Seit Wochen sterben Fuhrleute und Schiffer auf der Straße nach Lüneburg – nicht nur beraubt, sondern abgeschlachtet. Die Bande kennt jeden Weg, ehe er gefahren wird, und verschwindet danach ins Herzogtum Lauenburg, wo kein Lübecker Recht mehr reicht. Die Kaufmannschaft blutet aus, und die Stadt kann nichts tun.
Der Rat der Hansestadt steht unter Druck: Jeder tote Fuhrmann kostet Vertrauen, jede verlorene Ladung schürt den Ruf nach härteren Männern an der Spitze. Während die Kaufmannschaft nach schnellen Antworten verlangt, wächst im Hintergrund ein Streit um Macht und Einfluss – und niemand ahnt, wie tief die Wurzeln der Bande in die Stadt selbst reichen.
Da trifft, mit kaiserlicher Vollmacht, ein Mann ein, der lieber wie ein Mörder denkt als wie ein Ratsherr: Veit Falkenrieth. An seiner Seite Thomas Sturmberg, dessen Fäuste schneller sind als seine Geduld, und Maria Windfang, deren Blick für Wunden mehr verrät, als mancher zugeben will.
Woher die Bande jede Route kennt, noch ehe sie gefahren wird, und warum sich halb Lübeck gegen die eigene Rettung wehrt – Veit muss es herausfinden, ehe der nächste Wagen verschwindet. Denn er hat es mit mehr als einer Bande zu tun, nur weiß er noch nicht, mit wie viel mehr.
DER VERRÄTER VON LÜBECK ist der zweite Fall des Veit Falkenrieth, ein historischen Kriminalfall, der weit über die gewöhnliche Jagd nach einer Bande von Wegelagerern hinausgeht. Es ist ein Wiedersehen mit Veith, Thomas und Maria, und während ich den Eindruck hatte, dass Maria in DER MÖRDER VON BRAUNSCHWEIG glänzen durfte, so ist es nun Thomas, der diesmal eher im Vordergrund steht. Aber alle drei Protagonisten sind durch die Ereignisse des Vorgängerteils gewachsen und gerade bei Thomas, zeigt sich hier die Veränderung. Statt Zuhauen und dann Fragen (falls noch möglich); wird jetzt erst darüber nachgedacht. Dadurch wirkt Thomas wie ein authentischer junger Mann und nicht wie ein Schläger, dessen einzige Aufgabe es ist, auf Veith und Maria aufzupassen.
Ein bisschen schade fand ich, dass Veith und sein Gefolge Braunschweig verlassen haben, ich hatte den Eindruck, dass dort noch mehr erzählt werden könnte. Aber es hat durchaus auch seinen Reiz, Veith und sein Gefolge in anderen Städten ermitteln zu lassen. Eine neue Stadt, eine neue Aufgabe und auch wenn man es nicht unbedingt vermuten möchte, so ist es hilfreich, wenn man den Vorgänger kennt. DER VERRÄTER VON LÜBECK ist der zweite Fall von Veith Falkenrieth und doch gibt es zahlreiche Unterschiede. Andere Städte, andere Aufgaben, andere Personen. Besonders Von der Art der Ermittlungen hat mir der Fall in Braunschweig besser gefallen, was nur meine persönliche Meinung ist und nicht bedeutet, dass es sich um DER VERRÄTER VON LÜBECK um ein weniger gutes Buch handelt. Es ist alles da: Sympathische Ermittler, ein spannender Fall, der auf dem ersten Blick weniger interessant erscheint als es dann der Fall ist. Andererseits, wenn schon der Kaiser Interesse hat und seinen Ermittler schickt, können die Ereignisse nicht so uninteressant sein. Gut verwebt der Autor seinen Kriminalfall mit den politischen und wirtschaftlichen Verhältnissen der Hansestadt. Lübeck ist alles andere als eine malerische Kulisse aus Backsteingotik, engen Gassen und geschäftigen Handelshäusern. Die Stadt wird vielmehr als ein kompliziertes Geflecht widerstreitender Interessen vorgestellt. Werner Englert schafft es mit Leichtigkeit, dass sich der Leser in das 16. Jahrhundert versetzen lässt und sich von der Atmosphäre einer beeindruckenden Stadt gefangen nehmen lässt. Und so wie in Braunschweig offenbart sich auch hier mehr als es der erste Eindruck vermuten lässt. Aus einem Verbrechen gegen einzelne Reisende wird eine Bedrohung für das Vertrauen in die politische Ordnung und die wirtschaftliche Handlungsfähigkeit der Stadt.
Die Ausgangsidee verspricht Spannung, politische Intrigen und einen vielschichtigen Fall und Werner Englert enttäuscht nicht. Kurzweilige, intelligente Krimikost für den Fan historischer Krimis, bei der die Ermittlungsarbeit zwar in Vordergrund steht, die Zeit, der Schauplatz und die Protagonisten aber nicht außen vor gelassen werden.
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