Mit „Bloody Mary“ kehrt Tom Sharpe nach über zwanzig Jahren an das fiktive Porterhouse College in Cambridge zurück. Der Roman ist die Fortsetzung seines Kultklassikers Schwanenschmaus in Porterhouse und bietet erneut eine Satire auf den britischen Universitätsbetrieb, die Aristokratie und den unerschütterlichen Glauben an Traditionen.
Seine Figuren sind bewusst überzeichnet – Professoren, Geistliche, Adlige und Bürokraten werden zu Karikaturen menschlicher Eitelkeit. Die Handlung steigert sich von einer absurden Situation zur nächsten, bis sämtliche Regeln der Vernunft außer Kraft gesetzt scheinen. Dabei beweist Sharpe ein außergewöhnliches Gespür für Timing: Kaum glaubt man, die Geschichte könne nicht noch verrückter werden, setzt er noch einen drauf.
Der Roman lebt weniger von einer stringenten Handlung als von der Eskalation immer neuer Verwicklungen. Wer den Vorgänger Porterhouse Blue (Originaltitel von SCHWANENSCHMAUS IN PORTERHOUSE) kennt, wird zahlreiche Anspielungen und wiederkehrende Figuren besonders genießen. Neueinsteiger können der Geschichte zwar folgen, verpassen aber manche Pointe und Anspielungen auf vergangene Ereignisse.
Der Humor ist typisch britisch: schwarz, bissig und häufig geschmacklos. Sharpe nimmt keinerlei Rücksicht auf politische Korrektheit oder feine Umgangsformen. Seine Komik entsteht aus Übertreibung, peinlichen Situationen und der gnadenlosen Demontage selbsternannter Autoritäten. Nicht jeder Witz zündet heute noch so wie Mitte der 1990er Jahre, doch die Lust an der satirischen Überzeichnung bleibt ansteckend.
Sprachlich überzeugt Sharpe mit schnellen Dialogen, pointierten Beschreibungen und einer enormen erzählerischen Dynamik. Trotz der vielen Figuren und Handlungsstränge verliert der Roman selten sein Tempo.
Allerdings bleibt BLOODY MARY in vielem hinter SCHWANENSCHMAUS IN PORTERHOUSE. Fast könnte man sagen, dass es ein sehr braves Buch von Sharpe ist, nicht ganz so überdreht wie andere, aber ... brav ist es auch nicht. Etwas gesitteter, Sharpe light, vielleicht. Ganz nett, aber hier wird nur in Ansätzen das gezeigt, zu was Sharpe fähig ist (oder war).
Politisch alles andere als korrekt, ein typischer Sharpe, wenn auch gemäßigt, aber durchaus noch lesenswert.

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