Freitag, 20. November 2020

Anja Bagus: Aetherhertz (Rezension)

Seit der Jahrhundertwende steigt grüner Nebel über den Flüssen auf. Æther ist für die Industrie ein Segen, für die Menschen ein Fluch. Luftschiffe erobern den Himmel, Monster bevölkern die Auen.
Wir schreiben das Jahr 1910: Im mondänen Baden-Baden scheint die Welt noch in Ordnung. Doch während die Kurgäste aus aller Welt durch die Alleen und den Kurpark flanieren, sterben junge Frauen an einer mysteriösen Vergiftung.
Das Fräulein Annabelle Rosenherz versucht die Ursache herauszufinden und gerät dabei selbst in große Gefahr, denn sie hat schon lange ein Geheimnis. Als sie der Wahrheit zu nahe kommt, nimmt man sie gefangen.
Auf den finsteren Höhen des Schwarzwalds verliert sie fast ihren Verstand und es entscheidet sich, ob Annabelle sich selbst akzeptieren kann, und ihre erste Liebe stark genug ist, den Widerständen der Gesellschaft zu trotzen.
Steampunk mal ein bisschen anders. Aetherhertz entführt in ein alternatives Baden-Baden um das Jahr 1910 (nur wenige Steampunk-Romane spielen in Deutschland und die meisten spielen zu einer früheren Zeit).
Baden Baden, ich war noch nie dort, aber nachdem ich Aetherhertz gelesen habe, reizt mich der Besuch der Stadt schon. 
Die Welt, welche Anja Bagus erschaffen hat ist durchaus interessant. Der Aether ist noch relativ neu und wird auch nicht vollständig verstanden (wie es so oft bei neuen Technologien der Fall ist). Er hat seine guten Seiten und seine schlechten (manche Menschen verändern sich und werden zu Monstern, mehr oder weniger, und auch nur, wenn man die Welt in schwarz und weiß sehen möchte ... natürlich steckt weitaus mehr dahinter).
Annabelle ist eine Frau ihrer Zeit, auch wenn sie das System und die Stellung der Frau hinterfragt. Eine Suffragette ist sie aber nicht, auch kein hosentragendes Mannweib. Aber sie hat ihre eigenen Vorstellungen von der Welt. 
Die Aetherwelt hat ihre Reize, die Hauptperson ist sympathisch, die Handlung interessant und spannend (vor allem der Showdown) und nebenbei wird der Leser auch in die fiktive Baden Badener Gesellschaft eingeführt.
Ich gebe zu, dass mich der Roman in seinen Bann gezogen hat, allerdings hatte ich ständig den Eindruck, dass ich es hier mit Steampunk für Frauen zu tun habe (und ohne jemandem nahetreten zu wollen, ich meine damit jene Art von Frauen, die sich gerne und oft in Liebesromane verlieren).
Ich hatte trotzdem meinen Spaß und werde die Reihe weiter verfolgen. 

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