Donnerstag, 30. September 2021

C. K. McDonnell: The Stranger Times (Rezension)

Dunkle Kräfte sind am Werk - und The Stranger Times geht ihnen auf den Grund. Die Wochenzeitung ist Großbritanniens erste Adresse für Unerklärtes und Unerklärliches. Zumindest ist das ihre Eigenwerbung ...
Gleich in Hannah Willis' erster Arbeitswoche bei der Zeitung tritt eine Tragödie ein, und The Stranger Times ist gezwungen, tatsächlich investigativen Journalismus zu betreiben. Hannah und ihre Kollegen kommen zu einer schockierenden Erkenntnis: Einige der Geschichten, die sie zuvor selbst als Unsinn abgetan hatten, sind furchtbar real.
Schon der Klappentext hat mich gefangen und ich gestehe, ich wurde nicht enttäuscht. THE STRANGER TIMES ist eines meiner Highlights in diesem Jahr. Ich habe mich beim Lesen königlich amüsiert und der einzige Wermutstropfen war das schnelle Ende. Der flüssige Schreibstil, die Action, aber auch die Dialoge zwischen den Protagonisten, all das macht das Buch zu einem kurzweiligen (und wirklich kurzem) Lesevergnügen.
Das Buch ist eine unterhaltsame Mischung aus Urban Fantasy, Thriller, Mystery und sehr viel schwarzem Humor. Die skurrilen Persönlichkeiten der Redaktion sorgen dafür dass es niemals langweilig wird und bereits am Anfang wird man darauf hingewiesen, was alles passieren kann und wie die Redaktionsmitglieder ticken. Unterhaltsam, sehr erfrischend und durchaus spannend und am Ende hat man THE STRANGER TIMES lieb gewonnen und freut sich darauf, dass es noch weitere Abenteuer geben wird.
Jedenfalls freue ich mich darauf
Unterhaltsam sind auch die Danksagungen, die ein bisschen anders sind, als man es sonst gewohnt ist und man diese durchaus als kleinen Bonus zur vorangegangenen Geschichte sehen kann. Es tut mir nur um die dort genannten Personen leid.
Wer Bücher mag, deren Hauptpersonen wunderbar agieren, trotz ihrer Fehler und Eigenheiten (von denen es zu viele gibt, als dass man das für möglich halten würde) und sich auch gegen das Übernatürliche sehr aufgeschlossen zeigt, der wird seine Freude an THE STRANGER TIMES haben.
Und ich finde, dass dieses Buch auf jeden Fall eine Chance gelesen zu werdebn verdient hat, auch wenn Humor nicht für alle die gleiche Bedeutung hat. Aber in diesem Fall: Er ist schwarz, er ist britisch und ... er ist meiner Meinung nach gut ins Deutsche übertragen worden.

Mittwoch, 29. September 2021

Kai Meyer: Fürimmerhaus (Hörbuch)(Rezension)

Als Mitternacht auf Mittag fiel, kam Carter ins Fürimmerhaus. Das Fürimmerhaus steht zwischen den Welten, am Ufer eines dunklen Ozeans. Es hat tausende Hallen und Säle, seine Korridore sind endlos. Und noch immer wächst es weiter und verändert sich. Im Fürimmerhaus stranden junge Heldinnen und Helden, die ihre Welten vor dem Untergang bewahrt haben. Die Herrschenden fürchten ihre Macht und schicken sie hierher ins Exil. Doch Carter ist kein Held wie die anderen. Er besitzt keine Erinnerung, ist nur von einem überzeugt: Er hat niemals eine Welt gerettet. Und so begibt er sich auf die abenteuerliche Reise durch das Fürimmerhaus, auf der Suche nach seiner Bestimmung.
Endlich mal wieder ein neues Buch von Kai Meyer, das mir gefällt, wobei Imperator wohl nur teilweise gelten kann. Aber Fürimmerhaus ist wieder an ein jüngeres Publikum gerichtet und ich habe den Eindruck, dass darin Kai Meyers Stärken liegen. Hier kann er seiner Fantasie wieder freien Lauf lassen und bietet einen Abwechslungsreichtum, für den er bekannt ist. Ein interessanter Schauplatz, vielschichtige Charaktere, eine spannende Handlung und viel Action. Und immer wieder neue Überraschungen und neue Facetten, die ein immer wieder wechselndes Bild der Geschichte vermitteln.
Und so bietet Kai Meyer genau das was auch Freunde seiner Fantasytrilogien mögen: Abwechslung und gute Unterhaltung.
Das Hörbuch wird gesprochen von Simon Jäger, der bereits Erfahrung mit dem Werk von Kai Meyer hat und perfekt die Stimmung des Autors verbreiten kann. Es ist eine Freude dem Sprecher zuzuhören und es fällt nicht schwer sich in dieser neuen Welt von Kai Meyer zu verlieren. 

Und versucht erst gar nicht euch in dem Haus zurecht zu finden, das schaffen selbst die Protagonisten nicht. 

Dienstag, 28. September 2021

Jana Schikorra: Musentod (Rezension)

Zu Füßen des Goethe-Denkmals in Berlin wird die brutal zugerichtete Leiche einer jungen Frau gefunden. Auf ihrem Rücken wurden düstere Verse eingeritzt, die von der Erlösung durch den Kuss der Muse erzählen. Josef Winter, leitender Ermittler der Mordkommission, ist angesichts der Zeilen, die sich keinem bekannten Dichter zuordnen lassen, ratlos. Als nur zwei Tage später eine weitere Leiche gefunden wird, wächst der Druck auf Josef und sein Team. Auch den Körper des zweiten Opfers zieren grausige Reime, die noch dazu unmittelbar an die vorherigen anknüpfen. Winter fürchtet, dass der Täter sich nicht mit zwei Strophen zufriedengibt, und setzt alles daran, einen weiteren Mord zu verhindern. Zeitgleich wird die Literaturprofessorin Rika Hohenstedt durch einen Zeitungsartikel auf die Mordserie aufmerksam. Die reißerischen Schilderungen über den von der Klatschpresse als „Goethe-Killer“ betitelten Täter wecken in ihr Erinnerungen … Ist ihr der Serienmörder näher als sie denkt?
Musentod ist ein spannender Thriller, der vor allem gegen Ende sehr stark zulegt und mit zahlreichen Überraschungen aufwartet, ohne dass diese konstruiert wirken. 
Die beiden Hauptdarsteller sind sehr authentisch und es ist angenehm zu lesen, dass auch schwache Charaktere eine gewisse Stärke aufweisen können. Zu oft liest man von starken Charakteren, welche schreckliche Erfahrungen in der Kindheit gemacht hatten und daran wuchsen. Aber nicht immer ist das der Fall und auch ein unsicherer Protagonist kann für einen spannenden Thriller sorgen. Vielleicht liegt auch gerade darin die Stärke von Musentod.
Der Schreibstil ist angenehm und fesselt von Beginn an auch wenn es anfänglich den Anschein haben mag, dass sich die Leichen nur so stapeln. Ich hatte mehr Goethe erwartet, aber der Roman kommt auch gut ohne den Meister der deutschen Literatur aus. Es ist nicht leicht den Täter zu erahnen, es gibt fast so viele Verdächtige wie Leichen und am Schluss ist doch alles anders.
Ein wirklich fesselnder Thriller, der fast in einem Durchgang gelesen werden möchte. Die Charaktere sind authentisch und wer auch nicht vor der einen oder anderen brutalen Beschreibung (Poesie kann durchaus sehr grausam sein) zurückschreckt, gerne Thriller aus Deutschland liest, der wird genau das bekommen. 
Spannung pur. 

Montag, 27. September 2021

Sven Stricker: Sörensen hat Angst (Hörbuch) (Rezension)

Mit einer Angststörung im Gepäck lässt sich Kriminalhauptkommissar Sörensen von Hamburg nach Katenbüll in Nordfriesland versetzen. Er hofft, dass der kleine Ort ihm ein ruhiges, beschauliches (Arbeits-)Leben bescheren wird. Doch Katenbüll ist grau und trostlos, es regnet ununterbrochen, die Einheimischen haben nicht gerade auf Sörensen gewartet. Und es kommt noch schlimmer. Gleich nach Sörensens Ankunft sitzt Bürgermeister Hinrichs im eigenen Pferdestall, so tot wie die ganze Umgebung. Schon die ersten Blicke hinter die Kleinstadtkulisse zeigen dem Kommissar: Hier kann man es wirklich mit der Angst bekommen..
Wenn Autoren aus ihren eigenen Büchern lesen muss das nicht zwangsläufig gut sein. Nicht jeder Autor ist auch ein guter Sprecher. Und nicht jeder Autor sollte seine eigenen Bücher als Hörbuch veröffentlichen, denn das kann ganz gut in die Hose gehen. Es kann aber auch funktionieren und auch wenn mir durchaus einige Sprecher einfallen würden, die Sörensen lesen könnten, so kann das Sven Stricker hervorragend. Stricker ist Sörensen ... (obwohl Bjarne Mädel in der Verfilmung auch genial ist und ich ohne den Film das Hörbuch vermutlich ignoriert hätte).
Stricker schafft es seiner Story die entsprechende Beklemmung zu geben, die allerdings nicht durch die Handlung sondern die der Hauptperson. Die Dialoge sind herrlich, einige der Situationen auch und man kann sich die entsprechenden Szenen bildhaft vorstellen. Sörensen hat Angst ist ein entschleunigter Krimi, der ein bisschen spannend ist, aber sehr unterhaltsam ohne dabei auf flachen Humor zurückgreifen zu müssen.  Und nebenbei wird dem Leser(Hörer auch das geboten, was man von einem Provinzkrimi erwartet: Skurrile Charaktere, seltsame Situationen und natürlich Gute Unterhaltung. 
Nichts davon musste ich vermissen und dieser erste Teil macht Spaß auch mehr. Und ich werde die Reihe weiter verfolgen, in Hörbuchformat natürlich.
 
Und wie geschrieben: Sven Stricker ist eine perfekte Wahl für den Sprecher des Buchs.
Ich habe mich königlich amüsiert.

Sonntag, 26. September 2021

Joe Black: Babylons Vermächtnis (Rezension)

Als verschollen geglaubte Schriftrollen aus dem 7. Jahrhundert in Syrien entdeckt werden, reist die Paläografin Ilana Shaik nach Aleppo, um die rätselhaften aramäischen Schriften zu untersuchen. Zur gleichen Zeit stößt das Team des renommierten Unterwasserarchäologen Konstantin Nikolaidis auf eine versunkene Ruine vor der Hafenstadt Alexandria. Das Team kann dort zahlreiche Goldmünzen bergen, die geheimnisvolle Inschriften aufweisen. Konstantin sucht Rat bei Ilana und die beiden finden zusammen heraus, dass die Münzen aus der Templerzeit stammen. Doch nicht nur sie haben Interesse an den Münzen. Plötzlich befinden sie sich auf der Flucht, und die Grenze zwischen Freund und Feind verschwimmt. Wem können die beiden noch vertrauen?
Babylons Vermächtnis ist ein abwechslungsreicher Roman, der durchaus mit spannenden Szenen und gut recherchiertem Hintergrundwissen aufwarten kann. Unterschiedliche Handlungsstränge sorgen für Abwechslung und lassen Langeweile nie aufkommen. Man könnte also erwarten, dass es sich um einen lesenswerten Abenteuerthriller handelt.
Aber ich muss zugeben, dass ich nicht ganz davon überzeugt wurde. Der Roman hat seine Stärken, aber die Schwächen überwiegen in meinen Augen.
Anhand des Klappentextes habe ich ein Abenteuer á la Indiana Jones erwartet. Das habe ich nicht bekommen, aber es hätte auch nicht sein müssen, wenn ich mich trotzdem gut unterhalten gefühlt hätte. Die Szenen der Archäologen und Schatzsucher fand ich auch sehr interessant und informativ, allerdings war Ilanas Weg durch den Nahen Osten für mich zu stark konstruiert und irgendwann auch nicht mehr glaubwürdig. So ganz wollte dieser Handlungsstrang auch nicht so ganz zum Rest passen. Sollte dieser Strang zum Spannungsaufbau beitragen so hat er dieses Ziel verfehlt, da es nur von den wirklich interessanten Dingen ablenkte. Vielleicht hätte ich andere Erwartungen an Babylons Vermächtnis haben müssen.
Es gibt viele kurze Kapitel, Ortswechsel sowie Zeitsprünge, manchmal zu kurz und eher verwirrend. Längere Kapitel wären hilfreicher und hätten vermutlich einen besseren Spannungsbogen erzeugt. Auch scheint fast jedes Kapitel mit einem Cliffhanger zu enden, was auf Dauer eher nervig ist, ein weiterer Schwachpunkt, der das Interesse an der Handlung etwas erlahmen lässt und eher Augen genervt rollen lässt als begierig die nächsten Seiten zu lesen.
Babylons Vermächtnis ist ein effekthascherischer Thriller der manchmal das Ziel vor Augen verliert. Da helfen auch die an sich glaubwürdigen Protagonisten nicht weiter.
Weniger wäre in diesem Fall besser gewesen.