Montag, 21. September 2026

Gianpietro Montano: Martas Gift (Rezension)

Schweigen hat einen Preis Die Basilicata gilt als Geheimtipp Süditaliens: rau, ursprünglich, uralte Dörfer und voller verborgener Schönheit. Doch unter der Oberfläche lagert noch ein anderer Schatz: Erdöl - und mit ihm geraten auch jene auf den Plan, die aus dunklen Geschäften Profit schlagen. Für die Umweltwissenschaftlerin Jessica Crocco wird die Region zur Hoffnung ihrer Doktorarbeit. Ihr Vater Achim fürchtet die Schattenseiten der Heimat seiner Vorfahren. Als sie der Sondermülldeponie in Guardia Perticara zu nahekommen, geraten Vater und Tochter ins Visier mächtiger Männer, die kein Interesse an unbequemen Fragen haben. Was zunächst wie ein unsichtbarer Schatten wirkt, nimmt plötzlich Gestalt an: Drohungen. Bestechung. Gewalt. Wie weit würdest du gehen, um deine Familie zu schützen?

MARTAS GIFT ist der zweite Teil der Achim Crocco-Reihe, kann aber problemlos unabhängig von DIE TOTE VON ANGOLNA gelesen werden. Ähnlich wie dieses ist MARTAS GIFT kein typischer Krimi, wenn überhaupt. Der Klappentext verspricht viel und tatsächlich ist von seichtem Krimi bis Thriller alles drin. Nur, wer bereits Montanos Erstlingswerk gelesen hat, weiß, dass es dem Autor nicht um eine actionreiche Handlung geht. Er stellt die Basilikata, eine kaum bekannte Region Italiens, in den Vordergrund, und betreibt dabei eher Werbung für die Region. Montano verbindet eine Vater-Tochter-Geschichte mit Umweltproblemen, wirtschaftlichen Interessen, Korruption und organisierter Kriminalität. Familiengeschichte trifft auf Krimi. Dabei legt der Autor mehr Wert auf seine Charaktere, die in gewisser Weise typisch für ihre Herkunft sind (und das bezieht sich aud Amerikaner, Deutsche und Italiener in gleichem Maße), ohne dabei Klischees zu bedienen oder stark zu überzeichnen, und die Landschaft. Bedrohlich wird es durch menschliche Interessen, und der Mafia (die gerüchteweise ihre Finger im Spiel hat). Spannung entsteht häufig aus Gesprächen, Beobachtungen und der zunehmenden Erkenntnis, dass hinter einzelnen Vorgängen ein größeres Geflecht steht. Drohungen, Bestechung und Gewalt lassen die zunächst eher abstrakte Gefahr schließlich sehr konkret werden. Hinzu kommt aber die entschleunigte Erzählweise, Landschaften, Orte, Reisen, Essen und andere Details erhalten viel Raum. Langatmig ist das bei weitem nicht, aber man muss sich darauf einstellen, dass man keinen typischen Krimi oder Thriller vorgesetzt bekommt (und schon gar keine Giftmörderin namens Marta ... aber der Titel hat durchaus seine Berechtigung). Aber das Lesen lohnt sich. MARTAS GIFT ist auf der einen Seite fröhlich, locker wie das italienische Dolce Vita, aber mit bitterem Beigeschmack, der dazu verleitet über Umweltthemen nach zu denken. In gewisser Weise verbindet Montano die angenehmen Seiten Italiens mit den weniger angenehmen ... und bietet keinen klassischen Krimi, sondern mehr (oder weniger, das liegt im Auge des Betrachters, aber wenn man mit DIE TOTE VON ANGOLNA vertraut ist, und weder Whodunit noch Cosy erwartet, wird seine Freude haben)

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Und wer wissen will, wie Mirko Gisonte mit MARTAS GIFT zusammenhängt wird das Buch wohl auch lesen müssen. 

1 Kommentar:

  1. Sehr herzlichen Dank! Ja ich liebe die Heimat meiner Vorfahren und lade gerne dazu ein, diese unbekannte Region Italiens kennenzulernen.
    Die Verlinkung mit einem Video von Mirko Gisonte ist toll! Das Video gibt einen guten Einblick in die Region, ihre Musik und ihre Landschaft.

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