Mittwoch, 2. September 2026

Judith Mohr: Stadt der Magier und Diebe

Als der junge Taschendieb Cor von der Stadtpolizei geschnappt und als Arbeitssklave verkauft wird, befürchtet er das Schlimmste. Doch sein Käufer ist ein Magier namens Jonathan Fossell und unerwartet freundlich. Er bittet Cor um Hilfe bei seinen Ermittlungen rund um einige sonderbare Diebstähle und Morde und beginnt, ihn magisch auszubilden. Zunächst zögert Cor, da die Diebesgilde Verräter nicht duldet. Aber auch einige alte Freunde wie das Mädchen Ro geraten in Gefahr, schließlich erschüttern Anschläge die Stadt und selbst sein Meister gerät ins Visier der skrupellosen Verbrecher. Nun braucht Cor jeden Funken Magie, der in ihm steckt.
Mächtige Magier, gefährliche Intrigen und ungeklärte Morde in den dunklen Gassen von Parnass ... STADT DER MAGIER UND DIEBE ist ein vielversprechender Auftakt einer interessant klingenen Fantasyreihe, die nicht nur für Jugendliche geeignet ist. Judith Mohr verbindet klassische Fantasy-Elemente mit einem spannenden Abenteuer und einer Welt, in der man sich nie ganz sicher sein kann, wem eigentlich zu trauen ist. Schwarz und Weiß gehen in verschiedene Grautöne über und der allgemeine Tonfall ist eher ein düsterer. Da hat man es als Dieb nicht leicht, aber auch grundsätzlich scheint das Leben in Parnass nicht paradisisch zu sein. Es fällt dem Leser nicht schwer sich schnell in Mohrs Welt zurecht zu finden. Das Worldbuidling ist einfach, aber nicht weniger überzeugend. Auf den ersten Blick scheint Mohr nichts Neues zu bieten, aber gerade weil so vieles so bekannt erscheint ist es normal und hilft dem Leser sich gut in die Welt versetzen zu können. Klassische Fantasy ohne große Schnörkel. Und doch offenbahrt sich die Welt nicht gleich in ihrer Gänze. Judith Mohr lässt ihre Welt nach und nach entstehen. Dadurch bleibt vieles zunächst rätselhaft, und gemeinsam mit den Figuren entdeckt man immer neue Seiten der Stadt. Und so, wie die Autorin ihre Stadt präsentiert, so lässt sie auch ihre Atmosphäre wirken: Düsteres Pseudomittelalter mit Magie. Auch die Charaktere tragen viel zum Reiz der Geschichte bei. Sie sind nicht einfach in „gut“ und „böse“ einzuteilen. Freundschaften, Loyalitäten und Interessen spielen eine wichtige Rolle, und gerade die Frage, wem man vertrauen kann, sorgt immer wieder für Spannung. Der Schreibstil ist flüssig und bildhaft, ohne die Handlung durch zu viele Beschreibungen auszubremsen. Vor allem in den spannenderen Passagen entwickelt die Geschichte ein gutes Tempo. Gleichzeitig bleibt genügend Raum, um die fantastische Welt und ihre Besonderheiten kennenzulernen. Mohr bietet hier genau den passenden Mix aus Worldbuidling, Handlung und Charakterentwicklung.
Mohr erzählt eine fesselnde Geschichte mit glaubwürdigen Charakteren und Motiven. Der Spannungsbogen wird bis zum Schluss konsequent durchgehalten, die einzelnen Szenen bieten eine perfekte Mischung um auch Werte wie Vertrauen und Freundschaft, ebenso wie Loyalität oder Machtmissbrauch. Gute Unterhaltung für Fantasyfans, mit Lust auf mehr.
Ich habe das Buch als Hörbuch genossen, Marius Claren ist in meinen Augen (oder sollte ich sagen, Ohren) genau der richtige Sprecher für Bücher dieser Art. Sobald er mit dem Sprechen anfängt bin ich in seiner Welt gefangen, und obwohl ich schon öfter von ihm gesprochene Hörbücher gehört habe ist es immer wieder anders.

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