Der alte Kestler ist tot - er starb an einem Schock, nachdem er die falschen Pillen eingenommen hatte. Zufall oder böse Absicht? Rabbi David Small weiß, dass das bekannte Mitglied der jüdischen Gemeinde nicht nur Freunde hatte. Fünf Menschen sind über den Tod des Alten alles andere als unglücklich. Aber würde einer davon so weit gehen, ihn zu ermorden? An Motiven mangelt es nicht.
Eigentlich folgt AM MITTWOCH WIRD DER RABBI NASS dem üblichen Schema der Rabbi Small-Krimis, aber ich fand diesen sechsten Band und bisher letzten, den ich lesen durfte/konnte, als das Highlight der Reihe (sofern ich damit vertraut bin). Natürlich erfährt der Leser wieder einiges über das Judentum und seine Gebräuche, was ich für einen Nichtjuden wirklich interessant fand. Und Kemelman beschreibt ohne zu langweilen. Aber die Gemeinde von Rabbi Small bleibt nicht auf der Strecke, auch sie sind wieder voll involviert und neben der üblichen Vorstandsintrigen bekommt man hier mehr Krimi als ich es von den früheren Rabbi-Krimis gewohnt bin. Trotzdem bleibt der Autor sich treu, es wird also nicht actionreich und niemand muss sich Verfolgungsjagden durch strömenden Regen vorstellen. Trotzdem wird ein interessanter Fall konstruiert, der am Anfang gar nicht als solcher erkennbar ist, aber dann wird es spaßig. Ein Roman voller Verwicklungen und Irrungen. Man darf miträtseln, wird auf falsche Fährten gesetzt und wird am Ende mit einem lehrreichen, spannenden Krimi belohnt.
Bei den zahlreichen Krimiverfilmungen wundert es mich, dass die Romane von Harry Kemelman bisher ignoriert wurden ...
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Mittwoch, 7. Februar 2024
Dienstag, 6. Februar 2024
Oliver Pötzsch: Der Totengräber und der Mord in der Krypta (Rezension)
Das Buch des Totengräbers
Das Mädchen und der Totengräber
Der Totengräber und der Mord in der Krypta
Wien, 1895: In der Gruft unter dem Stephansdom finden Touristen zwischen Knochen und Schädeln eine männliche Leiche: Das Gesicht vor Entsetzen verzerrt, ansonsten unversehrt. Ist der Mann vor Angst gestorben? Was hat ihn dermaßen in Panik versetzt? Während im Wien des ausgehenden 19. Jahrhunderts der Spiritismus grassiert und an jeder Ecke Séancen abgehalten werden, pochte der Tote – ein Gelehrter – auf die Naturwissenschaften und deckte Schwindler auf. Hat er sich dabei die Finger verbrannt? Parallel zu den von Leopold von Herzfeldt geführten Ermittlungen wird der Totengräber Augustin Rothmayer durch seine Adoptivtochter Anna auf etwas anderes aufmerksam: Im Waisenhaus der Stadt verschwinden immer wieder Kinder ... Vergreift sich jemand an den Schutzlosen oder geht wirklich ein Geist um in der Donaumetropole?
Das Mädchen und der Totengräber
Der Totengräber und der Mord in der Krypta
Wien, 1895: In der Gruft unter dem Stephansdom finden Touristen zwischen Knochen und Schädeln eine männliche Leiche: Das Gesicht vor Entsetzen verzerrt, ansonsten unversehrt. Ist der Mann vor Angst gestorben? Was hat ihn dermaßen in Panik versetzt? Während im Wien des ausgehenden 19. Jahrhunderts der Spiritismus grassiert und an jeder Ecke Séancen abgehalten werden, pochte der Tote – ein Gelehrter – auf die Naturwissenschaften und deckte Schwindler auf. Hat er sich dabei die Finger verbrannt? Parallel zu den von Leopold von Herzfeldt geführten Ermittlungen wird der Totengräber Augustin Rothmayer durch seine Adoptivtochter Anna auf etwas anderes aufmerksam: Im Waisenhaus der Stadt verschwinden immer wieder Kinder ... Vergreift sich jemand an den Schutzlosen oder geht wirklich ein Geist um in der Donaumetropole?
Es wird spiritistisch im dritten Fall, den Leopold von Hertzfeld lösen muss. Aber diesmal hat er es nicht nur mit dem hilfreichen Augustin Rothmayer zu tun, der mal wieder ein passendes Buch zum Thema Geister verfasst, auch Arthur Conan Doyle gibt sich die Ehre und ... Leopolds Mutter ...
Pötzsch steigert sich und auch wenn die beiden Vorgänger lesenswerte Highlights auf dem Gebiet der historischen Krimis sind, so kann das DER TOTENGRÄBER UND DER MORD IN DER KRYPTA toppen. Pötzsch lässt das historische Wien lebendig werden, seine Geistererscheinungen sorgen für wohligen Schauer, bleiben aber vollkommen realistisch und ich habe das Gefühl, dass auch der Humor etwas zugenommen hat, aber auf sehr angenehme Weise, die eher zum Schmunzeln anregt. Und auch wenn manchen die Zehennägel einrollen wenn Mütter ins Spiel kommen ... auch hier wird diese nicht zu klischeehaft dargestellt.
Leopold von Herzfeld, Augustin, Julia ... sie bilden ein gut funktionierendes Ensemble, das natürlich das Lesevergnügen noch erhöht.
Mord unter Spiritisten ist kein neues Thema, aber hier wird es hervorragend umgesetzt.
Freunde historischer Krimis werden ihre Freude haben. Der Band kann zwar unabhängig von den Vorgängern gelesen werden, aber ... warum sollte man das tun? DER TOTENGRÄBER ist eine Reihe, bei der ich mich auf jedes neue Buch freue ... und jetzt darf ich wieder warten.
Pötzsch steigert sich und auch wenn die beiden Vorgänger lesenswerte Highlights auf dem Gebiet der historischen Krimis sind, so kann das DER TOTENGRÄBER UND DER MORD IN DER KRYPTA toppen. Pötzsch lässt das historische Wien lebendig werden, seine Geistererscheinungen sorgen für wohligen Schauer, bleiben aber vollkommen realistisch und ich habe das Gefühl, dass auch der Humor etwas zugenommen hat, aber auf sehr angenehme Weise, die eher zum Schmunzeln anregt. Und auch wenn manchen die Zehennägel einrollen wenn Mütter ins Spiel kommen ... auch hier wird diese nicht zu klischeehaft dargestellt.
Leopold von Herzfeld, Augustin, Julia ... sie bilden ein gut funktionierendes Ensemble, das natürlich das Lesevergnügen noch erhöht.
Mord unter Spiritisten ist kein neues Thema, aber hier wird es hervorragend umgesetzt.
Freunde historischer Krimis werden ihre Freude haben. Der Band kann zwar unabhängig von den Vorgängern gelesen werden, aber ... warum sollte man das tun? DER TOTENGRÄBER ist eine Reihe, bei der ich mich auf jedes neue Buch freue ... und jetzt darf ich wieder warten.
Montag, 5. Februar 2024
Anthony Ryan: Ein Fluss so rot und schwarz (Rezension)
Wer sich erinnert, muss sterben
Sechs Menschen erwachen auf einem Schiff. Ohne jede Erinnerung. Der siebte ist tot. Was ist passiert? Warum nimmt das Schiff Kurs auf ein postapokalyptisches London? Und von welchem Grauen künden die Schreie im dichten Nebel? Eine Mission auf Leben und Tod beginnt, der sich niemand entziehen kann.
Als Huxley zu sich kommt, weiß er nichts mehr. Nicht mal seinen Namen. »Huxley« ist ihm auf den Unterarm tätowiert. Offenbar befindet er sich an Bord eines fremdgesteuerten Militärschiffs auf der Themse. Und er ist nicht allein. Da gibt es noch fünf weitere Überlebende. Den sechsten findet er tot auf, Selbstmord. Sie alle sind nicht zufällig hier: Zusammen sind sie Polizist, Soldat, Ärztin, Physikerin, Historiker und Polarforscherin. Über ein Satellitentelefon erhalten sie von einer mysteriösen Stimme Anweisungen.
Unaufhaltsam steuern sie in ein zerstörtes und ausgestorbenes London hinein. Doch schließlich stellen sich ihnen nicht mehr nur Schiffswracks und Brückenruinen in den Weg. Immer lauter werden die Schreie in der Ferne. Im dichter werdenden Nebel lauert ein Grauen außerhalb ihrer Vorstellungskraft. Mit jeder Seemeile wird deutlicher, dass ihre Reise ins Unbekannte ein schreckliches Geheimnis birgt.
Sechs Menschen erwachen auf einem Schiff. Ohne jede Erinnerung. Der siebte ist tot. Was ist passiert? Warum nimmt das Schiff Kurs auf ein postapokalyptisches London? Und von welchem Grauen künden die Schreie im dichten Nebel? Eine Mission auf Leben und Tod beginnt, der sich niemand entziehen kann.
Als Huxley zu sich kommt, weiß er nichts mehr. Nicht mal seinen Namen. »Huxley« ist ihm auf den Unterarm tätowiert. Offenbar befindet er sich an Bord eines fremdgesteuerten Militärschiffs auf der Themse. Und er ist nicht allein. Da gibt es noch fünf weitere Überlebende. Den sechsten findet er tot auf, Selbstmord. Sie alle sind nicht zufällig hier: Zusammen sind sie Polizist, Soldat, Ärztin, Physikerin, Historiker und Polarforscherin. Über ein Satellitentelefon erhalten sie von einer mysteriösen Stimme Anweisungen.
Unaufhaltsam steuern sie in ein zerstörtes und ausgestorbenes London hinein. Doch schließlich stellen sich ihnen nicht mehr nur Schiffswracks und Brückenruinen in den Weg. Immer lauter werden die Schreie in der Ferne. Im dichter werdenden Nebel lauert ein Grauen außerhalb ihrer Vorstellungskraft. Mit jeder Seemeile wird deutlicher, dass ihre Reise ins Unbekannte ein schreckliches Geheimnis birgt.
Freitag, 2. Februar 2024
Ronald Ryley: Der Tod steigt aus dem Sarkophag (Rezension)
Mitten in der Ausbildung zum Private Investigator muss sich Millionärstochter Alison um die Organisation des Geburtstages von Tante Mildred kümmern. Doch die Egyptian Sculpture Gallery im British Museum entpuppt sich als verzwickte Party-Location. Als ein Sarkophag umgestoßen wird, nimmt das Unheil seinen Lauf. Eine Museumsaufseherin stirbt und Alisons beste Freundin verschwindet spurlos. Fast scheint es, als würde ein Fluch auf Alisons Familie liegen.
DER TOD STEIGT AUS DEM SARKOPHAG ist der zweite London-Krimi mit Alison Granville, der erste den ich gelesen habe und, soviel greife ich vorweg, auch der letzte. DER TOD STEIGT AUS DEM SARKOPHAG klingt nach einem spannenden, klassischen Krimi, also eigentlich genau das was ich gerne lesen würde. Aber ... so sehr mir der Hintergrund mit den Mumien auch zugesagt hat ... der Rest tat es nicht. Ich wusste aber auch nicht, dass es sich um einen zweiten Teil handelte, was bei Krimis nicht unbedingt wichtig ist und ich auch nicht das Gefühl hatte, irgendetwas verpasst zu haben, nur ... die Protagonisten wirkten doch sehr farblos und austauschbar, manchmal sogar ein bisschen zu stereotyp (der klassische englische Krimi wurde nicht neu erfunden, wurde aber auch nicht überzeugend in Szene gesetzt). Der Anfang des Buches - eine Kriegsszene in London 1944 ist spannend und vielversprechend... danach wird man in die Gegenwart versetzt und alles löst sich in Luft auf. Was vielleicht die Spannung zerstört hat war die Betonung von Belanglosigkeiten wie ein teils wirres Gefühls- und Familienleben, das für die Handlung nicht von Bedeutung war. (Vielleicht aber diejenigen die den Vorgänger kannten, erheitern). Schade, hier wird ein interessantes Thema, das viel Potential hat, nicht gewürdigt und eher auf banale Weise präsentiert. Mumien machen neugierig und sind nach wie vor faszinierend, aber sie haben es nicht verdient für diesen Krimi ausgeschlachtet zu werden. Der Fluch der Mumien scheint sich auch auf die Literatur auswirken zu können...
DER TOD STEIGT AUS DEM SARKOPHAG ist der zweite London-Krimi mit Alison Granville, der erste den ich gelesen habe und, soviel greife ich vorweg, auch der letzte. DER TOD STEIGT AUS DEM SARKOPHAG klingt nach einem spannenden, klassischen Krimi, also eigentlich genau das was ich gerne lesen würde. Aber ... so sehr mir der Hintergrund mit den Mumien auch zugesagt hat ... der Rest tat es nicht. Ich wusste aber auch nicht, dass es sich um einen zweiten Teil handelte, was bei Krimis nicht unbedingt wichtig ist und ich auch nicht das Gefühl hatte, irgendetwas verpasst zu haben, nur ... die Protagonisten wirkten doch sehr farblos und austauschbar, manchmal sogar ein bisschen zu stereotyp (der klassische englische Krimi wurde nicht neu erfunden, wurde aber auch nicht überzeugend in Szene gesetzt). Der Anfang des Buches - eine Kriegsszene in London 1944 ist spannend und vielversprechend... danach wird man in die Gegenwart versetzt und alles löst sich in Luft auf. Was vielleicht die Spannung zerstört hat war die Betonung von Belanglosigkeiten wie ein teils wirres Gefühls- und Familienleben, das für die Handlung nicht von Bedeutung war. (Vielleicht aber diejenigen die den Vorgänger kannten, erheitern). Schade, hier wird ein interessantes Thema, das viel Potential hat, nicht gewürdigt und eher auf banale Weise präsentiert. Mumien machen neugierig und sind nach wie vor faszinierend, aber sie haben es nicht verdient für diesen Krimi ausgeschlachtet zu werden. Der Fluch der Mumien scheint sich auch auf die Literatur auswirken zu können...
Donnerstag, 1. Februar 2024
Ralph Edenhofer: Monster in der Dunkelheit (Rezension)
Was ich bin? – Ein bluttrinkendes Monster.
Was ich mache? – Ich jage jene, die noch monströser sind als ich.
Mein Name ist Leonard von Montesaro. Die meisten meiner Art nennen mich allerdings den Templer. Und ja, einst habe ich tatsächlich dem Orden der kämpfenden Mönche angehört.
Doch die Alte Welt habe ich schon vor langer Zeit verlassen. Meine Heimat ist New York. Hier bin ich der Älteste der Unsterblichen. Ich sorge dafür, dass unsere Gesetze eingehalten werden, dass niemand über die Stränge schlägt. Und wer es dennoch tut … Nun, die Unsterblichkeit kann schnell vorbei sein für die Unvorsichtigen.
Der Neugeborene, den ich heute jage, scheint einer der üblichen Kandidaten zu sein. Unbeherrscht, unkoordiniert, leichte Beute. Doch bald wird mir klar, dass er nur der Vorbote eines größeren Unheils ist. Eines Unheils, das noch viel älter ist als ich. Und viel gefährlicher. Eines Unheils, das nicht nur mich, sondern die gesamte Stadt ins Verderben zu reißen droht.
Was ich mache? – Ich jage jene, die noch monströser sind als ich.
Mein Name ist Leonard von Montesaro. Die meisten meiner Art nennen mich allerdings den Templer. Und ja, einst habe ich tatsächlich dem Orden der kämpfenden Mönche angehört.
Doch die Alte Welt habe ich schon vor langer Zeit verlassen. Meine Heimat ist New York. Hier bin ich der Älteste der Unsterblichen. Ich sorge dafür, dass unsere Gesetze eingehalten werden, dass niemand über die Stränge schlägt. Und wer es dennoch tut … Nun, die Unsterblichkeit kann schnell vorbei sein für die Unvorsichtigen.
Der Neugeborene, den ich heute jage, scheint einer der üblichen Kandidaten zu sein. Unbeherrscht, unkoordiniert, leichte Beute. Doch bald wird mir klar, dass er nur der Vorbote eines größeren Unheils ist. Eines Unheils, das noch viel älter ist als ich. Und viel gefährlicher. Eines Unheils, das nicht nur mich, sondern die gesamte Stadt ins Verderben zu reißen droht.
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