Donnerstag, 29. Januar 2026

M. C. Beaton: Hamish Macbeth lüftet ein Briefgeheimnis (Rezension)

Eine plötzliche Flut von Giftbriefen versetzt das schottische Dorf Lochdubh in Aufregung. Die Dinge nehmen eine tödliche Wendung, als die örtliche Postbotin erhängt in ihrem Zimmer aufgefunden wird - mit einer bösartigen Notiz unter ihren baumelnden Füßen. Dorfpolizist Hamish Macbeth geht von Mord aus, im Unterschied zu seinen Vorgesetzten, die den Vorfall als Freitod zu den Akten legen wollen. Auf der zunehmend brisanten Jagd nach einem skrupellosen Täter muss Hamish sich auch noch eines Hinterhalts von Lokalreporterin Elspeth Grant erwehren, die es auf eine Sensationsstory - und auf Hamish - abgesehen hat ...
HAMISH MACBETH LÜFTET EIN BRIEFGEHEIMNIS ist der 19. Fall des schottischen Dorfpolizisten. Und im Gegensatz zum Vorgänger wird es wieder cosy, auch wenn man das vom (stürmischen) Wetter nicht behaupten kann. Tote gibt es natürlich trotzdem, aber ansonsten bekommt man das was man von den Macbethromanen kennt. Hamish und die Frauen, Hamish und die Dorfbewohner ... und nebenbei bekommt er es auch noch mit eifersüchtigen Nebenbuhlern zu tun. Was man davon wohl halten möchte. Der Fall an sich ist anfangs etwas undurchsichtig und durchaus witzig (wenn man nicht selbst betroffen ist), aber nach und nach kristallisiert sich die Lösung des Fall heraus und offenbart ... eine Tat, die vielleicht nicht unbedingt hätte sein müssen. Aber das ist ja oft der Fall. Manche Ansichten der Charaktere sind vielleicht etwas merkwürdig (wobei man nicht einmal sagen könnte dass es spießig wäre, nur eben ... merkwürdig), aber wenn man sich abfindet, dass die Serie in Schottland spielt und es wohl nicht so oft frisches Blut gibt ... und man lieber die Regionalen Zeitungen ließt ... Das muss man mögen oder sich darauf einstellen. Aber wenn man das macht bekommt man einen durchaus unterhaltenden Krimi, keine hochtrabende Literatur, aber das erwartet man von cosy ja wohl nicht. Kurzweilig wird es auf jeden Fall. Und ganz humorlos ist es auch nicht. Ein guter Beaton, ein guter Macbeth ... passt.

Montag, 26. Januar 2026

Rob Hart: Paradox Hotel (Rezension)

Im Paradox Hotel ticken die Uhren anders. Denn hier bucht man keinen Tagesausflug in die nähere Umgebung, sondern eine Flugreise in die Vergangenheit. Ein Dutzend verschiedene Epochen stehen den Gästen zur Verfügung, der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Doch dann geschieht ein Mord im Paradox Hotel, und January Cole beginnt zu ermitteln. Das ist allerdings nicht so einfach, wenn noch nicht einmal klar ist, wann der Mord überhaupt geschehen ist – in der Vergangenheit, der Gegenwart oder gar erst in der Zukunft?
Zeitreisen sind ja meistens höchst unterhaltsam. Das sieht man bei ZURÜCK IN DIE ZUKUNFT, StarTrek oder Dr. Maxwell (letzteres ist wohl nicht so bekannt wie die ersten beiden, darf aber nicht fehlen, weil es zumindest eine literarische Aufarbeitung des Themas ist ... in Serie). Und Zeitreisen erfreuen sich großer Beliebtheit bei Cineasten oder Leseratten. Allerdings funktioniert das Konzept nicht immer... aber ... bei PARADOX HOTEL kommen Zeitreisefans auf ihre Kosten auch wenn das Reisen in vergangene Zeiten eher nebensächlich ist.

Freitag, 23. Januar 2026

Jørn Lier Horst: CLUE 1. Schiffbruch vor der Felseninsel (Rezension)

Das Salamander-Tattoo
Die 11-jährige Cecilia lebt in der Pension „Perle“, einem von ihrem Vater geführten Hotel in einem kleinen norwegischen Küstenort. Als Cecilia und ihre Freunde Leo und Une und Unes Hund Egon am Strand einen toten Mann mit einem geheimnisvollen Salamandertattoo auf dem Arm finden, geraten sie in ein Detektivabenteuer voller Nervenkitzel und Gefahr. In ihren Ermittlungen stoßen die vier auf ein unglaubliches Verbrechen, in das einige dubiose Hotelgäste verwickelt zu sein scheinen, und in dem es um ein Schiffswrack und sehr viel Geld geht … Und dann ist da noch der plötzliche Tod von Cecilias Mutter im vorigen Sommer. War es wirklich ein Unfall, oder steckt mehr dahinter?

Jørn Lier Horst war mir bisher nur von den Wisting-Romanen bekannt. Und weil ich neugierig war und Wisting mag habe ich auch den ersten Band seiner Kinderkrimiserie gelesen. Das Buch ist in Norwegen bereits 2012 erschienen, bis 2019 folgten noch zwölf weitere.
Trotz leicht verständlichem Stil bietet Horst einen wirklich spannenden Krimi mit überraschenden Wendungen. Ein bisschen wurde ich an die Bücher von Enid Blyton (5 Freunde, die Abenteuerreihe) erinnert, aber ein Ausflug in die eigene Kindheit und Erinnerungen an die Bücher von damals schadet ja nicht. SCHIFFBRUCH VOR DER FELSENINSEL ist kurzweilige, spannende Unterhaltung mit sympathischen Protagonisten und einem interessanten Umfeld (Norwegens Küste). Leo, seine neuen Freundinnen und Egon, der Hund ... eine Leiche zu beginn und eine Menge (aber doch irgendwie überschaubar) Verdächtiger. Die Kinder betätigen sich als Detektive (mit leicht krimineller Ader) und geraten auch in gefährliche Situationen. Durchaus kindgerecht, aber nichts für schwache Nerven. ABER trotzdem: Empfehlenswert für alle jungen Krimifreunde.
Natürlich werden auch andere Themen angesprochen, immerhin ist es ein Kinderbruch, das zum einen unterhalten will, aber nie langweilen und auch ein bisschen Mut machten will. Und so geht es auch um Verlust und den Umgang damit und dem Entstehen von Freundschaft und der fast schon bedingungslose Zusammenhalt. Manchmal auch für Erwachsene erfrischend ein Kinderbuch zu lesen ...

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Donnerstag, 22. Januar 2026

Sebastian Thiel: Sylt-Legende (Rezension)

Nachdem Kinder eine Schatulle mit dem Siegel der untergegangenen Stadt Rungholt fanden, wird Sylt von mysteriösen Vorfällen heimgesucht. Eine Frau im roten Rock geistert im Wattenmeer umher, alte Wracks tauchen wie aus dem Nichts aus den Fluten auf. Die Vorkommnisse gleichen einer alten Legende, welche die letzten Tage der Insel Strand beschreibt. Wird sich die Nordsee auch Sylt einverleiben? Oberkommissarin Lene Cornelsen ahnt, dass ein Sturm über ihre geliebte Insel hereinbrechen wird. Steht Sylt vor einer Katastrophe ungeahnten Ausmaßes?
Der zweite Fall der Sylter Kommissarin Lene Cornelsen...
Sebastian Thiel spielt hier mit den Legenden um Sylt, Rungholt und der Insel Strand. Dabei muss man mit den entsprechenden Begebenheiten nicht vertraut sein, die Mythen werden perfekt in Szene gesetzt und erklärt. Geheimnisvolle Schätze, ein Unwetter mit Vorzeichen, die auf den Untergang Sylts hinweisen, eine Frau in Rotem Kleid, Glockengeläut... Thiel erschafft eine mytstische Stimmung und beschwört mit einfachen Mitteln eine Atmosphäre des Untergangs. Die Protagonisten sind glaubwürdig (zumindest für den Leser, aber dieser hat einen anderen Blick auf die Dinge als beispielsweise Lenes roboterartiger Vorgesetzter). Manchmal ist die Geschichte etwas vorhersehbar, manchmal wird man etwas im Dunklen gelassen, aber wenn es spannend werden soll, dann ... wird es wirklich spannend. Ich bin kein großer Freund von Küstenkrimis, die wenigen die ich gelesen habe waren meiste her wenig überzeugend. Aber Lene Cornelsen hat es mir angetan. Ein spannender abwechslungsreicher Krimi, der mit den Sylter Legenden und den Vorstellungen/Erwartungen des Lesers spielt. Und das auf wirklich unterhaltsame Weise.
Was meiner Meinung aber gerne kürzer gehalten hätte werden können, waren die Rückblicke in das Jahr 1634 (dem Jahr der Burchardiflut). Das entschleunigte die Geschichte sehr und war für mich der langweiligste Teil ... weglassen oder kürzer wäre mehr gewesen. Aber es soll ja Leute geben, die solche Rückblicke mögen. Wenn sie gelungen sind stören sie mich nicht, hier habe ich wenig Mehrgewinn gesehen. Abgesehen davon: Ein gut geschriebener, sehr unterhaltsamer und spannender Küstenkrimi.

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Google, ChatGPT, Vergleichbares oder Terra X: Atlantis der Nordsee, ZDF-Dokumentation 2010 von Gabriele Wengler, Sandra Papadopoulos informieren über Sylt, Rungholt ....