Der Schamanin von Dürrenberg ist im Museum derzeit eine Sonderausstellung gewidmet, die noch bis zum 7. Februar 2027 läuft. Gesehen habe ich sie noch nicht, aber ich würde es nicht ausschließen, dass ich das Museum noch vor Ende der Ausstellung besuche ...
Auf jeden Fall ist die Schamanin eine durchaus interessante Persönlichkeit. So, wie es viele andere Personen der Vergangenheit sind (man fühle sich zu Recht an Ötzi erinnert).
Andrea Storm hat nun der Schamanin einen Roman gewidmet. SINGENDE KNOCHEN behauptet EIN STEINZEITROMAN zu sein, aber eigentlich wird eine Zeitreise-Geschichte geboten.
Was hallt vom ursprünglichen Wissen unserer Ahnen in uns wider?
Die brillante Kunstdiebin Tilda findet sich nach einem missglückten Einbruch im eisigen Mesolithikum wieder - an der Seite der mächtigen Schamanin von Bad Dürrenberg. Zwischen zwei Welten enthüllt sich ein geheimnisumwobenes Band, das 9000 Jahre überbrückt.
Tilda muss ihre modernen Überlebensinstinkte in der Mittelsteinzeit neu definieren. Während archaische Rituale und urzeitliche Gefahren sie umgeben, entfaltet sich zwischen den beiden Frauen eine unerwartete Verbundenheit. In der Höhle der singenden Knochen lauern Unheil, Leid und Liebe. Sie lassen die Grenzen zwischen Vergangenheit und Gegenwart verschwimmen.
Für alle, die historische Abenteuer mit einem Hauch Mystik lieben und sich von kraftvollen Figuren in eine längst vergangene Zeit entführen lassen wollen.
SINGENDE KNOCHEN ist eine Mischung aus historischem Roman, Zeitreisegeschichte und spiritueller Mystik. Ausgangspunkt ist die faszinierende archäologische Entdeckung der Schamanin von Bad Dürrenberg. Gelungen sind vor allem die Schilderungen der mittelsteinzeitlichen Lebenswelt. Man merkt, dass sich die Autorin intensiv mit archäologischen Erkenntnissen beschäftigt hat. Natur, Jagd, Rituale und das Zusammenleben der Menschen wirken überwiegend glaubwürdig und vermitteln ein lebendiges Bild einer Epoche, die in Romanen nur selten zu finden sind. Ein bisschen fühlte ich mich an DIE ERDENKINDER-SAGA von Jean M. Auel erinnert. Vielleicht haben mir deswegen genau diese Teile so gut gefallen (nicht nur Tilda reiste in die Vergangenheit, ich auch, allerdings nur gedanklich und nicht so weit ... verloren in realen Welten, von denen man nicht unbedingt weiß, wie sie wirklich waren, archäologische Funde hin oder her).
Auch die Schamanin und ihr Volk werden gut in Szene gesetzt.
Allerdings bleibt der Roman hinter seinem Potenzial zurück. Vor allem der Einstieg zieht sich spürbar in die Länge, und auch im weiteren Verlauf leidet die Handlung unter einem eher gemächlichen Erzähltempo. Zahlreiche ausführliche Beschreibungen der Umgebung und des Alltags tragen zwar zur Atmosphäre bei, bremsen die Geschichte jedoch immer wieder aus. Fast fühlt man sich in einer Dokumentation verloren, wären nicht die Ausflüge in die Gegenwart, und wenn es sich um ein Sachbuch handeln würde, könnte man das Leben in der Steinzeit durchaus als spannend bezeichnen. Aber als Zeitreiseroman, von dem man doch etwas mehr Action und Spannung erwarten kann, die über das Alltagsleben der damaligen zeit hinausgeht, ist das Erzähltempo doch etwas langatmig.
Schwächen zeigt die Geschichte in der Gegenwart. Tilda, die Protagonistin erscheint oft sehr oberflächlich und ohne Tiefe. Oft sind ihre Reaktionen vorhersehbar oder klischeehaft. Leider wird das Potential der Geschichte nicht genutzt. Die Zeit, die Tilda in der Vergangenheit verbringt ist zu kurz. Es ist schade, dass die Handlungsstränge von Schamanin und Tilda lange neben herlaufe, und es lange dauert, bis sie zusammenfinden. Und wenn es interessant wird, ist es schon wieder vorbei. Und auch wenn es vielleicht eine witzige Idee ist, so hat mich doch gestört, dass ... obwohl, das sollte ich vielleicht nicht spoilern. Vielleicht besteht ja doch Interesse daran, das Buch zu lesen ... und dann ist der einzig wirklich interessante Überraschungsmoment dahin.
Der Schreibstil ist zwar angenehm und anschaulich, doch die Dialoge wirken stellenweise etwas modern oder erklärend. Zudem hätte dem Roman eine straffere Redaktion gutgetan, da sich einige Motive und Beschreibungen wiederholen.
SINGENDE KNOCHEN weist eine interessante Grundidee auf, das vorhandene Potential (auch zu einer Serie) wird leider nicht genutzt. Wer sich für das Leben in der Steinzeit interessiert, wird dem Buch vielleicht etwas abgewinnen können, aber mich hat es doch enttäuscht. Daran hat auch der Zeitreiseeffekt nichts ändern können.
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