Mittwoch, 7. Oktober 2026

Werner Englert: Der Mörder von Braunschweig (Rezension)

Ein Mörder, der seine Opfer ordnet. Eine Stadt, die einen Schuldigen braucht. Drei Tage, um beides auseinanderzuhalten.
Braunschweig, 1530.
Im Nebel der Oker geht ein Mörder um. Junge Menschen werden in den Gassen gefunden – mit durchschnittener Kehle, sorgsam an eine Mauer gesetzt und um den linken kleinen Finger gebracht.
Im Auftrag des Kaisers reist Veit Falkenrieth in eine Stadt, die längst weniger nach Wahrheit als nach einem Schuldigen verlangt. Während der Rat um Braunschweigs Freiheit fürchtet und Herzog Heinrich vor den Toren nur auf einen Anlass zum Eingreifen wartet, richtet sich der Hass gegen die jüdische Gemeinde. Ein Unschuldiger gerät in den Turm, ein Aufruhr droht.
Gemeinsam mit Maria Windfang und Thomas Sturmberg folgt Veit den Spuren eines Täters, der nicht im Zorn handelt. Er kennt die Stadt, beherrscht sein Handwerk – und ordnet seine Opfer mit erschreckender Sorgfalt.
Veit bleiben nur wenige Tage, um den Mörder zu finden. Denn scheitert er, wird Braunschweig nicht nur einen Unschuldigen opfern.

Mit DER MÖRDER VON BRAUNSCHWEIG eröffnet Werner Englert seine historische Krimireihe um den kaiserlichen Ermittler Veit Falkenrieth und entführt den Leser in das Braunschweig des Jahres 1530. Herausgekommen ist ein kompakter historischer Kriminalroman, der klassische Ermittlungsarbeit mit den politischen und gesellschaftlichen Spannungen des 16. Jahrhunderts verbindet. Kurz gesagt: Kurzweilige Unterhaltung für Fans historischer Krimis.
Zusammen mit seinen Begleitern versucht Falkenrieth den Mörder zu finden, mit Hilfe der Stadtbevölkerung, die sich durchaus von Titeln und hohen Ämtern beeindrucken lassen. Doch leicht hat es Falkenrieth nicht und wenn man sich an den eigenwilligen (oder außergewöhnlichen) Schreibstil gewöhnt hat, macht es regelrecht Spaß dem Ermittler bei seiner Arbeit zu folgen. Der Schreibstil ist aber auch etwas gewöhnungsbedürftig, fast schon poetisch und irgendwie passend. Durch seine Art erzeugt der Autor eine passende Atmosphäre, die durch seine Beschreibungen noch verstärkt werden. Dabei stehen die Personen aber immer im Vordergrund, der Schauplatz, obwohl wichtig wird zurückgehalten, und doch kann sich der Leser gut in die Vergangenheit versetzen lassen.
Falkenrieth beobachtet, kombiniert, stellt Fragen und muss vor allem versuchen, die Denkweise des Täters nachzuvollziehen. Ein bisschen erinnert er an Sherlock Holmes, nur mit den Limitierungen seiner Zeit.
Englert schafft ein authentisch wirkendes Szenario, mit interessanten Protagonisten, interessanten Gegenspielern und durchaus der einen oder anderen Überraschung. Zudem ist es nicht nur der Zeitdruck, der eine spannende Geschichte erzeugt. Falkenrieth muss zugleich verhindern, dass Angst, Gerüchte und Vorurteile weitere Opfer fordern. Und der Mörder scheint immer mindestens einen Schritt voraus.
Veit Falkenrieth funktioniert dabei gut als Mittelpunk. Seine besondere Fähigkeit, sich gedanklich in einen Täter hineinzuversetzen, gibt ihm ein interessantes Profil und bietet viel Potenzial für weitere Ermittlungen. Auch Maria Windfang und Thomas Sturmberg sorgen dafür, dass Falkenrieth nicht als isolierter Einzelermittler durch die Handlung geht. Und vor allem Maria ist ein Charakter, der viel Potential verbirgt. Mit Thomas muss ich noch warm werden, er ist der am wenigsten interessante des Trios, aber viel gibt Englert auch noch nicht preis. Wer weiß wie sich die drei in den folgenden Bänden entwickeln.
DER MÖRDER VON BRAUNSCHWEIG ist, aufgrund seiner Kürze (es sind weniger als 200) allerdings ein ausgesprochen kompakter historischer Krimi. Das sorgt für ein hohes Erzähltempo und wenig Leerlauf. Wer umfangreiche historische Romane mit sehr ausführlichen Milieuschilderungen erwartet, wird hier nicht befriedigt werden.
Wer hingegen einen schnellen, geradlinigen historischen Kriminalfall sucht, bekommt genau das. Englert konzentriert sich auf Ermittlungen, Verdächtige, politische Konflikte und die Suche nach dem Muster hinter den Taten. Dabei entsteht genügend Atmosphäre, um das Braunschweig des 16. Jahrhunderts als mehr als eine austauschbare Kulisse wahrzunehmen.
Kurzweilige Unterhaltung jenseits von den beliebten Cosy/Regency/Englandkrimis. Eine Abwechslung zum Einheitsbrei, die Lust auf mehr macht.

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