Donnerstag, 6. Februar 2014

Wiesbaden - So war's

Das 1. Schwullesbische Lesefestival ist ja schon seit ein paar Tagen zu Ende, es wird also langsam Zeit hier meine Eindrücke wiederzugeben.
Im Großen und Ganzen und kurzgefasst kann ich sagen: Schön war's, auch wenn ich nicht dem Ganzen Festival begewohnt habe.
Am Samstag habe ich die erste Lesung verpasst (da waren wir noch in der Fasanerie). Auf der einen Seite schade, auf der anderen Seite nicht ganz so schlimm, denn bei der ersten Autorin des Festivals handelte es sich um Sabine Brandl, eine Autorin, die ich seit zehn Jahren kenne, schon öfter auf Lesungen gesehen habe und auch noch öfter sehen und hören werde.

Von der zweiten Autorin, Conny Reinhard, habe ich auch nicht viel mitbekommen. Zu dieser Zeit war die Coffeebar Anderswo noch gerammelt voll und im Bereich der Lesung waren alle Plätze belegt. Immerhin änderte sich das später und ich konnte wenigstens der Lesung von Tanja Meurer beiwohnen.
Danach gab es eine längere Pause und dank Juliane Seidel, der Moderatorin und Organisatorin des Festivals, haben wir ein kleines nettes Lokal in der Nähe gefunden, das Cafe Westend.
Das Highlight dort war die, für Suppenverhältnisse, sehr teure Curryerbsensuppe, aber ich wollte sie probieren. Fazit: Das Preis/Leistungsverhältnis hat gestimmt: So viel Suppe habe ich noch nie in einem Lokal bekommen. Lecker war's, nur zu viel, schließlich wollte noch ein Flammkuchen verdrückt werden.
Nach dem Essen ging es zurück zum Anderswo. Die Lesung von Jana Walther habe ich verpasst, aber bei Jannis Plastargias war ich wieder dabei. Er las aus seinem Jugendroman „Plattenbaugefühle“, sorgte dabei für einige Lacher und regte mit seiner Kurzgeschichte „Ich weiß es nicht!“ aus der Anthologie “Liebe und andere Schmerzen“ zum Nachdenken an. Ich hätte die Reihenfolge vielleicht geändert, erst den Ernst und dann den Witz, aber Jannis wird sich schon etwas dabei gedacht haben.
Nach Jannis war ich selbst mit dem Lesen dran. Ich habe noch nie wirklich aus "Dämonenlust" gelesen, da es dort doch ziemlich zur Sache ging, aber beim Lesefestival habe ich es dann doch gewagt.
Den ganzen Tag über (und eigentlich schon davor) war ich mir nicht sicher, ob ich die Lesung durchhalten würde, da ich noch eine Erkältung mit mir rumschleppte. Vor Publikum rumrotzen ist auch nicht das Gelbe vom Ei, aber ich habe es geschafft. Ganz ohne Probleme. Und mir ist zum ersten Mal auch eine Kurzbeschreibung der Anthologie eingefallen: Mensch trifft Wesen. Ficken. Kurz, aber passend.
Nach erfolgreich abgeschlossener Lesung blieben wir noch kurz im Anderswo, solange, bis wir rausgeschmissen wurden.
Danach fuhren wir nach Frankfurt zurück.

Mein Highlight des Abends:
Ein junger Mann kam irgendwann ins Anderswo und wollte ein "Dämonenlust" kaufen. Nicht für sich, sondern für jemanden, mit dem er Essen gehen wollte (und deshalb meiner Lesung nicht beiwohnen konnte). Ich sollte eine Widmung hineinschreiben, aber nichts mit Liebe, da ich den anderen ja gar nicht lieben konnte (weil unbekannt). Aber ich wäre nie auf den Gedanken gekommen irgendwas mit Liebe zu schreiben.
Unterhaltsam fand ich's schon.

Am zweiten Tag der Lesung kamen wir erst nach dem Abendessen und waren nur bei den Lesungen von Yuliya Sokalska und Anna Maske anwesend. Beide Autorinnen lasen lesbische Geschichten und dementsprechend niedrig war der Männeranteil (immerhin drei, den Frauenanteil habe ich aber nicht gezählt).
Aber ich finde es nicht so schlimm lesbischen Geschichten zu lauschen, auf der ROSA COUCH ist das ja auch nicht anders ...und manchmal spielt es keine Rolle, ob die Protagonisten einer Geschichte, schwul, hetero, bi, lesbisch, Tiere oder Kinder (oder irgend etwas anderes) sind.
Und die erste Geschichte, die Yuliya Sokalska gelesen hatte, war wirklich sehr unterhaltsam.

Das Festival hat sehr viel Spaß gemacht. Die Coffeebar Anderswo mag zwar klein sein, gab dem Ganzen aber ein gewisses Flair (und die Trinkschokoladen dort sind wirklich lecker). Nett behandelt wurde man obendrein.
Blöd war nur, dass die Autoren vor dem Klo gelesen haben, während der Lesung aufs Klo zu gehen, war also eher unmöglich (oder sehr peinlich).
Eine Fortsetzung ist geplant und ich hoffe dann auch wieder Teil davon sein zu dürfen ...andererseits liebäugle ich derzeit mit dem Gedanken, etwas vergleichbares in München zu schaffen: Eine Art ROSA COUCH-Marathon (und das ist nicht einmal von mir, irgendwer hat das Wort Prosamarathon gekürt, das ist die ROSA COUCH zwar derzeit nicht, aber einmal im Jahr könnte man ja mal...aber das sind nur Gedanken).

Wie ich die restliche Nichtfestivalzeit verbracht habe kann man hier nachlesen.
Eine Nachlese des Festivals von Juliane Seidel  gibt es hier. Jule hat ihre Nachlese auch mit zahlreichen Bildern versehen. Ich hatte zwar eine Kamera dabei, hatte aber keine Lust auf Bilder.

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