Montag, 3. August 2026

Michael Crichton: Timeline (Rezension)

An der idyllischen Dordogne in Frankreich liegt das Ausgrabungscamp des amerikanischen Geschichtsprofessors Edward Johnston. Hier bekämpften sich Engländer und Franzosen Mitte des 14. Jahrhunderts während des Hundertjährigen Krieges, und die vier Ruinen – zwei Festungen, eine Mühle und ein Kloster – sind für Johnston und seine Studenten ein ideales Betätigungsfeld. Eines Tages kommt Professor Johnston ein unheimlicher Verdacht: Könnte es sein, dass die amerikanische High-Tech-Firma ITC, die sein Forschungsprojekt seit Jahren großzügig unterstützt, eine Zeitmaschine entwickelt hat und damit bereits in die Vergangenheit gereist ist? Wie sonst ist die Genauigkeit eines Aufrissplans des Klosters zu erklären, der ihm aus Amerika in die Hände gespielt wurde? Wutentbrannt fährt Johnston in die USA. Nur wenige Tage später erreicht ein erregter Anruf das Camp: Der Professor sei ins Mittelalter gereist, und seine Studenten würden dringend gebeten, ihn von dort zurückzuholen. Auf den Wissenschaftshistoriker Chris, die Architektin Katherine und den Alltagshistoriker André wartet die Begegnung mit einer sensationellen Maschinerie, die die Erfüllung eines uralten Menschheitstraum in greifbare Nähe rückt – und eine Reise zurück in eben die Zeit, an deren Erforschung sie schon seit Jahren arbeiten. Die Verlockung, sie hautnah zu erleben – und dabei den Professor zu retten – ist größer als jede Angst...
In TIMELINE verbindet Michael Crichton historisches Abenteuer, Wissenschaftsthriller und Zeitreise-Roman zu einem temporeichen Pageturner. Der Autor verlegt seine Handlung ins Frankreich des Jahres 1357 – mitten in den Hundertjährigen Krieg. Dabei liegt seine größte Stärke in der lebendigen Darstellung des mittelalterlichen Alltags. Burgen, Dörfer, Schlachtfelder und politische Intrigen wirken sehr authentisch. Besonders beeindruckend ist, wie der Autor mit verbreiteten Vorstellungen über das Mittelalter aufräumt. Die Vergangenheit erscheint weder romantisch verklärt noch ausschließlich düster, sondern als komplexe Welt mit eigenen Regeln, Gefahren und gesellschaftlichen Strukturen. Dadurch sorgt er für eine Glaubwürdigkeit, die man aufgrund des Zeitreisethemas und der pseudowissenschaftlichen Erklärung nicht erwarten würde.
Auch das Erzähltempo gehört zu den großen Pluspunkten des Romans. Nach einem etwas ausführlicheren Einstieg entwickelt sich eine nahezu ununterbrochene Abfolge von Verfolgungsjagden, Belagerungen, Kämpfen und überraschenden Wendungen. Crichton versteht es meisterhaft, Spannung aufzubauen und den Leser ständig zum Weiterlesen zu verleiten. Die Kapitel enden häufig mit Cliffhangern, wodurch sich der Roman trotz seines beträchtlichen Umfangs ausgesprochen flüssig liest.
Weniger überzeugend fallen die Figuren aus, was aber auch als Schwäche des Autors im Allgemeinen zu sehen ist. Zwar unterscheiden sie sich ausreichend in ihren Fähigkeiten und Persönlichkeiten, bleiben jedoch oft eher funktional als wirklich tiefgründig. Emotionale Entwicklungen treten zugunsten der Handlung in den Hintergrund, sodass man sich stärker für das Abenteuer als für die persönlichen Schicksale der Charaktere interessiert.
Auch das Ende erweist sich als Schwachpunkt des Romans. Während der Mittelteil nahezu pausenlos Spannung erzeugt, wirkt die Auflösung etwas überhastet. Einige Konflikte werden schneller gelöst, als es der sorgfältige Aufbau erwarten lässt. Da hätte sich der Autor mehr Zeit lassen können.
Doch trotz der Schwächen ist TIMELINE ein spaßiges Zeitreiseabenteuer.

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