Samstag, 31. Dezember 2022

Colleen Cambridge: Die Dreitagemordgesellschaft (Rezension)

Acht Gäste und ein Mord im Haus der Queen of Crime
Eine Schar Festtagsgäste hat sich für drei Tage in Mallowan Hall eingefunden. Das versteckt in den Hügeln von Devonshire liegende Anwesen gehört der berühmten Schriftstellerin Agatha Christie. Doch den Haushalt führt die energische Phyllida Bright, und sie ist es auch, die am ersten Morgen der Festlichkeiten in der Bibliothek einen fremden Toten findet. Sie weiß, dass Aufsehen unbedingt zu vermeiden ist und die örtliche Polizei zur Umständlichkeit neigt. Während im Garten ein Heer von Fotografen lauert, beschließt Phyllida, in die Fußstapfen ihres hochverehrten Hercule Poirot zu treten - mit ungeahnten Folgen...

Mal was anderes und doch ein bekanntes Schema: Ein Krimi, wie ihn auch Agatha Christie hätte schreiben könnte, wenn sie nicht selbst darin eine Rolle spielen würde. Aber anstatt selber zu ermitteln überlässt sie es ihrer Haushälterin, welche (nicht unbedingt als einzige) die Polizei für unfähig hält (und das auch noch zu recht).

Mittwoch, 28. Dezember 2022

Selina Schuster: Das Gemälde von Ashton Manor (Rezension)

Ian Ashtons Großvater, Lord Ashton, liegt im Sterben. Seit dem Tod seiner Eltern ist Ian ihm sehr verbunden und wacht daher an seinem Sterbebett. Im Fieberwahn spricht Lord Ashton immer wieder von Ians vor Jahren im Moor verschollenen Schwester Celice. Zudem nimmt er Ian das Versprechen ab, das Gemälde im Treppenaufgang von Ashton Manor nie aus den Augen zu lassen. Keine leichte Aufgabe für Ian, der das Bild seit Jahren meidet, denn die Augen des jungen Mannes im Gemälde scheinen ihn zu verfolgen. 
Eine Gothic Novel ... der Klappentext ist vielversprechend und macht neugierig und auch der Anfang von DAS GEMÄLDE VON ASHTON MANOR ist gelungen und lässt den Leser leicht und problemlos in die Geschichte eintauchen. Ian Ashton ist ein gut skizzierter, glaubwürdiger Charakter, man merkt wie viel Liebe die Autorin in ihren Protagonisten gesteckt hat. Nur ... im Vergleich zu Ian verblassen die Nebendarsteller und bleiben entweder schemenhaft oder so klischeebeladen, dass ihre Motive schnell ersichtlich sind. Das geht natürlich zu Lasten der Handlung, die dadurch eher Kurzgeschichtencharakter bekommt, mit dem Nachteil zu lang zu sein. Zumal die Geschichte sehr vorhersehbar ist. Hin und wieder kann die Autorin eine schaurige Atmosphäre erzeugen, auch was die Erotik anbelangt kann dem Leser ein Schauer über den Rücken laufen, aber ... wenn man ehrlich ist, kann man nicht behaupten, dass an irgendeiner Stelle (abgesehen vielleicht vom Prolog) Spannung erzeugt wird.
Eine Gothic Novel, die kurze wie eine Novelle ist, aber das typische Gothicflair größtenteils vermissen lässt. Schade eigentlich.

Dienstag, 27. Dezember 2022

Genevieve Cogman: Das verbotene Kapitel (Rezension)

Wieder einmal muss sich Irene Winters, die unerschrockene Agentin der unsichtbaren Bibliothek, in Gefahr begeben. Dies ist nicht das erste Mal, aber was, wenn es das letzte Mal ist? Allein auf sich gestellt muss sie sich einem alten Feind stellen. Doch es gibt noch weitere schlechte Nachrichten. Mehrere Parallelwelten sind auf unerklärliche Weise verschwunden - und die Bibliothek könnte etwas damit zu tun haben. Irene und ihre Freunde müssen tief in die noch unerforschten Gebiete der Bibliothek eintauchen, wenn sie das Rätsel um die verschwindenden Welten lösen wollen. Und das, was sie herausfinden, stellt alles infrage, was sie je dachten, über die Bibliothek zu wissen ...
DAS VERBOTENE KAPITEL ist der (vermutliche) Abschluss der Fantasy-Reihe DIE BIBLIOTHEKARE und in meinen Augen durchaus gelungen. Genevieve Cogman schließt selbst zwar nicht aus, dass es irgendwie weiter gehen wird, aber man kann den achten Band gut als Abschluss sehen. Es gibt keinen Cliffhanger, aber es sind noch viele Möglichkeiten offen, die Geschichte weiter zu führen. Manchen Autoren fällt es schwer einer Reihe ein Ende zu bereiten (falls das passiert, manche Reihen bleiben offen ... weil der Verfasser nicht weiterschreibt oder verstorben ist), aber Genevieve Cogmann macht ihren Job gut. Der Anfang zieht sich etwas und dann wird es etwas verwirrend, aber auf eine sehr unterhaltsame Art und Weise, dass man sich ein bisschen an Dr. Who erinnert fühlt. Gleichzeitig steigt der Spannungsbogen langsam an und so endet alles so wie man es erwarten darf: In einem fulminanten Finale, das zu einem überraschenden Ende führt.
Ich kenne nicht alle Teile der Reihe und angeblich lassen sich die Bände auch einzeln lesen, aber ich fand es hilfreich doch den einen oder anderen Teil zu kennen. Neuleser könnten sich etwas verloren vorkommen. Es mag selbst für Fans etwas kompliziert werden wenn es an die tiefsten Geheimnisse der BIBLIOTHEK geht. Aber das Lesen lohnt sich. Die Charaktere (Irene, Kai und Vale) sind sympathisch und auch die weniger wichtigen Charaktere werden glaubwürdig dargestellt. Und die Antagonisten ... höchst interessante und undurchschaubare Gestalten ...
Im Großen und Ganzen ein Lesevergnügen, allerdings habe ich das Gefühl, dass die Übersetzung nicht immer perfekt ist und sich einige Grammatikfehler eingeschlichen haben (und das will schon etwas heißen, wenn mir das soweit auffällt, dass es eine Erwähnung wert ist).
Trotzdem ...für Fans der Reihe bildet DAS VERBOTENE KAPITEL einen würdigen Abschluss. Genevieve Cogman gibt alles.

Montag, 26. Dezember 2022

Raiko Oldenettel: Die Totenzeichnerin (Rezension)

Sommer, 1919. Die Schatten des ersten Weltkrieges liegen noch über der Welt. In dieser Zeit ist die wahre Leidenschaft der jungen Krankenschwester Minna Dahl ein düsters Geheimnis, denn sie zeichnet leidenschaftlich gern Verstorbene. Als man sie dabei erwischt, wird sie zur Strafe aufs Land versetzt, um Kriegsversehrte zu pflegen. Doch dann erschüttert ein tragischer Todesfall das Tal. Alte Gewohnheit und Neugier treiben die geheime Künstlerin an, auch diese Leiche auf Papier festzuhalten. Zu spät erkennt sie, dass ihre Zeichnungen das Tor in eine grausame Vergangenheit aufgestoßen.
Mal wieder eine (überarbeitete) Neuauflage des dp-Verlags .. diesmal des Titels "Die Leichenzeichnerin".
DIE TOTENZEICHNERIN klingt nach einer interessanten Story und einer faszinierenden Protagonistin. Tatsächlich ist die Handlung auch spannend, vor allem für Freunde historischer Kimis, die nicht nur mit dem viktorianischen Zeitalter verbunden sind. Aber leider gibt es einen kleinen Haken und dieser zeigt sich in der Hauptperson, Mina Dahl. Ihre Obsession Tote Menschen zu zeichnen wird meiner Meinung nach nicht gut erklärt und bleibt dadurch nicht nachvollziehbar. Es wirkt wie ein Zwang, aber was sie dazu bringt ... ich verstehe es nicht. Da fehlt die Leidenschaft ... Genauso nebulös stellt sich ihre plötzliche Begeisterung für die detektivische Arbeit dar. Von der Beschreibung gefallen mir die Nebencharaktere besser, sie wirken zwar nicht sonderlich sympathisch, verstärken dadurch aber auch den düsteren Grundton des Romans und der gut beschriebenen Umgebung. Atmosphärisch hat DIE TOTENZEICHNERIN seine Stärken, in der Darstellung der Protagonistin aber nicht.
Gute Ansätze für einen Krimi der etwas anderen Art wären vorhanden, nur funktioniert das Mitfiebern nicht, wenn die eigentliche Hauptperson dem Leser nicht nahegebracht wird. Und so bleibt Mina ein dunkler Schemen, der sich zwar in einer interessanten und vielversprechenden Umgebung befindet, aber nicht das volle Potential zeigt, das in ihr stecken könnte. Was bringt ein interessantes "Hobby" wenn das Warum dafür fehlt (und einiges andere auch).