Mittwoch, 27. November 2019

Edmund Crispin: Der wandernde Spielzeugladen (Rezension)

Ein Spielzeugladen löst sich in Luft auf.
England im Herbst 1938. Um seine Schreibblockade zu lösen, begibt sich der Lyriker Richard Cardogan nach Oxford. Kaum in der Universitätsstadt angekommen, ist ihm die exakte Adresse seiner Unterkunft entfallen. So stolpert er prompt in einen Spielzeugladen und darin über die Leiche einer Frau. Bevor er auch nur einen klaren Gedanken fassen kann, trifft ihn ein Schlag auf den Hinterkopf und er findet sich am folgenden Tag auf dem Boden des Lagerraums wieder. Dort muss er feststellen, dass die Leiche spurlos verschwunden ist und der Laden sich obendrein unerklärlicherweise in ein Lebensmittelgeschäft verwandelt hat. Die Polizei hält ihn für einen Spinner und so kann ihm nur noch sein alter Freund, Oxford-Professor Gervase Fen, helfen.
"Der wandernde Spielzeugladen" ist der dritte der Gervase Fen-Reihe, der dritte, den ich auch gelesen habe und anscheinend der berühmteste Roman von Edmund Crispin (aber das kann ich nicht beurteilen, ich kenne Gervase Fen und seinen Autor erst seit Kurzem).
Von den mir bisher bekanntesten ist das auch der amüsanteste.
Inhalt und Sprache versprühen aber einen nostalgischen, leicht antiquierten Charme. Die Personen, egal ob Ermittler, Verdächtige oder tatsächliche Täter zeigen sich oft von einer unnatürlichen Naivität  und oft hat man das Gefühl, dass man sich in einer chaotischen Schnitzeljagd befindet, die man aus den alten Charlie Chaplin und Co-Filmen.
Aber, das macht wohl den Reiz an Gervase Fen aus, der sich nicht immer sehr ernst nimmt (oder sehr ernst, je nach Gelegenheit).
Der eigentliche Kriminalfall ist nicht uninteressant, aber gerät oft durch die Kabbeleien der Aktuere in den Hintergrund. Dabei spielen nicht unwesentlich (und manchmal trotzdem total sinnfreie) literarische Zitate eine Rolle, aber das ist nicht weiter verwunderlich, wenn Englisch-Professoren und Dichter aufeinander treffen,.
Die Limericks von Edward Lear dienen schließlich wenig verwunderlich (aber vielleicht von Anfang an etwas an den Haaren herbeigezogen) als Schlüssel zur Lösung des Falles.

Ich habe mich köstlich amüsiert, ein Krimi, der nah am Slapstick vorbeischrammt, aber nicht ins Lächerliche gerät. Die passende Mischung von Nostalgie und ein bisschen Spannung.
Wer ernste klassische Krimis mag, der wird wohl kaum Freude am wandernden Spielzeugladen haben, wer das Genre aber nicht ganz so ernst nimmt und gerne eine Reise in die Vergangenheit unternehmen will, wird sein Vergnügen finden.
Und natürlich wie auch in den beiden Vorgängern, spielt der zweite Weltkrieg nur eine untergeordnete Rolle.

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