Freitag, 10. Juli 2026

Maike Salhofen: Bruder Ennnno und das Herz des Störtebeker (Rezension)

Hexenjagd, verbotene Liebe und politische Machtkämpfe im mittelalterlichen Ostfriesland.
1399. Mysteriöse Todesfälle erschüttern die Küste: Drei Männer erliegen einer qualvollen Seuche, und die Angst vor schwarzer Magie greift um sich. Der junge Mönch Enno soll der Hexerei auf die Spur kommen und gerät in einen Strudel aus Aberglauben, alten Gelübden und einer verbotenen Liebe. Derweil entbrennt unter den friesischen Häuptlingen ein erbitterter Machtkampf um die Vorherrschaft im sechsten Seenland – und mittendrin: der legendäre Seewolf Klaus Störtebeker, der nicht nur Allianzen, sondern auch sein Herz aufs Spiel setzt.

Mit „Bruder Enno und das Herz des Störtebeker“ setzt Maike Salhofen ihre historische Krimireihe um den jungen Zisterzienser Enno fort und entführt ihre Leser erneut in das Ostfriesland des ausgehenden 14. Jahrhunderts. Die Handlung verbindet rätselhafte Todesfälle, religiösen Aberglauben, politische Machtkämpfe und die Legende um Klaus Störtebeker zu einem historischen Kriminalroman. Der Roman knüpft an die Ereignisse des ersten Bandes an, lässt sich aber auch ohne Vorwissen eigenständig lesen. Ich kannte den ersten Teil (BRUDER ENNO UND DIE HAND DES STÖRTEBEKER) nicht und fand mich im zweiten Teil gut zurecht. Wirklichen Zugang zur Geschichte habe ich aber nicht bekommen. Ob das daran lag, dass mir der erste Teil gefehlt hat, kann ich nicht sagen. Ich hatte zumindest nicht das Gefühl, dass ich Wissenslücken hatte.
Gelungen fand ich die Darstellung des mittelalterlichen Frieslands. Salhofen gelingt es, die Welt der Klöster, Häuptlinge, Kaufleute und Seefahrer mit großer Detailtreue zum Leben zu erwecken und schafft es leicht, dass sich der Leser in die Zeit hineinversetzen kann. Klaus Störtebeker wird erfreulich differenziert gezeichnet. Er bleibt der legendäre Freibeuter, erhält jedoch genügend menschliche Facetten, um mehr zu sein als eine bloße historische Randfigur. Dadurch entsteht ein interessantes Spannungsfeld zwischen Legende und historischer Wahrscheinlichkeit. Gleichzeitig ist er der interessanteste Charakter des Romans. Im Vergleich zu ihm verblassen viele, und das, obwohl er nicht ständig im Vordergrund steht. Bruder Enno dagegen wird sehr normal beschrieben, fast schon uninteressant. Und wenn man ihn mit anderen literarischen Mönchsermitter vergleicht (wobei ich u. a. an Bruder Cadfael und William von Baskerville erinnert werde, wobei ich letzteren nur von den filmischen Umsetzungen kenne) muss ich leider sagen, dass er dahingehend etwas langweilig wirkt. Aber ... sollte man Buchfiguren miteinander vergleichen, wenn sie doch alle ihre Eigenheiten haben, die dem Leser gefallen, oder auch nicht. Hart gesagt war mir Bruder Enno ziemlich egal. Und das stellt ein Problem dar, wenn es sich, wie hier, um den Protagonisten handelt. Denn dann nützt das ganze drumherum nicht. Und dabei gibt sich die Autorin wirklich Mühe. Der Kriminalfall entwickelt sich zwar etwas langsam, fast schon sehr gemächlich. Dafür nimmt sich die Autorin Zeit für die politischen Hintergründe: Hexereivorwürfe, Seuchenangst, persönliche Loyalitäten und verbotene Gefühle verweben sich zu einer Handlung, die bis zum Ende zahlreiche Wendungen bereithält.
Aber in meinem Fall war es schwierig sich auf die Handlung einzulassen. Störtebeker war gut, aber der Rest (einschließlich Bruder Enno, wie bereits erwähnt) wirken eher farblos, lassen den berühmten Likedeeler nicht wirklich glänzen.
Schade, ich habe mehr erwartet.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Durch das Kommentieren eines Beitrags auf dieser Seite werden automatisch über Google personenbezogene Daten erhoben. Diese Daten werden ohne Ihre ausdrückliche Zustimmung nicht an Dritte weitergegeben. Weitere Informationen finden Sie in der Datenschutzerklärung. Mit dem Abschicken eines Kommentars wird die Datenschutzerklärung akzeptiert.