Sonntag, 12. Dezember 2021

Helena Gäßler: Die Seele eines Spukhauses (Rezension)

Der Schlüssel zu einem Spukhaus ist zu begreifen, dass es eine Seele besitzt. Und lange genug zu überleben, um sie zu heilen. In einer Welt voller Luftschiffe und Dampfmaschinen wirken Geister wie ein lästiges Überbleibsel der Vergangenheit. Als Exorzistin liegt es an Magnolia Feyler, Gebäude von ihrem Spuk zu befreien. Sie versteht die Häuser wie keine andere, erkundet ihre Geschichte und heilt ihre Wunden. Doch alles ändert sich, als sie den größten Auftrag ihrer Karriere annimmt: Shaw Manor, ein Schloss, in dem es seit Jahrzehnten spukt. Magnolia steigt tief hinab in die verwinkelten Gemäuer und die Vergangenheit des Anwesens. Hinab in ein Netz aus Familiengeheimnissen, vergessenem Leid und Maschinen, die ein bedrohliches Eigenleben entwickelt haben. Wird sie den Spuk lüften oder am Ende selbst von den Mauern verschlungen werden?
Spukhausromane verbreiten im Normalfall eine besondere Art der Stimmung. Es sind klassische Horrorgeschichten, die eine schaurige Atmosphäre verursachen und den Leser meist nur eine Gänsehaut über den Rücken laufen lassen. DIE SEELE EINES SPUKHAUSES unterscheidet sich dadurch nicht von anderen Büchern des Genres. Und auch die Zeit, 1862, bietet genug Gelegenheit für eine klassische Gruselgeschichte, die auch in der heutigen Zeit nicht altbacken sein muss.
Und atmosphärisch ist der Roman durchaus gelungen. Das Haus und seine "Bewohner" werden gut beschrieben und sorgen für den entsprechenden Hintergrund. Der Schreibstil ist angenehm und Helena Gäßler kann mit wenigen Worten die entsprechende Stimmung verbreiten. Und trotzdem konnte mich der Roman nicht überzeugen. Und das lag nur an der Hauptperson, Magnolia Feyler. Und da es sonst keine weiteren bedeutsamen Charaktere gab, war dieser "Schwachpunkt" immer gegenwärtig und machte einiges an der stimmungsvollen Umgebung des Hauses zunichte.
Mir kam Magnolia zu überheblich, zu sehr von sich überzeugt und zu stark vor. Es sah für mich so aus, als ob sie die Bedrohung des Hauses nicht ernst nehmen würde und immer alles besser wusste.
Auch fand ich ihre Angewohnheit befremdlich, bei jeder sich bietenden Gelegenheit Tagebuch zu führen. So wirklich fehlte mir der Zugang zu ihr. Und das machte leider auch die Spannung zunichte, denn trotz einiger bedrohlicher Begegnungen, war immer ersichtlich, wer der Gewinner sein würde.
Schade, das Buch war vielversprechend und hatte auch einen interessanten Schauplatz mit einigen für Spukhäusern untypischen "Einrichtungen", aber durch die Hauptperson wurde jegliche Spannung zerstört. Dabei ist die Idee eines Steampunk-Spukhaus-Romans etwas, das man nicht so oft zu lesen bekommt (wenn überhaupt, bisher ist mir noch nichts Vergleichbares untergekommen)
EIn vielversprechendes Buch, das leider nicht hält, was es verspricht.

1 Kommentar:

  1. Hi Martin!

    Sehr schade dass es durch die Protagonistin für dich nicht das gehalten hat, was du dir erhoffst hast!
    Ich hab zu dem Buch bisher erst 2-3 Rezensionen gesehen, die aber eher begeistert waren und mir das Buch schon recht schmackhaft gemacht haben, muss ich sagen :)

    Ich habs jedenfalls mal auf die Wunschliste gepackt, mal sehen, wann es einziehen darf ^^

    Liebste Grüße, Aleshanee

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