Liams Tage als Fahrradkurier sind längst Geschichte – seit er als Siegelwahrer das magische Museum in London hütet und mächtige Artefakte vor den Falschen schützt. Doch ein riskanter Einsatz reißt ihn aus seinem neuen Alltag: Im Louvre liegt vor einem Gemälde zur Französischen Revolution ein Toter. Nur der Torso. Der Kopf fehlt.
Alles deutet auf Artefaktmagie hin – und auf einen gefährlichen Gegner. Gemeinsam mit seiner Kollegin Julia macht sich Liam auf die Jagd nach dem Mörder und gerät dabei tief in die Pariser Unterwelt. Doch je mehr Liam aufdeckt, desto klarer wird: Die Wahrheit über die Vergangenheit setzt auch seine eigene Zukunft aufs Spiel.
Der zweite Band der Reihe „Der Siegelwahrer von London“ knüpft an die Ereignisse von „Das vergessene Museum“ an und bietet eine ebenso temporeiche wie fantasievolle Mischung aus Urban Fantasy, Kriminalgeschichte und Abenteuer. Die berühmten Kunstwerke, historischen Schauplätze und geheimnisvollen Orte von Paris bilden eine atmosphärische Kulisse für eine Handlung, in der scheinbar alltägliche Gegenstände ungeahnte Kräfte entfalten können. Dabei gelingt es dem Autor, sein fantastisches Universum weiter auszubauen, ohne den erzählerischen Schwung zu verlieren. Und natürlich ist das Erzähltempo hoch, das kennt man von Suchanek und ist auch eine seiner Stärken. Gleichzeitig lockern humorvolle Dialoge und die gelegentlich bissigen Kommentare des Protagonisten die düstere Handlung auf. Denn auch das gehört zu Suchaneks Stärken: Ein Ensemble, das gut harmoniert, aber Ecken und Kanten aufweist. Die Figuren gewinnen zunehmend an Profil. Liam ist längst mehr als ein ahnungsloser Neuling in einer magischen Welt, bleibt aber durch seine Unsicherheiten und seine Neugier sympathisch. Julia und die übrigen Mitglieder des Museumsteams ergänzen ihn auf unterhaltsame Weise. Besonders gelungen ist, dass Suchanek nicht nur ein neues Abenteuer erzählt, sondern auch die übergreifenden Geheimnisse der Reihe weiterentwickelt. Einige Fragen werden beantwortet, während neue Rätsel entstehen. Typisch Suchanek, das kann ich nur wiederholen. Aber das, was man als Suchaneks Stärken sehen kann, zieht auch Schwächen mit sich. So bleibt die Charakterentwicklung etwas auf der Strecke, was bei Serien allerdings nicht so auffällt, da sich ja die Protagonisten und Antagonisten mit jedem Band weiter entwickeln. Nur eben langsamer, da dem Autor andere Dinge wichtiger sind. Fans wird er dadurch trotzdem anziehen. Natürlich wird eine fortlaufende Handlung erzählt, was es Quereinsteigern schon jetzt schwer macht nicht vom ersten Band an Liams Abenteuer gefolgt zu haben. Auch kann man nicht sagen, dass Suchanek das Rad neu erfunden hat, er kann allerdings Bekanntes so verpacken, dass etwas eigenes entsteht und man nicht unbedingt auf Anhieb erkennt, wo sich der Autor inspirieren hat lassen (und gerade die Sache mit den Artefakten erinnert mich an Warehouse 13, das zwar eine TV-Serie ist, mir im Vergleich aber besser gefällt, ohne dass ich Suchaneks Talent schmälern möchte).
Im Großen und Ganzen hat mich DAS TÖDLICHE ARTEFAKT überzeugt, trotz seiner Schwächen. Aber auch das ist wohl etwas, das Suchanek ausmacht: Seine Serien werden mit jedem Band besser. Und so ist dieser Teil auch besser als DAS VERGESSENE MUSEUM. Nur... ich würde es begrüßen, wenn Suchanek auf die erzwungenen Cliffhanger am Ende fast jeden Kapitels verzichten würde. Das ist auf Dauer ermüdend und meiner Meinung nicht nötog. Für Spannung ist auch so gesorgt, ohne dass man mit dem Zaunpfahl darauf hinweisen muss.
Tatsächlich stellen DIE SPIEGELWAHRER VON LONDON eine lohnenswerte Alternative zu Benedict Jacka (Peter Grant) und Ben Aaronovitch (Alex Verus) dar.
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