New York, 1982. Verbrechen sind an der Tagesordnung, und Batter Gray, frischgebackener College-Absolvent mit einem "feinen Ohr" für Poesie, blickt sorgenvoll in die Zukunft. Doch als Batter einen Traumjob bei Peck & Peck ergattert, der geheimnisvollsten, dysfunktionalsten und doch renommiertesten Lyrikzeitschrift der Welt, scheint sich das Blatt zu wenden. Schon bald steckt er mitten in dem heimlichen Krieg zwischen den beiden Herausgebern, den berühmten Peck-Brüdern, und ist eingeweiht in die Privatangelegenheiten der 39 Lektoren, die nur ein einziges Ziel vereint: Originalität finden. Kreativität fördern. Den Rest verbrennen. PECK & PECK ist der zweite Roman von Bonnie Garmus. Ihren ersten, EINE FRAGE DER CHEMIE kenne ich nur als Serie, kann mir also kein Urteil dazu oder einen Vergleich der beiden Bücher erlauben. Ich glaube aber auch, dass das nicht sein muss, denn beide sind schon von der Ausgangssituation sehr unterschiedlich.
Mit PECK & PECK hat Garmus ein Werk erschaffen, das Einblicke in die Welt eines großen Lyrikverlags gibt. Exzentrisch und Erhaben, der Marktführer auf dem Gebiet der Lyrik, PECK & PECK ... aber gleichzeitig ist alles so absurd (und höchst amüsant), dass man sicher sein kann, dass die Realität ganz anders aussieht (so hoffe ich doch). Garmus hat aber ein Buch erschaffen, das Lyrikfans unterhalten kann, ebenso auch jene, die gute Unterhaltung zu schätzen wissen.
Bonnie Garmus erschafft ungewöhnliche Charaktere, die trotz ihrer Überzeichnungen menschlich und zugänglich bleiben und nicht in irgendwelche Schubladen passen möchten. So ist Batter Gray kein klassischer Held. Er ist unsicher, gelegentlich naiv, mitunter erschreckend ungeschickt und besitzt dennoch eine Beharrlichkeit, die ihn sympathisch macht. Und seine Sicht der Dinge ist es auch, die der Leser vorgesetzt bekommt.
Besonders unterhaltsam ist die Darstellung des Literaturbetriebs. Die Beschäftigung mit Gedichten wird zur beinahe existenziellen Angelegenheit erhoben, während persönliche Eitelkeiten, wirtschaftliche Interessen und institutionelle Machtspiele die eigentliche Arbeit immer wieder in den Hintergrund drängen. Garmus entwickelt daraus eine bissige Satire über die Absurditäten des Berufslebens. Ihr Humor lebt von grotesken Situationen, schlagfertigen Dialogen und Figuren, deren Selbstüberschätzung häufig in keinem Verhältnis zu ihren tatsächlichen Fähigkeiten steht. Und ständig muss man sich als Leser fragen wie ein so großer Verlag wie PECK & PECK überhaupt bestehen kann. Und da wird der Roman mehr als nur ein absurdes Kammerspiel. Die scheinbar harmlose Welt einer Lyrikzeitschrift wird zum Schauplatz grundsätzlicher Konflikte. Da ist der Herausgeber und verschiedene Arten von Lektoren von unterschiedlicher Bedeutung. Es gibt Gesetze und ... Autoren ... ja, Autoren, die man am Liebsten gar nicht haben möchte. So wirkt es auf mich. Schon verwunderlich, dass nicht gleich der Ausnahmezustand ausgerufen wird, wenn ein Autor es wagt, in der Eingangshalle des Verlags zu erscheinen. Manchmal ist man sich nicht sicher ob Autoren nicht eher Krankheiten sind ... (ohne jetzt jemandem zu Nahe treten zu wollen).
Garmus erzählt mit einer geradezu überschäumenden Lust an Nebenhandlungen, überraschenden Wendungen und kuriosen Begegnungen, die zwar nicht unbedingt zur Haupthandlung beitragen, aber auf unterhaltsame Art und Weise das Gesamtbild unterstützen, das den Roman trotz seines beträchtlichen Umfangs über weite Strecken ausgesprochen kurzweilig macht. Langweilig wird es nie.
Allerdings gibt es auch einen Schwachpunkt. Meiner Meinung nach ist das Ende nicht besonders gelungen, es wirkt im Vergleich zur vorangegangenen Leichtigkeit etwas zäh und bisweilen so kitschig, das es weh tut. Muss denn alles in Friede, Freude, Eierkuchen (mit Schattenseiten) sein. Das hätte man kürzer fassen können. Aber ... bis man dorthin kommt ... wird man gut unterhalten. Auch im Hörbuch. Matthias Köberlin ist einfach herrlich, manchmal mehr oder weniger überdreht, dann wieder einfühlsam und dann wieder cholerisch. Seine Interpretation von Salton Peck .... yessss. Muss man genießen.
PECK & PECK ist ein herrlich skurriles (Hör)Buch für alle Lyrikliebhaber (und solche, die es nie werden wollten) und alle, die wissen wollen wie es bei einer großen Literaturzeitschrift (nicht) zugeht. Und für alle, die abgedrehte Unterhaltung mögen... und ja, manches mag überspitzt sein, aber anderes ... leider doch viel zu wahr.
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