Freitag, 2. Januar 2026

Maj Sjöwall/Per Wahlöö: Die Tote im Götakanal (Hörbuch)(Rezension)

Roman über ein Verbrechen (schwedisch Roman om ett brott) ist eine zwischen 1965 und 1975 erschienene Roman-Dekalogie des schwedischen Autorenpaars Maj Sjöwall und Per Wahlöö. Die Serie war ein weltweiter Erfolg und wurde mehrfach verfilmt. Als grundlegende Neuerung im Kriminalroman gilt die realistische Darstellung der Ermittlertätigkeit als Zusammenspiel vieler Beteiligter. Bis dahin dominierte die Figur des genialen Einzelermittlers das Genre, so zum Beispiel Sherlock Holmes, Hercule Poirot oder Lord Peter Wimsey.
Hauptfigur der Reihe ist der Polizist Martin Beck, der zunächst Erster Kriminalassistent, dann Kriminalkommissar, später Chef der landesweiten schwedischen Mordkommission (riksmordkommissionen) ist.
DIE TOTE IM GÖTAKANAL ist der erste Band, erschien 1965 im Original (und 1968 als Übersetzung in der BRD, 1981 in der DDR). Seitdem sind mehrere Ausgaben erschienen, übersetzt von verschiedenen Übersetzern. Das Hörbuch basiert auf der Übersetzung von Hedwig M. Binder und wird gesprochen von Günther Harder. Martin Beck war auch Titelfigur in mehreren TV-Serien, die mehr oder weniger lose an den Büchern orientiert sind.
Eine Leiche wird aus dem Götakanal geborgen. Sie kann nur wenige Tage im Schlamm des Schleusenbeckens gelegen haben – noch immer erkennt man, dass die junge Frau dunkelhaarig und hübsch war. Wie die Obduktion ergibt, wurde sie vor ihrem Tod misshandelt. Tatort: unbekannt. Die Kriminalbeamten stehen vor einem absoluten Rätsel, weil niemand die Frau zu vermissen scheint. Nicht einmal ihr Name kann ermittelt werden. Aber Kommissar Martin Beck gibt nicht auf. Und allmählich erwacht die Tote zum Leben ...
Dem Hörbuch voran geht eine "Warnung", die durchaus angebracht ist. Aus heutiger Sicht mögen die Ansichten der Protagonisten etwas überholt sein, aber man muss sich immer vor Augen halten, dass es sich um keinen modernen Krimi handelt, sondern einer, der in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts spielt, und dort auch geschrieben wurde. Das kann man aber tatsächlich leicht vergessen. Durch das Hörbuch wird man in die Vergangenheit gezogen, darf Teil haben an der Ermittlungsarbeit schwedischer Polizisten und auch an ihren Angewohnheiten und Ansichten (wobei ich auch glaube, dass manche Worte durchaus einer moderneren Übersetzung "zum Opfer gefallen sind" und Worte benutzt wurde, die man heute nicht mehr sagen würde und die verstörend wirken könnten). Es handelt sich auch nicht um einen Actionkrimi, es passiert sehr lange nichts, aber trotzdem wird es nie langweilig. Damals hatte man eben andere Schwierigkeiten als heute und wenn man heute mal kurz eine email oder whatsapp schreibt musste man früher zum Telefon greifen und Zeitunterschiede beachten... und die Sprachbarriere. Aber es macht Spaß Martin Beck und seinem Team beim Ermitteln zuzuhören (das macht Günther Mader sehr eindrucksvoll und spannend, selbst wenn er langsame Passagen "zu lesen" hat. Die Charaktere sind interessant, nicht übertrieben zerstört, sondern angenehm normal, mit den Problemen normaler Menschen. Das Privatleben der Ermittler wird weitgehend ignoriert, und wenn es wichtig für die Handlung ist bleibt es angenehm im Hintergrund. Am Ende wird es wirklich spannend und man würde sich wünschen, dass man zuvor mehr vom Täter erfahren hätte, bzw. diesem mehr Platz eingeräumt worden wäre. Mehr kann und will ich dazu nicht sagen, das würde zu viel von der Handlung verraten.
Freunde der neuen Martin Beck Verfilmungen werden hier einen anderen Martin Beck kennen lernen, vor allem einen, der mehr im Fokus des Romans steht, als es bei der Serie der Fall ist. Freunde klassischer Krimis kommen ebenfalls auf ihre Kosten (vor allem wenn man Agatha Christie und andere mit Sjöwall/Wahlöö vergleichen will ...).

DIE TOTE IM GÖTAKANAL bei amazon (AffiliateLink)

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Durch das Kommentieren eines Beitrags auf dieser Seite werden automatisch über Google personenbezogene Daten erhoben. Diese Daten werden ohne Ihre ausdrückliche Zustimmung nicht an Dritte weitergegeben. Weitere Informationen finden Sie in der Datenschutzerklärung. Mit dem Abschicken eines Kommentars wird die Datenschutzerklärung akzeptiert.