Mittwoch, 2. April 2025

Annette Marie: Dämonenmagie und ein Martini (Rezension)

Als ich meinen Job als Barkeeperin in einer magischen Gilde antrat, wusste ich überhaupt nichts über Magie. Inzwischen bin ich praktisch Expertin für die verschiedenen Magieklassen, doch da ist eine, über die niemand spricht: Dämonica.
Wie sich herausstellt, gibt es dafür einen guten Grund.
Meine eigene Gilde ist absolut dämonenfrei, doch jetzt läuft ein Dämon frei herum. Sogar knallharte Kampfmagier sind ihm hoffnungslos unterlegen. Und das ist noch nicht alles: das Monster, das sie verfolgen, versteckt sich nicht. Es flieht nicht. Es tötet nicht wahllos. Der Dämon ist selbst auf der Jagd. Und in einer Stadt voller Mythiker sucht er nach noch tödlicherer Beute …

DÄMONENMAGIE UND EIN MARTINI ist der vierte Teil von Annette Maries unterhaltsamen UrbanFantasy-Reihe Guild Codex: Spellbound und der actionreichste. Sympathische Charaktere, witzige Wortgefechte, heiße Kerle ... all das wird geboten. Daneben geheimnisvolle (heiße) Kerle, überraschende Enthüllungen und Wendungen und .... keinen Sex. Der würde auch stören, denn es kommt richtig zur Sache, was die Action anbelangt und da scheint ein Dämon eher das kleinere Übel zu sein.
DÄMONENMAGIE UND EIN MARTINI hat mich von der ersten Seite an gefesselt, ich wurde sofort in die Action hineingeworfen und es machte sehr viel Spaß Tori und ihren Freunden bei der Dämonenjagd zu begleiten. Der bekannte Humor bleibt aber auch nicht auf der Strecke, für ein witziges Wortgefecht oder eine peinliche Szene scheint immer Zeit zu sein. Und das schadet dem Gesamtbild des Romans in keiner Weise. Erstaunlicherweise muss ich auch sagen, dass die Charakterentwicklung trotz all der Jagdszenen und Auseinandersetzungen nicht auf der Strecke bleiben und vor allem Tori als auch Ezra tief in ihre Seele blicken lassen (wenn man bedenkt, dass Tori die Erzählerin ist, ist es erstaunlich, dass sie sich nicht nur auf ihre eigenen Gefühle und Geheimnisse beschränkt).
Also .... kur gesagt: DÄMONENMAGIE UND EIN MARTINI muss sich nicht hinter den Vorgängern verstecken. Mag ZWEI HEXEN UND EIN WHISKEY spannender gewesen sein, so ist dieser actionreicher (und nur deswegen weniger spannend, weil man weiß, dass Dämonen gegen die Magier der CROW AND HAMMER GILDE chancenlos ist ... jedenfalls ist es das, was man als Leser glaubt, bzw. glauben will). Lesen sollte man aber die gesamte Reihe. das ist FUN! FUN! FUN!

Dienstag, 1. April 2025

Benedict Jacka: Der Gefangene von London (Rezension)

In der Politik sind die Dinge selten schwarz oder weiß. Es geht um Kompromisse, Lobbyismus und auch Eigeninteresse. In der magischen Welt von London ist es nicht anders. Selbst zwischen Schwarz- und Weißmagiern sind die Grenzen fließend, und nur weil jemand im Lager der Weißmagier ist, gehört er noch lange nicht zu den Guten. Der Hellseher Alex Verus befindet sich inmitten dieses Chaos, seit sein alter Mentor, der Schwarzmagier Richard Drakh, einen Weg gefunden hat, Alex in seine Dienste zu zwingen. Damit ist Alex' schlimmster Albtraum Wirklichkeit geworden. Er will sich um jeden Preis aus der Knechtschaft befreien – doch von den Weißmagiern hat er keine Hilfe zu erwarten ...
DER GEFANGENE VON LONDON ist das achte Abenteuer mit Alex Verus und seinen Freunden. Ich habe bereits DIE MÖRDER VON LONDON als Highlight der Serie betrachtet, aber der achte Teil setzt dem noch eins drauf. Die Protagonisten und ihre Gegner sind nun bestens bekannt und so kann man sich auf eine riesige Actionschlacht freuen, die man gerne mit einer Tüte Popcorn im Kino genießen würde (auch wenn ich weder Popcorn esse, noch ins Kino gehe, aber die "Betroffenen" werden verstehen was ich meine). Unterschiede zwischen Schwarz- und Weißmagier stehen auch nur auf dem Papier, als Leser muss man sich wirklich fragen, was gut und was böse ist ... und es ist schwer diverse Schattierungen von grau zu sehen. Obwohl auch das den Reiz der Charaktere ausmacht. Man weiß nie wie sie reagieren. Was es Alex schwer macht sich zu behaupten. Vor allem, wenn man nebenbei noch damit rechnen muss beseitigt zu werden. Nur weil es nicht legal ist, heißt das nicht, dass man es nicht versuchen würde ...
Alex hat es nicht leicht (seine Freunde aber ebenso wenig), aber dieses Abenteuer verlangt auch viel vom Leser, die Nerven sind bis zum Zerreißen gespannt. Es gibt kaum Szenen zum Durchatmen, und all das, was man als Schwäche von DIE MÖRDER VON LONDON auslegen konnte, fehlt hier. Man muss Action mögen, dann wird man viel Vergnügen haben. DER GEFANGENE VON LONDON stellt ein weiteres HIGHLIGHT der Reihe dar. Ob man das noch toppen kann? 


Montag, 31. März 2025

Stuart Turton: Der letzte Mord am Ende der Welt (Rezension)

Die letzte bewohnte Insel der Welt. Eine Idylle. Hier leben Dorfbewohner und eine Handvoll Wissenschaftler friedlich zusammen. Doch dann geschieht das Undenkbare: Eines Morgens wird die Leiche einer brutal ermordeten Wissenschaftlerin gefunden. Sie sorgte für Sicherheit auf der Insel. Wird ihr Mörder nicht rechtzeitig gefunden, steht das Überleben der Menschheit auf dem Spiel.
Die Welt wurde durch einen giftigen Nebel zerstört, nur auf einer kleinen Insel im Mittelmeer existieren dank eines komplizierten Abwehrsystems letzte Überlebende. Wissenschaftler sorgen für ein friedliches Leben, sie überwachen die Landwirtschaft, die nächtliche Sperrstunde und sogar die Gedanken der Dorfbewohner. Die wiederum stellen keine Fragen – bis eine der Wissenschaftlerinnen eines Morgens ermordet aufgefunden wird. Schnell stellt sich heraus, dass dieser Mord das Abwehrsystem der Insel heruntergefahren hat. Wird der Mörder nicht innerhalb der nächsten 107 Stunden gefunden, wird die Insel von dem Nebel verschluckt. Und auch die letzten Menschen auf Erden werden aussterben. Das Problem: Niemand erinnert sich daran, was in der vergangenen Nacht geschehen ist.

Freitag, 28. März 2025

Ursula Poznanski: Teufels Tanz (Hörbuch)(Rezension)

Keine 100 Meter von einem der letzten Straßenstriche Wiens wird ein 80-Jähriger ermordet. Der Täter, ein Zuhälter, ist schnell gefunden – aber damit hört das Sterben nicht auf! Bald ermittelt Fina Plank in mehreren Mordfällen an 80-jährigen Männern. Obwohl die Opfer sich offenbar nicht kannten, ist Fina überzeugt, dass sie mehr als nur ihr Alter verbindet. Auch scheint der gesprächigste Zeuge an der entscheidenden Stelle zu schweigen – weil er um sein Leben fürchtet?
Während sich das mörderische Räderwerk immer schneller dreht, wird bei Fina eine böse Ahnung zur Gewissheit: Bislang hat der geheimnisvolle "Kuckuck" seine Taten in den Mordserien anderer versteckt – aber jetzt will er nicht länger auf passende Gelegenheiten warten, um sein Werk zu vollenden …

Donnerstag, 27. März 2025

Wole Talabi: Shigidi - Raub im Britischen Museum (Rezension)

Afrikanische Mythologie trifft auf Londoner Urban Fantasy
Shigidi, der Gott der Albträume, will eigentlich nur eins: seine Zeit mit dem Succubus Nneoma genießen. Doch die Mächtigeren seines Pantheons haben andere Pläne für ihn, und wenn er seine Freiheit erlangen will, muss er ihnen gehorchen. Er erhält den Auftrag, ein mächtiges Artefakt aus dem Britischen Museum zu stehlen und in seine Heimat zurückzubringen. Für Nneoma kann er seinen düsteren Ursprung hinter sich lassen, er kann sogar ein Meisterdieb werden. Aber kann er die Götter retten? Und will er das überhaupt?

»einer der TOP 10 der Fantasy- und SF-Romane« so ließ das die Washington Post 2023 verlauten. Ich habe mich, nachdem ich SHIGIDI gelesen habe eher gefragt: Hat das Jahr 2023 nichts besseres geboten? Ich kann das kaum glauben.
"Nigerianische Mythologie und Postkolonialismus treffen auf Londoner Urban Fantasy." Das klingt durchaus interessant und für den durchschnittlichen Mitteleuropäer sehr exotisch. Griechisch/Römische Mythologie oder die skandinavischen Götterepen, damit ist man vertraut, aber was der Schwarze Kontinent zu bieten hat, ist tatsächlich so unbekannt wie es der Kontinent für die einstigen (europäischen) "Entdecker war. Und dabei hat der Kontinent einiges zu bieten.
Als Orishas werden die Götter in der Religion der Yoruba und in den darauf beruhenden afroamerikanischen Religionen (u. a. Santeria oder Vodoun). Shigidi ist so ein Orisha, der Gott der Alpträume. Ein ungewöhnlicher Held, aber als Held muss man ihn bezeichnen, ebenso wie seine Partnerin Nneoma. Stoff für einen ungewöhnlichen UrbanFantasyroman ist also gegeben. Aber so ganz konnte mich die Geschichte nicht überzeugen. Die Zeitsprünge fand ich nervig, und trotz einiger guter Ideen (Orishasm, die in einer Geisterfirma arbeiten) kam kaum Spannung auf. Das konnte auch Aleister Crowley nicht ändern, den ich in diesem Roman tatsächlich als den Besten Nebendarsteller bezeichnen würde, gegen den die Götter nur erblassen. Frauen haben es zudem schwer, weil sie alle einfach nur schön sind und das muss auch extrem oft und wortreich erwähnt werden. Das ist schon fast eine Fixierung und macht die Existenz eines Succubus auch lächerlich. Wozu mich einem Dämon hingeben, wenn es nur schöne Frauen gibt (aber was weiß ich schon...). Und wenn man schon von Dämonen spricht .... Nneoma war schon extrem sexbesessen. Okay, das mag man von einem Succubus erwarten, aber was zu viel ist ist zu viel, da wäre weniger besser gewesen (oder ein anderer Charakter). Die Geschichte war so übersexualisiert, dass der Raub fast nebensächlich war. Die Intrigen in der Geisterfirma waren unterhaltsam, davon hätte ich gerne mehr gelesen (dafür weniger über die eigentlichen Protagonisten), aber sonst ... gute Ideen, gute Vorlagen (die Religion der Yoruba) aber genutzt wurde davon nichts. Zu viel Sex, zu wenig Spannung und der RAUB IM BRITISCHEN MUSEUM ... nebensächlich.
Ganz klar kann ich sagen, dass es wünschenswert wäre mehr Fantasy aus Afrika lesen zu dürfen, ich bin mir sicher, davon gibt es auch Lesenswertes. SHIGIDI gehört nicht dazu.