Dienstag, 12. Mai 2026

Sebastian Hotz: Sidekick (Rezension)

Nach Jahrzehnten der TV-Geschichte ist es so weit: Der legendäre Showmaster Falk Anders kündigt seinen Ruhestand an. In unzähligen Sendungen hat er »dem Land den Puls gefühlt«, die Grenzen von Komik und gutem Geschmack ausgetestet und darüber entschieden, wer mitlachen darf und über wen gelacht wird – Letzteres war oft genug: Boris.
Als Sidekick, stets unterlegener Sparringspartner und Trottel vom Dienst blickt Boris auf eine spezielle Karriere im Rampenlicht zurück – aber war es eine, die ihn auf den frei werdenden Chefposten führt? Programmchefin Marianne hat ganz andere Pläne: Auf Falk Anders wird die Influencerin Sara Massoudi folgen, neue Reichweiten, neue Zielgruppen. Oder wird es alles ganz anders kommen?
Plötzlich findet sich Boris im Bentley seines ehemaligen Chefs wieder, irgendwo in den Weiten des deutschen Autobahnnetzes; im Kofferraum eine kostbare Fracht und am Telefon die Programmchefin. Es entspinnt sich ein dramatisches und absurdes Kammerspiel – unter den Augen der Öffentlichkeit.

"Sebastian Hotz' zweiter Roman ist ein gekonntes Spiel mit »kultigen« TV-Figuren und den Kulturkämpfen unserer Gegenwart – eine Mediensatire als Roadmovie, in der Ähnlichkeiten mit realen Personen selbstverständlich rein zufällig sind."
Sebastain Hotz, aka El Hotzo, ist ein deutscher Satiriker, Gagautor und Podcaster. Und ... war mir bisher vollkommen unbekannt (was aber auch nichts aussagt). Sein erster Roman, MINDSET, hat größtenteils gute Kritiken bekommen ist aber an mir vollkomme vorbei gegangen (was anhand der Fülle von Büchern nicht verwunderlich ist). SIDEKICK ist sein zweiter Roman, und was den Inhalt betrifft, so hat mich das sofort gecatcht. Ich habe mir ein skurriles Roadmovie mit Seitenhiebe auf die deutsche Medienlandschaft erhofft. Und ja, teilweise wurden meine Erwartungen befriedigt. Generell lässt sich in SIDEKICK so manche Größe aus der deutschen TV-Landschaft erkennen oder erahnen (bei manchen hat man auch das Gefühl sie sind eine Mischung aus mehreren Persönlichkeiten, aber zumindest macht es Spaß Parallelen zu erkennen). Sebastians Schreibstil ist sehr angenehm und leicht zu lesen, man ist schnell in der Handlung und lässt sich einfach mittreiben. und ja, am Anfang ist alles auch ein großer Spaß (für den Leser). Eine abgedrehte Roadmovie-Komödie beginnt, doch bald ist (leider) das Pulver verschossen. Sobald der Sender eingreift wird das ganze (für den Leser) plötzlich nicht mehr wirklich spannend. Dabei hätte die Geschichte viel Potential, das in meinen Augen eine andere Richtung als gewünscht/erhofft einnimmt. Über die Entwicklung die Boris widerfährt will ich nicht eingehen, diese sind essentiell für den Roman, aber soviel sei gesagt: Es ist schade, dass er nicht über sich hinauswächst. Das hätte in meinen Augen ein großer Spaß sein können, aber so ... am Anfang war ich regelrecht begeistert, die Darstellung der Charaktere (sehr gelungen), die Ausgangssituation (nicht selten im TV), diverse Überlegungen eine erfolgreiche Show fortzusetzen oder zu ersetzen (kennt man auch, und dass der Sidekick eine gut laufende Show übernimmt ... ich kenne keine, bei der das vorkommt, oder ich habe es verdrängt) ... alles nachvollziehbar, und trotz leichter Absurditäten, durchaus authentisch. Da war großes zu erwarten ... aber dann scheint es so als würde El Hotzo sein Pulver verschossen zu haben. Am Anfang war der Roman noch strukturiert, danach verlor er sich etwas und wirkte etwas chaotisch zusammengestöpselt. Wie eine TV-Show, der das Drehbuch fehlt (kann man sich ansehen, muss man nicht und in Buchform funktioniert es nicht, da sollte der Autor schon wissen wohin er möchte). Und das Ende selbst war auch nicht wirklich überzeugend. Vor allem die Nachwirkungen nach der Beendigung der Entführung (es dürfte ja wohl kaum jemanden überraschen, dass diese ein Ende finden muss) fühlten sich zäh an, auch wenn ich einräume, dass das durchaus eine realistische Darstellung ist. Ja, es gibt ein paar witzige Szenen (Falk und Boris als Hochzeitscrasher oder im Baumarkt), witzige Kommentare aus den sozialen Medien (das was man halt so liest wenn man dort umtriebig ist), aber nach einem starken Anfang hat man das Gefühl, dass der Autor nicht mehr wusste wie er sein Buch zu Ende bringen soll.
Schade, das Buch klang doch sehr vielversprechend.

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