Sonntag, 10. Januar 2021

Andreas Zwengel: Kinder des Yig (Rezension)

Silas Czerny, Maler und Ex-Junkie in Frankfurt am Main, kommt in Kontakt mit der neuen Droge OpenMind. Noch in derselben Nacht vollendet er ein Gemälde, das seinen verblassten Ruhm wieder neu aufleben lässt. Wenig später kommt es zu mysteriösen Unfällen und Amokläufen, Vorboten für ein großes, zerstörerisches Ereignis.
Kinder des Yig ist der 5. Band der Schriften des Grauens und toppt das Durschnittswerk Stolzenstein um Einiges. Fast ein kleines Highlight, wenn es nicht ein paar Schwächen hätten, die dem Lovecraftfan den Magen zusammenziehen lassen, das Herz des Monsterjägerfans aber höher schlagen lässt.
Dass Lovecraft-Horror auch in einer (deutschen) Großstadt funktioniert wird gut demonstriert. 
Der Protagonist ist Künstler, ein oft genutzter Beruf in Lovecrafts Werken, der auf langsame Art und Weise (und vollkommen ahnungslos) in eine seltsame Welt eindringt. Es ist eine Mischung aus Lovecraft-Horror und Thriller. Spannend und geheimnisvoll.
Leider geht der Horrorfaktor verloren, sobald sich die "Kinder des Yig" enttarnt haben und aus dem angenehmen Gruselroman wird ein Actionthriller, der sich nur noch darum dreht, wer tötet wen. 
Und als Lovecraftfan kann ich das Auftauchen eine Großen Alten in dieser Form nicht gutheißen. Das war dann etwas zu viel.
Ohne die Erwartungen, die man an einen Roman hat, wenn Lovecraft draufsteht, wäre der Roman vielleicht unterhaltsam, Monsterplattmachen kann durchaus spaßig sein, passt aber in dieser Form nicht zu Lovecraft.
So ist Kinder des Yig der beste Teil der bisher fünf von mir gelesenen Bücher der Schriften des Grauens (aber das ist auch nicht so schwer), aber es ist mehr Actionthriller als Lovecraftgrusel. Es wird viel gezeigt, wenig angedeutet.
Und so wird der Horrorfan, dem der Zugang zu Lovecraft fehlt eine größere Freude an diesem Buch haben, als jemand der eine Geschichte nach Lovecraft-Art erwartet.
Als Horrorroman unterhaltsam (und mit guten Ideen), als Lovecrafthommage eher Mittelmaß. 

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