Montag, 5. Oktober 2026

Kai Meyer: Das Antiquariat am Alten Friedhof (Rezension)

Die Bücherstadt Leipzig, 1930: Inmitten unruhiger Zeiten versammeln sich vier junge Männer in einem Antiquariat im Graphischen Viertel. Alle sind Söhne aus gutem Haus, alle sind vom Leben gelangweilt. Statt ihrem Studium nachzugehen, gründen Felix, Vadim, Julius und Eddie den „Club Casaubon“. Getrieben von ihrer Leidenschaft für Literatur und der Lust am Abenteuer werden sie zu Bücherdieben, spezialisiert auf kostbare, okkulte Bände. Doch als Eddies rätselhafte Schwester Eva zum Club stößt, werden sie immer tiefer in die Pläne erbarmungsloser Mächte hineingezogen.
Fünfzehn Jahre später, 1945: Nach dem Krieg arbeitet Felix als Bibliothekar für die Amerikaner, um Millionen von geraubten Büchern zu katalogisieren. Seine Mission führt ihn zurück in das zerstörte Leipzig. Die Freunde von damals sind verschollen – oder nicht wiederzuerkennen. Und ist Eva wirklich tot? Während die Stadt unter dem Druck der nahenden sowjetischen Besatzung steht, gerät Felix in ein Netz aus Verrat und tödlichen Geheimnissen, das seinen Ursprung in den finstersten Winkeln seiner Vergangenheit hat.

DAS ANTIQUARIAT AM ALTEN FRIEDHOF ist der vierte Ausflug den Autor Kai Meyer mit seinen Lesern unternimmt. Und wie auch die anderen Teile kann dieser Teil völlig unabhängig gelesen werden. Zwei Zeiten, zwei Protagonisten ... wobei Eva eine etwas untergeordnete Rolle spielt, obwohl ihre Geschichte nicht weniger interessant ist als die von Felix, nachdem sich die Mitglieder des "Club CASAUBON" getrennt hatten. Es ist eine spannende Geschichte über verschollene Bücher und Verbrechen aus Vergangenheit und Gegenwart. Auch das vierte Buch kann überzeugen, sowohl von der Geschichte, den Charakteren und der Atmosphäre.
Wie man es von den anderen Büchern auch kennt wird die Geschichte nicht geradlinig erzählt. Meyer lässt Vergangenheit und "Gegenwart" miteinander kommunizieren. Vieles, was 1930 noch wie ein Abenteuer erscheint, erhält aus der Perspektive von 1945 eine vollkommen andere Bedeutung. Dadurch entsteht ein reizvolles Puzzle, bei dem der Leser nach und nach versucht zu verstehen, was in den dazwischenliegenden fünfzehn Jahren geschehen ist.
DAS ANTIQUARIAT AM ALTEN FRIEDHOF bewegt sich geschickt zwischen historischem Roman, bibliophilem Abenteuer, Mystery und Thriller. Es wird okkult und sehr geheimnisvoll, aber Meyer verlässt auch hier die Realität nicht. Das Geheimnisvolle ist zwar wichtig für die Atmosphäre, mindestens ebenso bedeutend sind jedoch die menschlichen Abgründe und der historische Hintergrund. Und diese Mischung übt ihren Reiz aus. Es KÖNNTE mystisch sein, man erwartet es fast, aber es bleibt alles im Rahmen des Glaubwürdigen. Mag sein, dass der Name Kai Meyer sehr mit PHANTASTIK verbunden ist, aber gerade bei seinen Geschichten um das graphische Viertel (das nicht unbedingt immer eine wirklich große Rolle spielt) zeigt er, dass er mehr kann. Oder anders.
DAS ANTIQUARIAT AM ALTEN FRIEDHOF ist für alle, die die anderen Bücher um das graphische Viertel kennen und all jene, die sich in den Bücherwelten der Vergangenheit verlieren können und wollen. 

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