Mittwoch, 4. November 2026

Jo Nesbø: Der Fledermausmann (Rezension)

Ein unkonventioneller Ermittler fern der Heimat, eine Tote am anderen Ende der Welt – und ein Täter, der junge Frauen systematisch ins Visier nimmt. In der flirrenden Hitze Australiens beginnt die Jagd auf einen Serienmörder, der kaum Spuren zu hinterlassen scheint.
Blonde Opfer, rote Erde
Der Polizist Harry Hole wird zur Aufklärung des Mordes an der norwegischen Schauspielerin Inger Holter nach Australien gesandt. Dort steht ihm sein Kollege Andrew Kensington, ein Aborigine, zur Seite. Die beiden unkonventionellen Polizisten freunden sich schnell an. Von Andrew erfährt Hole eine Menge über Australien, seine Geschichte und das Leben in Sydney. Doch der Mord an Inger Holter ist kein Einzelfall. Im ganzen Osten von Australien werden junge, blonde Frauen vergewaltigt, mitunter auch erwürgt. Ist der Täter ein psychopathischer Frauenmörder?

Ich habe jetzt schon einiges (okay zwei Bücher) von Jo Nesbø gelesen, mit unterschiedlicher Meinung, aber auf Harry Hole war ich schon sehr gespannt. Bisher habe ich nur Positives gehört oder gelesen und das hat meine Neugierde nich gesteigert. DER FLEDERMAUSMANN ist der erste Teil der bisher 14teiligen Reihe und hat mich gleich am Anfang überrascht. Wer erwartet auch einen Skandinavien-Krimi in Australien. Aber ... es funktioniert.
Nesbø nutzt diese ungewohnte Umgebung, um gesellschaftliche Gegensätze sichtbar zu machen. Besonders die Geschichte und die Situation der australischen Aborigines nehmen einen bemerkenswert großen Raum ein. Fragen nach Rassismus, kolonialem Unrecht und gesellschaftlicher Ausgrenzung werden mit dem eigentlichen Kriminalfall verflochten. Allerdings erscheint die Darstellung indigener Menschen aus heutiger Perspektive stellenweise vereinfachend. Dennoch verleiht gerade dieser gesellschaftliche Hintergrund dem Roman eine besondere Atmosphäre. Und Ermittler Harry Hole passt hervorragend hinein. Kein perfekter Mensch, Kettenraucher und Alkoholiker (was in teilweise sehr drastischer Weise dargestellt wird), aber ein guter Ermittler, der noch besser ohne seine Schwächen wäre. Was ihn aber für den Leser auch sehr glaubwürdig macht. Und, was ich sehr angenehm finde, Nesbø stellt ihn nicht als totales Wrack dar. Nicht wirklich ein Held, aber auch kein Antiheld ... und das macht ihn sehr sympathisch.
Nesbø versteht es, falsche Fährten zu legen, Verdachtsmomente geschickt zu verteilen und die Geschichte mit überraschenden Wendungen voranzutreiben. Besonders im letzten Drittel gewinnt die Handlung deutlich an Tempo und entwickelt eine zunehmend düstere Intensität.
Durch den Ermittler und das Setting wird DER FLEDERMAUSMANN zu einem ungewöhnlichen Skandinavienthriller, der überzeugen kann, trotz kleiner Schwächen in der Handlung (über die man aber hinweg sehen kann). Gute Unterhaltung für jene, die es eher hart mögen und auf weichgespülte (oder vollkommen zerstörte) Charaktere verzichten können.

DER FLEDERMAUSMANN bei amazon (AffiliateLink)

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Durch das Kommentieren eines Beitrags auf dieser Seite werden automatisch über Google personenbezogene Daten erhoben. Diese Daten werden ohne Ihre ausdrückliche Zustimmung nicht an Dritte weitergegeben. Weitere Informationen finden Sie in der Datenschutzerklärung. Mit dem Abschicken eines Kommentars wird die Datenschutzerklärung akzeptiert.