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Mittwoch, 31. Juli 2024

C. J. Knittel: Die Hinrichtung des Zweihundertjährigen (Rezension)

Deutschland in der Zukunft:
Der 200jährige Paul Krasinski steht wenige Tage vor seiner Verabschiedung, dem gesetzlich vorgeschriebenen Ende seines Lebens. Doch nach dem Tod seines besten Freundes überkommen ihn Zweifel und er flieht. Während seiner Flucht begegnet Paul einer Gruppe von Menschen, die noch deutlich älter sind als er. Ihnen ist es gelungen eine Schattengesellschaft von Unsterblichen zu gründen. Doch auch hier, ist nicht alles, wie es scheint.
 
Tiefgründig und philosophisch, ohne großes Technikgelaber oder ausufernde Actionszenen erzählt C. J. Knittel in DIE HINRICHTUNG DES ZWEIHUNDERTJÄHRIGE eine ruhige Geschichte, die zum Nachdenken anregt, ohne den Unterhaltungswert aus den Augen zu verlieren. Die Geschichte überzeugt nicht durch technische Errungenschaften, Weltraumschlachten und fremden Planeten. Der Tod und der Umgang damit steht im Vordergrund. Und so denkt nicht nur Paul über seine Entscheidung nach, auch der Leser wird aufgefordert sich Gedanken über das menschliche Dasein und sein Ende zu machen. Und ja, auch das kann überzeugen, zumal die Charaktere in ihren Ansichten durchaus glaubwürdig dargestellt werden.
Kurzweilige SF, die durch ihre ruhige Erzählweise fasziniert.

Mittwoch, 15. März 2023

C. J. Knittel: Proxima Solaris (Rezension)

Im späten 25. Jahrhundert herrscht auf der Erde ein weiterer Kalter Krieg. Die Ostasiatische Union und die westlichen Bündnisse konkurrieren um die letzten Rohstoffe und Lebensräume. Es herrscht ein Klima der militärischen Abschreckung.
Als die Besatzung der Proxima-Solaris an ihrem Ziel, dem Planeten Proxima b, aus dem Kälteschlaf erwacht, erfahren sie, dass ein Weltkrieg ihre Heimat vernichtet hat. Doch selbst vor den Tiefen des Alls macht der Konflikt nicht halt: Ein chinesisches Kriegsschiff umkreist den Planeten Proxima b.
Im Großen und Ganzen mag ich das Werk von C. J. Knittel. auch wenn nicht alles immer meinen Geschmack trifft, aber im großen und Ganzen schreibt er interessante Bücher, obwohl mich seine Fantasywerke eher überzeugen konnten als das was ich als SF von ihm kenne. Aber manchmal hat es ein Autor auch eine zweite Chance verdient (wenn er nicht gruselig schlecht schreibt ...).
Aber ich gebe zu, dass mir PROXIMA SOLARIS bei weitem besser gefallen hat als DIE TRÄNE DES PHÖNIX. Hier wird eine unterhaltsame Space Opera geboten, die jedoch noch im Rahmen der "Realität" zu verstehen ist ... man braucht keine außerirdische Bedrohung oder fremde Welten um eine Bedrohung zu schaffen. 

Sonntag, 4. Juli 2021

C. J. Knittel: Tonkari 3 - Der Meisterdieb (Rezension)

Der Meisterdieb Eiden erhält den Auftrag, in die geheimen Schatzkammern des Großen Pantheons einzudringen. Er soll ein Buch abschreiben, das seit Jahrtausenden als verschollen gilt. Schon bald wird ihm klar, dass es sich dabei um keine gewöhnliche religiöse Schrift handelt. Das Buch stellt alles infrage, was er zu wissen glaubte. Es hat die Macht, die Geschicke der Welt für immer zu verändern.
Der dritte Teil der Tonkari-Reihe hat mir wieder gefallen, nachdem der zweite Teil (Der lange Marsch) mich eher enttäuscht hatte. Aber es ist noch viel Luft nach oben.
Der Meisterdieb erzählt die Geschichte von drei Personen: Jara, der Menschenfrau; Adran dem Tonkari und Eidens, dem halbblütigen Meisterdieb.
Ich weiß nicht, warum es drei unterschiedliche Geschichten sein mussten, Adrans Geschichte hat kaum Berührungspunkte mit Jaras und Eidens Geschichte und hätte durchaus ein eigenes Buch verdient, zumal ich den Eindruck hatte, dass man Eidans Abenteuer mehr Platz bieten hätte (und das Buch auch einen anderen Titel geben) sollen. So kam die spannende Suche nach dem Buch viel zu kurz, man hätte mehr daraus machen können, ebenso wie die Abenteuer die er danach erlebte (dazu werde ich aber nichts sagen, es wäre ein zu großer Spoiler und ich belasse es bei Andeutungen, um die Neugier auf das Buch zu schüren).
Jaras Geschichte, für sich gesehen, fand ich ein bisschen langweilig, vorhersehbar und sehr konventionell (frei nach dem Motto: Schöne Frau verliebt sich in den falschen Mann, ein anderer wird eifersüchtig und übt Rache an seiner unerwiderten Liebe ...)

Donnerstag, 7. Mai 2020

C. J. Knittel: Tonkari - Das Herz des Greifen (Rezension)

Meson Tormin ist Heermeister in der Armee eines selbstgefälligen Königs. Für sein Volk führt er Krieg gegen die Igelmenschen, die sich selbst Tonkari nennen, und im nahegelegenen Wald leben. Sie sollen der Ursprung der Seuche sein, die in der Hauptstadt wütet. In einer Schlacht wird Meson von den Tonkari gefangen genommen. Während seiner Gefangenschaft findet er heraus, aus welchem Grund der König sie wirklich bekämpft.
Wenn man ehrlich ist wird nicht gerade eine innovative Geschichte erzählt. Fantasyfans werden in TONKARI aber auf ihre Kosten kommen, denn es wird genau das geboten, das Fantasyfans mögen: Fremde Kulturen, Geheimnisse, ein bisschen Pseudomittelalter und natürlich Kriege und Schlachten.
Das klingt jetzt nicht sonderlich aufregend, aber ... C. J. Knittel überzeugt durch seine Welt und die Personen.
Anfangs hatte ich Schwierigkeiten mit der Sprache und auch nicht, warum der König einem Heerführer seine einzige Tochter verspricht. Aber im Laufe der Geschichte wird vieles deutlicher. Tatsächlich wird eine spannende Geschichte erzählt, die für kurzweiliges Lesevergnügen sorgt und schneller vorbei ist als man denkt.
Und dann bleibt die Frage: Wie jetzt, das war's?

Donnerstag, 24. Dezember 2020

C. J. Knittel: Tonkari - Der lange Marsch (Rezension)

Horkai und seine Gefährten sind auf dem Weg nach Sarasien, um die dortige Tierwelt zu erforschen. Auf dem Weg in den hohen Norden wird ihr Zug von Heckenräubern überfallen und nur durch die Hilfe der Tonkari überlebt Horkai. Gemeinsam mit zwei ihrer Jäger begibt er sich auf den monatelangen Rückweg nach Hause. Seine Gemahlin erhält inzwischen die Nachricht von seinem Tod.
Der lange Marsch ist der zweite Roman aus der Welt der Tonkari, aber unabhängig von Das Herz des Greifen. Das Buch bietet neue Aspekte zu den Beziehungen von Tonkari und Menschen und auch über die Gesellschaft der Tonkari erfährt man mehr. Der Weltenbau wird stetig vorangetrieben und wirkt sehr realistisch. Ich bin gespannt was man noch alles erfahren kann.
Horkai und seine Tonkari-Freunde werden gut dargestellt, ihre Charakterentwicklung ist nachvollziehbar und bleibt realistisch. Auch wenn man es vermuten möchte (bei Romanen mit ähnlicher Handlung ist das oft der Fall) wird aus Horkai kein "Superheld". Seine Erlebnisse prägen ihn und sorgen für die Festigung seines Charakters, aber es bleibt realistisch.

Donnerstag, 17. Dezember 2020

C. J. Knittel: Die Träne des Phönix (Rezension)

Nicole Wagner arbeitet für die Krebell, eine außerirdische Rasse, die die Menschheit unterworfen hat. In ihrem Namen macht sie Jagd auf Widerstandskämpfer, die sich in den U-Bahnnetzen und Kanalisationen der Städte versteckt halten. Während eines Aufklärungsfluges über London wird sie abgeschossen und bedient sich einer Lüge, um am Leben zu bleiben. Die Menschen nehmen sie bei sich auf und sie lernt das Leben im Untergrund kennen. Und mit der Zeit erwachen ihre Zweifel ...
Die Träne des Phönix eignet sich vielleicht für Leser, die sich langsam an das Thema Science Fiction heranwagen wollen ohne zu sehr von technischen Errungenschaften und Erklärungen erschlagen zu werden. Es wird eine einfache (man könnte auch sagen klassische) Story geboten: Das Überleben der Menschen unter außerirdischen Invasoren (in diesem Fall insektenähnliche, was nicht ganz so fremdartig dargestellt wird wie es könnte). 
Die Geschichte ist kurz, geradlinig und (abgesehen von einer kleinen Sache, die mich durchaus überrascht hat ... aber ich ergieße mich lieber in Andeutungen, als dass ich einen Spoileralarm setze) vorhersehbar. 
Das Buch bietet zwischenmenschliche Beziehungen (die manchmal vielleicht ein bisschen zu sehr in den Vordergrund gestellt werden, durchaus Potential für interessante Konflikte geben, aber oft im Sand verlaufen) und kriegerische Auseinandersetzungen (in einem für mich durchaus angenehmen Maße ... nicht zu viel und nicht zu übertrieben in ihrer Darstellung).
Eigentlich wird viel Potential verschenkt: Die Aliens sind zu menschlich (mit Ausnahmen, aber im großen und Ganzen fällt es schwer sie als Insekten zu sehen), die Protagonisten sehr farblos und austauschbar und die Beweggründe von Nicole sind nicht immer nachvollziehbar.
Und das Ende kommt zu schnell.

Die Träne des Phönix ist eine nette Geschichte, für den Sf-Fan bietet sie wenig und wenn ich ehrlich bin, so verpasst man nichts, wenn man einen Bogen um das Buch macht.
Nett ist manchmal zu wenig um auf dem Buchmarkt Aufmerksamkeit zu verdienen (andererseits haben auch manchmal schlecht geschriebene Romane Bestsellerstatus)