Mittwoch, 9. September 2020

Shirley Jackson: Wir haben schon immer im Schloss gelebt (Rezension)

Merricat lebt am Rande eines Dorfes im Schloss der Familie Blackwood, nur in Gesellschaft ihrer Schwester Constance und dem wunderlichen Onkel Julian, der an den Rollstuhl gefesselt ist. Alle anderen Familienmitglieder wurden vergiftet. Merricat liebt die Ruhe im Schloss. Aber seit Constance vor Gericht freigesprochen wurde, den Rest der Familie ermordet zu haben, lässt die Welt den Blackwoods keinen Frieden mehr. Und als Cousin Charles auftaucht, voller falschem Getue und dem verzweifelten Bedürfnis, an den Inhalt des Familiensafes zu kommen, muss Merricat alles in ihrer Macht Stehende tun, um das Schloss und seine Bewohner vor Schaden zu schützen …
Wir haben schon immer im Schloss gelebt ist ein beispiel für einen sehr subtilen Horrorroman. Shirley Jackson baut eine Stimmung auf, die sehr an den Nerven zieht. Ständig erwartet man das Grauen um die Ecke kommen oder dass etwas Überraschendes passiert. Aber ... die Spannung ist teilweise unerträglich. Die Protagonisten sind merkwürdig, manchmal ist man sich nicht sicher, ob es Geister sind, aber dann kommen Einflüsse von Außerhalb (Dorfbewohner, Cousin Charles) und man merkt, dass die Bewohner des Hauses nur merkwürdig sind.
Sehr spät erfährt man das Verbrechen, das sich im Haus zugetan hat und erst am Schluss merkt man, dass man vor lauter subtilen Horrorelementen gar keinen echten Horror geboten bekam. Keine Monster, keine seltsamen Erscheinungen ...
Und genau das macht den reiz dieses Romans aus. Spannend bis zum Schluss und das auf ungewöhnliche Weise.
Die Handlung ist nur nebensächlich, es ist die Atmosphäre, die dem Roman Leben einhaucht.

Und ich kann mir nicht vorstellen, wie man das als Film umsetzen kann (oder als Musical, und beides gibt es, neben einem Theaterstück, aber gesehen habe ich nichts davon ... ich weiß auch nicht, ob ich das will)

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