Als eine Polizistin in ihrem Haus brutal angegriffen wird, gerät der Frieden in der Kleinstadt Verona ins Wanken. Bei ihren Ermittlungen stößt Sheriff Emmy Clifton auf eine jahrzehntealte Verschwörung, in die die mächtigsten Persönlichkeiten der Stadt verstrickt sind. Gemeinsam mit ihrer Schwester, der ehemaligen Bundesagentin Jude Archer, wird sie in ein Labyrinth aus Lügen und Schweigen hineingezogen, in dem jemand skrupellos mordet. Während mächtige Feinde im Schatten lauern, beginnt für Emmy und Jude ein Wettlauf gegen die Zeit, der alles zerstören könnte, was ihnen lieb ist.
Mit TÖDLICHES VERDERBEN kehrt Karin Slaughter nach North Falls zurück und beweist erneut, dass ihre Thriller weit mehr zu bieten haben als brutale Verbrechen und die Suche nach einem Täter. Im Mittelpunkt stehen menschliche Abgründe, familiäre Verstrickungen und die Frage, wie gut man die Menschen eigentlich kennt, mit denen man seit Jahren zusammenlebt. Und alles passend in einer Kleinstadt, so wie man es kennt und erwartet: Ein verschlafenes Nest in dem scheinbar nur das Verbrechen nicht schläft. Aber es ist trotz aller Abgründe ein erfreuliches Wiedersehen. Ich habe mich tatsächlich auf diesen Band gefreut, auch wenn die Serie noch sehr jung ist, hat man das Gefühl schon lange dabei zu sein. Wobei ich aber auch nicht das Gefühl hatte, dass man BLINDE SÜHNE kennen muss. Zwischen den beiden Teilen ist nur wenig Zeit vergangen, viele Ereignisse sind noch frisch in den Köpfen von North Falls und das wird dem Leser auch nahegebracht. Slaughter zeigt dem Leser eine typische amerikanische Kleinstadt (wie sie vielleicht sein mag, aber auf jeden Fall so, wie man sie sich vorstellt). North Falls wirkt wie ein Ort, an dem jeder jeden kennt – doch gerade hinter dieser vermeintlichen Vertrautheit verbergen sich Geheimnisse, alte Konflikte und Abhängigkeiten. Karin Slaughter versteht es hervorragend, nach und nach Risse in dieser Fassade sichtbar werden zu lassen. Dabei konzentriert sich die Autorin nicht ausschließlich auf die Ermittlungen. Einen beträchtlichen Raum nehmen Emmy, Jude und ihre komplizierten familiären Beziehungen ein. Das verleiht den Figuren Tiefe und macht sie glaubwürdig, was allerdings auch etwas zu Lasten der Spannung geht. Gerade im Mittelteil gibt es einige ausführliche Passagen und Wiederholungen, die den Spannungsbogen etwas ausbremsen. Aber Slaughter weiß den Leser auch für die Familiengeschichte zu begeistern, so dass es auch dann nicht langweilig wird, wenn gerade keine Ermittlungsarbeit betrieben wird. Zumal es nicht gerade blumig zu geht. Gewalt, Machtmissbrauch und toxische Beziehungen sind Themen, die Slaughter aufgreift und weder beschönigt, noch verharmlost. Einige Szenen und Hintergründe sind entsprechend bedrückend. Die Gewalt dient jedoch nicht nur dem Schockeffekt, sondern ist eng mit der psychologischen Entwicklung der Geschichte verbunden und wirkt nicht übertrieben. TÖDLICHES VERDERBEN ist ein düsterer, vielschichtiger Thriller, der Kriminalfall, Familiendrama und psychologische Spannung miteinander verbindet. Nicht jede Passage hätte die ausführliche Länge benötigt, doch die komplexen Figuren, die bedrückende Atmosphäre und die immer neuen Enthüllungen machen das mehr als wett. Und ich denke wir werden von North Falls noch mehr lesen.
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