Freitag, 17. Juli 2026

Tatjana Kruse: Mumien morden mittwochs nie (Rezension)

Wir wissen, wie gefährlich es nachts im Museum ist. Jetzt lernen wir, wie gefährlich es auch tagsüber sein kann ...
Escape Game im Museum?
Man könnte fast denken, man wäre mitten in einem – allerdings ohne der üblichen sechzigminütigen Zeitbegrenzung –, als während der Pressekonferenz zu einer aufsehenerregenden Ausstellungseröffnung mit Artefakten aus dem Alten Ägypten ein Museumsmitarbeiter nach dem anderen spektakulär zu Tode kommt. Es stellt sich die Frage: Gibt es eine logische Erklärung für die Ereignisse, oder ist etwas weitaus Unheimlicheres im Gange? Geht etwa eine Mumie im Blutrausch um? Kann man seinen eigenen Sinnen eigentlich noch trauen?
Morden Mumien besser?
So hat sich die junge Dr. Apollonia Obermoser (für ihre Freunde: Polly) das jedenfalls nicht vorgestellt, als sie endlich ihren Fund von Artefakten aus der siebten Dynastie rund um den Pharao Teti III. präsentieren kann. Am nervigsten findet sie allerdings, dass die Tochter der millionenschweren Museumseignerin, Daphne Gamser, der festen Überzeugung ist, dass eine Mumie für die Morde verantwortlich ist. Polly, die das – zurecht – äußerst lächerlich findet, macht sich auf die Suche nach "echten" Spuren. Viel anderes bleibt ihr auch nicht übrig, denn durch einen Hackerangriff befindet sich das Museum plötzlich im Lockdown-Modus und jeglicher Kontakt zur Außenwelt ist unterbunden – also muss Frau, mal wieder, selber ran. Und dass hier irgendetwas Böses – menschlich oder nicht – sein Unwesen treibt, zeigt sich mit jeder Minute deutlicher … Dass ausgerechnet Daphne zu ihrer stärksten Verbündeten wird und doch nicht so oberflächlich ist, wie sie tut, hätte Polly niemals gedacht. Auch nicht, dass sie ihre Sinneswahrnehmung so im Stich lässt und eventuell doch eine Mumie mit Killeraxt durchs Museum wütet.

MUMIEN MORDEN MITTWOCHS NIE ist eine herrlich schräge Mischung aus Kriminalroman, schwarzem Humor und einer guten Prise Grusel. Während das Museum durch einen Hackerangriff von der Außenwelt abgeschnitten wird, häufen sich die bizarren Morde. Gleichzeitig steht die Frage im Raum, ob tatsächlich ein uralter Fluch oder gar eine Mumie hinter den Verbrechen steckt, oder ob ein sehr menschlicher Täter sein Unwesen treibt. Das abgeschlossene Museum entwickelt sich dabei zu einer Art Escape Room, in dem Spannung und Komik Hand in Hand gehen. Wortspiele, absurde Situationen und trockene Dialoge wechseln sich mit atmosphärischen Szenen zwischen Sarkophagen, Grabbeigaben und dunklen Museumsgängen ab. Dabei gelingt der Autorin die Balance zwischen Krimi, Komödie und leichtem Horror erstaunlich gut. Selbst wenn die Handlung bewusst überzeichnet ist, bleibt die Spannung bis zum Schluss erhalten. Ein Pageturner der anderen Art, da es sehr viel Spaß macht Polly bei ihren "Ermittlungen" zu begleiten und am Ende bleibt der Wehmutstropfen, dass alles irgendwann auch einmal ein Ende haben muss. Was in diesem Fall schade ist (und ich auf den Ausflug ins alte Ägypten als Bonus, durchaus auch verzichten hätte können).
Manche Situationen sind derart überspitzt, dass sie eher an eine Theaterkomödie als an einen klassischen Kriminalroman erinnern, aber darin liegt auch der Reiz der Geschichte. Einfach nur köstlich, und obwohl viel gemordet wird, mag MUMIEN MORDEN MITTWOCHS NIE auch zartbesaiteten Krimilesern ans Herz gelegt werden. Und auch wenn Mumien eine Rolle spielen ... es wird nur leicht dezent gruselig, wobei ... da ist wohl mehr Atmosphäre und Erwartung im Spiel (und man mag mit dieser Aussage anfangen was man will). MUMIEN MORDEN MITTWOCHS NIE ist ein wunderbar unterhaltsamer Kriminalroman für alle, die schwarzen Humor ebenso schätzen wie spannende Rätsel. Tatjana Kruse verbindet ägyptisches Flair, klassische „Locked-Room“-Elemente und bissigen Witz zu einem ebenso originellen wie vergnüglichen Krimispaß. Wer sich auf den schrägen Ton einlässt, wird mit einem kurzweiligen, überraschenden und äußerst amüsanten Leseerlebnis belohnt.

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