Leider ist der aus vornehmer Familie stammende Timothy Bright nicht so aufgeweckt, wie sein Nachname es verspricht. Als er aus Geldnöten den Auftrag übernimmt, ein Paket nach Spanien zu schmuggeln, gerät er in ein wildes Abenteuer.
Tom Sharpe war berühmt für seinen rabenschwarzen, respektlosen Humor und seine gnadenlose Satire auf die britische Gesellschaft. Auch in EIN DICKER HUND finden sich seinen Lieblingsthemen: Korruption, Heuchelei, Klassenunterschiede und die erschreckende Inkompetenz derjenigen, die Macht ausüben (obwohl man manchmal hinterfragen darf wer überhaupt in irgendeiner Weise kompetent ist, das ist manchmal nicht wirklich ersichtlich).
EIN DICKER HUND ist eine irrwitzige Geschichte voller Intrigen, Missverständnisse, Gewalt, sexueller Eskapaden und grotesker Zufälle. Typisch Sharpe geraten sämtliche Figuren immer tiefer in ein Chaos, das schließlich in einem spektakulären Finale kulminiert. Wenn man Sharpe kennt bekommt man genau das Chaos, was man erwartet. Übertrieben, politisch alles andere als korrekt, manchmal sehr prüde, dann wieder das genaue Gegenteil. Und irgendwann wissen weder der Leser noch die Protagonisten, wo es lang geht. Aber ... wen interessiert das schon.
Sharpes größte Stärke bleibt sein unverwechselbarer Stil. Seine Dialoge sind bissig, seine Figuren herrlich überzeichnet, und seine Fähigkeit, aus scheinbar kleinen Missverständnissen monumentale Katastrophen entstehen zu lassen, ist nach wie vor beeindruckend. Der Roman verliert sich allerdings stellenweise in Nebenhandlungen, manche Gags werden sehr weit ausgereizt, und nicht jede Pointe zündet. Zudem ist der Humor deutlich böser und zynischer als in Sharpes früheren Werken. Aber man wird durchaus gut unterhalten, wenn man weiß, was man zu erwarten hat. Für diejenigen, die noch nie von Tom Sharpe gehört haben, wirkt das Buch wie eine große Blödelei. Was zwar auch zutrifft, aber ... da steckt etwas mehr dahinter. Also ... man mag sich darauf einlassen oder, um sich mit Tom Sharpe vertraut zu machen lieber zu PUPPENMORD greifen.
Ein böser, turbulenter und stellenweise urkomischer Roman, der zwar nicht zur absoluten Spitzenklasse von Tom Sharpes Werk gehört, aber dennoch zu unterhalten weiß, auf eine respektlose überdrehte Weise.

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