Montag, 13. April 2026

Katja Angenent: Das Gutshaus im Nebel (Rezension)

1882: Charlotte Jäger ist jung, clever und mittellos. Die gut bezahlte Stelle als Betreuerin eines Adelssprösslings auf dem abgelegenen Gut Valarin kommt ihr da gerade recht. Doch bald schon trübt sich die Idylle. Warum darf Charlotte das Anwesen nicht mehr verlassen? Was verbirgt sich im gesperrten Flügel des Hauses? Und warum erkennt sie sich selbst auf einem alten Foto? Verliert sie in der nebeligen Einsamkeit allmählich den Verstand – oder gehen auf dem Gut Dinge vor sich, die all ihre Vorstellungskraft übersteigen?
Sherlock Holmes trifft Bridgerton. Für Fans von düsterer Spannung, alten Herrenhäusern und starken Heldinnen mit klarem Verstand ... Ein psychologisches Spiel aus Täuschung und Beklemmung – Gänsehaut-Feeling für Fans von Jane Austen, Charlotte Brontë und Wilkie Collins. So wird DAS GUTSHAUS IM NEBEL beworben. Und das weckte in mir durchaus bestimmt Vorstellungen, wobei die amüsanteste noch die einer Lady Whistledown ist, die neben einem Mysterium auch noch in Liebesdingen unterwegs ist. Eine Art Sherlock Holmes mit Tendenz zur Ehestiftung. Gut, das wäre wohl alles andere als düster, aber ich muss sagen: So ganz hat mich das Buch nicht berührt. Ich mag Jane Austen, Wilkie Collins, Sherlock Holmes sowieso und die TV-Serie Bridgerton hat mich überraschend in ihren Bann gezogen (und ich bin gespannt auf die Bücher, die ich auch vorhabe zu lesen). Nun Charlotte Brontë muss ich beiseite lassen, gelesen habe ich noch nichts von ihr. Aber das ist auch egal. DAS GUTSHAUS IM NEBEL wirbt mit großen Namen und versagt dann bei der Umsetzung. Bücher dieser Art habe ich schon ein paar gelesen und der Schauplatz (ein mehr oder weniger abgeschottetes Haus) und die Zeit (in der es noch keine Computer oder andere moderne Annehmlichkeiten gab) bieten sich ja an für geheimnisvolle Geschichten, die dem Leser (und der Leserin) durchaus einen Schauer den Rücken herunterlaufen lässt. Nur ... ähnliches habe ich schon oft gelesen, und das hat mir besser in der Umsetzung gefallen. SPUK IN HILL HOUSE oder DIE FRAU IN WEISS könnte man als Beispiel nennen. Charlotte, die Protagonistin finde ich unglaubwürdig und oberflächlich. Ich nehme ihr die starke Frau nicht ab, da nichts dafür spricht, warum sie so eine Frau sein sollte, da hätte man sich vielleicht mehr mit ihrer Vergangenheit aufhalten sollen. Und das Geheimnis, das hinter Gut Valarian steckt ist ... nicht so, dass es vom Hocker hat, wobei ich positiv erwähnen könnte, dass nicht alles so ist, wie es den Anschein hat (auch wenn ich mich nicht zu einem Spoiler herablasse). Der Schreibstil ist etwas langatmig, die Autorin lässt sich Zeit mit ihrer Erzählung, beschreibt manchmal zu viel (Gerüche?) und manchmal zu wenig (vor allem was den Charakter von Charlotte oder Karl anbelangt, da wäre mehr besser gewesen).
Hier wird viel Potenzial verschenkt. Die Geschichte selbst hätte wirklich einiges zu bieten, da hätte sich die Autorin auch gerne Zeit mit dem Aufbau lassen können. Denn so sehr sie sich mit Belanglosigkeiten aufholt, am Ende geht dann alles viel zu schnell. Zumal die Handlungen von Charlotte nicht immer nachvollziehbar waren. Ach ja ... und dann die Sache mit der Liebe. Ja, es gibt eine Liebesgeschichte, die so sanft und belanglos daherkommt und am Ende so unglaubwürdig ist, wie der Rest des Buchs. Schade. Dann doch lieber DIE WEISSE FRAU oder SPUK IN HLL HOUSE. Ich habe das Gefühl, dass DAS GUTSHAUS IM NEBEL weder die Freunde historischer Krimis oder Gruselgeschichten anspricht, und diejenigen, die sich eine Liebesgeschichte vor historischem Hintergrund vorstellen ganz alleine gestellt sind.

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