Donnerstag, 3. September 2026

Joachim Mertens: Die Tote in den Salinen (Rezension)

Eigentlich will Stefan Wagner sich an der Algarve von seiner kräftezehrenden Arbeit als Kommissar erholen. Die Luftveränderung vom verregneten Wuppertal ins sonnige Tavira, die Stadt am Rio Gilão, soll seine leergefahrenen Akkus wieder aufladen. Ausgedehnte Wanderungen in den Salinen, die Gelassenheit der Menschen in dem kleinen Ort, und nicht zuletzt das gute portugiesische Essen: kleine Puzzleteile, um zu entspannen. Doch ein schockierender Leichenfund rüttelt ihn auf. Wer ist die Tote und warum wurde sie so seltsam versteckt?
Gemeinsam mit seinem portugiesischen Kollegen Carlos Oliveira begibt er sich auf Spurensuche.
Düstere Erinnerungen an ein lang zurückliegendes Ereignis hemmen jedoch Wagners Professionalität.
Als eine weitere Leiche auftaucht, erkennt er, dass der Fall weitaus komplizierter ist als zunächst angenommen.
Zeugen, die wenig gesehen haben, Polizeiarbeit ohne Fortune.
Und Wagner fühlt sich plötzlich allein.
Eine weit zurückliegende erschütternde Begebenheit im familiären Umfeld trübt vermehrt seine objektive Sicht.
Ist die entscheidende Unterstützung näher, als er glaubt?

DIE TOTE IN DEN SALINEN - Ein Algarve-Krimi verspricht Sonne, Strand und Meer ... ein gemütliches Krimivergnügen, doch der Schein trügt. Die Algarve kann auch anders, jedenfalls wenn es nach Joachim Mertens geht, der mit seinem Debüt auch eine Liebeserklärung an die Algarve ablegt, gleichzeitig aber auch einen Krimi konstruiert, der alles andere als gemütlich ist.
Mertens verbindet zwei bewährte Elemente des Regionalkrimis: einen atmosphärisch reizvollen Schauplatz und einen Ermittler, der nicht nur mit einem Verbrechen, sondern auch mit seiner eigenen Vergangenheit konfrontiert wird. Aber er geht noch weiter. Der Leser bekommt auch die Vorgeschichte des Opfers zu lesen, die in Wuppertal beginnt und in der Algarve endet. Mehr als ein Urlaubskrimi, mehr als ein bloßer Whodunit.
Mertens lässt sich Zeit mit seiner Geschichte. Er beschreibt seine Charaktere und die Landschaften ausführlich, lässt sich Zeit und lässt Bilder im Auge des Lesers entstehen. Dabei klingt er nicht wie ein Reiseführer und langweilig sind seine Beschreibungen bei weitem nicht.
Besonders reizvoll erscheint Tavira im Osten der Algarve. Der Ort ist weit entfernt von den großen touristischen Zentren der Region. Die Salinen bilden eine Landschaft aus Wasserflächen, Dämmen, Salzbecken und weitem Himmel. Die helle, ruhige Landschaft steht einem düsteren Verbrechen gegenüber. Wie gesagt: Von wegen gemütlicher Urlaubskrimi, zumal die Vorgeschichte (die des Opfers und von Stefan Wagner) nicht gerade als harmlos zu bezeichnen ist. Mehr sage ich dazu aber nicht. Allerdings .. wer es cosy erwartet, sollte vielleicht die Finger davon lassen.
Ja, DIE TOTE IN DEN SALINEN ist ein atmosphärischer Reginalkrimi (man mag es als Urlaubskrimi sehen oder nicht, es liegt wohl an den eigenen Erwartungen), mit spannender Ermittlungsarbeit und Charakteren mit Ecken und Kanten. Stefan Wagner ist durchaus glaubwürdig und hat die Sympathien der Lesern sicher auf seiner Seite. Ein Problem hatte ich mit dem Opfer ... da gab es gute Ansätze in der Vorgeschichte, die durchaus ständige Zweifel hervorriefen und den Leser lange in Ungewissheit ließen. Dazu sage ich auch nicht mehr, denn jede Andeutung eines Spoilers würde zu viel verraten. Aber ... wenn man mit dem Trampen fast ausschließlich schlechte Erfahrungen macht, wie wahrscheinlich ist es, den ursprünglichen Plan tatsächlich bis zum Schluss durchzuziehen. So ganz konnte ich das nicht nach zu vollziehen. Aber ... bedenkt man, dass es sich um ein Thrillerdebut handelt, dann wird hier doch einiges geboten. Als Leser wird man mitgenommen und gefesselt. Und bekommt nebenbei noch Einblicke in die Algarve.
Sieht man vom Opfer und seinen nicht immer nachvollziehbaren Aktionen ab, so bietet DIE TOTE IN DEN SALINEN gute Unterhaltung, mit ein bisschen Fernweh, sympathischen Ermittlern (trotz ihrer Fehler) und eine spannende, überraschende Handlung. 
Man darf gespannt sein was Joachim Mertens noch zustande bringen wird. 

Mehr über den Autor gibt es hier.

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