Freitag, 2. Oktober 2026

Sonya Bateman: Er wird mich finden (Rezension)

Ich habe geglaubt, die Vergangenheit begraben zu haben.
Doch sie ist zurückgekehrt und will das Liebste, was ich habe.
Zwanzig Jahre lang habe ich geglaubt, meine Vergangenheit hinter mir gelassen zu haben.
Heute lebe ich das Leben, von dem ich immer geträumt habe. Ein normales Leben. Ein schönes Leben.
Ich habe einen wunderbaren Ehemann und eine wundervolle, Fußball liebende, sechzehnjährige Tochter – Mein Ein und Alles.
Doch jetzt ist er zurück. Ich habe ihn wieder gesehen. Er stand einfach da und beobachtete mich, als wäre keine Zeit vergangen.
Ich war sechzehn, als er mich in den Wald zerrte. Ich erinnere mich an sein raues Atmen und seine schweren Schritte, an sein Gewicht, das auf mir lastete. An den abgebrochenen Ast, den ich ihm in den Hals rammte. Ich war das Mädchen, das entkommen ist.
Ich dachte, er wäre tot.
Ich habe mich geirrt.
Und diesmal will er nicht mich – er will meine Tochter.

SONYA BATEMAN habe ich durch THE PARTY kennen gelernt und da mir ihr Stil gefallen hat, war ich nicht abgeneigt, mehr von ihr zu entdecken. Auch in ER WIRD MICH FINDEN spielt die Vergangenheit eine Rolle, aber auf andere Art und Weise, so dass es nicht abgekupfert wirkt (wobei ich nicht nachschauen will, welches Buch zuerst da war, spielt ... wie gesagt keine Rolle).
Bateman versteht es gut, eine Atmosphäre permanenter Unsicherheit aufzubauen. Immer wieder stellt sich die Frage, wem man vertrauen kann und welche Figuren möglicherweise mehr wissen, als sie zugeben. Dabei arbeitet die Autorin geschickt mit Verdachtsmomenten und falschen Fährten. Gerade wenn man glaubt, die Zusammenhänge durchschaut zu haben, taucht eine neue Information auf, die das bisherige Bild verändert.
Besonders gelungen ist die zunehmende Bedrohlichkeit. Anfangs sind es eher kleine Hinweise und merkwürdige Situationen, doch die Ereignisse eskalieren zunehmend. Dadurch entwickelt der Roman einen starken Sog und lässt sich vor allem in der zweiten Hälfte nur schwer aus der Hand legen. Aber nicht jede Wendung wirkt gleichermaßen überraschend, und gelegentlich setzt die Geschichte etwas stark auf typische Thrillermechanismen. Dennoch, Bateman liefert einen spannenden und flott erzählten Psychothriller vor, der sich mehr und mehr zum Pageturner entwickelt. Nur ... das Finale des Thrillers finde ich ein wenig verwirrend und etwas sehr weit hergeholt. Das nimmt der Geschichte etwas an Glaubwürdigkeit. Das hätte sich bestimmt auch besser lösen können.
So war ich von ER WIRD MICH FINDEN doch etwas enttäuscht. Interessante Charaktere, eine beklemmende Atmosphäre, ein guter Schreibstil und eine spannende Handlung. Alles war vorhanden bis ... ich weiß nicht wie es schöner ausdrücken soll ... bis das Ende alles versaut hat. Das war so stark konstruiert, dass es schon fast lächerlich war. Nein, eigentlich war es lächerlich.

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