Dienstag, 9. Juli 2024

Tom Hillenbrand: Hologrammatica (Rezension)

Ende des 21. Jahrhunderts arbeitet der Londoner Galahad Singh als Quästor. Sein Job ist es, verschwundene Personen wiederzufinden. Davon gibt es viele, denn der Klimawandel hat eine Völkerwanderung ausgelöst, neuartige Techniken wie Holonet und Mind Uploading ermöglichen es, die eigene Identität zu wechseln wie ein paar Schuhe. Singh wird beauftragt, die Computerexpertin Juliette Perotte aufzuspüren, die Verschlüsselungen für sogenannte Cogits entwickelte – digitale Gehirne, mithilfe derer man sich in andere Körper hochladen kann. Bald stellt sich heraus, dass Perotte Kontakt zu einem brillanten Programmierer hatte. Gemeinsam waren sie einem großen Geheimnis auf der Spur. Der Programmierer scheint Perotte gekidnappt zu haben. Je tiefer Singh in die Geschichte eintaucht, umso mehr zweifelt er daran, dass sein Gegenspieler ein Mensch ist ...
Ich war mir nicht sicher ob ich HOLOGRAMMATICA lesen sollte ... und das aus mehreren Gründen. Okay... aus zwei Gründen:
1. ScienceFiction ist nicht unbedingt mein Lieblingsgenre und ich bin schon oft von anscheinend interessanten Büchern enttäuscht worden. 2. Ich mag Tom Hillenbrand, zumindest seine Bücher über den luxemburgischen Koch Xavier Kieffer. Bisher habe ich sonst nur DIE ERFINDUNG DES LÄCHELNS gelesen, zwar keine SF, aber ein Buch von TH, das mir nicht gefallen hat.
Ein gewisses Risiko war also gegeben, aber um es kurz zu machen: Ich wurde nicht enttäuscht. Die Mischung aus Krimi und NearFuture hat für mich gut funktioniert und mich ebenso fesseln können wie die Krimis um Xavier Kieffer, auch wenn man Xavier und Galahad nicht vergleichen kann (man könnte, aber die beiden sind doch sehr unterschiedlich .... nur eines haben sie gemeinsam: Sie werden sehr sympathisch dargestellt).
Die Geschichte ist unterhaltsam geschrieben, steckt voll trockenem Wortwitz, Spannung und Coolness. Tom Hillenbrand malt ein Bild unserer Zukunft, das nie übertrieben oder absurd wirkt und durchaus im Bereich des Möglichen sein könnte... vielleicht nicht unbedingt 2088, aber wer kann das schon sagen. Der Leser bekommt ein Glossar zur Verfügung gestellt, aber das ist eigentlich nicht nötig, denn Hillenbrands lebendiger Schreibstil erklärt fast im Vorbeigehen alles was man wissen muss, denn auch Galahad Singh hat nicht den großen technischen Überblick und muss sich so manchen Zusammenhang auf einfache Weise erklären lassen. Und Hillenbrand ergeht sich niemals in endloses technisches Blabla, das seine Visionen erklären würde. Er nimmt es als gegeben hin. Schade, für diejenigen die eher technische SF mögen, aber für mich bot sich ein Krimi mit SF-Elementen, die obwohl wichtig für die Story, nie omnipräsent war. Hier ist die Story wichtiger, und das hat mir gefallen.

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