Freitag, 5. Januar 2024

S. E. Harmon: Spuken für Anfänger (Rezension)

Special Agent Rain Christiansen galt jahrelang als FBI-Vorzeigeagent. Doch dann wird ihm ein Zwischenfall zum Verhängnis: Wegen einer klitzekleinen paranormalen Erscheinung halten ihn plötzlich alle für komplett durchgeknallt. Sein Boss bietet Rain eine letzte Chance, seinen guten Ruf wiederherzustellen: Er schickt ihn nach Brickell Bay. Dort soll er der örtlichen Polizei bei einem Cold Case helfen und bloß kein Wort über Geister verlieren. Rain ist fest entschlossen, genau das zu tun – bis er feststellt, dass der Polizist, den er unterstützen soll, ausgerechnet sein Ex Danny McKenna ist. Und der steckt in seinen Ermittlungen im Fall der verschwundenen Schülerin Amy Greene fest. Alle Spuren führen in eine Sackgasse. Dass Rains alte Liebe für Danny wieder aufflammt und ihm bei der Suche nach Amy immer wieder Geister in die Quere kommen, macht die Sache auch nicht gerade leichter …
Ich bin etwas zwiegespalten, was SPUKEN FÜR ANFÄNGER anbelangt. Der geistersehende Agent mag nicht neu sein, aber die Geschichte an sich ist unterhaltsam, spannend und auch überraschend. Zudem fehlt auch die passende Würze an Humor nicht. Die Charaktere sind authentisch (auch wenn Rain und Danny auch als Models durchgehen könnten, aber das erwartet man wohl auch in Romanen wie diesen), manchmal etwas übertrieben (auf liebenswerte Weise ... obwohl ... vielleicht ist Familie einfach so) ... aber hier passt das Gesamtpaket. Auch Rains anfängliche Schwärmereien und sexuellen Gedanken von Danny sind durchaus als amüsant zu bezeichnen ... nur ... irgendwann wird es dann zu viel Porno. Da hätte ich mir mehr Geister und weniger (ausführlichen) Sex gewünscht. Dabei ist die Geschichte und die Charaktere sehr liebevoll gestaltet und für Freunde übernatürlicher Polizeiserien empfehlenswert ... wenn der Pornobestandteil das nicht zerstören würde.
Aber ich habe den Eindruck, dass Frauen das anders sehen ... Ich mag mich täuschen, aber SPUKEN FÜR ANFÄNGER ist wohl eher die Art von Roman, die eher Frauen anspricht als (homosexuelle) Männer.

Donnerstag, 4. Januar 2024

Agatha Christie: Und dann gab's keines mehr (Rezension)

Zehn Männer und Frauen aus ganz unterschiedlichen Kreisen bekommen eine Einladung, die sie auf eine abgeschiedene Insel vor der Küste Devons lockt. Der Gastgeber, ein gewisser U. N. Owen, bleibt unsichtbar. Erst als die Gesellschaft beim Dinner zusammensitzt, ertönt seine Stimme aus einem alten Grammophon und verheißt Unheil. Ein Gast nach dem anderen kommt zu Tode, während die Verbleibenden verzweifelt versuchen, den Mörder zu enttarnen ... 
Der meistverkaufte Kriminalroman aller Zeiten - erstmals in zeitgemäßer Neuübersetzung von Eva Bonné.
Agatha Christie kann man immer lesen und diesen mehrfach verfilmten Krimi sollte man kennen, auch wenn er ohne Miss Marple oder Hercule Poirot auskommt. Aber das zeigt auch, wie vielseitig die Queen of Crime war. Zehn Personen auf beschränktem Raum und nach und nach verschwindet jemand ... das mag heutzutage nicht neu sein, aber dass dieser Roman schon einige Jahrzehnte auf dem Buckel hat, merkt man ihm nicht an.

Mittwoch, 3. Januar 2024

Anton Serkalow: Die Fährte des Wendigo (Rezension)

Die Witwe Helen Burkfield lebt auf einer kleinen Pferderanch. Als ihre Tochter Crystal verschwindet und die Spur direkt ins Indianergebiet führt, macht sich Helen auf die aussichtslos erscheinende Suche. Sie nimmt die Hilfe von Threefeathers an, einem Krieger, der dem gleichen Stamm angehört, der ihren Mann ermordet haben soll. Gemeinsam folgen die beiden der mysteriösen Fährte. Schon bald muss Helen erkennen, dass Crystal von einem blutrünstigen Dämon entführt wurde.
Dass Serkalow Westernhorror (Oder Horrorwestern) kann, hat er ja mit seiner als Selfpublisher erschienen Reihe NIGHTHUNTER bewiesen. Von seiner hochgelobten VAKKERVILLE-Trilogie war ich weniger begeistert, obwohl ich da wohl eine der wenigen Ausnahmen bin. Aber ich hatte hohe Hoffnungen an DIE FÄHRTE DES WENDIGO, da ich hoffte, dass der Autor wieder zu seinen Wurzeln zurückfinden würde und mich mit einem eher seltenen Genre zu erfreuen. Und jetzt beginnt der Teil, der etwas schwierig wird. Am Einfachsten kann ich sagen: Es war nicht so gut wie NIGHTHUNTER (wenn man den schlechtesten Teil der Reihe als Referenz verwendet), aber es war nicht so enttäuschend wie die VAKKERVILLE-Trilogie. Das Westernsetting wurde gut beschrieben und sehr lebhaft vor Augen gesetzt. Wer Serkalow kennt (und wer sich gerne an Westernhorror versuchen möchte sollte an der NIGHTHUNTER-REIHE nicht vorbei gehen) darf eine eine spannende und gut aufgebaute Story erwarten, die neben durchaus gelungenen Schock- und Gruselmomenten auch mit ein paar überraschenden Wendungen aufwarten kann. Serkalow legt ein gewohnt hohes Erzähltempo vor, das man sich gut als Kinofilm vorstellen kann. Bombastische Szenen, getragene Musik ... fast perfekt ... nur ... so genial der Roman auch sein könnte, und so rasant und flüssig er geschrieben ist, und auch wenn ich durchaus unterhalten wurde ... die wechselnden Erzählperspektiven und die oberflächlich erscheinenden (manchmal auch klischeehaften) Charaktere, haben es mir schwer gemacht, mich in die Geschichte hineinzufinden. Ja, ich wurde unterhalten, aber ich habe nicht mitgefiebert. Und so kann ich sagen, dass DIE FÄHRTE DES WENDIGO nicht zu Serkalows besten Werken zählt, aber auch nicht den Tiefpunkt seines Schaffens darstellt ... irgendwie ist es dazwischen.
DIE FÄHRTE DES WENDIGOS bildet den siebten Band der Reihe HORROR WESTERN des BLITZ-Verlags, aber es handelt sich um eine Reihe, die ein Genre vereint und Bücher verschiedener Autoren vereint, die nicht aufeinander aufbauen und eine Ansammlung von Einzelbänden darstellen. Da ich aber bisher nicht viel WESTERNHORROR gelesen habe, bin ich nicht abgeneigt zu sehen wie andere Autoren das Thema auffassen.

Dienstag, 2. Januar 2024

M. C. Beaton: Hamish Macbeth verschlägt es die Sprache (Rezension)

Die betagte Schriftstellerin Patricia Martyn-Broyd ist entsetzt, als sie erfährt, dass ihre Protagonistin Lady Harriet in den Verfilmungen ihrer Krimis als kiffender Hippie dargestellt werden soll. Dass der Drehbuchautor für seine skurrilen Drehbücher bekannt ist und Lady Harriet von der moralisch fragwürdigen Penelope Gates gespielt werden soll, macht die Sache nicht besser. Aber Vertrag ist Vertrag, lernt die Autorin schnell. Plötzlich überschlagen sich jedoch die Ereignisse, und Patricia wird beschuldigt, Drehbuchautor und Hauptdarstellerin ermordet zu haben. Um ihre Unschuld zu beweisen, wendet sie sich an ihren einzigen Freund in Lochdubh: den Dorfpolizisten Hamish Macbeth ... 
HAMISH MACBETH VERSCHLÄGT ES DIE SPRACHE ist der 14. Fall in dem der sympathische Dorfpolizist ermittelt (von ermitteln dürfen ist ja wie üblich nicht die Rede). Und natürlich gibt es innerhalb von Buchreihen gute und schlechte Bücher und nicht jeder HAMISH kann überzeugen. Aber ... hier ist das nicht der Fall, denn ich habe mich königlich amüsiert, was vielleicht teilweise auf die Handlung zurück zu führen ist, die vielleicht nicht ganz neu erscheint (wobei das Buch auch nicht wirklich als neu zu bezeichnen ist), aber doch sehr erheiternd und man fast glaubt, an einem Pornodreh beteiligt zu sein. Da treffen konservative Meinungen auf kreative Geister und natürlich hat jeder etwas zu sagen, ob er nun Ahnung hat oder nicht. Hamish wuselt souverän durch das Geschehen, Priscilla spielt keine Rolle, aber es gibt genug andere Frauen (jeden Alters möge man fast sagen), um die sich Hamish bemühen muss (oder die sich um ihn bemühen).
Fans der Reihe bekommen das was zu erwarten ist: Schrullige (Klischeebeladene, aber "liebenswerte") Charaktere, einen sympathischen Ermittler, Highlandklischees, gute kurzweilige Unterhaltung der unblutigen Art.
Leichte Kost für zwischendurch, aber wer erwartet bei einem Cosy Crime schon anspruchsvolle Literatur (bzw. wer will das lesen).

Montag, 1. Januar 2024

Harry Kemelman: Am Montag flog der Rabbi ab (Rezension)

Schon als Jugendlicher sind mir die Rabbi Small-Bücher von Harry Kemelman aufgefallen, aber interessiert haben sie mich nicht. Ebenso wenig wie Pater Brown (oder andere irgendwie religiös anmutend erscheinende Krimis). Aber der Lesegeschmack ändert sich mit der Zeit und vielleicht bin ich offener für andere Bücher. Inzwischen habe ich ja auch Pater Brown gelesen und auch die amüsanten Bücher um Schwester Isabella gehen ja in eine religiöse Ermittlerrichtung (mit großem Unterhaltungswert und ohne missionarische Botschaft).
Aber wer weiß, ob ich die Rabbi Small Bücher jemals gelesen hätte, wenn meine Nachbarin nicht ein paar Bücher der Reihe hatte und der Meinung war, dass sie mir gefallen würden...
David Small ist Rabbi in einer jüdischen Gemeinde an der Ostküste der Vereinigten Staaten, nicht weit von Boston entfernt. Seine Spezialität ist der Pilpul, eine talmudische Methode, feinste Unterschiede zu treffen und so der Wahrheit auf die Spur zu kommen. Weil er diese Methode hervorragend beherrscht, hilft der Rabbi immer wieder seinen Schäfchen aus der Patsche, ist aber dennoch nicht sonderlich beliebt, weil er sich weigert, irgendwelche Zugeständnisse an den Zeitgeist zu machen. Kemelman legte Wert auf die Feststellung, dass es die traditionelle Aufgabe des Rabbis sei, eher als Richter und Ausleger des Rechts denn als religiöser Führer zu wirken.
Der Morde aufklärende Amateurdetektiv David Small lieferte so nicht nur spannende Kriminalgeschichten, sondern machte quasi nebenbei den Leser auch noch mit jüdischen Traditionen und Denkweisen vertraut: Er führte ihn ein in das alltägliche Leben einer weit überwiegend dem Konservativen Judentum zugehörigen, typischen US-amerikanischen jüdischen Gemeinde. Als eigentliche Botschaft der Romane Kemelmans erscheint so die Ablehnung der Assimilation und das Werben um Verständnis und Anerkennung der Differenz. Und nebenbei wirkt alles sehr menschlich ... und auch der Humor kommt nicht zu kurz.