Sie sind literarische Legenden. Adrienne Monnier und Sylvia Beach haben mit ihren benachbarten Buchhandlungen über Jahrzehnte das literarische Paris geprägt. Doch 1940, mit der deutschen Besatzung, ändert sich auch für sie alles. Aus der literarischen Oase im Herzen der Stadt wird ein Zufluchtsort für deutsch-jüdische Exilanten und ein Ort des Widerstands. Uwe Neumahr erzählt in seinem bewegenden Buch die Geschichte dieses großen Paares und ihrer Freunde.
In den wilden Zwanzigerjahren sind "Shakespeare and Company" und "Das Haus der Bücherfreunde", die Buchhandlungen von Sylvia Beach und Adrienne Monnier, Anlaufstellen für Schriftsteller, Intellektuelle und Künstler. Hier trifft sich die Avantgarde, von James Joyce und Ernest Hemingway über Pablo Picasso bis zu Jean-Paul Sartre und Simone de Beauvoir. Mit dem Einfall der Deutschen in Frankreich im Mai 1940 aber gerät auch die Literatur in Gefahr. Zu den Besatzern gehört Ernst Jünger, während die amerikanisch-jüdische Schriftstellerin Gertrude Stein sich dem neuen Regime in Vichy anschmiegt. Adrienne Monnier und Sylvia Beach setzen alles daran, ihre Freunde Walter Benjamin, Gisèle Freund, Siegfried Kracauer und manche andere zu retten. Bis Sylvia Beach selbst von der Gestapo abgeholt und in ein Internierungslager gebracht wird. Auf der Grundlage von Archivstudien schildert Uwe Neumahr erstmals dieses dramatische Kapitel aus dem besetzten Paris.
Es ist eine Geschichte von großer Literatur und ihrer Entstehung, von Verfolgung, Gewalt und Menschlichkeit und von der Liebe zweier ganz und gar ungewöhnlicher Frauen.
Sylvia Beach (1887–1962) war eine amerikanische Buchhändlerin, Verlegerin und zentrale Figur der literarischen Avantgarde in Paris. 1919 gründete sie die legendäre englischsprachige Buchhandlung Shakespeare and Company am linken Seineufer, die schnell zu einem Treffpunkt für Schriftsteller der „Lost Generation“ wurde. Beach unterstützte Autoren wie James Joyce, Ernest Hemingway und F. Scott Fitzgerald. Berühmt wurde sie vor allem, weil sie 1922 Joyce’ damals umstrittenen Roman Ulysses veröffentlichte, den kein anderer Verlag drucken wollte. Während der deutschen Besatzung von Paris musste sie ihre Buchhandlung schließen. Ihr Lebenswerk machte sie zu einer Schlüsselfigur der modernen Literaturgeschichte.
Adrienne Monnier (1892–1955) war eine französische Buchhändlerin, Verlegerin und eine zentrale Vermittlerin der literarischen Moderne in Paris. 1915 gründete sie in der Rue de l’Odéon die Buchhandlung La Maison des Amis des Livres, die rasch zu einem bedeutenden Treffpunkt für Schriftsteller, Künstler und Intellektuelle wurde. Monnier förderte Autorinnen und Autoren wie Paul Valéry, André Gide und Jules Romains und organisierte Lesungen sowie literarische Diskussionen. Ihre Buchhandlung stand in enger Verbindung zu Sylvia Beachs Shakespeare and Company. Gemeinsam schufen sie ein einzigartiges Netzwerk zwischen französischer und englischsprachiger Literatur und unterstützten viele Exilautoren während der politisch turbulenten Zeit des 20. Jahrhunderts.
Neumahr erzählt, wie die beiden Buchhändlerinnen mit ihren legendären Buchhandlungen, Shakespeare and Company und Das Haus der Bücherfreunde, nicht nur Treffpunkte für Intellektuelle und Künstler, sondern im Angesicht der deutschen Besatzung Orte der Solidarität und des Widerstands wurden. Als der Zweite Weltkrieg Paris erreicht, verwandeln sich diese literarischen Oasen in Zufluchtsorte für verfolgte deutsch-jüdische Exilanten. Neumahr hat akribisch Archivmaterial und Zeitzeugnisse verwoben. Das Buch zeigt eindrucksvoll, wie stark Literatur, Freundschaft und Mut miteinander verwoben sein können und bietet lebendige Geschichte. Informativ, aber alles andere als trocken ... und durchaus nahegehend.
Leser mit einer Leidenschaft für Literatur, Exilgeschichte und Kulturgeschichte werden voll auf ihre Kosten kommen.
Und vielleicht erlaube ich mir zu erwähnen, dass ich bisher ziemlich ignorant war, was die Literaturszene während der beiden Weltkriege anbelangt. Hätte ich das Buch nicht von C. H. Beck zur Verfügung gestellt bekommen ... ich wäre wohl weiterhin ignorant, aber ... jetzt habe ich ein Thema, das es lohnt weiter zu verfolgen. Ob ich allerdings ULYSSES lesen werde ... ich glaube es ja eher nicht.
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