Montag, 12. Oktober 2026

Sonya Bateman: The Lodge (Rezension)

Ich wäre fast nicht zu unserem fünfzehnjährigen Klassentreffen gekommen. Aber jetzt bin ich hier. Und eine Person ist bereits tot.
Es hätte ein besonderes Wiedersehen werden sollen. Kostenloser Champagner. Ein Fünf-Sterne-Resort. Erinnerungen. Die Aussicht, endlich abzuschließen. Alte Freunde – auch wenn sie mich eigentlich nie wirklich kannten.
Wir waren zu acht.
Aber eine ist nach dem Abschlussball verschwunden. Und einer hat sich umgebracht.
Es muss jemand geben, der weiß, was in der Nacht vor 15 Jahren wirklich passiert ist. Wir wurden aus einem bestimmten Grund hierher eingeladen.
Und sie werden uns nicht wieder gehen lassen.

Ein luxuriöses Resort, ein Wiedersehen nach fünfzehn Jahren und eine Gruppe ehemaliger Freunde, die eine gemeinsame Vergangenheit verbindet, über die offenbar niemand die ganze Wahrheit erzählt: Mit THE LODGE greift Sonya Bateman eine klassische Thriller-Konstellation auf und entwickelt daraus ein spannendes Kammerspiel voller alter Schuld, Lügen und gegenseitigen Misstrauens. Und so wie ich es bisher von der Autorin kenne spielen auch hier Ereignisse aus der Vergangenheit eine große Rolle.
Mit dem Resort erschafft Bateman eine passende Atmosphäre, die man zwar schon aus anderen Büchern kennt (spontan würde mir DIE MAUSEFALLE von Agatha Christie einfallen, einsame Häuser und Schnee ... klar, dass da ein Verbrechen geschieht), die aber immer wieder gut funktionieren kann, was die Autorin hier auch meisterhaft zeigt.
Die abgeschiedene Lodge wirkt zunächst luxuriös und einladend, entwickelt sich aber zunehmend zu einem klaustrophobischen Schauplatz.
Bateman erzählt die Geschichte aus unterschiedlichen Perspektiven und verbindet die gegenwärtigen Ereignisse mit Rückblicken auf die Schulzeit. Dadurch setzt sich das Bild der Vergangenheit nur allmählich zusammen. Besonders Desiree, die sich schon früher eher am Rand der Gruppe befand, bietet einen interessanten Blick auf die damaligen Freundschaften und Hierarchien. Gleichzeitig zeigt sich immer deutlicher, dass praktisch jede Figur etwas zu verbergen hat.
Eine große Stärke des Romans sind die zahlreichen Wendungen. Bateman liefert immer wieder neue Informationen, durch die bereits sicher geglaubte Zusammenhänge plötzlich in einem anderen Licht erscheinen. Das macht THE LODGE ausgesprochen unterhaltsam und sorgt vor allem in der zweiten Hälfte für ein hohes Tempo. Bateman kreiert bewusst einen Pageturner, der zwar gemütlich beginnt, aber nachdem alle Personen entsprechend vorgestellt wurden, nimmt der Thriller seinen Lauf. Und dann muss man weiterlesen, denn man ist der Autorin in die Falle gegangen. Anders kann man das nicht ausdrücken, denn manche Wendung wirken bewusst darauf angelegt, den Leser möglichst lange auf falsche Fährten zu schicken. Aber ... das sorgt durchaus für Lesevergnügen und ich hatte sehr viel Spaß an den überraschenden Enthüllungen und Verwicklungen.
THE LODGE ist ein atmosphärischer und zunehmend rasanter Psychothriller, der nach einem etwas ruhigeren Einstieg vor allem durch sein eingeschneites Luxusresort, die belastete Vergangenheit seiner Figuren und zahlreiche Wendungen überzeugt. Wer Bücher dieser Art mag (und ich gehöre wohl dazu) wird voll auf seine Kosten kommen.
THE LODGE ist jetzt das dritte Buch, das ich von der Autorin lese und für mich scheint sie eine der Entdeckungen in diesem Jahr zu sein. Ich werde sicher noch mehr von ihr lesen.

THE LODGE bei amazon (AffiliateLink)

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Durch das Kommentieren eines Beitrags auf dieser Seite werden automatisch über Google personenbezogene Daten erhoben. Diese Daten werden ohne Ihre ausdrückliche Zustimmung nicht an Dritte weitergegeben. Weitere Informationen finden Sie in der Datenschutzerklärung. Mit dem Abschicken eines Kommentars wird die Datenschutzerklärung akzeptiert.