Samstag, 12. Oktober 2019

J. J. Preyer: Sherlock Holmes und das Geheimnis der Mrs. Hudson (Rezension)

Etwas stimmt nicht mit Mrs Hudson, der Hauswirtin von Sherlock Holmes und Dr. Watson.
Sie verbrennt den Frühstücksspeck, versalzt das Essen und – ja, so peinlich es ist, es zu erwähnen – sie trinkt heimlich. 
Holmes muss das Geheimnis um Mrs Hudson lösen, das mit einem Giftmord, einem pornographischen Buch und einem mysteriösen Gasthaus an der Themse zu tun hat, unterstützt von seinem treuen Freund Watson.
Auch wenn Arthur Conan Doyle tot ist, so lebt seine Schöpfung Sherlock Holmes weiter und zahlreiche Autoren haben eigene Geschichten um den Meisterdetektiv geschaffen und lassen ihn so weiterleben.
(Fernsehserien und Spielfilme helfen ebenso dabei die Unsterblichkeit Holmes zu festigen, das aber nur nebenbei bemerkt).
Sherlock Holmes und das Geheimnis der Mrs Hudson stellt nun, wie es der Titel vermuten lässt, Holmes Haushälterin Mrs Hudson in den Focus eines Kriminalfalls. Es gibt einige interessante Ansätze aber leider versagt der Autor bereits zu beginn des Roman, und das hat nichts mit der Handlung oder den Personen zu tun.
Sherlock Holmes Geschichten (sowohl jene von Arthur Conan Doyle als auch alle anderen bisher mir bekannten von anderen Autoren) werden immer aus der Sicht von Dr Watson erzählt. Dabei wird ein interessantes Bild auf den Detektiv geworfen und zudem erhält der Leser (vor allem in den eueren Romanen) einen tieferen Einblick in Dr. Watsons Gedanken.
Das Geheimnis der Mrs Hudson bildet die Ausnahme, da Watson nicht der Erzähler ist. Dadurch geht meiner Meinung nach aber Holmes-Feeling verloren und ich hatte Schwierigkeiten mich in die Geschichte einzufinden. Auch wenn man Redewendungen und Verhaltensweisen von Holmes und Watson erkennen konnte (und beide auch gut charakterisiert wurden) so liegt mit diesem Roman kein klassischer Holmes-Roman vor.
Zusätzlich hätte ich mir einen größeren Skandal erwartet. Da wird einem die Handlung im Klappentext durch ein pornografisches Buch schmackhaft gemacht und dann ... wird das verwerfliche für das puristische viktorianische Zeitalter zu leicht akzeptiert. Es mag eine wichtige Rolle in diesem Kriminalfall spielen, aber ... die Umsetzung war dann zu seicht, bzw. zu wenig skandalös.

Nun ja, der Roman enthält gute Ansätze, einige interessante Ansätze aber nicht über all wo Sherlock Holmes drauf steht ist auch Sherlock Holmes drin. Ich hätte mehr erwartet und war enttäuscht. Chance vertan einen wirklich interessanten, skandalösen, spannenden Holmes-Roman zu schreiben. Watson als Erzähler mundtot zu machen ist keine gute Idee.

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