Freitag, 6. November 2026

Lucy Foley: Mord im Grand Alpine Hotel (Rezension)

Hoch oben in den Schweizer Alpen lockt das exklusive Hotel Grand Alpine mit seinem überwältigenden Bergpanorama illustre Gäste aus aller Welt an:
Den gefeierten Filmstar.
Den geachteten Politiker.
Die unergründliche Politikergattin.
Den unberechenbaren Freund.
Den zwielichtigen Arzt.
Doch eines Morgens geschieht ein Unglück: Ein Gast steigt in die Gondel, und als sie oben am Gipfel ankommt, ist er tot. Schon bald gehen Gerüchte um, dass es sich um Mord handeln muss. Während die Atmosphäre im Hotel kippt, tritt eine unscheinbare Dame mit außergewöhnlichem Verstand aus den Schatten: Miss Marple. Sie verdächtigt jeden – und das mit gutem Grund. Denn die Frage ist nicht nur, wer der Täter ist, sondern wer sein nächstes Opfer sein wird …
50 Jahre nach Veröffentlichung des letzten Miss-Marple-Krimis von Agatha Christie lässt Bestsellerautorin Lucy Foley die beliebteste Detektivin aller Zeiten wieder ermitteln. Foley ist damit die erste Autorin weltweit, die von Agatha Christies Erben exklusiv auserwählt wurde, Miss Marple wieder auf Verbrecherjagd zu schicken.

Mit MORD IM GRAND ALPINE HOTEL wagt sich die britische Bestsellerautorin Lucy Foley an ein ebenso reizvolles wie riskantes literarisches Unternehmen: Sie lässt Agatha Christies legendäre Hobbydetektivin Miss Marple wieder auferstehen. Das Ergebnis ist eine atmosphärische Hommage an den klassischen englischen Kriminalroman, die geschickt mit den Erwartungen ihrer Leserschaft spielt und zugleich eine eigene erzählerische Handschrift erkennen lässt. Und so bekommt man das Gefühl einen echten MISS MARPLE Roman zu lesen. Alles ist so wie man es erwartet ... ein Verbrechen, eine überschaubare Anzahl an Verdächtigen und ... Miss Marple, die, wie auch in den Christie-Krimis, eigentlich nur eine Nebenfigur ist, die im Hintergrund ihre "Ermittlungen" führt. Und so wird dem Leser diese Geschichte auch aus der Sicht anderer Leute erzählt: Der Frau eines Politikers, der Geliebten, der Freund und die Gesellschafterin von Miss Marples Freundin. Es scheint tatsächlich so, dass Lucy Foley eine würdige Nachfolgerin Christies ist und es problemlos schafft Miss Marple-Atmosphäre zu schaffen. Und das, obwohl der Schauplatz nicht unbedingt neu ist, aber, passend und wirklich gut in Szene gesetzt. Es war für mich ein amüsantes Lesevergnügen und ein angenehmes Wiedersehen mit einer neuen (und doch alten) Miss Marple. Foley versteht es ausgezeichnet, die glitzernde Eleganz eines alpinen Luxushotels mit einem zunehmenden Gefühl der Bedrohung zu verbinden. Hinter höflichen Gesprächen, gesellschaftlichen Konventionen und luxuriöser Behaglichkeit lauern Neid, Eifersucht, alte Feindschaften und persönliche Abgründe. Die winterliche Berglandschaft bildet dabei nicht nur eine reizvolle Kulisse, sondern verstärkt die Isolation der Figuren. Ein bisschen habe ich mich an DIE MAUSEFALLE erinnert gefühlt, aber vielleicht ist das auch beabsichtigt, hatte ich doch das Gefühl auch andere Romane der Grand Dame zu erkennen ... eine gelungene Hommage in meinen Augen (oder einfach nur Wunschdenken meinerseits).
Durch die verschiedenen Perspektiven entsteht ein vielschichtiges Geflecht aus Verdächtigungen, Halbwahrheiten und falschen Fährten. Allerdings hat diese Konstruktion auch ihre Schwächen, die sich gegen Ende offenbaren wenn der Täter enttarnt wird. Foley schafft es auch Miss Marple (und Agatha Christie) in die Moderne zu transferieren, bzw. Miss Marple so zu gestalten, dass Leser der heutigen Zeit einen leichteren Zugang zu ihr bekommen. Foley nimmt sich deutlich mehr Raum für die psychologische Ausgestaltung ihrer Figuren und die Inszenierung zwischenmenschlicher Konflikte.
Die eigentliche Krimihandlung folgt weitgehend den bewährten Regeln des klassischen Whodunit: ein begrenzter Kreis von Verdächtigen, zahlreiche mögliche Motive und Geheimnisse mit oder ohne Bedeutung, geschickt platzierte Hinweise und eine Auflösung, bei der vermeintlich unbedeutende Einzelheiten plötzlich eine neue Bedeutung gewinnen.
MORD IM GRAND ALPINE HOTEL ist ein gelungener Krimi, für alle Fans ruhiger, klassischer Fälle. Leider war die Auflösung (bzw. die Enthüllung/Enttarnung des Täters) etwas stark konstruiert. Da kommt Foley nicht an eine Raffinesse von ALIBI heran. (Habe ich jetzt zu viel verraten? Ich hoffe nicht). Aber, ich wurde gut unterhalten, fand das Buch spannend, und wendungsreich und über das nicht ganz runde Ende kann ich hinweg sehen. Auch Agatha Christie war nicht die Perfektion in Person.

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