Louis Stevenson)
Die Glocken des Ozeans (Arthur J. Burks)
Der Mumienfuß (Théophile Gautier)
Die Schatten an der Wand (Mary E. Wilkins-Freeman)
Der Kuss des schwarzen Gottes (C.L. Moore)
Wie auch bei Das Rote Zimmer handelt es sich bei Die Leichenräuber um eine Anthologie, die nichts mit Lovecraft zu tun hat.
Es sind Gruselgeschichten von denen sich Lovecraft vielleicht inspiriert hat. Und jede Geschichte hat ihren eigenen Sprechern.
Von den Autoren war mir nur R. L. Stevenson bekannt (und auch Die Leichenräuber war mir nicht unbekannt, auch wenn es sich hierbei um eine seiner weniger bekannten Geschichten handelt).
ich gebe auch zu, dass mir die anderen Geschichten nicht gefallen haben. Die Sprecher waren gut und haben die Stimmung der Geschichten gut umgesetzt.
Aber ... mit Lovecraft hat das nichts zu tun und Das rote Zimmer ist die empfehlenswertere der beiden Hörbuchanthologien.
Es gibt bessere Gruselgeschichten.

Mittwoch, 13. Januar 2021

Daniel Sand: Irren ist göttlich (Rezension)

In der Welt eines fehlerlosen Gottes zu leben, ist sehr angenehm. Solange er keine Fehler macht. Als er den jungen Thariel verflucht, glaubt erst mal niemand an dessen Unschuld. Also reist er in die Stadt des Allmächtigen, nur um zu erfahren, dass es nicht nur um Gott schlechter steht als befürchtet, sondern gleich um das ganze Königreich. Thariel gerät in Intrigen, legt sich mit finsteren Mächten an und strandet mit einem Zeitmaschinen-Prototypen außerhalb von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Wird er den Fluch los und kann er nebenbei das Königreich retten?
Der Klappentext und auch das Cover sind sehr vielversprechend, wenn man skurrile Fantasy mag. Da konnte ich natürlich nicht widerstehen. Aber leider konnte mich Irren ist Göttlich nicht ganz überzeugen. 
Ein bisschen fühlt man sich an Terry Pratchett und Douglas Adams erinnert, aber an den Witz von Douglas Adams kommt Daniel Sand nicht heran und was der Vergleich zu Terry Practhett anbelangt ... die einen mögen seine Scheibenwelt, andere nicht. Ich gehöre in die zweite Kategorie. 
Man braucht etwas um in die Würfelwelt eintauchen zu können und auch wenn die Idee der Welt (die NICHT auf einem sechsseitigen Würfel basiert) interessant ist, so spielt sie kaum eine Rolle, man hätte sich diesen Hinweis also auch sparen können ... es sei denn es gibt weitere Geschichten aus dieser Welt. 
Aber so ... könnte die Geschichte auch auf einer pyramidenförmigen oder runden Welt passieren.
Unterhaltsam (und ein bisschen naiv) ist die Handlung auf jeden Fall und hin und wieder sprudelt sie nur so über von merkwürdigen Ereignissen und Verwicklungen, manchmal ist es zu viel und dann wieder plätschert die Handlung inspirationslos vor sich hin, vor allem im Mittelteil. 
Die Regenwolke ist an sich eine nette Idee, bekommt aber auch nicht die Aufmerksamkeit die sie bekommen sollte und manchmal vergisst man ihre Anwesenheit.

Vielleicht mag der Pratchett-Fan seine Freude daran haben, ich kann nur sagen, dass ich zwar teilwiese gut unterhalten wurde, ich aber nicht ganz von Handlung und Stil überzeugt war.

Dienstag, 12. Januar 2021

H. P. Lovecrafts dunkle Freunde I (Hörbuch)

H.G. Wells, Begründer der modernen Science-Fiction-Literatur, schickt uns in »Das rote Zimmer«, das von einem unheimlichen Geist bewohnt wird. Apokalyptische Zustände beschreibt »Das Haus des Wurms«, dessen Kult allein durch Willenskraft den Tod über die Menschheit bringen lässt. Das »Telegramm in der Nacht« berichtet über gespenstische Vorgänge aus einer Stadt, die es gar nicht gibt. Und »Das Haus im Sturm« schließlich beherbergt ein magisches Pendel, das die restliche Lebenszeit seiner Bewohner verkündet. Meisterhafte Horrorgeschichten, intelligent, verstörend, oft makaber und überaus wirkungsvoll ... | Enthält die Geschichten:: Das rote Zimmer (H.G. Wells), Telegramm in der Nacht (H.F. Arnold), Das tote Tal (Ralph Adams Cram), Fischkopf (Irvin S. Cobb), Das Haus des Wurmes (Mearle Prout), Haus im Sturm (Matthew Phipps Shiel)
Das Rote Zimmer ist ein Hörbuch, das einige gruselige Geschichten vereinigt, aber mit Lovecraft nichts zu tun hat. Wer also eine Atmosphäre wie bei Lovecraft erwartet oder auf das Erscheinen des einen oder anderen Großen Alten, der wird enttäuscht werden. Als Horroranthologie kann man die Geschichten aber hören. Und ... man wird auch gut unterhalten, wobei ich zugeben muss, dass ich außer H. G. Wells keinen der vertretenen Autoren kenne. 
Aber es ist immer wieder gut in Anthologien neue Autoren kennen zu lernen (auch wenn sie bereits verstorben sind)
Meine Highlights neben dem roten Zimmer ist "Telegramm in der Nacht" (sehr atmosphärische Nebelgeschichte). Die Geschichte Fischkopf gefällt mir dagegen gar nicht, Erinnerungen an Schatten über Innsmouth werden wachgerufen, aber das war's auch schon, wirklicher Horror entsteht nicht. 
Hervorzuheben ist auch, dass jede Geschichte ihren eigenen Sprecher hat und diese sind durchgehend gut.

Aber: Wo Lovecraft draufsteht ist nicht immer Lovecraft drinnen und mir fehlt der Bezug zum Autor. 

Montag, 11. Januar 2021

Emma Marten: Zwischen Tod und Leben (Rezension)

Geboren in Dunkelheit, um das Licht zu retten. Selena fürchtet sich vor der Dunkelheit, doch in ihrer Heimat Schwarz ist diese allgegenwärtig. Ihr Vater, der Anführer der Seelendiebe, setzt sie unter Druck, endlich ihre düsteren Fähigkeiten einzusetzen. Als er gegen Tods oberstes Gesetz verstößt, stellt Selena sich gegen ihn. Ein Fremder verhilft ihr zur Flucht. Raedan hat sie aus einem bestimmten Grund auserwählt: Er braucht ihre Kraft, um Tod eine Seele zu stehlen. Selena will sich weigern, denn sie hasst ihre Macht. Aber was, wenn das Leben aller auf dem Spiel steht? Wenn sie über Leben und Tod entscheidet?
Fantasy der etwas ungewöhnlichen Art gefällig? Dann ist Zwischen Tod und Leben vielleicht das richtige, denn mit einer mittelalterlichen Fantasywelt mit Elfen und Zwergen (und Magiern) hat dieses Buch nichts zu tun. 
Vielleicht fällt der Einstiegg etwas schwer, zumindest mir fiel es nicht leicht, das Konzept der Seelendiebe zu verstehen, aber dank der erklärenden und leicht verständlichen Worte der Autorin ist die Verwirrung nur von kurzer Dauer und man findet sich schnell in der Welt von SCHWARZ und WEISS zurecht. 
Emma Marten baut eine interessante Welt, mit interessanten Charakteren (und Konzepten) um sie dann in den Untergang zu stürzen (was bei gefühlt allen Fantasyromanen der Fall ist)
Selena ist nicht unbedingt die sympathischste Protagonistin (eigentlich wirkt sie auf mich sehr farblos), aber es gibt so viele interessante Charaktere um sie herum, dass man darüber hinwegsehen kann.
Vielleicht enthält Zwischen Tod und Leben eine Liebesgeschichte, vielleicht auch nicht, vielleicht ist sie auch nur so subtil um weiteren Bänden Stoff zu geben. 
Tatsache ist, dass man ungewöhnliche und kurzweilige Fantasy geboten bekommt, die (auch wenn man es vermuten könnte) alles andere als Schwarz und Weiß ist. 
Spannend bis zum Schluss, mit einem nicht sehr netten Cliffhanger.
Aber ... natürlich will man wissen wie es weiter geht (und in meinem Fall hat das nichts mit Selena zu tun).

Manchmal wird man tatsächlich noch mit ungewöhnlicher Fantasy überrascht, ohne dass es zu abgedreht wirkt. 

Sonntag, 10. Januar 2021

Andreas Zwengel: Kinder des Yig (Rezension)

Silas Czerny, Maler und Ex-Junkie in Frankfurt am Main, kommt in Kontakt mit der neuen Droge OpenMind. Noch in derselben Nacht vollendet er ein Gemälde, das seinen verblassten Ruhm wieder neu aufleben lässt. Wenig später kommt es zu mysteriösen Unfällen und Amokläufen, Vorboten für ein großes, zerstörerisches Ereignis.
Kinder des Yig ist der 5. Band der Schriften des Grauens und toppt das Durschnittswerk Stolzenstein um Einiges. Fast ein kleines Highlight, wenn es nicht ein paar Schwächen hätten, die dem Lovecraftfan den Magen zusammenziehen lassen, das Herz des Monsterjägerfans aber höher schlagen lässt.
Dass Lovecraft-Horror auch in einer (deutschen) Großstadt funktioniert wird gut demonstriert. 
Der Protagonist ist Künstler, ein oft genutzter Beruf in Lovecrafts Werken, der auf langsame Art und Weise (und vollkommen ahnungslos) in eine seltsame Welt eindringt. Es ist eine Mischung aus Lovecraft-Horror und Thriller. Spannend und geheimnisvoll.
Leider geht der Horrorfaktor verloren, sobald sich die "Kinder des Yig" enttarnt haben und aus dem angenehmen Gruselroman wird ein Actionthriller, der sich nur noch darum dreht, wer tötet wen. 
Und als Lovecraftfan kann ich das Auftauchen eine Großen Alten in dieser Form nicht gutheißen. Das war dann etwas zu viel.
Ohne die Erwartungen, die man an einen Roman hat, wenn Lovecraft draufsteht, wäre der Roman vielleicht unterhaltsam, Monsterplattmachen kann durchaus spaßig sein, passt aber in dieser Form nicht zu Lovecraft.
So ist Kinder des Yig der beste Teil der bisher fünf von mir gelesenen Bücher der Schriften des Grauens (aber das ist auch nicht so schwer), aber es ist mehr Actionthriller als Lovecraftgrusel. Es wird viel gezeigt, wenig angedeutet.
Und so wird der Horrorfan, dem der Zugang zu Lovecraft fehlt eine größere Freude an diesem Buch haben, als jemand der eine Geschichte nach Lovecraft-Art erwartet.
Als Horrorroman unterhaltsam (und mit guten Ideen), als Lovecrafthommage eher Mittelmaß. 

Samstag, 9. Januar 2021

Jørn Lier Horst:Wisting und der Atem der Angst (Rezension)

Ein Wanderer findet im Wald die menschlichen Überreste einer jungen Frau. Der Polizei ist schnell klar: Die Art und Weise, wie sie getötet wurde, entspricht dem typischen Vorgehen des Serienkillers Tom Kerr. Doch der kann es nicht gewesen sein, denn er sitzt seit mehreren Jahren im Gefängnis. Stimmen etwa die Gerüchte, dass er damals einen Komplizen hatte? Schon vor Jahren nannte die Presse diesen vermeintlichen Partner des Serienkillers „Der Andere“. Tom Kerr erklärt sich bereit, mit der Polizei zu kooperieren. Bei einer Tatortbegehung soll er wichtige Hinweise liefern. Doch dann passiert das Unfassbare: Dem Killer gelingt die Flucht. Wisting wird plötzlich zum Sündenbock und muss beide Täter dringend hinter Gitter bringen!
Wisting und der Atem der Angst ist der dritte Teil von Wistings Cold Cases, aber so kalt ist der Fall nicht, da er durch die Flucht des Täters an Aktualität gewinnt. Wisting muss den Täter und seinen Komplizen finden und muss dabei auch mit Schwierigkeiten aus seinem Umfeld kämpfen. An seiner Seite: Tochter Line mit Kamera.

Freitag, 8. Januar 2021

Jörg Kleudgen & Uwe Vöhl: Stolzenstein (Rezension)

Als Gero Klueger das Haus seines Schriftstellerkollegen Wulf Loeve erbt, fährt er mit einer düsteren Vorahnung nach Stolzenstein. Loeves Geist scheint dort allgegenwärtig. Der frühere Freund hat ihm eine Reihe von Rätseln hinterlassen, die Klueger bald an die Grenzen seines Verstandes führen.
Stolzenstein ist der vierte Band der Schriften des Grauens und bisher der beste den ich gelesen habe, was allerdings auch nicht viel bedeutet ...
Interessant (aber nicht so ungewöhnlich) ist der Schauplatz: Deutschland. Aber die Autoren zeigen dass sich auch in Hessen atmosphärischer Horror á la Lovecraft aufbauen lässt. Und passend zu Lovecrafts Geschichten ist auch die Länge: zu lang für eine Kurzgeschichte, zu kurz für einen Roman. 
Hinzu kommen auch zahlreiche Andeutungen, wie man sie auch aus den Geschichten des "Meisters" findet, allerdings haben die wenigsten einen Bezug zur Geschichte. das hätte man sich sparen können.
Im großen und Ganzen: Gut geschrieben, mit einem gewissen Maß an Lovecrafthorror, aber nicht so gut wie Lovecraft. 
Besser als die Vorgänger der Schriften des Grauens, aber noch nicht unbedingt ein Highlight. Aber kurzweilige Unterhaltung für neblige Wintertage...
Zumindest erweist Stolzenstein eine gewisse Inspiration von Lovecraft, die man in den vorangegangenen Bänden vermissen musste. 
Und man muss den Autoren  zugute halten, dass es ihnen durchaus gelingt Neuengland-Horror auch in Deutschland zu verbreiten, auch wenn Stolzenstein zwar eine merkwürdige Stadt ist, aber natürlich kein deutsches Innsmouth. 

 

Donnerstag, 7. Januar 2021

Amalia Zeichnerin: Post Mortem (Rezension)

London, 1878. Als die junge Sängerin Pauline Westray in einem Fotoatelier überraschend stirbt, stehen der Fotograf Clarence Fox und seine Ehefrau Mabel vor einem Rätsel – war die Praline, die sie kurz vor ihrem Tod aß, vergiftet? Während die Polizei keine Erklärung für den Tod finden kann und den Fall bald als natürlichen Tod zu den Akten legt, kann Mabel, die die junge Frau kannte, das nicht glauben. Mabel und Clarence beginnen, weitere Nachforschungen anzustellen. Schon bald stoßen sie auf mehr als nur einen Verdächtigen aus Miss Westrays Umfeld ...
Und wieder einmal das Problem mit der viktorianischen Zeit ...
Ich lese viktorianische Krimis gerne und in letzter Zeit sehr oft. Aber manchmal werde ich hinsichtlich der Handlung doch enttäuscht und dann denke ich mir, dass ich es vielleicht doch lassen soll und etwas anderes lesen. Wenn dann nicht wieder ein Highlight kommt. Allerdings gehört Post Mortem nicht dazu. 
Klassendenken und die verschiedenen Gesellschaftsschichten der damaligen Zeit, nehmen eine wichtige Rolle in diesem Buch ein. Am Anfang ist das noch amüsant, aber leider ändert sich im Laufe des Buchs nicht fiel, so dass die Spannung dem Klassendenken zum Opfer fällt. 
Ganz nett zu lesen mit sympatischen Charakteren und wenn man das ganze nicht als Krimi sondern als Gesellschaftsbild auffassen will, sogar gut lesbar. Man fühlt sich schnell in die Zeit versetzt.

Aber als Krimi nicht wirklich empfehlenswert. 

Mittwoch, 6. Januar 2021

Andreas Ackermann: Das Mysterium dunkler Träume (Rezension)

In seiner wahnwitzigen Abenteuergeschichte konfrontiert der Autor den Filmvorführer Maxemilian Meissner mit dem lovecraftschen Grauen. Vor der Kulisse eines monströsen Prag der Zukunft, in der Magie gleichwertig neben überlegener Technik existiert, inszeniert er einen spannenden Wettlauf um Leben und Tod.
Die dritte Veröffentlichung der Schriften des Grauens, diesmal aus deutscher Hand. 
Horror meets SF, könnte man sagen ... ein durchwegs faszinierender Ansatz, der mich aber sowohl von der Handlung, als auch vom Schreibstil, der mir manchmal doch sehr nüchtern erschien, nicht gefallen hat.
Vielleicht war es der SF-Aspekt der mich gestört hat, denn Prag selber würde sich als Schauplatz für Lovecraftschen Horror gut eignen, aber die Zukunftsversion der Stadt hat mir nicht gefallen.
Das Cover dagegen ist sehr vielversprechend und die zahlreichen Hinweise auf Aspekte der modernen Popkultur machen das Buch zumindest zeitweise zu amüsantem Lesestoff.
Der Autor bemüht sich Lovecraftschen Horror zu verbreiten und das gelingt ihm teilweise, andere Autoren versagen bereits bei diesem Aspekt (obwohl sie sich auf Lovecraft bemühen), aber die Dichte, die ich in den Geschichten Lovecrafts finde vermisse ich. Andererseits habe ich selbst auch Probleme wenn Autoren Lovecraft in die Gegenwart versetzen (für mich ist der Autor und seine Geschichten ein Phänomen der Vergangenheit und ich selbst empfinde aus den Geschichten der Vergangenheit, selbst wenn sie von anderen Autoren geschrieben wurden, eine besondere Art von Schauer).
Das Mysterium dunkler Träume mag Horrorfans, die auch dem SF-Aspekt nicht abgeneigt sind (und ich weiß wie schwierig es ist, SF und Horror zu verbinden, das gelingt nicht immer) ansprechen. 
Mir hat es nicht gefallen.

Allgemein muss ich zu den Schriften des Grauens sagen, dass mich die drei von mir bisher gelesenen Bände nicht überzeugen konnten. Die Cover sind vielversprechend, aber der Inhalt ... aber ich habe noch ein paar Bücher der Reihe vor mir, vielleicht gibt es ja doch noch das eine oder andere Highlight, das auch dem Erbe Lovecrafts gerecht wird.


Dienstag, 5. Januar 2021

Andreas Suchanek: Heliosphere 1 + 2 (Rezension)

Am 1. November 2265 übernimmt Captain Jayden Cross das Kommando über die Hyperion. Ausgerüstet mit einem neuartigen Antrieb und dem Besten an Offensiv- und Defensivtechnik, wird die Hyperion an den Brennpunkten der Solaren Union eingesetzt.
Bereits ihr erster Auftrag führt die Crew in ein gefährliches Abenteuer. Eine Bergungsmission entartet zur Katastrophe. Umringt von Feinden muss Captain Cross eine schwerwiegende Entscheidung treffen, die über Leben und Tod, Krieg oder Frieden in der Solaren Union entscheiden könnte ...
Andreas Suchanek einmal anders ... bisher kannte ich ihn nur als Fantasy /und Krimiautoren) aber er scheint vor keinem Genre zurückzuschrecken und hat sich mit der Heliosphere-Reihe auch an Science Fiction gewagt, genauer gesagt an eine Space Opera in epischer Breite. Aber ... mein Geschmack ist das nicht. Vielleicht muss ich aber auch meine Meinung zu SF überdenken, denn bisher war ich der Meinung, dass mir Space Operas ziemlich gefallen: Fremde Welten, Aliens, Raumschiffe ...
Aber das, was ich in letzter Zeit gelesen habe, hat mir nicht wirklich gefallen. Und die beiden Heliospheren-Bände, die ich gelesen habe, gehören leider dazu.

Montag, 4. Januar 2021

Stephen Jones: Schatten über Innsmouth (Rezension)

Inspiriert von H. P. Lovecrafts klassischer Erzählung ›Der Schatten über Innsmouth‹ wagen sich 16 moderne Meister des Schreckens noch einmal an die Küste Neuenglands in die verfluchte Stadt Innsmouth mit ihren abscheulichen, nicht ganz menschlichen Bewohnern .... 
Die Anthologie enthält neben der Original-Lovecraft-Geschichte noch Geschichten von 16 anderen Autoren, die sich mit Innsmouth und ihren Bewohnern auseinandersetzen. Über 500 Seiten geballte Innsmouth-Ladung u. a. von Neil Gaiman, Ramsey Campbell, Kim Newman, Peter Tremayne und Brian Stableford.
Das Highlight ist die Geschichte von Lovecraft selbst, alle anderen bleiben weit hinter den Erwartungen zurück, so dass man sagen muss, dass sich Schatten über Innsmouth nicht einmal als durchschnittliche Anthologie bezeichnen darf, obwohl man von vielen der vertretenen Autoren gute bis hervorragende Werke kennt.
Die Ansätze der einzelnen Storys kann man zwar als interessant bezeichnen und viele Autoren versuchen neue Wege sich dem Thema Innsmouth zu nähern, doch am Ende bleiben nicht überzeugende Geschichten die eine zu langatmige, eintönige Anthologie ergeben.

Schade eigentlich, denn das Thema hätte mehr hergegeben und das Talent der beteiligten Autoren (soweit sie mir bekannt sind, was nicht bei allen der Fall ist) kommt nicht zum Tragen.

Die Originalgeschichte ist gut, kann man aber in vielen anderen Büchern, als Hörbuch oder einzeln lesen. 
(meine Meinung dazu hier)
Der Rest ist aber weder für Lovecraft- noch für Horrorfans zu empfehlen.

Sonntag, 3. Januar 2021

Heather Redmond: Die Morde von Kensington (Rezension)

Im Winter 1835 läuft es sehr gut für den jungen Charles Dickens. Er steigt beim Evening Chronicle als Journalist ein, und als er vom Herausgeber der Zeitung zum Abendessen eingeladen wird, verliebt sich Charles direkt in die Tochter seines Chefs, die temperamentvolle Kate Hogarth. Sie amüsieren sich bestens – als ein Schrei den angenehmen Abend erschüttert. Die Nachbarin Miss Christiana Lugoson liegt bewusstlos auf dem Boden. Als Charles durch einen Kollegen von einem ähnlich mysteriösen Todesfall vor einem Jahr erfährt, geht er von einem Giftanschlag aus und kann nicht anders, als genauer nachzuforschen. Zusammen mit der reizenden Kate ermittelt er unter den Mitgliedern der Londoner Oberschicht. Charles will Gerechtigkeit für die Opfer, doch wenn er zu tief bohrt, setzt er Kate und sich selbst größter Gefahr aus ...
Krimis aus der viktorianischen Zeit erfreuen sich seit langem großer Beliebtheit und zahlreiche moderne Autoren (und Autorinnen) versuchen ihre Leser (und Leserinnen) in eine vergangene Zeit zu entführen, mal mehr oder weniger erfolgreich.

Samstag, 2. Januar 2021

Roman Sander: Götter des Grauens (Rezension)

Deutsche und internationale Autoren stellt der Herausgeber, der bereits erfolgreiche Titel für Bastei, Heyne und dtv zusammenstellte, in seiner ultimativen Anthologie zum Cthulhu-Mythos H. P. Lovecrafts vor.
Original- und deutsche Erstveröffentlichungen von Hans Dieter Römer, Gary Lovisi, David A. Riley, Jack Eden und US-Geheimtipp Wilum Hopfrog Pugmire, dazu ein Beitrag von Jörg Kleudgen, zeigen die Vielfalt neuer Interpretationen des Mythos auf.
Götter des Grauens ist der zweite Band aus der Reihe H. P. Lovecrafts Schriften des Grauens. Aber auch hier zeigt sich, dass nicht überall wo Lovecraft drauf steht auch Lovecraft drin ist. 
Die Geschichten orientieren sich zwar am von Lovecraft erschaffenen Mythos, aber das Flair das die Originalstorys des Autors erzeugten sie selten.
Dennoch gibt es ein paar Highlights:
Der Priester des Dagon von Gary Lovisi gehört dazu (und ist in meinen Augen auch die beste Geschichte der Sammlung). Der Titel der Geschichte verrät viel, aber nicht zu viel und dem Protagonisten wird so einiges abverlangt. Andere Geschichten (darunter Das Auge des Fisches und Eingesperrt von David A. Riley beginnen vielversprechend können am Ende aber nicht überzeugen)
Die Autoren sind mir bisher nicht aufgefallen, Jörg Kleudgen kannte ich bisher auch nur als Sänger (obwohl ich wusste dass er auch als Schriftsteller tätig ist, bis zu dieser Anthologie habe ich aber noch nichts von ihm gelesen)

Fazit: Kann man lesen, muss man aber nicht. Kann aber auch von Horrorfans gelesen werden, die wenig oder nichts mit dem Cthulhumythos anfangen können. Man versäumt aber auch nichts.

SuB-Leichen-Abbau