Tolkien, später Professor für englische Sprachwissenschaft an der Universität Oxford, hatte seit seiner Jugend an einer eigenen Mythologie gearbeitet, die auf eigens konstruierten Sprachen basierte und erst postum unter dem Titel Das Silmarillion erschien. Sowohl Der Herr der Ringe als auch das erfolgreiche Kinderbuch Der Hobbit (1937) spielen in dieser von Tolkien erfundenen Welt. Auch einige seiner sprach- und literaturwissenschaftlichen Beiträge wie der Essay Beowulf: The Monsters and the Critics (1936) gelten als wegweisend.
C. S. Lewis (Clive Staples Lewis, privat auch Jack genannt; * 29. November 1898 in Belfast; † 22. November 1963 in Oxford) war ein irischer Schriftsteller und Literaturwissenschaftler. Er lehrte am Magdalen College der University of Oxford und hatte den Lehrstuhl für Englische Literatur des Mittelalters und der Renaissance an der University of Cambridge inne. Vor allem im angloamerikanischen Raum ist er bekannt für seine inzwischen mehrfach verfilmte Kinderbuchserie Die Chroniken von Narnia. Lewis ist einer der einflussreichsten christlichen Apologeten der Neuzeit.
Beide Autoren sind nach wie vor in aller Munde und beliebt. Sicherlich dürften dafür auch die Verfilmungen verantwortlich sein. Ich habe DER HOBBIT und DER HERR DER RINGE gelesen (aber bevor ich angefangen habe Bücher zu rezensieren), und so sehr mir der Hobbit gefallen hat, so wenig konnte mich DER HERR DER RINGE überzeugen. Bei den Filmen ist es anders, der Hobbit gefällt mir nicht, der Herr der Ringe dagegen schon. Narnia habe ich versucht zu lesen, aber so richtig gar mir der Zugang gefehlt. Die Verfilmungen haben mir aber gefallen.
John Hendrix erzählt nun in DIE WELTENERSCHAFFER die Geschichte der beiden Freunde als GraphicNovel. Hendrix legt keine klassische Doppelbiografie vor, sondern verbindet Sachbuch, Biografie, Comic und Graphic Novel miteinander. Längere erzählende Passagen wechseln mit gezeichneten Szenen, Dialogen und symbolischen Bildern. Ein Zauberer und ein Löwe, unschwer als Stellvertreter Tolkiens und Lewis' zu erkennen, führen dabei durch philosophische Exkurse über Mythologie, Märchen, Glauben und die Bedeutung des Geschichtenerzählens.
Im Mittelpunkt steht jedoch die Freundschaft der beiden Schriftsteller. Hendrix beginnt bei ihrer Kindheit und zeigt, wie unterschiedlich Tolkien und Lewis aufwuchsen. Eine besonders wichtige Rolle spielen ihre Erfahrungen im Ersten Weltkrieg. Beide erlebten die Schrecken der Westfront, und Hendrix macht überzeugend deutlich, wie Krieg, Verlust und die Erfahrung einer zunehmend technisierten Welt später in ihre Vorstellungen von Mythos und Fantasie einflossen.
An der Universität Oxford begegnen sich schließlich zwei Männer, die trotz erheblicher Unterschiede eine gemeinsame Leidenschaft besitzen: alte Sprachen, nordische Sagen, Mythen und fantastische Geschichten. Daraus entwickelt sich eine der bemerkenswertesten Schriftstellerfreundschaften des 20. Jahrhunderts. Tolkien beeinflusst Lewis' Auseinandersetzung mit dem Christentum, während Lewis zu einem der wichtigsten Unterstützer Tolkiens wird. Gemeinsam mit anderen Schriftstellern bilden sie die berühmten Inklings, die sich regelmäßig treffen, um einander aus ihren noch unveröffentlichten Werken vorzulesen.
Hendrix idealisiert die Freundschaft allerdings nicht. Mit zunehmendem Alter entfernen sich Tolkien und Lewis voneinander. Unterschiedliche religiöse Vorstellungen, Lewis' enorme schriftstellerische Produktivität und schließlich seine Beziehung zu Joy Davidman belasteten das Verhältnis. Gerade dieser allmähliche Verlust der einst so engen Freundschaft verleiht dem letzten Teil eine unerwartete Melancholie.
Die Weltenerschaffer ist eine ungewöhnliche, hervorragend illustrierte Doppelbiografie über J. R. R. Tolkien und C. S. Lewis, zugleich aber auch ein Buch über Freundschaft, Kreativität und die Macht von Mythen. Wer lediglich eine Einführung in Der Herr der Ringe oder Narnia sucht, bekommt wesentlich mehr als erwartet. Hendrix interessiert sich dafür, warum diese Welten entstanden und welche Menschen hinter ihnen standen.
Die literaturgeschichtlichen Ausführungen machen das Buch auch für jene interessant, die nicht mit den Welten Lewis' und Tolkiens vertraut sind, Fans der beiden werden aber sicher auch noch einiges erfahren. Die Zeichnungen sind liebevoll und stellenweise sehr humorvoll.
Das Format der GraphicNovel lässt eine ausführliche Biografie der beiden Autoren nicht zu, aber die Stationen aus dem Leben der beiden scheinen wichtig genug um näher beleuchtet zu werden. Hendrix ist eine gute Mischung gelungen, die den beiden durchaus gerecht wird. Und dadurch ist DIE WELTENERSCHAFFER mehr als eine trockene Biografie.
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