Scholomance ist eine Magierschule, wie es sie noch nie gegeben hat: keine Lehrer, keine Ferien, Freundschaft nur als Mittel zum Zweck und sehr ungleiche Überlebenschancen. Es gibt nur zwei Wege heraus aus der Schule – die Abschlussprüfung oder den Tod. Galadriel, genannt El, ist bestens vorbereitet auf die Gefahren der Schule: Sie hat zwar niemanden, der ihr hilft, aber eine starke dunkle Gabe, mit der sie problemlos auf einen Schlag die Monster auslöschen könnte, die überall in der Schule lauern. Aber das würde auch ihre Mitschüler treffen. Anders als der unerträgliche Schulstar Orion, der ständig Leben rettet, tut El deshalb alles, um diese Gabe nicht zu nutzen – es sei denn, sie hat keine andere Wahl...Naomi Novik kannte ich bisher nur von ihrer Reihe DIE FEURREITER IHRER MAJESTÄT, die mir bisher sehr gut gefällt. Auf SCHOLOMANCE war ich neugierig, obwohl mir das Thema an sich nicht so zusagt, weil ich mich an Magierschulen schon satt gelesen habe. Aber ... neugierig war ich schon. Aber auch wenn ich vorgreife und sage, dass mir SCHOLOMANCE gut gefallen hat, ist es doch etwas anderes als Naomis Drachenreihe und ... bedient ein anderes Zielpublikum (oder anders gesagt: Gut geschrieben, aber nichts, was mich so vom Hocker geworfen hat die die Verbindung Napoleon und Drachen).
Was wäre, wenn eine Schule für Magie kein sicherer Zufluchtsort für junge Zauberer wäre, sondern einer der gefährlichsten Orte überhaupt? Diese Frage setzt Novik gekonnt um. Sie benutzt ihre fantastische Welt, um über Privilegien, soziale Ungleichheit und die Vererbung gesellschaftlicher Vorteile zu erzählen. Wohlhabende und mächtige magische Familien können ihren Kindern bessere Ausrüstung, Wissen, Beziehungen und schließlich einen Platz in einer sicheren Enklave verschaffen. Wer diese Möglichkeiten nicht besitzt, muss erheblich größere Risiken eingehen. Die Scholomance ist deshalb nicht nur eine tödliche Schule, sondern ein Modell einer Gesellschaft, in der Sicherheit ungleich verteilt ist.
El, eigentlich Galadriel, aber wer würde sich so schon nennen wollen, ist die Protagonistin , die mit ihrer Art zum einen für entsprechenden Humor sorgt, aber auch die Sympathien der Leser auf ihrer Seite hat. Sie ist sarkastisch, misstrauisch, reizbar und von der Überzeugung geprägt, dass andere Menschen entweder Angst vor ihr haben oder sie ausnutzen wollen. Gleichzeitig besitzt sie einen ausgeprägten moralischen Kompass.Els Gegenstück ist Orion, ein wahrer (privilegierter) Musterschüler, der andere vor dem Tod rettet und immer da ist wo er gebraucht ist. Und irgendwie kann er auch nicht von El. Ja, das schreit nach Loveinterest, ist aber so in Szene gesetzt, dass man sich daran auch erfreuen kann, wenn man dem Romanceteil einer Story lieber den Rücken kehren möchte. Mit diesen Protagonisten und den Eigenarten der Schule schafft Novik ein spannendes Umfeld. Allerdings muss der Leser auch erst in dieses eingeführt werden, und weil es eine magische Schule ist wird auch viel erklärt... das mag manchmal etwas ermüdend wirken, ist aber notwendig, um die Geschichte zu verstehen.
Die moralischen Fragen der Geschichte sind eng mit den Regeln der Magie verbunden sind. Macht besitzt in dieser Welt einen Preis. Sicherheit für einige Menschen kann auf der Gefährdung anderer beruhen. Novik macht daraus jedoch keine einfache Parabel von Gut und Böse. Immer wieder stellt sie die unangenehmere Frage, wie moralisch ein Mensch tatsächlich handeln kann, wenn die gerechte Entscheidung zugleich die gefährlichere ist.
SCHOLOMANCE ist mehr als eine weitere Geschichte über Jugendliche auf einer Zauberschule. Naomi Novik nimmt einige der vertrautesten Elemente moderner Fantasy – magische Schulen, Auserwählte, dunkle Zauberer und heldenhafte Monsterjäger – und fragt, welche gesellschaftlichen Strukturen eigentlich hinter solchen Welten stehen müssten. Eine Abwechslung in all jenen Magierschulenbüchern, die so sein wollen wie Harry Potter...
SCHOLOMANCE ist düster, manchmal makaber, überraschend komisch und wesentlich nachdenklicher, als die Ausgangsidee zunächst vermuten lässt. Und auch wenn ich SCHLOMANCE als Rückschritt (im Vergleich zu den Feuerreitern) sehe, so hat die Geschichte durchaus ihre Berechtigung und großen Unterhaltungswert. Novik ist eine ungewöhnliche Mischung aus Dark Academia, Fantasy, schwarzem Humor und Coming-of-Age-Geschichte gelungen, die bekannte Motive des Genres aufgreift und konsequent gegen den Strich bürstet. Fans dieses Genres werden auf ihre Kosten kommen, und selbst wenn man mit Academia-Geschichten wenig zu tun hat ... es ist durchaus einen Versuch wert und ich kann von meiner Seite auch sagen, dass mich die Geschichte überzeugt und gut unterhalten hat.
Ich habe das Buch nicht gelesen, ich habe es gehört und Leonie Landa schafft es mühelos den Ton der Geschichte zu treffen und mit ihrer Stimme den Zuhörer in die Welt der Scholomance einzuführen.
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